Flippsi und Flappsi – eine Fabel

Es war einmal ein Mäusemädchen, eigentlich eine süße kleine Mäusedame, niedlich, lebendig und sehr schön. Sie saß eines Tages auf einem Stein und betrachtete ihre Welt. Viel gab es da zu bewundern: Gräser, bunte Blumen, einen kleinen Bach, einen Hügel mit Büschen und Bäumen. Sie hörte die Vögel zwitschern und freute sich an dem Spiel der Wolken, die am Himmel ihre Bahn zogen. Ihre Freundin, die liebe Sonne, machte die ganze Welt heiter und wärmte Flippsi auf ihrem Stein.

Da schob sich plötzlich eine dicke, dunkle Wolke vor die Sonne. Schatten legten sich über alles und Flippsi wurde es trotz des dichten Mäusefells kühl. Sie konnte sich auf einmal gar nicht mehr so richtig freuen. Als hätte sich Dunkelheit auch über ihre zarte Seele gelegt, begann sie über ihr bisheriges Leben und all die Wünsche nachzudenken, die sich noch nicht erfüllten. Eigentlich, dachte sie, führe ich gar kein schönes Mäuseleben, denn ich bin allein. Andere Mäuse sind verheiratet, haben eine Wohnung und Kinder. Sie spürte deutlich, wie sehr sie sich nach einem hübschen, starken Mann und lieben Kindern sehnte. Da wurde Flippsi sehr traurig: Die Blumen waren nun nicht mehr so schön, der kleine Bach plätscherte weniger lieblich. Sogar die Bäume und Büsche schienen sich im Schatten ein wenig zu ducken und die Sonne hinter den Wolken hielt ihre wärmende Kraft zurück. Flippsi ging alles so sehr zu Herzen, dass sie schrecklich weinen musste. Tränen tropften ihr ins Mäusefell, als sie bemerkte, von niemand geliebt zu sein. Lange saß sie, ganz in sich zusammen gekauert, auf ihrem Stein und verbarg ihr Gesicht in den Pfoten. Schließlich wurde Flippsi aber sehr ärgerlich, denn sie bemerkte plötzlich: »das Weinen hilft ja gar nicht!« Und als eine Schwalbe herbeiflog und sie voll Mitleid am Schwanz zupfte, kam ihr die Idee: Wenn sie sogar eine kleine Schwalbe ein wenig lieb habe, dann finde sie sicher auch noch einen lieben Mäusemann. Auf einmal wich die ganze Trauer von ihr. Und ganz aufgeregt, überlegte sie weiter. Einen lieben Mann bekomme sie doch wohl eher dann, wenn ich nicht mehr traurig wäre und mich recht hübsch machte:

So schnell ihre kleinen Mäusebeine sie trugen, lief sie hinunter zum Bach. Ihr Spiegelbild im Wasser wollte ihr aber gar nicht gefallen.»Du siehst ja wirklich zum Heulen aus, Flippsi«, sagte sie zu sich selbst und »Das soll aber nun anders werden! « Und sie machte etwas, was Menschenkinder manchmal gar nicht so sehr mögen. Sie wusch sich so gründlich, dass es eine Freude war, ihr zu zuschauen: Sie wusch sich das Gesicht, die Beine, den Bauch und den Rücken, sogar den lieblichen Mäuseschwanz und den Mäusepopo. Dann eilte sie wieder schnurstracks zu ihrem Stein und ließ sich vom Wind und der Sonne, die wieder hinter den Wolken hervortrat, behaglich das Fell trocknen. Ei, war da Flippsi schön an zusehen: Ihr Fell glänzte in der Sonne. Sie konnte sich wieder an dem schönen Tag freuen und saß recht vergnügt und zufrieden auf ihrem Stein. Gedanken verloren wanderte ihr Blick den kleinen Weg am Bächlein entlang. Es schien in der Ferne nur noch ein kleiner Sprung zu sein, bis zur wärmenden Sonne. Sie überlegte ernstlich, die liebe Sonne zu bitten, dass sie Flippsi einmal Huckepack nehmen sollte. Dann nahm sie aber wieder Abschied von dieser Idee, denn jetzt, da es ihr wieder gut ging, wollte sie es nicht riskieren, sich das schöne Fell zu verbrennen.

Aber was war denn das? Da kam doch -wie ein Bote der lieben Sonne- ein Mäusemann des Weges. Es war Flappsi, der da entlang des Baches einen Trainingslauf machte. Er war stark und schön anzusehen, und konnte so gut rennen, dass der Staub wie eine kleine Wolke hinter ihm aufwirbelte. Ihr sollt wissen: Die Mäuse haben von Kindheit an großen Spaß sich zu bewegen, zu rennen und sich zu verstecken. Das ist wichtig für sie, um sich vor den Katzen zu schützen. Und Flappsi war ein besonderer Mäusemann, der gern seine Muskeln spielen ließ, ja manchmal sogar dazu neigte, vor anderen Mäusen mit seiner Kraft zu protzen. Wenn er aber nicht gerade, wie jetzt, hart trainierte, konnte er auch ganz gemütlich und faul herumliegen. Jetzt aber war ihm offensichtlich nach Rennen zumute. Er keuchte und schwitzte dabei und bekam vor Anstrengung eine ganz rote Nase. Er schien für nichts anderes Interesse zu haben.

Da sah er, wie ein Geschenk des Himmels, plötzlich Flippsi in der Sonne auf ihrem Stein sitzen. Aus vollem Lauf blieb er wie angewurzelt stehen, und konnte sich nicht genug satt sehen an dieser hübschen Mäusedame. Wahrlich, Flappsi hatte schon manchem Mäusemädchen den Hof gemacht. Flippsi strahlte ihn aber so betörend an, dass Flappsi alle Bedenken beiseite schob und es wagte, die Mäusedame mit einer leichten Verbeugung artig zu begrüßen. Er hatte auf einmal gar keine Lust mehr, alleine am Bach entlang zu laufen. »Hallo! «, sagte er: » Ich bin Flappsi und finde, Du siehst gut aus! « »Hallo! «, sagte Flippsi, ohne sich allzu sehr zu zieren: »Ich heiße Flippsi, »Du siehst auch ganz gut aus! Willst Du Dich nicht ein wenig zu mir setzen? Wir könnten zusammen plaudern«. Sie dachte: Einen so tollen, starken Mäusemann habe ich selten gesehen.

Flappsi nahm das Angebot an und setzte sich neben der Mäusedame auf den Stein. Sie erzählten sich so dies und das, was einen Mäusemann und eine Mäusedame das Jahr über beschäftigt. Die Sonne schien plötzlich wieder wärmer zu strahlen, die Vögelein lieblicher zu zwitschern, der Hügel und die Büsche standen wieder in saftigem Grün und sogar das Bächlein schien in Freude lauter als zuvor zu plätschern. Flippsi und Flappsi waren auf einmal sehr verliebt. Sie streichelten sich und gaben sich sogar ein Küsschen. Wenn ich einmal heiraten sollte, dachte Flappsi, dann müsste meine Mäusefrau so aussehen, wie Flippsi. Und Flippsi dachte: Einen so schönen, starken Mann wie Flappsi, würde ich auf der Stelle heiraten. Nun nahm Flappsi seinen ganzen Mut zusammen und sah Flippsi so liebevoll an, dass diese ihr Mäusegesicht ein wenig zur Seite bog und gestand ihr: »ich finde Dich, Flippsi, wunderschön. Willst Du meine Frau werden und mich heiraten? « Flippsi fühlte ihr Herz bis ins Mäuseschwänzchen pochen und sagte ganz glücklich: »Auch Du gefällst mir. Einen Mann wie Dich, habe ich mir immer gewünscht«. Sie nahmen sich in die Arme und keine der Wolken am Himmel traute sich in diesem Augenblick, die Sonne zu verdecken, um dem Glück der beiden Mäuschen nicht im Wege zu stehen. Der Abschied tat nicht weh, denn sie würden sich ja wieder sehen.Froh eilten die beiden nach Hause zu ihren Eltern und verkündeten ihnen die große Neuigkeit. Und wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Kunde, dass bald eine große Mäusehochzeit gefeiert werde. Viel gab es nun zu tun, bis alles vorbereitet war. Denn auch Mäuse verstehen sich darauf, Feste zu feiern. Nachdem alles vorbereitet war, wurden Einladungskarten mit der Mäusepost versandt. Darauf stand geschrieben: »Wir laden Euch herzlich zu unserer Mäusehochzeit am nächsten Sonntag ein! Eure Flippsi und Flappsi«.

