Zur Nacht

Feine, zarte Grillenstimmen
füllen diese Nacht
und ein heiterer Sommerabend
entfaltet letzte Pracht.

Verführerische reife Düfte,
erdenschwere Lust
mischen sich im Abendsegen,
weiten Sinn und Brust.

Tausend ems´ge Mücklein
wiegen sich im Licht
und im Spiel von Teil und Ganzem
schwindet jede Pflicht.

Weit hinaus und wie im Flug
eilt das Herz ins Land,
lässt sich nieder bei den Dingen,
wiegt sie in der Hand.

Münster

 

 

 

Münster, traute Heimat, DU,

Memoria bist Du geworden,

ein Teil von Dir

bin ich in Worten.

Wo find ich wieder Rast und Ruh,

als Wanderer zu neuen Orten.

Werden wieder Glocken klingen,

Lambertis Rufen zu uns bringen?

Hochzeit

Wie beim Frühlingstanz im Mai,

schenkt das Leben immer neu,

frohe Lieder.

 

Unser Herz stimmt glücklich ein,

bindet Treu und Liebe fein,

in ein Sträußchen Flieder.

 

Und der Ahnen große Schar

bringt  das Paar nun zum Altar,

hohe Zeit!

 

Feierlicher Glockenklang,

geb ein ganzes Leben lang,

Euch Geleit.

 

 

 

Mein Herz geht auf Reisen

Mein Herz geht auf Reisen,
es soll sich erweisen,
ich suche die Liebste,
die Schönste mir aus.
Mein Herz geht auf Reisen,
ein Stern führt die Weisen
zu Dir o Maria,
da ruh ich mich aus.

O schönste der Frauen,
Dir kann ich vertrauen,
Dein Schutz und Dein Segen
bleibt ewig bestehen.
O liebste der Frauen,
auf Dich kann ich bauen,
Du kannst alle Fragen
und Sorgen verstehn.

Mein Herz das auf Reisen,
es will Dich heut preisen
Du schenkst uns o Mutter
Dein himmlisches Kind.
O lasst sie uns schauen,
ihr Männer und Frauen,
die LIEBE, die Himmel
und Erde verbind.

Liebe

Liebe, ewig drängend Wort
sprich, wer ist Dein Meister?
Raum und Zeit und jeden Ort
füllen Deine Geister.

Holder Spiegel, jeglich Ding,
wächst und reift in Dir zum Sinn
und vom Glanz der Ewigkeit,
fällt ein Strahl in unsre Zeit

Trifft homo sapiens Dein Zeichen
in der Stille am Altar,
müssen Last und Schatten weichen,
dunkle Wasser werden klar.

Befreit von aller Schulden Bann.
erklingt ein hoher Lobgesang
und durch die Zeit in langen Reihen
ziehn, die sich der Liebe weihen.

Hochzeit

Wie beim Frühlingstanz im Mai,
schenkt das Leben immer neu,
frohe Lieder.

Unser Herz stimmt glücklich ein,
bindet Treu und Liebe fein,
in ein Sträußchen Flieder.

Und der Ahnen große Schar
bringt das Paar nun zum Altar,
hohe Zeit!

Feierlicher Glockenklang,
geb ein ganzes Leben lang,
Euch Geleit.

E Schpiel

Ich schpiel mit Dir

und Du mit mir

mir schpiele z`semme

Du lernsch es mich

und ich lern Dich

de Name nenne

Und mengisch schpielt

no eine mit

dä chönnt uns kenne

als wär´ mr z`dritt

Der kleine Engel

 

 Auf Erden

Es gab einmal vor vielen Monden »eine arme Seele«. Sie lebte einst auf Erden, fromm und in Frieden. Güter und Reichtum verteilte sie an arme Menschen. Geld und Besitz hätten für ihre letzte Reise eh nichts genutzt. Wo hätte sie schon eine Fahrkarte in den Himmel lösen sollen? Als sie so an sich herunter sah, barfuss, mit einer Kutte wie sie Mönche tragen, kam sie sich recht unbedeutend vor. Sie war sich auch nicht mehr sicher, ob sie bei ihrem Lebenswandel das Geschenk des Himmels wirklich verdient hätte.

Ihre Jugendzeit, in der sie es mit den Tugenden nicht so genau genommen hatte, stand ihr noch lebhaft vor Augen. Sie liebte es damals, froh zu sein, Gesellschaft um sich zu haben, war dem Wein, dem lockeren Leben und den schönen Frauen verfallen. Bei genauer Betrachtung, war sie auch als Kind kein reines Lämmchen: Sie erinnerte sich an gestohlene Birnen, Äpfel und Kirschen und an so manche handfeste Lüge und kleinere Notlügen. Manchmal wäre es  besser gewesen, weniger hitzig zu sein, und nicht so kräftig Prügel auszuteilen, wenn sie sich im Unrecht fühlte.

Nachdem sie viele Jahre in Saus und Braus gelebt hatte, selbst dabei nicht wirklich froh wurde und auch erkennen konnte, dass andere Erdenbürger, trotz vieler Reichtümer, nicht glücklich wurden, kam sie ins Nachdenken. In dieser Zeit hörte sie einmal eine Stimme – wie vom Himmel -, die sie ermahnte und bat, sie möge doch die zerstörte Kirche wieder aufbauen. Wenn sie dem Herrn Jesu nachfolge und auf Reichtum verzichte, dann könne sie hundertfältigen Lohn erwarten und sehr glücklich werden.

In ihrer Erdenzeit war die arme Seele immer sehr großzügig und hielt ihre Tisch- und Zechgenossen frei. Nun legte sie die schönen Kleider ab, gab ihr Erbe preis und teilte den Reichtum mit den Armen. Jetzt erst bemerkte sie, wie viele hilfsbedürftige Menschen es gab. Die einen hatten kaum etwas zu essen. Andere waren mutlos und verzweifelt, wussten mit ihrem Leben nichts anzufangen oder lagen krank und siech danieder.

Die arme Seele behielt für sich nur noch eine Kutte,  die sie vor Kälte und Regen notdürftig schützte, Sandalen und einen Wanderstab. Wenn sie über ihr bisheriges Leben nachdachte, vergoss sie manche Träne. In lauen Nächten schlief sie unter Bäumen und wenn es kalt wurde, in einer Höhle. Sie ernährte sich von Beeren und Pilzen und von Gaben meist selbst sehr armer Menschen. Die arme Seele betete, wie sie es gelernt hatte, das Kreuzzeichen, Vaterunser, Ave-Maria auch für die Kirche und pries Gott für alle Gaben

Andere fromme Seelen bemerkten, dass die arme Seele zufrieden und glücklich war mit den schönen Dingen, die es auf Erden gab. Wenn sie sich irgendwo im Walde zur Rast setzte, konnte es geschehen, dass Tiere ihr Gesellschaft leisteten. Rehe, Hasen, selbst der mächtige Hirsch suchten die Nähe zur armen Seele, die stets bereit war, ihnen von dem Wenigen das sie besaß, etwas ab zu geben. Manchmal brauchte sie nur die Hand auszustrecken und eine Amsel oder Elster ließ sich darauf nieder. Wenn dann alle Tiere versammelt waren, konnte es geschehen, dass sie ihnen wie ein Pfarrer im Gotteshaus, eine Predigt hielt. Die Tiere waren dabei mucksmäuschenstill und jagten selbst die lästigen Mücken nur mit größter Sorgfalt weg. Die arme Seele hatte nämlich in ihren Predigten dazu aufgerufen, dass großer Friede herrschen solle. Erst, wenn sie nach einer solchen Versammlung allen den Segen erteilt hatte, zogen die Tiere ihres Weges.

