Dienstag der 1. Woche im Jahreskreis
Psalm und Lesungen des Tages
Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus 1,21-28.
In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte. Und die Menschen waren voll Staunen über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten. In ihrer Synagoge war ein Mensch, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien: Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes. Da drohte ihm Jesus: Schweig und verlass ihn! Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei. Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was ist das? Eine neue Lehre mit Vollmacht: Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.
Lektionar. Rechte: staeko.net
Hl. Bonaventura (1221-1274) Franziskaner
Kirchenlehrer
Predigt „Christus, der eine Meister aller“ („Christus unus omnium magister“; ins Dt. übers. © evangelizo)
„Eine neue Lehre mit Vollmacht“
Zur Gewissheit des offenbarten Glaubens kann man nur durch das Kommen Christi im Geist gelangen. Dann kommt er auch im Fleisch als das Wort, das alle Worte der Propheten bestätigt. Daher heißt es im Brief an die Hebräer: „Vielfältig und auf vielerlei Weise hat Gott einst […] gesprochen durch die Propheten; am Ende dieser Tage hat er zu uns gesprochen durch den Sohn“ (1,1−2). Dass Christus wirklich das machtvolle Wort des Vaters ist, erfahren wir bei Kohelet: „Hinter dem Wort des Königs steht nun einmal die Macht. Wer also kann ihm sagen: Was tust du?“ (Koh 8,4). Christus ist auch das Wort voll Wahrheit, ja mehr noch: die Wahrheit selbst, wie Johannes schreibt: „Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit“ (Joh 17,17). […]
Weil nun Autorität auf machtvoller und wahrhaftiger Rede beruht, und Christus das Wort des Vaters und somit Gottes Kraft und Weisheit ist (vgl. 1 Kor 1,24), ist in ihm die ganze Festigkeit der Autorität begründet und vollendet. Daher richten sich alle authentischen Schriften und ihre Verkünder auf den im Fleisch gekommenen Christus als das Fundament [den Grund] des gesamten christlichen Glaubens aus: „Der Gnade Gottes entsprechend, die mir geschenkt wurde, habe ich wie ein weiser Baumeister den Grund gelegt. […] Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,10−11). Er ist wirklich das Fundament der wahren Lehre, sowohl der apostolischen als auch der prophetischen, gemäß dem einen wie dem anderen Gesetz: dem neuen und dem alten. Deshalb wurde zu den Ephesern gesagt: „Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst“ (2,20). Es ist also klar, dass Christus, dem Glauben entsprechend, der Meister der Erkenntnis ist und zwar insofern er der Weg ist, gemäß seinem zweifachen Kommen: im Geist und im Fleisch.