Und dann kam der große Tag: In einer kleinen weißen Mäusekutsche fuhren die Brautleute und deren Eltern zur Kirche. Flippsi trug ein wunderschönes, weißes Brautkleid mit einer großen Schleppe. Flappsi hatte sich als Bräutigam besonders chic gekleidet. Alle eingeladenen Mäuse und die vielen Tiere, die als Zaungäste neugierig herbei gekommen waren, klatschten Beifall. In der Mäusekirche hatte sich der Pastor auf eine feierliche Trauung eingestellt und einige Musiker eingeladen. Die Mäuseeltern und Verwandten nahmen in den ersten Reihen Platz, rückten ihre Festtagskleider zurecht und lauschten ergriffen der schönen Musik. Der Pastor hielt eine tiefsinnige Predigt über Liebe und Treue. Heimlich wischten sich die Mäusemütter Tränen der Rührung ab. Selbst die Mäuseväter hätten fast geweint, wenn ihnen nicht gerade noch eingefallen wäre, dass sie das ja nur sehr selten tun. So schauten sie in ihrer stillen Würde der Trauung nur ein wenig hilflos und verknittert zu. Der Pastor steckte dem Brautpaar die Ringe an und segnete das Paar und alle Anwesenden. Die Orgel spielte noch einmal recht feierlich zum Auszug. Alle Verwandten, Freunde und deren Kinder, die sich am Portal aufgestellt hatten, spendeten Beifall. Die Vögel setzten sich auf das Gebälk unter dem Vordach der Kirche und zwitscherten im Chor ein wunderschönes Lied. Hinter der Brautkutsche fuhren alle geladenen Gäste in Blumen bekränzten Gespannen zum großen Festschmaus in´s Mäusegasthaus.Es gab ein leckeres Hochzeitsessen: Saft für die Kinder, und Wein für die Großen. Danach wurden Eis und Kuchen serviert und die Musik spielte zum Tanz auf. Flippsi und Flappsi eröffneten den Hochzeitstanz und gaben sich vor allen Gästen einen Kuss. War das ein Singen, Tanzen und Scherzen. Man sagt heute noch, dies sei eine der schönsten Mäusehochzeiten gewesen, die es je gegeben hat.

Flappsi nahm anschließend seine junge Frau bei der Hand und ging mit ihr zur neuen Wohnung. Er hatte ja zur Überraschung seiner Frau, das Mäuseloch ganz besonders fein einrichten lassen. Bei der Wohnung angekommen, nahm er sie auf die Arme und trug sie -wie sich das auch bei Mäusen gehört- über die Schwelle in´s Mäuseloch. Flippsi konnte sich nicht satt sehen an all den schönen Sachen: Im Flur gab es eine hübsche Garderobe mit einem großen Spiegel. In der Küche befanden sich in weißen Schränken klitzekleine Tellerchen, Tassen, Töpfe und Pfannen. Es gab auch einen Kasten mit Gabeln und Messern. Sogar – Ihr werdet es kaum glauben- eine Spülmaschine stand da, damit Flappsi nicht selbst Geschirr spülen musste. Im Esszimmer gab es ein kleines Sofa, Schränke für das Geschirr und ein Tisch mit Stühlen. Zur Feier des Tages hatte Flappsi auch rote Rosen nicht vergessen, und sie in einer schönen Vase auf dem Tisch gestellt. Das Wohnzimmer war mit Bücherschränken, Tisch, Sesseln und einem großen Sofa ausgestattet. Sogar einen Fernseher hatte Flappsi besorgt, obwohl Mäuse eigentlich wenig Zeit zum Fernsehen haben. Im Schlafzimmer standen Betten und ein Schrank mit Wäsche. Sogar ein Mäusebad und eine Mäusetoilette gab es.

Glücklich und zufrieden lebte das Paar hier lange Zeit. Flappsi sorgte dafür, dass genügend Nahrung ins Haus kam. Flippsi verwöhnte ihren Mann mit gutem Essen und hielt das Mäuseloch in Ordnung. Denn auch Mäuseltern haben es gern, wenn die Wohnung ab und zu wieder einmal aufgeräumt ist. Als einige Monde ins Land gegangen waren, stellte sich bei Flippsi und Flappsi Nachwuchs ein. Drei Mäusekinder wurden geboren. Das war ein Leben in der Mäusewohnung. Flippsi klagte nun öfters, dass es hier nun wirklich zu eng würde und dass man mit drei Kindern ein größeres Mauseloch benötige. Flappsi hatte sich aber so an die alte Wohnung gewöhnt, dass er sie gar nicht mehr aufgeben wollte. Er half nun auch im Haushalt mit, fütterte die Mäusekinder, wusch sie und brachte sie zu Bett.

Die drei Mäusekinder wuchsen heran und wurden immer frecher. Bald hielt es sie nicht mehr im Mäuseloch und Flippsi mußte ihnen erklären, wie es draußen in der Welt zugehe. Sie ermahnte immer häufiger ihre Kinder und sprach: »Passt gut auf, passt gut auf, wenn ihr draußen vor dem Mäuseloch spielt, denn da schleichen auf samtenen Pfoten der Kater Mautze und die Katze Mietze herum und die fressen mit Vorliebe kleine Mäusekinder!« Wenn ich die Katzen sehe, dann rufe ich: » piep, piep, piep! Kommt dann schnell, kribbele, krabbele in´s Mauseloch hinein, damit Euch kein Leid geschieht«! Und eines schönen Tages, als die Mäuslein wieder einmal sorglos vor dem Mauseloch in der Sonne spielten, schlich tatsächlich der Kater Mautze auf leisen Sohlen heran. Er leckte sich in Erwartung der feinen Speise den Mund und duckte sich zum Sprung, um die Mäusekinder zu fangen und zu fressen. Aber Flippsi hatte wie ein Schießhund aufgepasst: »Piep, piep, piep! « warnte sie ihre Kinder. Und wie der Blitz flüchteten sie, kribbele, krabbele ins sichere Mauseloch. Der Kater Mautze aber schlich enttäuscht von dannen, denn er konnte keines von ihnen fangen und fressen. Und wenn die Mäuslein nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Die Handtasche

 

Nach längerem Abwägen, fällt die Entscheidung: Sie wünscht sich zum Geburtstag eine neue Handtasche. Das war geschafft! Ich erkläre mich unvorsichtigerweise bereit, sie zum Einkauf in die Stadt zu begleiten. Erwartungsvoll sitzen wir in der Regionalbahn. Wie üblich, sind wir an diesem Tag nicht die einzigen Kauflustigen, bahnen uns den Weg durch die Menge und steuern das Ziel, ein großes Kaufhaus an.

Ich kenne das Kaufhaus von verschiedenen Besuchen. Meine Frau und die Töchter, fühlen sich im Unterschied zu mir in solcher Umgebung pudelwohl. Es scheint sie keineswegs zu ermüden, beutegierig durch alle Abteilungen der verschiedenen Etagen zu streifen, um die angebotenen Waren nach Mode, Qualität und Preis zu prüfen. Stets auf dem Sprung zum nächsten Artikel oder einem »Schnäppchen«, steht ihnen das Jagdfieber ins Gesicht geschrieben. Gewöhnlich suche ich mir bei derlei Unternehmungen einen Stuhl, um abzuwarten, bis mir ein »Fundstück« zur Beurteilung vorgelegt wird.

In derlei Situationen empfiehlt es sich, nicht zu bezweifeln, dass die Damen selbst am Besten in der Lage sind, Nutzen und Kosten ihrer Auswahl einzuschätzen. Und sollte sich in mir manchmal die Idee entwickeln, als Mann auch erkennen zu können, was einer Frau gut zu Gesicht steht, unterdrücke ich umgehend derlei wenig hilfreiche Gedankenspiele.  Erfahrungsgemäß führt das ja nur dazu, dass meine Damen im besten Falle einen von mir vorgeschlagen Gegenstand mit deutlich geringschätzigen Blicken in die Hand nehmen, um ihn nach kurzer Prüfung wieder ins Regal zurück zu legen.

Die gutgemeinte Absicht, meine Frau zu begleiten, um sie durch mein Interesse am Einkauf zu erfreuen, war an diesem Tag so dominant, dass ich mich nicht mehr an frühere, enttäuschende Erlebnisse zu erinnern vermochte, die zu einer längeren Einkaufsabstinenz meinerseits führten. Zudem war ich mir einigermaßen sicher, in der Obhut meiner Frau bei Laune zu bleiben und in dem riesigen Kaufhaus nicht verloren zu gehen. Als geheime Notfallplanung beabsichtigte ich, mich gegebenenfalls in das Restaurant zurück zu ziehen, um dort abzuwarten, bis die unbändige Kauflust meiner Frau abgeklungen ist. So gewappnet, schaue ich dem weiteren Verlauf des Einkaufs relativ gelassen entgegen.

Wir beginnen das Unternehmen „Handtaschenkauf“, strategisch nachvollziehbar, im obersten Stockwerk: An den unmöglichsten Plätzen und Verstecken, gibt es in dieser Abteilung eine reichliche Auswahl verschiedener Handtaschen, in allen nur erdenklichen Farben und Größen. Ich folge meiner Frau in sicherem Abstand, um nicht aufdringlich zu erscheinen und sie nicht aus den Augen zu verlieren. Sie geht mit frischem Elan zielstrebig auf die ersten Taschen zu, wiegt sie in der Hand, prüft das Leder und die Einteilung, hängt sie sich probeweise links, dann rechts über die Schulter, tritt prüfend vor den nächsten Spiegel, um sie der Reihe nach dann wieder in die Regale zurück zu stellen. Nach einiger Zeit haben wir auf diese Weise das oberste Geschoß ineffektiv durchforstet.

Mit ungebrochenem Jagdfieber begeben wir uns auf Beutesuche im dritten Obergeschoss: Das Angebot ist verblüffend vielfältig. Taschen über Taschen stehen in größeren und kleineren Regalen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Taschen gesehen. Es entwickelt sich in mir die abstruse Vorstellung, dass es nicht genügend Frauen geben könnte, um sie alle zu kaufen. Möglicherweise kann dies aber nur einem Mann einfallen. Meine Frau hingegen schreitet wieder kurz entschlossen auf die Taschen zu: große und kleine, rote und braune, schwarze und weiße, Einkaufstaschen und auserlesene Objekte für die »Dame von Welt«. Es mögen an die hundert Taschen gewesen sein, die sie prüfte, um sie dann wieder an ihren Platz zu stellen.