Eines Tages war die arme Seele unter einem großen Birnbaum eingeschlafen. Plötzlich erscholl zartes Engelsgeläut, das immer näher kam. Da ertönte eine tiefe Stimme, die sprach: » Franziskus, Franziskus! « Die arme Seele erschrak. Dann kamen einige kleine Engel herbei. Sie hielten Glocken in den Händen, denen sie himmlische Töne entlockten. Die Engelein mit den kurzen weißen Röcken und ihren goldenen Haaren trugen keine Schuhe. Die brauchten sie ja nicht, denn Engel fliegen meistens. Sie sangen so schön den Kanon: »Fürchte Dich nicht! «, dass die arme Seele nicht mehr vor Angst zittern musste.

Nun ertönte die tiefe Stimme wieder, die ihr den Auftrag gab: »Bau mir die zerstörte Kirche wieder auf! « Die arme Seele duckte sich tief zu Boden und antwortete bedrückt: » Ich habe nur zwei Hände und bin es nicht gewohnt, schwere Steine zu schleppen, zudem weiß ich nicht, wo ich die Kirche finden soll. « Die Stimme antwortete: » Mach alles wie bisher. Ich werde dafür sorgen, dass du verwandte Seelen finden wirst, die dir helfen. « Frohgemut erhob sich die arme Seele und wanderte weiter. Eines Tages sah sie vor sich ein kleines Kirchlein, das schon bessere Tage gesehen hatte. Sofort begann sie damit, das verfallene Mauerwerk auszubessern.

Da kamen unerwartet einige junge Männer daher, die bemerkten, wie schwer es der armen Seele fiel, allein für die Kirche zu sorgen. Sie erzählten, dass sie von weit her gekommen seien. Als sie von dem Leben der armen Seele hörten, hätten auch sie auf ihren Reichtum verzichtet, sich Kutten übergestreift und seien auf Sandalen hierher gewandert, um wie die arme Seele zu leben. Diese kräftigen Männer packten mit an, beteten mit der armen Seele zusammen bei der zerstörten oder in einer der anderen Kirchen in der Umgebung. In kurzer Zeit wurde die zerstörte kleine Kirche wieder aufgebaut. Nun hatten sie einen Ort zum gemeinsamen Beten gefunden.

Der Ruf der Mönche verbreitete sich in der Region und es schlossen sich ihnen immer mehr Brüder an. Die arme Seele bemerkte aber die tiefste Not der Menschen und tat alles, um sie mit seinen Freunden zu trösten, ihren Glauben an den Herrn Jesu zu stärken und sie zu Liebe und Frieden anzuhalten. Das Weihnachtsfest, die Geburt des Herrn, feierten alle Brüder zusammen in einer alten Scheune. Es kamen arme Menschen und Hirten aus der Umgebung hinzu. Sie priesen Gott für das kleine Jesuskind, beteten und sangen zusammen frohe Lieder.

Und so geschah es viele Jahre, bis die arme Seele todmüde im Kreise ihrer Freunde starb. Sie schien aber gar nicht unglücklich zu sein, denn sie freute sich, dem Herrn im Himmel zu begegnen. Zum letzten Mal erteilte sie allen, die von weit her gekommen waren, trauerten und weinten, den Segen und sagte: » Seid nicht traurig, und macht alles so, wie bisher und wie ich es in diesem Buch aufgeschrieben habe«

Vor dem Himmelstor

Als die arme Seele nach langer Reise etwas müde und zerzaust vor dem großen Himmelstor stand, ging ihr das ganze Erdenleben durch den Kopf. Da öffnete sich das goldene Tor langsam und ein erhabener Engel in leuchtendem Gewand trat heraus. In der Hand hielt er ein feuriges Schwert. So schön hatte sich die arme Seele den Erzengel Michael nie vorgestellt. Wenn ihr in diesem Augenblick nicht der eigene Schutzengel beigestanden wäre und ihr ins Ohr geflüstert hätte: » Der Erzengel Michael tut Dir nichts, er muss im Himmel nur nach den Rechten sehen. Einer armen Seele kann er schon deswegen nichts antun, weil er Mitleid mit ihr hat«, hätte die arme Seele umgehend das Weite gesucht. Sie hatte zudem bemerkt, dass der Erzengel Michael ein Lächeln nicht ganz verkneifen konnte. So etwas zu erkennen, darauf verstand sich die arme Seele, denn sie hatte auf Erden oft und gerne gelacht.

Nun kam auch der Heilige Petrus heraus. Ihn erkannte die arme Seele sofort, denn er trug in seinen Händen die großen, goldenen Schlüssel für die Himmelstüre. Es gesellte sich auch der Heilige Paulus dazu. Ihn zu erkennen fiel der armen Seele nicht schwer, denn sie war sich sicher, wo Petrus ist, kann Paulus nicht weit sein und zudem hatte er in seiner Hand eine große Bibel. Der Heilige Petrus ergriff das Wort: » Wir wollen von Dir hören, wie Dein Name ist, was Du auf Erden vollbracht hast und warum Du begehrst, in den Himmel aufgenommen zu werden? « Ach, so viele schwierige Fragen und was wird geschehen, wenn ich erklären muss, dass ich keine ganz reine Weste habe? Der Schutzengel bemerkte, dass die arme Seele wie Espenlaub bei diesen Gedanken zitterte, und flüsterte ihr zu: » Die fressen Dich nicht, erzähl ruhig eins nach dem andern und wenn Du einen Fehler machst, zupf ich Dich an Deiner Kutte, dann kannst Du Dich verbessern. «

Mit etwas leiser Stimme begann die arme Seele die Fragen zu beantworten: » Früher nannten mich meine Eltern Franziskus, als ich aber, um Jesus nachzufolgen, mein Leben änderte, das Geld an die Armen verschenkte und selbst nichts mehr besaß, fühlte ich mich als eine arme Seele. Diesen Namen behielt ich dann bei, als Freunde zu mir kamen. Der Heilige Petrus schaute gütig auf die arme Seele hinunter und sagte: » Zunächst, rede mit uns lauter, den Paulus und ich hören nicht mehr so gut, wie zu der Zeit, als wir auf Erden herum wanderten, um den Menschen den Glauben an Jesus zu verkünden. Dann wandte er sich kurz an Paulus, besprach sich mit ihm und entschied: » Von jetzt an wirst Du den Namen Franziskus wieder tragen, das hört sich im Himmel besser an. Zudem wirst Du in die Kleiderkammer gehen und Dir dort ein weißes Engelkleid und einen goldenen Heiligenschein abholen, den Du fortan sorgfältig pflegen musst, damit er seinen Glanz nicht verliert. Schuhe sind nicht nötig. Du kannst deine Kutte und die ausgetretenen Sandalen in der Kleiderkammer abgeben. Engel und Heilige brauchen keine Schuhe. Sie können alle fliegen. Die arme Seele hatte nicht damit gerechnet, dass sie die geliebte Kutte und die Sandalen abgeben müsste, aber was tut man nicht alles, um in den Himmel zu kommen. Nun schlug Paulus die Heilige Schrift auf. Der armen Seele fiel ein: » Genau wie beim Nikolaus «, und mit dem hatte sie schlechte Erfahrungen gemacht.

Der Heilige Paulus hatte einen Spickzettel in großer Schrift in seiner Bibel, denn er konnte nicht mehr gut sehen. Dann hob er an: » Erzähle mir frei heraus, was Du auf Erden mit Gottes Hilfe Gutes getan, unterlassen oder falsch gemacht hast! « Das Herz der armen Seele klopfte mächtig. Der Schutzengel bemerkte die Angst und sagte: » Franziskus, nimm Dich zusammen, es wird schon alles gut werden! « Da schaute er dem Heiligen Paulus fest in die Augen und begann, zunächst stotternd, dann immer flüssiger zu reden: »Ich habe schon in meiner Kindheit den Eltern oft widersprochen, in Nachbarsgärten Birnen und Äpfel gestohlen, und bin ohne Erlaubnis auf Kirschbäume geklettert, um Kirschen zu naschen. Später habe ich mit meinen Freunden oft gezankt. Wenn sie nicht das machten, was ich wollte, habe ich sie verprügelt. Ich habe in feinen Kleidern, die armen Menschen übersehen, an üppigen Gelagen teilgenommen und mich mit vielen Mädchen amüsiert. Und was sehr schlimm war: Ich habe oft, wenn ich mich sehr über eine Untat schämte, gelogen.

Gelogen, wollte Petrus entrüstet einwenden. Da bekam er von Paulus einen Stoß. Er flüsterte ihm ins Ohr; » Und wie war es damals, bevor der Hahn dreimal krähte? «  Petrus bekam einen roten Kopf und hielt sich mit der Nachfrage in diesem Punkt beschämt zurück.  Franziskus fuhr fort: » Es dauerte sehr lange, bis ich erkannte, dass ich bei den Ausschweifungen nicht glücklich wurde und die Freunde mit all ihrem Besitz ebenso wenig, obwohl mir mein Schutzengel mächtig ins Gewissen redete. Da bekam Franziskus einen Stoß und der Schutzengel flüsterte ihm zu: » Das mit dem Schutzengel war überflüssig! « Erst von dem Augenblick an, als ich die Kutte nahm und versuchte, in Sandalen wie der Herr Jesus herumzuwandern, zu beten den Frieden zu verkünden, die Armen versorgte und den Kranken half, ging es mir besser. Ich freute mich an Pflanzen, Tieren, Sonne, Mond und Sternen, konnte lachen und sogar den Tieren predigen. Verzeih mir, Heiliger Paulus, mir fallen, außer dass ich die zerstörte Kirche mit Freunden zusammen wieder aufbaute, keine weiteren guten Werke in meinem Erdenleben zu meiner Entlastung ein. » Um so mehr habe ich dazu in meiner goldenen Bibel auf einem besonderen Blatt mit dem Namen Franziskus aufgeschrieben «, gab der Heilige Paulus zur Antwort. Dann wandte er sich zur armen Seele und sagte feierlich: » Du hast verdient, in den Himmel eingelassen zu werden, den Jesus Dein Freund, dem Du nachgefolgt bist. hat Dir schon lange all Deine Schuld vergeben.

Der Heilige Petrus nahm den goldenen Schlüssel und wollte die Himmeltür öffnen, da wandte sich die arme Seele an ihn und bat: » Ich habe schweren Herzens zugestimmt, meine Kutte und die Sandalen abzugeben, darf ich wenigsten im Himmel »ein kleiner Engel« sein?Die Heiligen Petrus und Paulus mussten bei dieser Bitte ein wenig lächeln. Dann aber fiel Paulus ein, dass der Herr gesagt hatte, wer nicht so klein sei, wie ein Kind, komme nicht in das Himmelreich. Sie befanden, dass es damit einen »höchsten Grund« gebe, der armen Seele diese Bitte nicht abzuschlagen.

Im Himmel

Der kleine Engel wurde, nachdem er mit einem weißen Kleid und einem nagelneuen Heiligenschein aus purem Gold ausgestattet war, von Petrus und Paulus persönlich in den Himmel geleitet. Sein Schutzengel hielt sich dabei etwas zurück, blieb aber für alle Fälle auch im Himmel in der Nähe von Franziskus.  Gleißendes Licht erfüllte den unendlich großen Raum. Der kleine Engel musste sich erst langsam an das Licht, heller als tausend Sonnen, gewöhnen. Er hatte ja auf Erden viele Male versucht, sich vorzustellen, wie es im Himmel ausschauen könnte. Jetzt erst wurde ihm klar, dass eine solche Pracht, unvorstellbar ist. Es leuchtete ihm auch ein, dass es ratsam war, sich zuvor neu einzukleiden. In Kutte und Sandalen wäre er sich hier doch sehr komisch vorgekommen.

Der Erzengel Michael befahl, und sogleich ertönten himmlische Posaunen. Alle Augen richteten sich auf den kleinen Engel, der im großen Himmelstor noch kleiner wirkte. Sein Schutzengel stieß ihm in die Seite und sagte leise: » Flieg schnell ein wenig in die Höhe, damit dich alle sehen können! « Die glasklare Stimme des Erzengel Michael war nicht zu überhören:  » Wir begrüßen unter uns den kleinen heiligen Engel Franziskus ! «  Wie gern hätte sich Franziskus in diesem Augenblick wieder in  der Kapuze seiner Kutte versteckt. Mit was konnte er es verdient haben, ein Heiliger zu sein? Gut, dass sein Engelskleidchen verbarg, wie sehr ihm die Beine zitterten. Da spürte er seinen, Freund, den Schutzengel neben sich, der ihm zuflüsterte: » Franziskus bewahre Haltung, zeig ihnen allen, was ein kleiner Engel ist! « Er wäre jetzt am liebsten so groß gewesen, wie der Erzengel Michael. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich so gut es ging, zu recken und zu strecken und einige Male in die Höhe zu fliegen, damit ihn auch die Letzten im Himmel noch sehen konnten. Als ihn dabei unversehens ein kleines Stäubchen heftig in der Nase kitzelte und er ein-, zweimal kräftig niesen musste, war der Bann gebrochen. Ein rauschender Beifall zeigte ihm, dass er bei allen im Himmel angekommen war und er beschloss, auch seine anderen Talente zu nutzen, um die himmlische Heerschar gelegentlich zu erheitern. Sein Schutzengel würde ihn sicher erinnern, wenn er gegen irgendeine Ordnung verstieße.

Jetzt erst hatte er sich genügend an das helle Licht gewöhnt, um einen Blick in die festliche Versammlung wagen zu können: In der Ferne, alles überragend, sah er Gott Vater, Sohn und den Heiligen Geist in aller Herrlichkeit auf goldenen Thronen sitzen. In strahlendem Licht, umgab die Heiligste Dreifaltigkeit eine große himmlische Heerschar, die immer wieder Lob, Preis, Ehre, Dank und Halleluja sang. In der Nähe waren die Heiligen, Päpste, Kirchenlehrer, Kardinäle und Bischöfe platziert, und dann zu beiden Seiten, wie in einer Konzilsaula, die Priester, Ordensleute und frommen Seelen, Palmwedel in den Händen, mit denen sie sich ab und zu Kühlung zufächerten. Zu Füßen der Dreifaltigkeit lagerten fromme Hirten, die drei Könige, Ochs und Esel, Josef und Maria.

Der kleine Engel schaute nach oben. Das ganze Himmelsgewölbe war mit Sternen übersät, die glitzerten. Auch Sonne und Mond waren zu sehen, aber viel schöner als auf Erden. Alles Geschaffene verherrlichte Gott. Franziskus hatte ja immer ein wenig Sorge, ob neben den vielen Heiligen auch der Kosmos, Tiere und Pflanzaen, im Himmel noch Platz finden könnten. Jetzt war es gut. Alles was er in seinem Erdenleben liebte, fand sich – zwar etwas anders -, aber auf seine Weise im Himmel wieder. Der kleine Engel, hoch zufrieden, musste einfach einen Weg finden, um seine Freude auszudrücken.

So schwirrte er denn vor Glück, im ganzen Himmel herum. Eine Ewigkeit lang würde er all die Pracht, Herrlichkeit und die himmlische Musik erleben dürfen. Er betrachtete es auch als einen großen Vorteil, ein kleiner Engel zu sein, denn so konnte er ohne großes Aufsehen, allen Anwesenden seine Aufwartung machen. Natürlich würde dafür eine Ewigkeit nicht ausreichen. Es musste aber die Rangfolge eingehalten werden, das hatte er schon gelernt.So flog er unauffällig an der obersten Reihe, wo die frommen Seelen Platz gefunden hatten vorbei, schlich sich unter das Gesinde von Maria und Josef, denn dort waren auch noch kleine Engel, ganz nahe an die Heiligste Dreifaltigkeit heran gerückt. Da juckte es ihn im rechten Zeigefinger so sehr, dass er es wagte, den großen Zeh Gott Vaters ein wenig zu kitzeln. » Huch! « sagte Gott Vater. Er, der Allwissende, hatte natürlich sofort bemerkt, wer ihn berührte.