Meine Enttäuschung hält sich immer noch in Grenzen. Ich betrachte es aber als meine fürsorgliche Aufgabe, warnend darauf hinzuweisen, dass es kaum ein anderes Geschäft in dieser Stadt gebe, das ein ähnlich umfangreiches Taschen-Sortiment anböte. Sie möge daher die Hoffnung nicht aufgeben, fündig zu werden. Dieses Hinweises hätte es nicht bedurft, denn wir befinden uns mittlerweile im zweiten Obergeschoß. Und wie es das Schicksal will: Es gibt Taschen in allen Variationen. Mir sind ähnliche Objekte in dieser Reichhaltigkeit früher gar nie aufgefallen. Wo hatte ich bloß meine Augen? Wir nehmen wieder mit Regalen Kontakt auf, längere, kürzere, hohe und niedrige, alle prall gefüllt mit Taschen. Mich überkommt ein erstes Schwächegefühl und ich setze mich auf einen der Stühle in der Nähe meiner Frau. Wenn ich gelegentlich bemerke, dass sie eine Tasche besonders ausgiebig betrachtet, erhebe ich mich, um sie mit einem vorsichtigen Rat beim Kauf zu unterstützen. In der Regel bedarf es einer solchen Schützenhilfe nicht, denn wenn ich es wage, eine Tasche chic zu finden, kann ich nahezu sicher sein, dass sie unweigerlich ins Regal zurück wandert.

Es überrascht mich nicht mehr sonderlich, auch im ersten Obergeschoss reichlich Taschen zu sehen. Innerlich seufze ich bereits: » Nichts als Taschen, wo soll das noch enden? « Zusehends nähere ich mich der Belastungsgrenze. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich dabei, die Taschen schon doppelt zu sehen. Die Taktik meiner Frau bei der Wahl eines Objekts, scheint mir inzwischen ausreichend klar: Tasche anschauen, Einteilung und Leder prüfen, Farbe auf sich wirken lassen, gelegentlich Tasche links, dann rechts umhängen, vor den Spiegel treten, die Tasche wieder in´s Regal zurück stellen.

Langsam dämmert es mir, sie könne möglicherweise gar nicht so recht wissen, was sie kaufen will. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass sie diese Tatsache irgendwie störe. Eher beginne ich mich selber ein wenig verlassen zu fühlen. Sie scheint nur noch Augen für Taschen zu haben. Stellen Sie sich einmal vor, zu welchen ehelichen Belastungen es führte, wenn ich über diesen Zustand klagte. Ein guter Engel und langjährige Erfahrungen mit Frau und Töchtern, bewahrt mich vor solchem Missgeschick. Ich trabe daher, etwas verdrossen, stumm wie ein Fisch, hinter meiner Frau her.

Es geht noch ein Stockwerk tiefer. Ich glaube, mich trifft der Schlag! Da ist sie, »die Spezialabteilung für Damentaschen«. Ich nehme alle Kräfte zusammen, um mit meiner Frau -wie zu erwarten, ineffektiv- noch einige Regale nach der Methode: Anschauen und Zurückstellen, nach einer geeigneten Tasche durch zu stöbern. Dann gebe ich mich geschlagen und sage: » Ich kann nicht mehr; ich brauche frische Luft! « Ein etwas überrascht, enttäuscht-kritischer Augenaufschlag meiner Frau ist die Antwort. Dann großzügig, als litten Männer chronisch beim Einkauf unter Konditionsschwierigkeiten, die Absolution mit der Frage: » wo treffen wir uns? « Ich kenne nur das Cafe in der Nähe des Schlossplatzes. Wir vereinbaren, uns dort zu treffen.

Mit raschen Schritten verlasse ich das Kaufhaus und erhole mich auf der belebten Königsstraße bei einem Akkordeonisten, der seinem Umhängeschild nach, in Russland schon verschieden Preise gewann. Er spielt hervorragend Stücke von Bach und Händel. Ich komme etwas zur Ruhe. Beim Gang zum Treffpunkt bin ich bereits so auf Taschen fixiert, dass ich es auch ohne Frau nicht lassen kann, ein kleines Fachgeschäft zu betreten, um dessen Angebot zu prüfen. Mein Blick fällt auf ein interessantes „ weißes Stück“. Ich wage es, nach den aktuellen Erlebnissen beim Einkauf zu vermuten, dass diese Tasche meiner Frau gefallen könnte.

Ich sitze im Cafe: Es herrscht Hochbetrieb. Die Bedienungen kommen kaum nach. Einige Tische sind unappetitlich mit leerem Geschirr voll gestellt. Mit Mühe halte ich einen Platz für meine Frau frei. Endlich!  Sie kommt mit kleinem Gepäck – ohne Handtasche. Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Die leeren Teller und Tassen auf den Tischen im überfüllten Cafe sind auch nicht geeignet, sie aufzuheitern. Wir nehmen einen Drink. Ich setze zu einem letzten Versuch an, die Stimmung zu retten und erweise mich als ein interessierter Taschenjäger. Ohne Überheblichkeit, wie nebenbei, gebe ich zu verstehen, dass ich in Ihrer Abwesenheit dem kleinen Fachgeschäft neben an einen Besuch abstattete, mit dem Verweis, wir sollten diese Option nicht auslassen. Ein müdes Lächeln zunächst, dann aber wieder dieser »Taschensuch-Blick« in den Augen meiner Frau. Ich habe ins Schwarze getroffen.

Wir bezahlen, verlassen den ungastlichen Raum und steuern gemeinsam das Fachgeschäft an. Eine überaus freundliche Verkäuferin nimmt uns in Obhut. Meine Frau sucht die Regale ab und zieht auf Anhieb, ich traue meinen Augen nicht, sie zieht »meine weiße Tasche« aus dem Regal, prüft das Leder, die Form, die Einteilung, hängt sie links und rechts um, fragt mich schließlich, ob sie mir gefalle? Ich halte mich aber mit aller nur erdenklichen Anstrengung zurück, mich zu äußern, in der Hoffnung, jetzt hat sie es. Bei der nachfolgenden Szene hätte ich in den Boden versinken können, hatte ich doch alles vermeintlich richtig eingefädelt. Meine Frau aber gibt der Verkäuferin eindeutig zu verstehen, die »weiße Tasche«  habe zwar einen gewissen Charme. Sie habe sich aber eine braune Tasche gewünscht. Das war es dann.

Meine Frau lehnt sich bei der Rückreise sichtlich erschöpft in den gepolsterten Sitz zurück. Ich bin nicht so sehr müde, eher verärgert; sind es doch nur noch Stunden bis zu ihrem Geburtstag. Wo bekomme ich denn nun eine Tasche her? Finstere Gedanken verfolgen mich. Was hat uns diese Reise in die Stadt gebracht? Es geht mir immer wieder durch den Kopf, braun muss sie sein, – und sie wird auch eine braune Tasche bekommen, aber nach meiner Einkaufsmethode! Anderntags befinde ich mich in unserem Schuhgeschäft in Backnang und sehe zu meiner großen Überraschung in der Auslage die »braune Handtasche« wie für meine Frau gemacht, und dazu noch recht preiswert. Hinein! Ich lasse mir die Tasche zeigen, prüfe das Leder, die Einteilung, hänge sie probeweise rechts, dann links über die Schulter, trete vor den Spiegel und kaufe sie. Der Verkäuferin gebe ich diskret aber bestimmt Einblick in meine Seelenlage und sage: »Wenn meiner Frau diese Tasche nicht gefällt, dann gibt es Schuhe! « Ich behalte mir das Umtauschrecht vor.

Sie werden es nicht fassen, mir ging es genau so. Ich präsentiere am Geburtstag stolz mein Geschenk und meine Frau äußert begeistert: » Genau so habe ich mir die Tasche vorgestellt «. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Können Sie mir erklären, wie es dazu kommt, dass ich die Absichten meiner Frau errate?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschied

Grausam hast Du, Bruder Tod,
mir mein Lieb genommen,
drob bin ich in herbe Not
und bitt´ren Schmerz gekommen.

Kummer quält nicht mehr so sehr,
Du Lieb lebst ja im Frieden,
Du bist mir nah, Dein Grab ist leer,
Dank und Erinnerung geblieben.

Du Bruder Tod, in Ehren,
wer kann wenden
alles Enden?
Liebe kannst Du nicht zerstören!

Osterglocken leg ich nieder
jetzt an Deinem Grab,
dankerfüllte Lieder,
sing ich jeden Tag.

Baukaufmann und Stadtrat

Mit der Währungsreform in den frühen fünfziger Jahren, erwachte die bis dahin darbende Wirtschaft zu neuem Leben. Industrie, Handel und Gewerbe profitierten von einem kräftigen, stetigen Aufschwung. Wie durch Zauberhand füllten sich über Nacht die Auslagen der Geschäfte mit einem reichhaltigen Warenangebot. Die Konsumfreude hielt sich aber zunächst noch in Grenzen, denn am Stichtag standen jeder Person nur zwanzig Deutsche Mark zur Verfügung. Wir gewöhnten uns mit der Zeit an die neue Währung und hofften, dass sie stabil bleiben würde. Zum Glück spielte ich damals als Schlagzeuger in einigen Bands. Dadurch besserte sich der Gehalt auf und ich konnte mir ab und zu persönliche Wünsche erfüllen.