Der  kleine Engel sank in sich zusammen, als ihm sein Schutzengel eine mächtige Standpauke hielt: » Es zieme sich nicht, auch nicht für einen Heiligen Franziskus, Gott zu berühren! « Der kleine Engel hatte nun wirklich nichts zu seiner Verteidigung vorzubringen. Es wurde ihm zusehends übel. Gott Vater sah seinen Sohn und den Heiligen Geist an und lächelte ein wenig. Dann sprach er besänftigend zum Schutzengel:  » Richte den kleinen Engel wieder auf!  Und zu Franziskus: » Es darf niemand Gott berühren, es sei denn aus Liebe! « Ich habe aber einen Auftrag für Dich: » Du sollst mein Sendbote im Himmel sein und Dich unauffällig an alle heranwedeln, die beim großen Halleluja einschlafen. Du magst sie dann mit einem kleinen Schabernack zum Lachen bringen, damit sie wieder bei der Sache sind. Franziskus machte vor der Heiligsten Dreifaltigkeit die größte Referenz, zu deren er fähig war, trat dabei aber auf sein Röcklein, so dass er stolperte und der Heiligenschein mächtig verrutschte. Sein Schutzengel war aber, wie immer, sofort an seiner Seite, half ihm auf die Beine und setzte ihm den Heiligenschein wieder zu Recht.

Der kleine Engel betrachtete seinen Auftrag, direkt vom lieben Gott, als eine große Auszeichnung. Er gefiel ihm besonders, denn er hatte zur Erdenzeit schon oft und gern gelacht. Nun kicherte er vergnüg  in sich hinein beim Gedanken: Wer zuletzt lacht, lacht am besten! In Gegenwart der Heiligsten Dreifaltigkeit so viel Schönheit, Pracht und Freiheit ewig erleben zu dürfen; wer sollte da nicht in den Himmel kommen wollen?

 

 

 

 

Der alte Mann und die Frau

Gelegentlich begegne ich dem alten Mann, der aufrecht und nachdenklich seinen Weg geht. Seine erkennbaren körperlichen Beschwer-en, scheinen ihn nicht besonders zu beeindrucken. Blickt er mich mit seinem von Falten zerfurchten Gesicht, der markanten Nase, dem energischen Kinn und den leicht abstehenden, auf Empfang gestellten Ohren freundlich an, empfinde ich Sympathie und Respekt. Seine fragenden, zugewandten Augen, in denen Güte, Weisheit und Kraft aufleuchtet, fesseln mich immer wieder. Manchmal wirkt er, wenn er ruhig und bestimmt vorwärts schreitet, mitgenommen. Es entsteht aber nie der Eindruck, als könne er in schwierigen Zeiten seine Ziele aus den Augen verlieren. Mit einem Wort: Der alte Mann fasziniert mich. Er scheint ein gutes Herz zu haben. Bei unseren Begegnungen kann ich mich immer ein wenig an ihm aufrichten. Seine Erscheinung ermutigt ohne Worte. Ab und zu wirkt er in sich gekehrt, als ob ihn viele Gedanken bewegten. Ich frage mich immer mehr, was ihn beschäftigt, aus welchen Quellen er lebt und handelt, welche Ziele er verfolgt? Er könnte sicher manche Geschichte aus seinem Leben erzählen. Vielleicht lässt er sich bei unserer nächsten Begegnung ein wenig in seine Seele blicken?

Es überrascht mich nicht sonderlich, den alten Mann, der mich auf meiner Wanderung beschäftigt, nach einer Wegbiegung in der Ferne wirklich zu sehen. Wir sind offensichtlich in der gleichen Richtung unterwegs. Mir wäre es nie in den Sinn gekommen anzunehmen, es könne ihm in seinen Sportschuhen an Tempo gelegen sein. Im Gegenteil. Heute wirkt sein Gang beschwerlicher als sonst, müder aber nicht kraftlos. Langsam, als sei jeder Schritt kostbar, geht er mit Hilfe von Stöcken vorsichtig voran. Der Rücken könnte ihm Beschwerden bereiten. Ab und zu wandern seine Blicke in die umgebende Natur, die gerade jetzt in der Sommerzeit wie eine reife Frau ihre volle Schönheit entfaltet. Die Felder, Wiesen und Wälder stehen stolz in der Tracht ihrer farbenfrohen Gewänder. Ich kann beobachten, wie der Alte die emsigen Bauern freundlich grüßt. Er scheint mit ihnen ebenso vertraut, wie mit den Vögeln, der wärmenden Sonne, dem Plaudern des Baches, den leuchtenden Blumen und duftenden Gräsern am Wegrand. Der alte Mann scheint sich die Zeit zu gönnen, um all die Gaben des Sommers dankbar zu betrachten und die vielfältigen Stimmen der Natur zu genießen. Unvorstellbar für mich, ihn zu einer rascheren Gangart bewegen, zu wollen, denn das könnte ihn ja bei seinen „Geschäften“ stören. Ganz sicher würde er, eine solche Aufforderung ruhig und bestimmt mit der Bemerkung ablehnen, dass er schon oft in gleichem Schritt und Tritt gegangen und angehalten wurde, Tempo aufzunehmen und dies nun getrost den Jungen überlassen könne.Wenn ich seine trotz des höheren Alters durch trainierte Gestalt vor mir sehe, legt sich mir der Gedanke nahe, dass ihm Sport und Bewegung von Kindesbeinen an vertraut sind. Es würde mich gar nicht überraschen, wenn er mir ruhig und stolz erzählte, dass er auch heute noch jeden Tag Gymnastik treibe. Ob er Sportgeräte in seiner Wohnung hat? Überhaupt, wo und wie er wohnt, beginnt mich zunehmend zu interessieren. Ich halte ihn offen gestanden auch für einen Geistessportler und kann mir gar nicht vorstellen, dass er zu Hause nur vor dem Fernseher sitzen könnte. In solchen Gedanken befangen, kommen wir beide uns auf unserem Weg näher. Es fällt mir dabei auf, dass der alte Mann im Gegensatz zu den vielen Frauen, die mir unterwegs begegnen, wenig daran interessiert scheint, sich ein attraktives jugendliches Aussehen zu geben. Er trägt, wie so oft, eine Cordhose und ein leichtes, blaues Wollhemd. Die locker das Haupt umspielenden, leicht schütteren weißen Haare, harmonieren gut mit Blau. Heute lächelt er mich besonders einladend an. Dabei treten seine Lebensringe, die Gesichtsfalten besonders deutlich hervor. Wie viele Jahre mochte er auf dem Buckel haben? Obwohl die Oberlieder der Augen nach Unten drücken, behindern sie seinen freimütigen Blick nicht. Wird es heute zu einem Gespräch kommen? Ich war mehr als bereit dazu. Das zugewandte Antlitz ließ einiges erwarten.

Ich lasse die leichte Beklemmung und Unsicherheit, die mich als wir uns auf Augenhöhe begegnen befällt, beiseite, und grüße ihn in der mir möglichen Offenheit mit einem freundlichen »Grüß Gott! «. Er wandte sich mir voll zu und antwortet mit sonoren Stimme: » Grüß Gott, ein wunderschöner Tag ! Sie sind auch schon unterwegs, wie die Bauern auf dem Feld, die zu diesen Wiesen und Äckern gehören! «. Ich hatte mich nicht getäuscht. Er hatte tatsächlich mit den Bauern gesprochen und scheint sie gut zu kennen. Offensichtlich kommt er auch mir sehr entgegen. Der alte Mann scheint sich auf ein Gespräch mit mir zu freuen und sich dabei gut zu fühlen. Seine Hände und Arme, sind von der Sonne gebräunt, das Gesicht leicht gerötet. Der Blick ist zugewandt auf mich gerichtet, als modelliere er meine Gestalt. Ich frage mich, wie alt er sei? Der jugendliche Scharm und die lebhaften Gesten, die seine Worte begleiten, erschweren es, mich auf eine Jahreszahl fest zu legen. Ich gebe es schließlich auf, nachzugrübeln, wie ein Gespräch zwischen einem mehr als ein halbes Menschenleben Älteren und mir verlaufen könnte, welche Regeln da zu beachten wären, und ob er an einem Gedankenaustausch mit mir Interesse haben könnte. Meinen ganzen Mut, die Distanz zu überbrücken, lege ich in die Worte: » Wir sind uns nun schon so oft begegnet und heute begrüßen sie mich besonders einladend, so dass ich mir erlaube, sie zu fragen, ob wir nicht ein wenig gemeinsam wandern könnten? Er schien meine Bitte erwartet zu haben und gab freundlich zurück: Er kenne mich auch nur vom Sehen, das müsse uns aber nicht hindern, mit einander ein wenig zu wandern und zu plaudern. Ihm sei im Moment danach. Der Bann war gebrochen; nun konnte mich nichts mehr hindern mit dem alten Mann zu reden.

Er schlug vor, uns Zeit zu lassen, um das auch mir sehr vertraute Tal hinauf durch den Wald den Berg hinan über Zell zurück nach Oppenweiler zu gehen. Ich gab mir Mühe, mich auf sein Tempo einzustellen. Es war nicht einfach für mich, da ich sehr wohl eine raschere Gangart gewöhnt bin. Er schien dies zu bemerken und sagte: » Ist es Ihnen unangenehm, langsam zu gehen? « Ich fühlte mich ein wenig ertappt, sah aber keinen Anlass, etwas zu verheimlichen und antwortete wahrheitsgemäß: » Ich gehe zwar allein viel schneller. Um mich mit Ihnen zu unterhalten, könnte ich mich aber auf ihren langsameren Schritt gut einstellen «. Wir wanderten nun geruhsam den uns bekannten Weg zum Brückle und die Steigung hinauf in den Wald. Der alte Mann nahm mir die Bürde ab, das Gespräch zu beginnen, und verwies auf seine beiden Stöcke: » Diese Hilfen benötige ich erst seit zwei Jahren. Nun wohne ich mit meiner Familie seit fünfundzwanzig Jahren hier in Oppenweiler. Den Weg, den wir zusammen gehen, bin ich früher im flotten Tempo gerannt. Mir ist fast jede Grasnarbe am Wegesrand bekannt. Ich hatte mir damals mein Laufpensum in Intervalle eingeteilt. Es war mir wichtig, die Strecke möglichst in immer kürzerer Zeit zu bewältigen. Ich stieg auch gern auf mein Rennrad, vergnügte mich beim Schwimmen, Tennisspiel und beim Wintersport. Gut dass ich das alles kenne, denn von all dem sind heute nur die tägliche Gymnastik und das geruhsame Wandern übrig geblieben.

Es hat mich aber sehr gekränkt, als ich nach und nach alle die mir lieben Sportarten nicht mehr ausüben konnte. Nun bin ich jedoch so weit, Ihnen und denen, die schneller gehen oder rennen können, dies Vergnügen von Herzen zu gönnen, denn ich entdeckte, dass ich beim langsamen Gehen sehr viel mehr erleben kann. Erst in diesem Jahr habe ich all das, was auf einem gemütlichen Spaziergang geschehen kann, in einer Erzählung beschrieben «. Der alte Mann kam so richtig in Fahrt, als er von seinen vielen Sportarten erzählte, die ihm offensichtlich früher Freude bereiteten. Er schien dabei gar nicht zu bemerken, dass uns beide mehr als ein halbes Menschenleben trennt. Dies ermutigte mich, ihm zu gestehen, dass ich mir bereits überlegt hätte, ob er sportlich interessiert sein könnte und dass ich mich schon länger frage, wie alt er wirklich sein könnte. Er gab mir zur Antwort: » Mit fünfundsiebzig Jahren habe ich meine berufliche Tätigkeit beendet und die Praxis abgegeben. Nun bin ich seit zwei Jahren im Ruhestand und ununterbrochen dabei zu lernen, mit der zur Verfügung stehenden Zeit sinnvoll um zu gehen. Bei einer meiner mir sehr wichtigen Beschäftigungen, den Wanderungen um Oppenweiler herum, haben wir uns ja kennen gelernt. Wenn Sie wollen, dann schenke ich Ihnen gerne die Erzählung von mir, damit Sie entdecken können, was dieser Weg mit dem Blick auf den „Reichenberg“ und über Zell zurück im Wechsel der Jahreszeit zu bieten hat «.

Ich war nun doch überrascht. Kaum zu glauben, dass dieser lebhafte und interessierte Mann schon siebenundsiebzig Jahre alt sein sollte. Für einen Moment wünschte ich mir selbst, dass ich einmal ebenso lebendig und bei Kräften sein dürfte, wenn ich so alt wäre. Ich gab ihm wahrheitsgemäß zur Antwort: » Ich hatte erwartet, dass Sie höchstens auf fünfundsiebzig Lebensjahre zu gehen. Umso erfreulicher sei es für mich, so miteinander reden zu können, als gäbe es keinen Altersunterschied zwischen uns. Ich spüre auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Ihrer Lebenssituation: » Seit Jahren bin ich in einem ständigen Lernen und stehe mit meinem Biologie- und Chemiestudium zur Zeit im Examen mit all seinen Unwägbarkeiten und den Problemen, die auch danach auf mich zukommen. Es gibt noch eine weitere Ähnlichkeit. Bei meinen zeitlich aufwendigen Studien komme ich selten zum Ausgleichssport. Es wäre schon viel gewonnen, wenn ich wie Sie, täglich gymnastische Übungen durchführte. Daher nehme ich mir jetzt wieder fest vor, für sportliche Interessen mehr Zeit einzuplanen, damit ich mir später den Vorwurf ersparen kann, etwas versäumt zu haben «.

Das Eis war gebrochen. Das unterschiedliche Alter spielte nun keine Rolle mehr. Ich war wie befreit von einer Last. Der alte Mann hatte wirklich eine Fähigkeit, Distanz abzubauen, um ein offenes Gespräch zu ermöglichen. Er schien auch keine Scheu zu haben, mich als junge Frau ernst zu nehmen. Im Gegenteil. Er empfand offensichtlich Vergnügen dabei mit mir Erfahrungen auszutauschen. Das nun spürbare Vertrauen erlaubte mir eine weitere Frage zu stellen: » Ich habe mehrfach beobachtet, dass Sie mit den Bauern auf dem Feld reden. Es schien so, als ob Sie deren Tätigkeit zu schätzen wüssten «. Er schaute mich wohlwollend an und erklärte: » Das wäre eine längere Geschichte. Wenn sie wollen, dann schenke ich Ihnen eine Erzählung, die davon berichtet, wie ich in den Kriegsjahren bei meinen Verwandten auf dem Hotzenwald die Arbeit in der Landwirtschaft in Feld und Wald rund ums Jahr kennen lernte. Sie haben richtig beobachtet, ich schätze die fleißigen Bauern unserer Umgebung sehr und lasse keine Gelegenheit aus, sie das spüren zu lassen. Kenne ich doch die Mühen und Liebe zur Scholle aus eigener Erfahrung. Dies gilt übrigens für alle „Werktätigen“ hier am Ort. Ohne die Menschen in den Betrieben Büros, der Verwaltung, im Gesundheitswesen und den Behörden, ohne unsere Lehrer, Mütter Putzfrauen und Müllmänner könnten wir nicht so leben, wie wir es heute gewohnt sind. Davon, schränkte er ein, steht aber wenig in den Gazetten. Und auch die Medien sprechen kaum von diesen Helden des Alltags, die sich engagiert in Staat und Gesellschaft einsetzen «. Ich erschrak ein wenig bei dem Gedanken, dass so viele Menschen auch für mich tätig sind, an die ich bisher wenig gedacht hatte. Gab dann etwas betroffen zur Antwort: » Offensichtlich hatte ich Sie richtig eingeschätzt, denn ich bemerkte, wie freundlich Sie mit den Bauern sprachen. Dass Ihnen die vielen anderen Berufstätigen aber genau so wichtig sind, hat mich sehr berührt. Denn offen gestanden, darüber habe ich bisher wenig nachgedacht «. Der alte Mann verzog sein Gesicht zu einem gnädigen Schmunzeln und entgegnete: » Seien Sie unbesorgt, in Ihrem Alter, sie haben mir ja noch nicht gesagt, wie „ jung“ Sie wirklich sind, machte ich mir über manches, was mich heut bekümmert, ebenso wenig Gedanken. Da hatte auch ich andere Interessen. Sie haben ja noch ausreichend Zeit vor sich und sollten sich keine Vorwürfe machen «.