Am Tag der Währungsreform, 1948, fand in Rheinfelden das erste Rundstreckenrennen nach dem Krieg statt. Als begeisterter Radsportler meldete ich mich hierzu. Das erforderliche Rennrad, das den Krieg in einem Keller bei Bekannten überlebte, lieh ich mir Wochen zuvor zum Training aus. Unsere Mutter stellte meinetwegen den Speiseplan um. Ich bekam ab und zu ein Ei oder ein größeres Stück Fleisch zusätzlich, um zu Kräften zu kommen. Wir sind am Start: Der Starter, steht mit seiner Flagge bereit. Seine Warnung, den »Fahrerpulk« in den Kurven aufzulösen, um andere Rennfahrer nicht zu gefährden, höre ich wie von weit. Er senkt die Fahne zusammen mit dem Startkommando und los geht die wilde Jagd. Wir kommen »im Pulk« nur mit Mühe um die erste steile Rechtskurve. An der Strecke verteilt, treiben uns die Freunde lautstark an. Ich kann mich mit aller Kraft im vorderen Drittel des Fahrerfeldes halten. Wir Jugendfahrer glänzen mit hervorragenden Rundenzeiten, in denen wir, die nach uns startenden, erfahrenen Amateure, deutlich hinter uns lassen. Die Zuschauer jubeln und klatschen begeistert.In der dritten Runde zog mich aber in einer Rechtskurve das Hinterrad des Fahrers vor mir, unerwartet wie ein Magnet an. Danach ging alles sehr schnell: Ich fuhr auf, flog in einem Salto aus dem Sattel und landete herb auf der Straße. Die Schürfwunden begannen erheblich zu schmerzen und das verbogene Rennrad schaute mich mitleidserregend an. Kleinlaut nahm ich es über die Schulter, ging Richtung Ziel, und meldete mich bei der Rennleitung ab. Ohne umfassende Reparatur, war dieses geschundene und verbogene Sportgerät jedoch nicht mehr zu gebrauchen. Zum Abschluss des ersten Kriteriums nach dem Krieg, fand die Siegerehrung im großen Saal des Oberrheinischen Hofes statt. Unsere Band wurde zur anschließenden Tanzveranstaltung engagiert. Auf die zu erwartende Gage von zwanzig Deutschen Mark, als Schlagzeuger unserer Band, hatte ich mich sehr gefreut. Daraus wurde nichts. Nun schmerzten die Schürfwunden umso mehr, denn ich wusste, dass ich mein erstes, nach der Währungsreform selbst verdientes Geld, zur Reparatur des geliehenen Rennrades ausgeben musste. Radrennfahrer wollte ich von da an nicht mehr werden. Ich blieb meinem weniger schmerzhaften Beruf als Baukaufmann treu, und rechnete fest mit steigenden Einnahmen durch die Nebenbeschäftigung als Musiker.

Bei der langjährigen, vielseitigen Tätigkeit als Baukaufmann, lernte ich nach und nach die straffe Organisation innerbetrieblicher Arbeitsabläufe und viele tüchtige Mitarbeiter kennen, die ein Unter nehmen benötigt, um erfolgreich zu sein. Zunächst arbeitete ich längere Zeit in der Lohnbuchhaltung. Der sympathische Kollege, ein korrekter Buchhalter und treu sorgender Familienvater, kam nach dem Krieg und der Gefangenschaft wieder zu uns. Er fuhr morgens sechzig Kilometer mit der Eisenbahn zur Arbeit und abends die gleiche Strecke nach Hause. Über die Fastnachtszeit kam er manchmal etwas blass zum Dienst, denn er nahm, »pflichtbewusst«, an allen Veranstaltungen eines der Tradition verpflichteten Fastnachtsvereins teil.

Wenn ich als junger Kaufmann freitags alle Baustellen besuchte, um die Lohntüten auszuhändigen, empfingen mich die Mitarbeiter vom Polier bis zum Hilfsarbeiter, mit freundlichen Gesichtern. Gleichzeitig war es dadurch möglich, immer wieder den überraschenden Fortschritt der Bauarbeiten zu beobachten, mich von der Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiter zu überzeugen und deren Eigenheiten kennen zu lernen. Ein tüchtiger Maurermeister und Polier, mit gewaltiger Leibesfülle, litt als Bayerunter anhaltendem Durst. Er benutzte anstelle eines Stuhles, in seiner Baubude, einen mit Brettern abgedeckten Bierkasten. Die Flaschen waren abends leer. In der Bahnhofwirtschaft stand außerdem ein Krug Bier für ihn bereit, den er vor Einfahrt des Zuges leerte, sich dann den Schaum von seinem kräftigen Schnurrbart strich, um sich bis zur Abfahrt des Zuges einen zweiten vollen Krug »hinter die Binde« zu gießen.

Unser Chef, ein hochgewachsener, promovierter Jurist, der in die Firma eingeheiratet hatte, ein ausgezeichneter Stilist, bat mich öfters zum Diktat, wenn es galt, bei wichtigen Schreiben auf Ausdruck und Form zu achten. Ich betrachtete diese Aufgabe, die Verschwiegenheit erforderte, als Auszeichnung, denn es war mir gestattet, auf seltene Fehler hinzuweisen, oder Vorschläge zur Verbesserung der Texte einzubringen. Unser Chef war in seinen Kreisen in der Stadt auch als Ratgeber gefragt, wenn bei irgendwelchen Anlässen die Etikette gewahrt werden musste. Ich teilte mit ihm die Liebe zur deutschen Sprache. Seine uns allen bekannten Schwächen, nahmen dem ehemaligen Offizier etwas von seiner Strenge; machten ihn um Nuancen menschlicher, sympathischer. Gelegentlich konnte ich nicht nachvollziehen, was ihn veranlasste, sich bei einigen Personen als abwesend erklären zu lassen. Er achtete sehr auf Sparsamkeit in kleinen Dingen, verwaltete persönlich Bleistifte und Farbstifte und legte großen Wert auf korrekten sprachlichen Ausdruck. Nicht ohne Hintergedanken bat ich ihn eines Tages, mir einen neuen Rotstift zu geben und sagte, indem ich ihm zwischen Daumen und Zeigefinger, ein kaum erkennbares Stückchen Rotstift zeigte: » Mit diesem Rest kann ich bald nicht mehr schreiben«. Worauf er mir antwortete: »Dann schreiben Sie damit, bis sie nicht mehr schreiben können«. In mir verdichtete sich im Laufe der Zeit der Eindruck, dass er mit der Aufgabe als Chef einer expandierenden Bauunternehmung
nicht sehr glücklich war. Er konnte sich aber in technischen Angelegenheiten auf den Rat seines Neffen, eines erfahrenen Bauingenieurs verlassen.

In unserer Firma gab es eine ungeschriebene Hierarchie: Unsere Diplomingenieure ließen bei passender Gelegenheit immer wieder durchblicken, dass sie in ihrem Selbstverständnis durch ihre Ausbildung über den Bauingenieuren rangierten, denn schwierige technische Aufgaben oder komplexere statische Berechnungen mussten sie übernehmen. Obwohl ich ihr arrogantes Verhalten gelegentlich ablehnte, konnte ich erkennen, welche große Bedeutung einer akademischen Ausbildung im Beruf zukommt. Einer unserer besten Diplomingenieure, war öfters bei unserer Sekretärin und Telefonistin, einer hübschen Lehrerstochter, in deren Büro anzutreffen. Nachdem sie beide, für uns überraschend heirateten, war klar, dass der Anlass dieser Besuche nicht nur rein geschäftlicher Natur war. Mit den drei gleichaltrigen Technikern, die kleinere Baustellen betreuten, verstand ich mich auch in privaten Belangen sehr gut. Wir halfen uns gegenseitig, verständnisvoll, in schwierigen Situationen: Josef, ein vielseitig begabter, kluger und zuverlässiger Kollege, trieb ausgiebig Sport in allen Variationen. Er löste nicht nur schwierige bautechnische Probleme. Genau so geschickt zerlegte er Autos und Motorräder, spielte ausgezeichnet Orgel und Flöte und war auch an Philosophie sehr interessiert. Es fehlte ihm nur eine Frau. Mich wunderte seine Erfolglosigkeit in dieser Hinsicht nicht. Hatte ich doch gelegentlich erlebt, wie er sich in Gesprächen mit unserer Sekretärin amüsierte, wenn er philosophisch abgehoben, scherzte, sie ihn aber nicht verstand und wütend reagierte. Sein out-fit ließ zu wünschen übrig: Er trug die ausgedienten, aus der Mode gekommenen Kleider und Schuhe seines Onkels, eines Gymnasiallehrers. Es schmerzte mich immer, wenn er sich aus meiner Sicht »unter Wert verkaufte« oder wenn andere Personen seine Begabungen nicht zu würdigen verstanden. Eines Tages war sie aber da, die Dame, die zu ihm passte. Eine hübsche Apothekerin, die in der Nähe arbeitete, führte täglich ihren Dackel spazieren und das Wichtige: Sie war Vegetarierin, wie er, und ausreichend gut katholisch. Josef ließ diese Gelegenheit nicht aus.Wir sahen ihn schon einige Tage später, den Dackel führend, auf einem Spaziergang mit der Apothekerin. Nach vielen Ehejahren haben die beiden sechs Buben und Mädchen auf dem Weg zu deren
akademischen Weihen begleitet.