Der alte Mann stand für mich plötzlich nicht mehr auf einem Sockel. Wir begegneten uns auf „Augenhöhe“. Er verlor zwar einige Lorbeerblätter aus dem Kranz meiner Idealisierung, den ich ihm aufgesetzt hatte, gewann dafür aber umso mehr menschliche Züge. Es brauchte sicher einige Jahrzehnte, um nicht nur weiße Haare sondern auch diese Altersweisheit zu bekommen. Wie tröstlich für mich. Ich gab zur Antwort: » Es ist schön zu wissen, dass ich neben dem Leistungsstress im Studium nicht auch noch in einen Wettkampf zur Aneignung von Altersweisheit einsteigen muss und dass mir dazu mit meinen fünfundzwanzig Jahren -jetzt wissen Sie auch wie alt ich bin- noch genügend Zeit bleibt. Ich kann mir jetzt bei Begegnungen mit älteren Menschen, die ich gelegentlich bewundere sagen, dass sie alle auch einmal jung waren. Noch mehr: Dass Älterwerden nicht dazu führen muss, jeglichen jugendlichen Elan und Scharm zu verlieren. Eine durchaus tröstliche Vorstellung.

Der alte Mann blieb unvermutet stehen, wirkte sehr nachdenklich und sagte: » Wissen Sie das mit „Jung und Alt“ ist so eine Sache. Ich erinnere mich sehr gut an die Zeit, als ich mit fünfundzwanzig Jahren Stadtrat war und eine kleine Partei führte. Damals hatte ich mir -bildlich gesprochen- bereits die Pantoffeln unveränderlicher Grundhaltungen eines Opas übergestreift. Demgegenüber bin ich heute trotz fester Überzeugungen in einer weltoffenen Haltung wieder jünger geworden. Es gibt offensichtlich „alte Junge und junge Alte“. Ein Grund mehr, um über die Altersgrenze hinweg miteinander im Gespräch zu bleiben. Übrigens geschieht das gerade eben im Kontakt mit Ihnen «. Dieser spontane Dialog mit dem jungen-alten Mann hatte es für mich in sich. Ich kannte Diskussionen über die „Älteren“ in unseren Krei-sen bisher nur unter der Fragestellung, welche Einschränkungen es für uns „Junge“ bringen müsse, die immer größere Zahl der Rentenempfänger durch zu füttern. Hier tauchte nun eine völlig neue Sicht der Begegnungen und des Austausches zwischen den Generationen auf. Ich gab zur Antwort: » Offensichtlich gilt es zu prüfen, wer von den Alten oder Jungen die Pantoffeln festgelegter Meinungen in der jeweiligen Situation angelegt hat. Hoffnung macht mir allerdings der Gedanke, dass sich Vorstellungen ausgleichen und unter Umständen verändern lassen. Ich frage mich im Moment auch, ob wir es uns gesellschaftlich auf Dauer leisten können, auf die Lebenserfahrungen anderer oder älterer Menschen zu verzichten «.

Jetzt fiel mir der jung gebliebene Alte spontan ins Wort mit der Bemerkung: » Das mit dem Lernen gilt sicher auch in umgekehrter Richtung: Ein sehr wichtiger Erfahrung beim Einstieg in den Ruhestand war für mich der Umgang mit den neuen Medien. Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Töchter mit dem PC, Handy, Fernsehen und deren Speichermedien, mit Digitalkameras etc. beneidenswert gut um zu gehen verstehen. Es ist nicht zu beschreiben, wie oft ich bei meinen Jungen in die Lehre ging, um nur einige der wichtigsten Funktionen, der Geräte zum Medienzugang und damit zum Kontakt mit anderen Menschen zu erlernen. Das gilt natürlich querbeet für alle Bereiche unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Es ist zur Bewältigung der vielfältigen gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Probleme lebenswichtig, dass wir uns in einem lebenslangen Lernen mit anderen Menschen austauschen. Ich bin Ihnen aber vorhin ins Wort gefallen. Wollte sie jedoch Ihrem Gedankengang nicht völlig unterbrechen «. Ich gab zur Antwort: » Es hat mich nicht sonderlich gestört, eher erfreut zu hören, dass wir Jungen auch etwas zu bieten haben und dass wir mit unseren Fähigkeiten gebraucht werden. Ich kenne die Notwendigkeit zur Arbeit in der Gruppe und dem erforderlichen Informationsaustausch sehr gut vom Studium her. Wir werden dort sorgfältig auf die Vernetzungen im beruflichen Umfeld und die Teamarbeit vorbereitet. Weniger bekannt waren mir bisher die Probleme des Ausstiegs aus dem Berufsleben in den Ruhestand. Aber das hat ja noch seine Zeit. « Der junge-alte Mann entgegnete: » Wenn es unseren Spaziergang nicht zu sehr beeinträchtigt und Sie Interesse haben, erzähle ich Ihnen gern etwas von den Hauptproblemen beim Wechsel in den Ruhestand:

Zunächst fällt beim Übergang in den Ruhestand, der zuvor im beruflichen Alltag vorgegebene Zeitrahmen mit all den im Arbeitsumfeld gegebenen Kontakten weg. Es wird schmerzlich deutlich, wie sehr der Beruf nicht nur belastete sondern auch geliebt wurde. Dieser Abschied und die Trennungserlebnisse können Trauer und depressive Verstimmungen auslösen. Dann sind Bewältigungsstrategien angesagt: Es gilt
eine neue Struktur des Tagesablaufs mit Sinn füllenden Aufgaben in der verfügbaren Zeit aufzubauen. Gesundheitliche Beeinträchtigungen und sie begleitende Kränkungserlebnisse schränken den Verhaltens-spielraum zusätzlich ein. Neue Kontakte und tragfähige Beziehungen zu Mitmenschen sind zu beleben oder auf zu bauen. Die Auseinandersetzung mit der letzten Lebensphase und den damit verbundenen Grenzen, letztlich dem unausweichlichen Tod, stehen auf der Tagesordnung. Hinzu kommen zunehmend Erlebnisse mit einer Vielfalt verinnerlichter Erfahrungen aus der eigenen Vergangenheit und ein Universum von Möglichkeiten im äußeren Umfeld. Dies alles ist verbunden mit gelegentlich starken Stimmungsschwankungen, notwendigen Begrenzungen und Entscheidungen. Es gilt zudem den eigenen Haushalt zu führen oder in Arbeitsteilung mit dem Partner neu zu definieren. Die Umstellung in den Ruhestand betrifft die ganze Person und erfordert stetige Anpassungsprozesse, um die eigene Identität immer wieder neu zu stabilisieren.