Die Baubranche reagiert bekanntlich wie ein Seismograph auf Veränderungen der Marktsituation. So führte die anhaltend stabile Auftragslage auch in der Bauunternehmung, in der ich seit Jahren arbeitete, zur permanenten Einstellung von Fach- und Hilfsarbeitern. Löhne und Gehälter lagen aber noch in einem sehr niedrigen Bereich. Ich wurde als junger Baukaufmann für die Angestellten in den Gesamtbetriebsrat gewählt. Das uns eingeräumte Mitspracherecht und die Interessen der Firmenleitung handelten wir übereinstimmend so aus, dass Arbeitsplätze erhalten blieben und die Entwicklung des Unternehmens gewährleistet blieb. Es waren aber nach dem Krieg erhebliche Investitionen erforderlich, um unseren Maschinenpark zu modernisieren. Wir waren stolz auf jeden neuen Lastwagen, Bagger, Betonmischer oder Baukran, der alte Geräte ersetzen konnte und die Arbeitsbedingungen verbesserte. Nach Jahren wechselte ich von der Lohnbuchhaltung in den technischen Stab. In direkter Zusammenarbeit mit dem Leitungsteam unserer Firma, gewann ich hierdurch Einblick in die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Leistungsfähigkeit unserer Firma, und den Leistungsstand, der mit uns konkurrierenden örtlichen
und überregionalen Bauunternehmungen. Mit der Leitung des Einkaufs oblag mir nicht nur die Aufgabe, mit unseren Lieferanten die jeweils günstigsten Preise auszuhandeln, sondern auch die punktgenaue Anlieferung der Baumaterialien oder Ersatzteile für unsere Maschinen sicher zu stellen. Von der Kalkulation, über die Durchführung der Baumassnahmen, die Nachkalkulation, bis zur Abrechnung und dem Abräumen der Baustellen, war ich in die betrieblichen Abläufe fest eingebunden. Es hat mich tief beeindruckt, mit welch hohem Einsatz alle Mitarbeiter in der Verwaltung, auf den Baustellen, im Kieswerk, der Schlosserei, Schreinerei und dem Bauhof, ihre Aufgaben erfüllten. Damals erwies es sich in unserer Stadt als besonders schwierig, die vielen, zugeteilten Flüchtlinge aufzunehmen. Sie benötigten vor allem Wohnungen. Um diese enorme Aufgabe bewältigen zu können, wurde eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Diese übernahm die Planung und technische Begleitung der erforderlichen Neubauten. Mit ihrer Unterstützung entstanden in relativ kurzer Zeit, viele Mehrfamilienhäuser mit Schule und Sportanlagen in neuen Baugebieten. Der zunehmende private Wohnungsbau und umfangreiche Bauaufträge der Industrie, trugen zum damaligen Wirtschaftswachstum erheblich bei. Ich begriff immer mehr, in welchem Ausmaß, die Stadt als Auftraggeber, und die politischen Gruppierungen im Stadtrat, an der Vergabe der Aufträge beteiligt waren. Mein Gesprächspartner, mit dem ich über aktuelle politische Fragen diskutierte, war unser leitender Bauingenieur und Architekt. Wir saßen uns bei der Arbeit gegenüber. Er war seit Jahren im Stadtrat und Bauausschuss tätig. Mir imponierte seine christliche Einstellung und aufrechte Haltung in schwierigen Lebenssituationen, besonders gegen Ende seiner beruflichen Tätigkeit. Als er einmal erkennen ließ, wie sehr er sich mehr Ausgeglichenheit und Altersweisheit wünschte, um ungerechten Angriffen ruhiger begegnen zu können, sagte ich ihm: » Wenn Sie nicht mehr energisch Ihre Meinung äußerten, um Aufgaben mit zu gestalten, und sich gegen Unrecht zur Wehr zu setzten, würden Eigenschaften fehlen, die ich an Ihnen besonders schätze«. Er schmunzelte, versuchte sich mit Daumen und Zeigefinger vergeblich ein Barthaar auszuzupfen und wandte sich bei ratternder Rechenmaschine, leicht nach vorn gebeugt, wieder dem Angebot zu, an dem er arbeitete. Gelegentlich schien es mir, als würde ihn die Arbeit erfreuen. Er summte dann leise vor sich hin, bis er den richtigen Ton fand, um aus tiefster Seele zu seufzen: »Ach Luise, kein Mädchen ist wie diese…« Ab und zu verstieg er sich in einen etwas skurrilen Humor, der ohne Kenntnisse der technischen Anspielungen, schwer verständlich war:

Unsere Senior-Chefin, die auch im hohen Alter noch täglich in der Hauptbuchhaltung arbeitete, war ihm zugetan und sprach ihn – eine Ausnahme – mit Vornamen an. Sie betrat eines Tages erwartungsfroh unser großes Büro und sagte, um sich die letzte Sicherheit zu holen: »Artur, Euer Büro mit den vielen großen Fenstern sieht so nüchtern aus. Ich habe entschieden, auf den äußeren Fensterbänken Blumenkästen mit roten Geranien aufzustellen«. Artur, ohne sich stören zu lassen, äußerte: » Die Blumenkästen kommen sicher wieder weg«! Mit allem hatte die Chefin gerechnet, aber nicht mit einem Widerspruch. Ihre Miene verdüsterte sich, als sie energisch entgegnete: »Die Blumenkästen werden aufgestellt«! Artur blickte kurz auf, als müsse er die aktuelle seelische Verfassung seiner verehrten Seniorchefin prüfen, und entgegnete trocken: » Die Blumenkästen kommen bestimmt wieder weg«! Das war entschieden zu viel für eine ältere Dame, die Widerspruch nicht schätzte. Sie drehte mit hochrotem Kopf ab, wandte sich zur Tür und brummte vor sich hin: »Die Kästen werden aufgestellt«! Und so geschah es. Was mochte Artur veranlasst haben, der von ihm sehr verehrten Seniorchefin zu widersprechen? Ich betrat anderntags in Erwartung der weiteren Entwicklung, neugierig unser Büro. Alle Fenster waren, wie angekündigt, mit Blumenkästen versehen, in denen zugegebenermaßen wunderschöne rote Geranien prangten. Herr Fleck betrat nach mir den Raum: Er zeigte sich nicht sonderlich überrascht und setzte sich ohne Kommentar an seinen Platz, um weiter am Angebot zu arbeiten. Da er es vorzog, sich nicht über unseren »Blumenschmuck« zu äußern, hielt ich es nicht für angebracht, ihn darauf anzusprechen. Alle Besucher, die anschließend unser Büro betraten, äußerten sich meist zustimmend zu unseren Geranien.

Es vergingen einige Tage in gewohnter Weise. Aber an einem schwülen Nachmittag zog ein schweres Gewitter auf. Blitze und kräftiger Donner leiteten das Naturschauspiel ein, dann öffnete der Himmel seine Schleusen – und wie! Der böige Wind peitschte Regenmassen gegen unsere Fensterscheiben. Es wollte kein Ende nehmen. Der schräg einfallende Regen klatschte hörbar auf unsere Blumenkästen. Die Geranien senkten ihre Köpfe; einige legten sich ganz flach. Im Ausfallwinkel spritzte gleichzeitig eine schmutzige Brühe gegen unsere Fensterscheiben. Ein Bild zum Weinen. Mir war nun klar, weshalb Herr Fleck ruhig feststellen konnte, dass die Blumenkästen wieder weggeräumt würden. Dies geschah still und heimlich. Wir unterdrückten unsere Schadenfreude und verloren kein Wort darüber. Die Seniorchefin tat mir leid, die uns so fest entschlossen, mit Blumen erfreuen wollte. Ob sie den skurrilen Humor von Artur verstand, oder sich in dieser Sache mit ihm aussprach, ist mir nicht bekannt. Sicher hat sie bemerkt, dass sie, zu Unrecht enttäuscht, annahm, ihre Wünsche würden absichtlich nicht beachtet.

Im Vorfeld der 1952 anstehenden Stadtratswahl, konnte es nicht aus bleiben, dass ich oft mit unserem leitenden Ingenieur, über dieses kommende Ereignis sprach. Ich gab zu bedenken, es könne auch im Interesse des Bürgermeisters liegen, den umfangreichen Wohnungsbau in unserer Stadt zu fördern, um bei einer Zunahme der Einwohnerzahl als Oberbürgermeister mit höheren Bezügen rechnen zu können. Unter dieser politischen Konstellation, hatte ich berechtigte Sorge, dass alteingesessene Rheinfelder, besonders meine gleichaltrigen Schulkameraden, die im heiratsfähigen Alter dringend Wohnungen benötigten, wie bisher warten müssten. Ich hatte zeitlich freie Valenzen und fasste den Entschluss, mich in unserer Stadt politisch zu betätigen: In der örtlichen Presse, die unsere Anliegen unterstützte, gab ich ein Inserat auf, in dem die Wohnung suchenden Rheinfelder Bürger zur Diskussion in ein Lokal eingeladen wurden. Mit einigen Klassenkameraden, die sich bei ihrer Wohnungssuche benachteiligt fühlten, hatte ich mich zuvor auf diese Vorgehensweise geeinigt. Zu unserer großen Überraschung, folgten sehr viele Interessenten unserer Einladung in den »Wasserturm«. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Es herrschte eine erwartungsvolle Unruhe. Nach der Begrüßung hielt ich eine Ansprache und erläuterte die Lage: Vor der anstehenden Stadtratswahl gelte es, sich Gehör zu verschaffen. Die Zeit sei gekommen, auch an die ortsansässigen Rheinfelder zu denken, die im heiratsfähigen Alter, dringend Wohnungen brauchten. Ich schlug vor, dem Bürgermeister schriftlich unsere Wünsche vor zu tragen. Zu diesem Vorgehen gab es nach längerer Diskussion der Teilnehmer eine eindeutige Zustimmung. Um unserer Absicht Nachdruck zu verleihen, gründeten wir die Wählervereinigung »Gemeinschaft Rheinfelder Bürger«. Wir ließen eine Liste herumgehen, in die sich alle Interessenten eintragen konnten. Aus der Versammlung wurden einige Teilnehmer gewählt, die den engeren Vorstand bildeten. Wir erhielten von den Anwesenden den Auftrag, umgehend eine Petition an den Bürgermeister zu schreiben. Ich war überrascht, dass unser Vorhaben eine so breite Unterstützung fand.

Der Vorstand unserer Wählervereinigung fand sich wenige Tage danach zur ersten Sitzung in einem Cafe ein. Wir verteilten die Aufgaben: Es wurden außer mir als 1.Vorsitzenden, ein 2. Vorsitzender als Stellvertreter, ein Schriftführer und ein Kassenwart gewählt. Unter meiner Regie verfassten wir die Petition an den Bürgermeister. Wir gingen davon aus, eine befriedigende Antwort erwarten zu können. Es dauerte aber sehr lange, bis wir die Stellungnahme der Verwaltung erhielten. Die Antwort erwies sich als so nichtssagend, dass wir den Eindruck gewannen, nicht Ernst genommen zu werden. In einer Versammlung informierten wir unsere Mitglieder. Nach eingehender Diskussion entschieden wir, um auf die Dringlichkeit des Wohnungsbedarfs hinzuweisen, uns an der bevorstehenden Stadtratswahl als Wählervereinigung »Gemeinschaft Rheinfelder Bürger« zu beteiligen und mich als Spitzenkandidat aufzustellen. Ich war sehr überrascht, welche Eigendynamik unser Vorhaben in der kurzen Zeit bis zu dieser Entscheidung entwickelte. Anstelle der Klagen über die Notlage, spiegelten die Gesichter der Anwesenden, und deren Diskussionsbeiträge, Hoffnung und Bereitschaft, sich am Wahlkampf nach Kräften zu beteiligen. Auf diese mutigen und entschlossenen Helfer, konnten wir uns verlassen. Es stiegen in mir zwar noch einige berechtigte Bedenken auf: Ein politisches Amt hatte ich zuvor noch nicht begleitet. Diese Überlegungen behielt ich aber für mich. Es blieb ja noch genügend Zeit, mich nach und nach auf diese neue Aufgabe einzustellen und mich mit den Freunden zu beraten.

Wir hatten bei unseren Beratungen einen großen Vorteil: Es war uns bekannt, dass der Bürgermeister über Mittelsmänner erfuhr, welche Stellungnahmen bei den Aussprachen der verschiedenen Parteien erfolgten, sodass er sich auf jede Sitzung gut vorbereiten konnte. Dies galt nicht für uns. Wir behandelten, alle unsere Beratungen als streng vertraulich, um uns ein Überraschungsmoment zu bewahren. Dies erwies sich auch bei der Planung und Organisation unseres Wahlkampfes als günstig. Niemand erfuhr von den von uns geplanten Aktionen. Einige Tage nach der konstituierenden Versammlung unserer Wählervereinigung, besuchte mich ein langjähriges Mitglied einer anderen Partei, um mir zu versichern, er sei von uns getäuscht worden. Er habe selbstverständlich nicht die Absicht, Mitglied unserer Gemeinschaft Rheinfelder Bürger zu werden. Die bei der Gründungsversammlung vorgelegte Beitrittserklärung zu unserer Wählervereinigung, habe er für eine Anwesenheitsliste gehalten und irrtümlich unterschrieben. Er verlange, seinen Namen wieder zu streichen. Ich versicherte, dass ich sein Anliegen verstehe, aber nicht damit rechnen konnte, dass er an unserer Versammlung teilnehmen würde. Es sei mir persönlich auch nicht als Mitglied einer anderen Partei bekannt gewesen. Er habe aber nun einmal unterschrieben, obwohl es mir schwer verständlich sei, warum er nicht vorher gelesen habe, was er unterschrieb. Ich wäre aber gehalten, diese Angelegenheit im Vorstand unserer Wählervereinigung zu besprechen und könne nicht eigenmächtig handeln. Wir ließen uns bei der nachfolgenden Diskussion im Vorstand, diesen Sachverhalt auf der Zunge zergehen, denn dass uns ein alt gedienter Parteiprofi auf den Leim gehen könnte, hatten wir politischen Neulinge nicht erwartet. Er meldete sich kein zweites Mal.

Nun nahmen die Ereignisse ihren Lauf: Wir trafen uns wöchentlich zu Vorstandssitzungen, in denen wir die Strategie zur Stadtratswahl beschlossen. Ich hatte persönlich sehr enge Kontakte zur örtlichen Presse und einer Druckerei. Der Inhaber eines Verlages und der lokalen Zeitung, erwies sich als interessiert, und war sofort bereit, uns tatkräftig bei der Kampagne zu unterstützen. Der Besitzer einer Druckerei, stand ebenfalls hinter unserem Vorhaben. Wir hatten dadurch alle Möglichkeiten, die Öffentlichkeit kostengünstig auf die politischen Ziele unserer Wählervereinigung hinzuweisen. Je näher der Termin zur Stadtratswahl heranrückte, umso intensiver nutzten wir das Forum der »örtlichen Presse« und die Möglichkeit, Flugblätter zu verteilen und Plakate zu kleben. Unsere Mitglieder beteiligten sich engagiert an dieser Kampagne. Es dürfte keinen Bürger gegeben haben, der unsere grünen Plakate und Flugblätter nicht kannte. Am Tag vor der Wahl verteilten wir zusätzlich grüne Luftballons mit unserem Aufdruck. Obwohl wir nicht gespart hatten, war unser Vorrat rasch verbraucht. Die Ballons wurden uns aus den Händen gerissen und von den Kindern werbewirksam durch die Straßen getragen. Wir waren sicher, die Rheinfelder Bevölkerung ausreichend über unsere politischen Ziele informiert zu haben. Der engagierte Wahlkampf machte uns allen Spaß und führte dazu, dass sich Vorstand und Mitglieder der Wählervereinigung besser kennen lernten und sich mit unseren Zielen identifizierten. Gelegentlich erreichten uns Hinweise, darauf zu achten, dass sich keine links gerichteten Personen in unsere Wählervereinigung einschlichen. Wir erklärten diesen Gesprächspartnern, es handle sich um eine Kommunalwahl mit klar lokalen Zielen und wir wären schon in der Lage, zu entscheiden, wem wir vertrauen könnten. Wir hätten übrigens eher Anlass, uns über den engagierten Einsatz aller unserer Mitglieder der Wählervereinigung in der zurück liegenden Zeit zu freuen.

Der Termin zur Stadtratswahl stand kurz bevor und damit nahte die Entscheidung darüber, ob wir die Wähler mit unseren Zielen, Argumenten und Kandidaten überzeugen konnten. Je näher dieser Tag kam, desto mehr nahm auch unsere Anspannung zu. Hatte sich doch im Laufe des Wahlkampfes unsere Motivation geändert: Anfänglich wollten wir mit einem hohen Stimmenanteil der Stadtverwaltung und dem Bürgermeister zeigen, wie viele Wähler mit der bisherigen Wohnungsvergabe unzufrieden waren. Als wir im Wahlkampf erhebliche Zustimmung beobachteten, rechneten wir uns aber eine realistische Chance aus, unsere Interessen durch ein Mandat im Stadtrat und den verschiedenen Ausschüssen wirkungsvollere vertreten zu können. Da ich als Spitzenkandidat für unsere Wählervereinigung nominiert war, begleiteten mich Hoffen und Bangen. Einige Schweizer-Stumpen habe ich am Wahltag geraucht, ohne dass die Spannung merklich nachließ. Die Wahl endete mit einer »kleinen Sensation«: Wir erreichten auf Anhieb die erforderlichen Stimmen und ich wurde in den Stadtrat gewählt. Das überraschende Wahlergebnisses war an diesem Tag bei vielen Bürgern unserer Stadt das »Hauptgesprächsthema«. Den hohen Stimmenanteil und meine Wahl hatten uns viele Bürger nicht zugetraut. Was mich aber in den nächsten Jahren in diesem Amt erwarten sollte, war zu dieser Zeit nicht einzuschätzen. Erst die vielen Glückwünsche aus unseren Reihen und weit darüber hinaus, ließen mich erahnen, welche Bedeutung diese Wahl in der Öffentlichkeit hatte.