Es ergeben sich zudem bedeutsame Veränderungen in der Familienstruktur. Die Beziehungsmuster zu den selbstständigeren eigenen Kindern und Enkeln sind immer wieder neu den aktuellen Gegebenheiten anzupassen und müssen mit der eigenen Rolle als Großeltern harmonisiert werden. Die Gespräche mit Gleichaltrigen zum Austausch über die anstehenden Fragen gewinnen an Bedeutung. Bedürfnisse nach Erlebnissen in Kunst, Musik, Literatur, Wissenschaft und Politik sind mit anderen Erfordernissen des Alltages auszugleichen. Fragen der weltanschaulichen und religiösen Bindung, des eigenen Wertesystems, des Sinnes im Ganzen des Daseins und Erfahrungen des Verlustes von Personen durch Tod im Umfeld bei gelegentlich zunehmenden eigenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen müssen verarbeitet werden. Hinzu kommt die Sorge um die Zukunft der Nachkommen, der Werteordnung in unserer Gesellschaft und die Sicherung der finanziellen Basis. Ein allzu sanftes Ruhekissen ist der „Unruhestand“ nicht. Ich bin nun seit zwei Jahren nicht mehr im Beruf tätig, mit all diesen Fragen aber noch keineswegs im Gleichgewicht. Hierfür brauche ich sicher noch mehr Zeit. Es ist aber wichtig, darüber gelegentlich zu sprechen und es hat mir sehr wohl getan, Sie mit „ diesen reichlichen Andeutungen“ nicht erkennbar überfordert zu haben. Es ist von mir geplant, diesen Kontext noch einmal in einem Essay für Betroffene zu untersuchen und ausführlicher dar zu stellen«.

Ich musste während der engagierten Erzählung des jungen-alten Mannes mehrmals tief Luft holen, hätte Fragen stellen, Einzelheiten erfahren wollen, hatte aber nicht den Mut, ihn zu unterbrechen, denn ich bemerkte, wie bedeutsam dies alles für ihn ist. Da sprach kein dem Leben abgewandter alter Mann, sondern ein engagierter Mensch, der mit wachem Bewusstsein die ihm altersgemäß gestellten Aufgaben zu bewältigen sucht. Ich fühlte mich ihm sehr nahe, denn in meiner anders gearteten Lebenszeit stellen sich auch mir eine Fülle von Fragen, die nicht nur das Studium, sondern auch die Lebensgestaltung unter sich stetig ändernden Umgebungsbedingungen betreffen. Ich erkannte im Gespräch mit dem alten Mann wieder verstärkt, dass wir auf allen Ebenen unserer Gesellschaft mehr mit einander reden sollten, nicht nur um unser Wissen zu erweitern, sondern um uns gegenseitig bei der Bewältigung der Lebensprobleme beizustehen. Die Hoffnung wurde im Dialog mit dem jungen-alten Mann bestärkt, dass wir im gegenseitigen Austausch von den unterschiedlichen Erfahrungen profitieren könnten.

Ich gab zur Antwort: » Wie sie sicher auch bemerkten, sind wir auf unserer gemeinsamen Wanderung eben eine Weile stehen geblieben. Ihre Ausführungen waren so spannend. Ich war verschiedentlich versucht, nachzufragen. Das muss aber auf diesem unserem heutigen Spaziergang nicht mehr geschehen. Ich danke Ihnen sehr für Ihr Vertrauen, mir das alles zu erzählen. Nie habe ich Sie in diesem Gespräch in einem belehrenden, mich beschämenden Tonfall erlebt. Ich sah mich eher als Ihre Gesprächspartnerin, mit der es sich auch für Sie lohnt, sich mit mir zu unterhalten. Wann und wie es aus diesem Gespräch konkrete Ansatzpunkte gibt, von denen ich profitieren kann, ist im Moment noch nicht zu erkennen. Die Vorstellung vom alten Mann und meinen Möglichkeiten als junger Frau hat sich aber geändert. Ich kann mir nach diesem Gespräch eher vorstellen, dass wir alle von einander lernen können. Es gibt für mich nicht nur den Gene-rationen-Konflikt sondern auch die Chance zu einem gewinnbringenden Dialog, getragen von gegenseitigem Respekt und Achtung.

Ich schlage vor, die verbleibende Wegstrecke schweigend miteinander zu wandern. Und sollte noch eine Frage auftauchen, dann mag sie ruhig ausgesprochen werden. Aber einen Wunsch habe ich: Ich möchte bei passender Gelegenheit mit Ihnen wieder einmal um Oppenweiler herum spazieren «. Der junge-alte Mann schaute mich sehr freundlich an sagte nur: danke! Ich bin mit Ihrem Vorschlag einverstanden «. Innerlich „Hand in Hand“ gingen wir beide schweigend weiter. Ich bat ihn beim Abschied, nicht zu vergessen, mir die versprochenen Erzählungen zu geben. Er sagte erfreut zu.

E`GSCHPRÖCH

Am Mittwuch

De Charlie isch am Mittwuch – also do, wo d´Wuche dailt wird – ebe an eme ganz normale Werktig, sage m´r so öbbe, – hä halt in de nor- male Rentnerzit -, so ume ne Nüni umme ufgschtande. Bis er fertig g´si isch mit allem, jo, do isch´s so Viertel vor Ölfi g´si.
Noch eme lange Winter, hänn Bliemli und Blätter vo de Bäum scho lang use welle, aber di wenig Sunne het si z´rugg g´halte. Nur im Schtadtgarte a verschiedene Schtelle het´s scho e wengeli noch Friehlig usg´se. Hüt aber het sich die Alt, wie mi Großmuetter zu des Sonne g´seit het, nit hinter de Wolke veschteckt. Hüt schient si bsunders fründli un warm vom Himmel abe. Potz dusig, do het alles uf e´mol usg´se, wie neu usebutzt.
Charlie het de Kopf e weng usem Fenschter g´schtreckt, um z´luege, ob´s no kalt isch. Uf de Birke nebe dra het e Amsle g´schlage, als ob si sage dät, chum use, blib nit in dinre Wohnig hogge, s´isch so e schöne Dag. Dem Friehlig traut er aber no nit so recht, zieht e warme Zschobe a, nimmt sie Schtegge in d´Hand un lauft im
Rentner gang, des isch öbbis langsamer als bi de Junge, in richtig Schtadtgarte.
Jessis, hets do an de Unterführig e Betrieb cha! Fascht meh Auto als Lüt. Un d´Lüt sin g´laufe wie d´Salzmännli. Die maischte mit große Däsche i de Hand, zum ikaufe in de Schwyz. Si hänn en alli überholt, als ob´s i de zweite Hälfti vo de Wuche nüt me z´kaufe gäb. Löm´r sie laufe, denkt er. Plötzli, des mueß mir sich emol vorschtelle, chunt so e chaibe-große Laschter – und des au no vo hinte, wo mr chaini Auge het -. Obwohl de Charlie schlechter hört wie frieher, verschrickt er un fluecht in si ine: Du Chaibesiech, hol di de Gugugg! De Lärm un die Hascht vo de Lütt passe doch gar nit zu so eme schöne Friehligstag. Wem m´r genau ane luegt, chönnt m´r denke, de Charlie hät e Gang zueglegt, um scho bald in de ruhig Park z`cho.