Es dauerte nicht lange, bis mir die Tagesordnung zur ersten Stadtratssitzung nach der Wahl zugestellt wurde. Die Mitglieder des Vorstandes trafen sich zur Besprechung dieser Vorlage: Wir bestimmten, wer außer mir, einen Platz in den verschiedenen Ausschüssen bekommen sollte. Trotz vieler guter Ratschläge der Parteifreunde, wie ich mich in der ersten Sitzung des Stadtrates, nach der Wahl, verhalten sollte, begleitete mich eine deutlich spürbare Unruhe auf dem Weg zum Rathaus. Es war uns allen klar, dass mich dort keine Blumen erwarteten. Hatten wir doch im Wahlkampf unsere Zähne gezeigt und mit recht deutlichen Argumenten Kritik geübt und unsere Ziele vorgestellt. Ich rechnete mit einer herben Reaktion verschiedener Stadträte. Mir war bewusst, wie wenig Mittel mir zur Verfügung standen, um mich gegen solche Angriffe wirkungsvoll zu wehren. In dieser Lage griff ich zu einer List: Ich legte zwei Steno-blöcke und mehrere Bleistifte vor mir auf den Tisch, um den Anschein zu erwecken, als ob ich alles stenographisch festhalten wollte, was die einzelnen Redner gegen uns vorbrachten. Die Taktik wirkte: Während der mit harten Vorwürfen gegen unseren Wahlkampf gespickten Rede, musste sich der Vorsitzende einer anderen Fraktion krampfhaft an seinem Rednerpult festhalten, denn ich schaute ihn gelegentlich ruhig an und stenographierte, so schnell ich konnte. Seiner Stimme merkte man daher eine deutliche Erregung an. Ich hatte den Eindruck, dass er sich ohne Manuskript, in freier Rede, mit seiner scharfen Kritik sehr schwer getan hätte. Einige andere Stadträte hielten sich darauf hin mit ihren Äußerungen merklich zurück. Das war überstanden! Über die weiteren Punkte der Tagesordnung, wurde ohne Diskussion entschieden.

Die Wählervereinigung Rheinfelder Bürger war eine politische Größe geworden, deren Beiträge in den öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzungen des Stadtrates und in den Ausschüssen Ernst genommen wurden. Gab es doch immer wieder Situationen, in denen unsere Stimme zu Entscheidungen gebraucht wurde. Da wir nach wie vor Wert darauf legten, dass unsere Überlegungen zu den Tagesordnungen vertraulich behandelt wurden, konnte man im Plenum nie wissen, wie wir uns verhalten würden.Ich lernte sehr rasch zu erkennen, welche taktischen Maßnahmen um Sachentscheidungen im Plenum durchzubringen. Es war für mich gelegentlich erschütternd, zu sehen, wie unterschiedlich sich die Stadträte in öffentlichen und nicht öffentlichen Sitzungen verhielten. Ihre Stellungnahmen zu verschiedenen Themen in der Öffentlichkeit und vor der Presse, wichen gelegentlich sehr von ihren Entscheidungen im Gremium ab. Manchmal schien es mir, als seien einige Räte bei komplexeren Vorlagen auch überfordert: Wenn es darum ging, den umfangreichen Haushaltsplan zu diskutieren und zu verabschieden, waren kaum fundierte Beiträge oder Kritik zu vernehmen. Ging es aber um die Anschaffung recht unbedeutender Geräte oder Maschinen, war mit einem erheblichen zeitlichen Aufwand zur Diskussion zu rechnen.

Um den Stadtrat mit den Problemen eines Krankenhausneubaus vertraut zu machen, besichtigten wir in Bayern verschiedene Einrichtungen. Der dortige Gemeinderat hielt es für angebracht, uns eine Übernachtung anzubieten und uns mit einem Trachtenabend zu erfreuen. Nachdem ich meine Unterkunft gefunden und mich etwas erfrischt hatte, kam ich mit einiger Verspätung wieder an den Ort zurück, an dem die Veranstaltung stattfand. Es machte keine allzu großen Schwierigkeiten, das Lokal zu finden. Blasmusik wies mir, je näher ich kam, desto sicherer den Weg. Als ich die äußere Türe öffnete, blieb mir die Luft weg und die Ohren dröhnten. Da kam mi mit verzweifelter Miene ein Kollege entgegen. Aus seinen Ohren hingen Reste von Serviettenpapier, die er sich hinein gestopft hatte. Sein Kommentar: »Sie haben uns ehrenhalber zwei Meter vor die Blasmusik gesetzt, ich halte es nicht mehr aus«! Das musste ich mir nicht antun.

Wir hatten den Segelfliegern eine großzügige Spende zu ihrem Fest zur Verfügung gestellt. Sie luden dankbar einen Stadtrat zu einem Rundflug über Rheinfelden ein. Es gab einer längeren Diskussion im Gremium, mit dem Ziel, den Segelfliegern keine Absage zu erteilen. Man konnte aber erkennen, dass es an Freiwilligen mangelte, die bereit waren, ein Segelflugzeug zu besteigen. Nach einiger Zeit kam es zum Beschluss, mir als dem Jüngsten, diesen Flug zu überlassen, um die Ehre des Stadtrates zu retten. Ich nahm das Angebot an, ohne weitere Einzelheiten über den geplanten Flug zu kennen. Spannend war es schon. Erst kurz vor dem Start, informierte man mich darüber, dass das Segelflugzeug durch einen Windenstart in die Höhe gezogen werde. Ich setzte mich, in der Hoffnung auf einen guten Ausgang des Unternehmens, in das Segelflugzeug. Die Kabine wurde geschlossen, die Winde zog an, die Maschine hob ab und wurde mit zunehmender Geschwindigkeit, in kürzester Zeit, steil nach oben katapultiert. Bei schönstem Sonnenschein flogen wir eine große Runde über die Stadt. Es war nichts zu hören als der Fahrtwind. Ab und zu bemerkte ich, wie Aufwinde die Maschine anhoben. Viel zu früh setzte der Pilot wieder zur Landung an. Wir erreichten genau den Ort, an dem wir vor einigen Minuten gestartet waren.

Wir Mitglieder der Wählervereinigung mussten im Laufe der Zeit erkennen, dass es im Stadtrat und den Ausschüssen nicht so leicht war, die Verwaltung dafür zu gewinnen, Rheinfelder Bürger, mehr als bisher, bei der Vergabe städtischer Wohnungen zu berücksichtigen. Unsere ständigen, kritischen Hinweise, führten aber dazu, dass gelegentlich auch jungen ortsansässigen Familien Wohnungen zugeteilt wurden. Es bestand aber öfters eine deutliche Diskrepanz, zwischen den Erwartungen unserer Wählervereinigung und den Vorstellungen anderer Parteien mit den entsprechenden Ergebnissen bei den Abstimmungen im Stadtrat. Als die Verpflichtungen aus diesem Amt zunahmen und die Möglichkeiten, auf Entscheidungen Einfluss zu nehmen, sich sehr in Grenzen hielten, stellte sich mir immer mehr die Frage, ob ich mit der Wahl zum Stadtrat auf dem richtigen Weg war. Es belastete mich gelegentlich sehr, von mir erkanntes Unrecht zwar aufdecken, aber nicht wirkungsvoll bekämpfen zu können. Meine Parteifreunde und ein mir gut bekannter Priester, ermutigten mich in diesen schwierigen Situationen.

Wie in einem Spiegel reflektiert die Arbeit im Stadtrat und in den Ausschüssen, das Zusammenspiel und die Gegensätze der Interessen politischer Gruppen, Vereine, Kirchen und der Wirtschaft in einem Gemeinwesen. Das notwendige Verständnis sozialer Zusammenhänge und das Wertebewusstsein, sah ich im Schwinden, egoistisches und rücksichtsloses Durchsetzen der jeweiligen Ziele im Wachsen. Ich
überlegte mir immer mehr, welche Grundeinstellungen, Normen, und Werte unverzichtbar sind, um ein geordnetes, sinnerfülltes Leben in Gemeinschaft mit anderen Personen zu gewährleisten. Ich besann mich zunehmend auf meine christlich- und humanistischen Wurzeln. Die Stadtratstätigkeit und mein Beruf ließen mir immer weniger Raum, persönlichen Interessen und Hobbys nachzugehen. Ich wurde ja nicht nur von meinen Parteifreunden angesprochen, sondern auch von anderen Bürgern, deren Interessen ich wahrnehmen sollte. Von den vielen Verpflichtungen im Beruf und Amt in Anspruch genommen, regte sich in mir immer mehr die Frage, ob ich mich zum Politiker eigne, der zwangsläufig, zum Ziel führende Strategien entwickeln muss, und Helfer benötigt, die zu ersetzen sind, wenn sich Konstellationen ändern, und der sich Mehrheiten beschaffen muss, um in den nächsten Wahlen zu bestehen. Es vergingen einige Jahre, bis ich erkannte, dass ich schon lange in eine andere Richtung strebte.

Heimat

Die Menschen, Felder und Wälder um Oppenweiler herum, geben ihre Geheimnisse und ihren Segen nicht so leicht preis. Wer aber bereit ist, diese Region wie eine schöne Braut zu umwerben, dem wird sie mit der Zeit zur bergenden Heimat. Davon soll nun die Rede sein:

Einige von Ihnen werden den Weg von Oppenweiler das Tal hin, durch den Wald hinauf zum Eschelhof, und über Zell zurück kennen. Oft bin ich diesen reizvollen Wanderweg gegangen. Manchmal nahmen mich Wald und Flur liebevoll bei der Hand und zerstreuten zeitweiligen Griesgram. In früheren Jahren benutzte ich den Weg oft etwas despektierlicher als Rennstrecke, und stoppte die Zeit, in der ich eine Runde schaffte. Auch heute begegne ich bei den Wanderungen Menschen, die diesen Weg als Trainingsstrecke nutzen. Es könnte zwar sein, dass sie während des forcierten Laufes ab und zu einige Worte wechseln. Ich frage mich aber, was sie bei dem forschen Tempo in der Natur noch sehen und erleben können?

Manchmal begegne ich einer etwas erschöpften, aber offensichtlich glücklichen Mutter, die nicht nur ihr Kind spazieren fährt, sondern zugleich ihren neugierigen, wuseligen Hund Gassi führt. Es ist dann für mich als Wanderer eine feine Abwechslung, für einen Augenblick anzuhalten, um in die weltoffenen Kinderaugen zu blicken; sich ein vorsichtiges Lächeln zu gestatten und zu hoffen, dass auch das Kind ein wenig lächelt. Wenn das gelingt, freuen wir uns beide.

Ich bin froh, dass der befestigte Teil der Strecke, in einen den Füßen angenehmeren Waldweg übergeht. Die leichte Anhöhe zu gehen,macht mir, da der Rücken nicht mehr plagt, keine Schwierigkeiten. Ich nutze eine mir vertraute Gehhilfe: Meine betagten Wanderstöcke, die ich früher zu Wanderungen in den Bergen benutzte, erinnern mich daran, ruhig zu gehen und die Natur zu beobachten. Von fern höre ich die Geräusche einer Motorsäge. Als ich näher komme, erkenne ich ein älteres Ehepaar, das sich mit Hilfe eines jungen, kräftigen Mannes abmüht, ihr Waldstück zu pflegen und eine über den Weg gefällte Tanne zu zerlegen. Ich mache Halt. Diese hier ansässigen Bauern sind mir sehr sympathisch. Ich schätze ihre Treue zur Scholle, ihre Mühen und den Fleiß, die Felder und den Wald zu hegen und zu pflegen, obwohl es ihrem »Ende« zugeht. Wir begrüßen uns freundlich und plaudern ein wenig. Auch die geschäftigen Alten machen eine Pause und nehmen sich Zeit zu einem Gespräch. Ich erzähle ihnen von unseren Verwandten, die es ähnlich gemacht haben, und bin mir nicht mehr ganz sicher, wem mein Herz mehr gewogen ist, diesem Ehepaar, das ich seit Jahren kenne, oder meinen Verwandten, die ich in Ehren halte. Doch da unterlief mir möglicherweise ein Fehler: Ich fragte, warum sie sich in ihrem hohen Alter, diese Last schwerer körperlicher Arbeit zumuten würden. Sie hätten es doch verdient, es bei ihrer angeschlagenen Gesundheit, ruhiger angehen zu lassen. Da schaute mich die Bäuerin, die auch ihren kranken Mann zu pflegen hatte, wie verständnislos an. Es könnte sein, dass sie Tränen in den Augen hatte, als sie antwortete: » Das machen wir einfach so! « Ich hatte nicht bedacht, wie sehr dieser Frau die Pflege ihres Mannes und Waldes an´s Herz gewachsen war. Respektvoll und etwas verlegen, löste ich mich daher aus dem Gespräch. Vielleicht haben diese fleißigen Bauern mehr vom wirklichen Leben verstanden, als so manche »großartigen Leute«. Ich bin aber glücklich, mit ihnen befreundet zu sein, und freue mich darauf, wenn uns die Bäuerin wieder einmal ein großes, selbst gebackenes Brot schenkt.

Ältere Frauen und Männer gehen nicht nur langsamer, sie bleiben ab und zu auch aus den verschiedensten Gründen einmal stehen. So ging es auch mir. Ich halte an und stehe unversehens vor einem Baum, einer stämmigen, hoch gewachsenen Buche. Offensichtlich hat sie schon lange schweigend an diesem Platz unter vielen anderen Bäumen gestanden und darauf gewartet, gesehen und bemerkt zu werden. Sie hatte mit den Jahren bis weit ins Geäst hinauf an der Wetterseite Moos angesetzt. Nun richtete sie sich in ihrer vollen Würde vor mir auf. Als ich staunend an ihr empor blickte, erschien sie mir mit ihrem Blattwerk wie ein prächtiger, gotischer Dom, dessen Vielfalt nicht zu fassen ist. Nun neigte sich mir die Buche im Wind freundlich zu. Sie schien, wie ich, mit sich zufrieden. Wir waren ja gerade dabei, in stiller, schweigender Betrachtung, mit einander Freundschaft zu schließen. Ob sie verstehen kann, dass wir uns schweigend so nahe gekommen sind, dass ich sie nie mehr vergessen werde? Sie gehört von nun an mit zu all den vielen, wertvollen Geschenken meines Lebens. Ganz sicher erkenne ich sie bei meinen nächsten Wanderungen um Oppenweiler herum wieder. Dann wird Halt gemacht. Ich bin neugierig, was sie mir dann erzählt. Wenn Ihr sie sehen wollt, es gibt sie wirklich, ich zeig sie Euch gern. Vielleicht würde sie sich auch über eine Begegnung mit Euch freuen.

Eine Wegstrecke weiter blicke ich mich überrascht um. Ein Wunder? Ist es doch einem Strauch gelungen, meine ganze Aufmerksamkeit zu fesseln. Das muss ich Euch erzählen: Es war ein Strauch in bunten Herbstfarben mit reichlich Blättern. Fragt mich aber bitte nicht, zu welcher Sorte Sträucher er zählt. Diese Frage könnte ich Euch nicht beantworten, denn sie erscheint mir im Moment gar nicht so wichtig. Die Blätter dieses Strauches aber waren mit unzähligen Tautropfen geschmückt, die wie Perlen im Sonnenlicht glänzten. Offensichtlich kein gewöhnlicher, sondern ein kostbarer Strauch. Nun bin ich auf weitere Überraschungen eingestellt:

Ich wandere ein Stück weiter des Weges, gerate ins Staunen und bleibe unwillkürlich stehen. Stellt Euch die untergehende, goldene Herbstsonne vor, mit ihrem milden, weichen, und doch kräftigen Licht. Ihr ging ich entgegen. Meine Großmutter nannte die Sonne ehrfürchtig »die Alte«. Hat sie doch wahrlich viele Jahre auf dem Buckel, geht morgens auf, zieht ihre Bahn, bringt uns den neuen Tag, wärmt, lockt Leben heraus, um sich abends schlafen zu legen. Nun just, in diesem Augenblick, schenkt sie mir etwas ganz Besonderes: Sie blinzelt mir verstohlen durch die Blätter einer Buche zu. Das verwirrt meine Sinne, denn ich kann nicht mehr genau unterscheiden, ob die Sonne, schwabbert oder ob die Blätter der Buche, die sich leicht im Winde drehen, diesen Eindruck hervorrufen. Würdet Ihr mir zutrauen, ein so kostbares Erlebnis zu vergessen? Selbst wenn ich wollte, es ginge nicht. Erfahrungen dieser Art, lassen sich nicht einfach wegwischen. Aber warum sollte ich auch einen glücklichen Augenblick vorzeitig zu Grabe tragen?

Es gab auf meiner Wanderung noch weitere schöne Geschenke: Wie ein Lausbub, genoss ich es, mit einem frohen Lied auf den Lippen durch das Herbstlaub zu kicken und mich bei jedem Schritt am Rascheln der trockenen Blätter zu erfreuen. Mit offenen Augen und wachen Sinnen blieb ich weiter im Austausch mit der mich umgebenden Natur.

Wie so oft betrachtete ich den Reichenberg mit unserer Hausburg, die mir auf meinem Wanderungen immer wieder vor Augen kommt. Auf wunderliche Weise schien mir die Burg aber heute plötzlich wie verwandelt. Sie stand im diesigen Licht der Abendsonne in ihrer vollen Würde vor mir, und hatte sich in ein feierliches moosgrün-goldenes Gewand gehüllt. Diese Erscheinung, faszinierte mich so, dass mir der Gedanke völlig fern lag zu klären, welches Naturgesetz diesen Zauber hervorgerufen haben könnte. Einige Schritte weiter hatte die Burg ihr Gewand wieder gewechselt, und schien nun wie in einen kostbaren goldroten Mantel gekleidet. Nie zuvor hatte ich unsere Burg in einem solchen Licht gesehen. Es scheint, als ob sie sich wie ein Chamäleon verwandeln könne.

Als ich dann in die Ebene hinab stieg und der Reichenberg wieder meine Aufmerksamkeit beanspruchte, war ich ein wenig enttäuscht. Die Burg hatte all ihre Farbenpracht abgelegt und steht wie seit alten Zeiten Oppenweiler in ihrem bräunlichen Gewand als Wächter und den Wanderern als Begleiter zu Diensten. Aber weiß ganz genau, wie schön sie bei anderem Licht besehen, wirklich sein kann. Auch nicht schlecht, dachte ich.

Zur Nacht

Feine, zarte Grillenstimmen
füllen diese Nacht
und ein heiterer Sommerabend
entfaltet letzte Pracht.

Verführerische reife Düfte,
erdenschwere Lust
mischen sich im Abendsegen,
weiten Sinn und Brust.

Tausend ems´ge Mücklein
wiegen sich im Licht
und im Spiel von Teil und Ganzem
schwindet jede Pflicht.

Weit hinaus und wie im Flug
eilt das Herz ins Land,
lässt sich nieder bei den Dingen,
wiegt sie in der Hand.

Münster

 

 

 

Münster, traute Heimat, DU,

Memoria bist Du geworden,

ein Teil von Dir

bin ich in Worten.

Wo find ich wieder Rast und Ruh,

als Wanderer zu neuen Orten.

Werden wieder Glocken klingen,

Lambertis Rufen zu uns bringen?

Hochzeit

Wie beim Frühlingstanz im Mai,

schenkt das Leben immer neu,

frohe Lieder.

 

Unser Herz stimmt glücklich ein,

bindet Treu und Liebe fein,

in ein Sträußchen Flieder.

 

Und der Ahnen große Schar

bringt  das Paar nun zum Altar,

hohe Zeit!

 

Feierlicher Glockenklang,

geb ein ganzes Leben lang,

Euch Geleit.

 

 

 

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