Gmietlig schpaziert er dur de Schtadtgarte un suecht si Bänkli. Vo dört us cha er uf de Rhy luege, wie S´sunne sich uf em Wasser schpieglet un´s Widerwasser a de Rhybrugg bim Burgchaschtel kreislet. S´Bänkli isch no leer. E hoggt ane, lehnt si zrugg und luegt d´Oschterglocke und d´Tulpe a, die vor em in de Sunne schtöhn. D´Büsch hänn au scho e wengeli Grien a´gesetzt. D´Sunne schient em so warm uf de Buech, dass er de Zschobe gar nümme bruecht. E legt en nebe dra ufs Bänkli. E glies Windli sorgt defür, dass d´Blume und Büsch, sich e weng bewege, demit s´em nit z´langwielig wird. E Paar Schpatze klettere uf de Büsch umme. Me hört fascht gar nüt me vom Schtroßelärm. Do rennt au nieme mit ere große Däsche ume. S´isch fascht so still wie in ere Chille, wenn wenig Lüt din sin. Es isch so friedlig, dass Charlie e weng ins siniere chunt. E luegt zu de Ryhbrugg. Do fallt em i, dass scho der Großvater ghulfe het, die Brugg z´baue. Mengisch, denkt er, bin i scho als Chind un schpöter – wie die Lüt hüt a dem schöne Dag – über d´Brugg g´laufe, um i de Schwyz i´zkaufe oder z´schpaziere. Dann chunt em i de Sinn, wi er als Chind a die Schtell vo de Brugg gange isch, wo mer durch e Gitter uf de Rhy het luege chönne un wie des immer e wengeli gruslig g´ si isch. S´fallt em dann i, wi er mit sinre Mame bim Burgchaschtell g´si isch un wi d´Mame uf eneme Bänkli i de Sunne g´hoggt isch. Wi er in de Nöchi barfies im fuechte Sand g´schpielt het un wie di kleine Welle immer wider die Sandburg weg g´schwemmt hen.

Uf emol chömme Froge in em hoch: Was passiert denn wenn mer sich öbbis vorschtellt -also vorsich ane sch´tellt-, wenn mer sich a öbbis erinneret oder wenn mer nochdenkt? Isch des alles nit zum Schtaune? Het es ement do de mit z´due, dass so Froge erscht in eim do sin, wemer Zit dezue het. Ob d´Lüt, wenn si im Schtroßelärm mit de große Däsche zum ikaufe hetze, nit all des übersehn, was es für uns Rentner gratis git? Do wird´s em bi dem schöne Dag grad e wenig
z´viel witer zu siniere. S´gfallt em besser wieder umenander z´luege. E het Schpass a de Vögel, de Bliemli un de warme Sunne. Mengisch falle em d´Auge zue, als ob er e klein´s Niggerli mache dät.

E Überraschig

Frieder, e Jugendfründ vom Charlie, isch au wieder emol in Rhyfelde. Des schöni Wetter het en use gloggt. Und was macht mer, wem mer wieder e mol dehaim isch, me goht a so eme sunnige Dag in de schöni Schtadtgarte un noch Schwyzer-Rhyfelde. Wi er so in de Schadtgarte chunt, hets en wie am e Schnierli ans Bänkli zoge, wo er frieher mit sim Fründ mengisch ghoggt isch. E mueß e wengeli schnufe, wie er so de klaini Buggel uffe stigt, wo´s Bänkli frieher g´schtande isch. No e Paar Schritt, – es schtoht no wie frieher do. Aber do hockt scho eine, de au gern sunne duet. Es het sicher Platz für zwei, denkt er. Er luegt g´nauer ane – und s´haut en fascht um. Des isch doch, des isch doch Charlie, sie Jugendfründ. Des cha doch nit si! S´isch jo e halbi Ewigkeit her, sit si sich bi de letschte Klassezämmekunft g´seh hän. Un grau isch de worde! Si Ranze het sicher au viel Geld koschtet. Um ehrli z`si, so alt hät er sich de Charlie nie vorgschtellt. Holt er am End grad no si Mittagsschlöfli noch? De Frieder isch nümmi z`bremse: Charlie, rueft er erscht lieslig, un als er nit reagiert, dütlicher, fascht wi e kline Lutschprecher, Charlie! Noch eme letschte dütliche
Schnarcher, richtet sich Charlie uf, – fascht e wengeli z`schnell -, e will ufschtoh un vezieht s´Gsicht. Mit eme unüberhörbare »Au! « lengt er sich a de Rugge un probierts e zweit`s Mol´, öbbis langsamer.

Beide schtoht d´Überraschig in´s Gsicht g´schriebe. Frieder erholt sich als Erste, goht uf sin Fründ zu, un umarmt en: » Charlie, soli Charlie, dass Du hüt an unsrem alte Platz bisch, des isch e schöni Überraschig!« Un noch sim erholsame Niggerli, wi wider in de Realität a cho, de Charlie: » Mensch, soli Frieder, wo chunsch au Du her? Vezell e mol e weng, wi gohts der denn? « Frieder: » He, s´git so nüt b´sunders, s´goht halt emol so un dann wieder so! Charlie: « Sag emol, was meinsch denn mit dem so oder so? « Frieder: » Wi i dr halt sag, emol so, dann widr so! S´goht halt emol ufe, dann wieder abe. « Charlie: » I weiß nit, ob i di so recht veschtande ha, aber meinsch es gieng dr emol guet, dann wieder schlechter? « Frieder: » So chönnt mer sage. Un Dir, Charlie, wie gohts Dir? Isch dr vorhin öbbis in Rugge gfahre, wo de ufschtoh hesch welle? « Charlie: » „Aba!“, des zwickt scho lang, emol do dann do. « Frieder: »Was meinsch denn mit dem do oder do? « Charlie: » Hä s´chunt halt un s´goht wieder. « Frieder: » Ah so, des kenn i au. S´isch so wie Tag und Nacht, wie Räge und Sunne, wie Summer und Winter. « Charlie: » Meinsch Du wie d´Kinder, die chömme und gönn oder d´Frau, die emol weggoht und wider chunt? Frieder: » Jo so chönt mer sage. Aber mengisch goht au öbbis und chunt nümmi: Charlie: » Wie meinsch des? « Frieder: » Hä i mein wie s´Renne, s´Tennisschpiele, Schifahre, di früeheri Arbet und?…. « Frieder: » Was meinsch mit » und« ? « Charlie: » Hä, i mag, si scho, mini Enkel. Si sage aber Großpape zue m´r un für die junge Maidli bin i au scho z´alt. « Frieder. » Des kenn i au un dass i scho lang bi nere Großmama schlof, isch immer no g´wöhnungsbedürftig. Wöde me aber nit e weng anehogge, jetzt wo d´Sunne so schön schient? « Charlie: » E guete Vorschlag. « Beidi mache es sich uf em Bänkli bequem.

Noch ere Kunschtpaus, de Charlie: » S´git aber au e Paar schöni Sache: Wer cha scho, wie mir, am e ganz g´wöhnliche Mittwuch im Schstadtgarte hogge, Blueme aluege, s´Burgchastell und d´Rhybrugg? Wer het scho Zit, über öbbis nochzdenke, sich z´erinnere, sich schöni Sache vorz´schtelle? Meinsch die wo im Auto umeflitze, mit em Flugzüg fliege oder mit de große Däsche schnell no i de Schwyz ikaufe oder jobbe, die hätte no Zit z´läbe, z´denke, sich z´erinnere? « Frieder: » Mir goht´s scho lang eso, dass d´Tage und d´Wuche so schnell vobigönn, dass i mi nur no wundere cha. I loss aber au ab und zu eifach öbbis liege, wenn´s mr schtinkt un mach, was m´r besser g´fallt. Un des mit de Maidli: I bi, wie Du scho lang verhürotet aber deswäge no lang nit blind. « Charlie: Un mi Frau isch als Großmame immer no recht chic. Mer ärgere uns au nümme so viel wie frieher un uf mini Enkel wött i au nit verzichte. Mr hän au viel mehr Zit für anderi Mensche un sinn nit nur immer bim schaffe. Sag emol, Frieder, chönnt es uns trotz aller Breschte am End besser go, wie frieher? « Frieder: » Wo de Recht hesch, hesch recht! Weisch was, mir schtöhn jetz langsam uf, nach dem Motto: »Numme nit huddle!« Dann laufe mr gemietlig d´Schtadt uffe, bis zum Löwe und trinke ein oder zwei guete Schoppe, uf unser Rentnerläbe, au wenn uns d´Paula nimmi wie frieher bedient.

Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial