Hl. Meinrad (Meginrad) – Hl. Meinrad (Meginrad) | Hl. Agnes – | Mehr…
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Erstes Buch Samuel 17,32-33.37.40-51.
In jenen Tagen sagte David zu Saul: Niemand soll wegen des Philisters den Mut sinken lassen. Dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen.
Saul erwiderte ihm: Du kannst nicht zu diesem Philister hingehen, um mit ihm zu kämpfen; du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.
Und David sagte weiter: Der HERR, der mich aus der Gewalt des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der Gewalt dieses Philisters retten. Da antwortete Saul David: Geh, der HERR sei mit dir.
David nahm seinen Stock in die Hand, suchte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er bei sich hatte, in den Vorratsbeutel. Die Schleuder in der Hand, ging er auf den Philister zu.
Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger schritt vor ihm her.
Als der Philister aufblickte und David sah, verachtete er ihn, denn er war jung, rötlich und von schöner Gestalt.
Der Philister sagte zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern.
Er rief David zu: Komm nur her zu mir, ich werde dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben.
David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.
Heute wird dich der HERR mir ausliefern. Ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen. Die Leichen des Heeres der Philister werde ich noch heute den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. Alle Welt soll erkennen, dass Israel einen Gott hat.
Auch alle, die hier versammelt sind, sollen erkennen, dass der HERR nicht durch Schwert und Speer Rettung verschafft; denn es ist ein Krieg des HERRN und er wird euch in unsere Hand geben.
Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David schnell auf die Schlachtreihe zu, dem Philister entgegen.
Er griff in seine Hirtentasche, nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein und der Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden.
So besiegte David den Philister mit einer Schleuder und einem Stein; er traf den Philister und tötete ihn, ohne ein Schwert in der Hand zu haben.
Dann lief David hin und trat neben den Philister. Er ergriff sein Schwert, zog es aus der Scheide, tötete ihn und schlug ihm den Kopf ab. Als die Philister sahen, dass ihr starker Mann tot war, flohen sie.
Psalmen 144(143),1.2abc.9-10.
Kv: Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist.
Gepriesen sei der HERR, mein Fels, der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg!
Er, meine Huld und meine Festung,
meine Burg und mein Retter,
mein Schild, dem ich vertraue.
Gott, ein neues Lied will ich dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen,
dir, der den Königen Sieg verleiht, der David, seinen Knecht, vom Schwert des Unheils befreit.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus 3,1-6.
In jener Zeit als Jesus wieder in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand.
Und sie gaben Acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte!
Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt – Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen.
Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand wurde wiederhergestellt.
Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.
Lektionar. Rechte: staeko.net
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Ein Mann in den besten Jahren denkt über sein Leben nach. Dies soll auch heute ab und zu vorkommen. Viele Bilder ziehen an ihm vorüber. Er blickt auf seine an Beziehungen reiche Kindheit und Jugend zurück. Es sind Bilder vom fröhlichen Spiel im Sommer und im Winter zusammen mit seinen Gefährten. Die Schulzeit mit den Beziehungen zu den Mitschülern, Buben und Mädchen, die Erfahrungen mit Lehrern und Lehrerinnen, die Freude, am Lernen und die manchmal endlose Schulstunden in der Hoffnung auf das freie Spiel mit den andern Kindern. Im Sommer das Schwimmbad im Winter den Schlitten. Und dann das Erwachen des Interesses an den Mädchen. Es war sein eigenes streng gehütetes Geheimnis, in der Mittagszeit eine hübsche Schneiderin zu beobachten, die sich in der Pause mit ihren Freundinnen unterhielt. Nie hätte er es gewagt, sie anzusprechen, ihr zu sagen, wie schön sie für ihn war. Es war die Zeit in der er sich auch für Sport interessierte. Er bewunderte die hübschen Tennisspielerinnen in ihren kurzen Röckchen. Auch auf dem Sportplatz, galt das Interesse immer mehr den vielen Mädchen, die ihn immer wieder faszinierten. Er erinnert sich an Gespräche mit seinen Freunden über all diese Beobachtungen und an die Freude beim Tanzen. Bald hatte er vergessen, dass er von seiner Mutter das Tanzen lernte und ging seine eigenen Wege. Eine stille Sehnsucht nach Erfüllung und vertrauensvoller Beziehung zu einer Frau, die zu ihm passen könnte, begleitete die Jugendjahre.Er wurde älter und hatte erste Kontakt zu Frauen, die ihn faszinierten. Manche Beziehungen waren von kurzer Dauer von Enttäuschungen begleitet. Im Abstand und zeitlichen Rückblick waren sie wesentliche Erfahrungen in der Erprobung des Umgangs mit Frauen. Alle aber sind wie ein unverzichtbarer Teil seiner selbst und im Rückblick sehr wertvoll geworden. Gerne hätte er jeder von ihn noch einmal gedankt für das Zusammensein. Bis auf den heutigen Tag blieb ihm aber eine stille Verehrung der Frauen und das Bedürfnis ihnen ritterlich zu begegnen erhalten. Dies gilt besonders denen gegenüber, die sich ihm öffneten und ihm ihre Nähe zu ersten sexuellen Erfahrungen schenkten. Erlebnisse, die ihm halfen während seines ganzen Lebens Frauen als Mann zu begegnen. Durch sie alle, denen er sich dankbar erinnerte, verlor er die Angst vor der Nähe zu ihnen, sodass er für sie einzutreten bereit wurde. Bis auf den heutigen Tag, tritt er für die Ehre der Frauen ein. Sexuelle Erniedrigung und Ausbeutung sind ihm ein beklagenswerter Gräuel.Umso mehr ist ihm das Zusammenleben in der festen Beziehung einer tragfähigen Ehe von Bedeutung. Nur im Schutze einer solchen Beziehung scheint es ihm möglich in der Intimität, die nicht ans Licht einer schamlosen Öffentlichkeit gezerrt werden darf, in der gegenseitigen Achtung und der Wunsch nach vertrauensvoller Nähe und gegenseitiger Hingabe verkommen. Auch der Charakter sexueller Beziehungen ändert sich ja im Laufe des Lebens, besonders wenn Eheleuten Kinder geschenkt werden, die des Schutzes und Beistandes, der Eltern bedürfen. An diese kostbare Zeit denkt unser Mann ebenfalls zurück. Auch daran dass die Kinder aus dem Haus und ihre eigenen Wege gehen, und Enkel sich hinzugesellen und Familien zusammen finden.
Immer wieder musste unser Mann zusammen mit seiner Frau lernen, ein neues Gleichgewicht gegenseitiger Beziehung herzustellen. Der Schutz gilt nun dieser gewachsenen Familie und aller ihrer Angehörigen, ebenso dem gesellschaftlichen Raum, in dem alle zusammen mit anderen Menschen leben. Wie schön wäre es doch, wenn die gegenseitige Achtung und der Respekt der Menschen als Frauen und Männer und das kostbare Gut ehelicher Gemeinschaft und Familie erhalten bliebe. Unser Mann ist zutiefst davon überzeugt, dass eine Gesellschaft, die diese Werte aus den Augen verliert und das Sexualleben dem Markt, dem Konsum und der Willkür öffnet, im Grunde dekadent isEr schaut sehr nachdenklich und betroffen, auf das Geschehen in unserer heutigen Zeit und lebt inzwischen selbst in einer Lebensspanne, in der es gilt, auch in großem Respekt vor einander die reifere Zeit der Liebe im Alter zu erfahren, in der das Sexualleben sich noch einmal verändert und gleichzeitig das Bedürfnis nach Achtung, Nähe und gegenseitigem Schutz auch im gesellschaftlichen Raum an Bedeutung gewinnt. Wer aber im Lauf seines Lebens in der Schule des Respektes in seiner Liebesfähigkeit geschult, lernte, alle Anliegen des Lebens als Mann und Frau miteinander zu teilen, dem wird es leichter gelingen, durch die Reduktion des orgastischen Erlebens, keinen Schaden zu nehmen und umso mehr den Reichtum und die Fülle der ganzen Lebenswirklichkeit in den Blick zu bekommen, um als Mann oder Frau mitzuarbeiten, das nötige Netz respektabler Beziehungen der Geschlechter von Kindheit bis ins hohe und höchste Lebensalter, als eine Chance zu begreifen, die bergende gegenseitige Achtung und die ganze Lebensspann umfassende Liebe möglich macht.
Die längere Hitzeperiode des Sommers ist zu Ende. Ein erfrischendes Lüftchen lädt zu einer Pause ein. Auf den weichen Polstern meiner Liege werde ich aufmerksam und hellhörig für alles, was in mir und um mich herum geschieht: Bäume und Büsche stehen in sattem Grün, dazwischen leuchten rote und weiße Rosen. Kinder eilen nach Hause zum Mittagstisch. Ein muntere Gesellschaft, deren Unterhaltung ich mit Vergnügen folge. Eine helle Stimme macht auf eine Entdeckung aufmerksam: Eine tote Maus, eine tote Maus und noch lauter, als die anderen nicht hören wollen: eine tote Maus! Stille. Offensichtlich sind die Kinder gerade dabei, die Maus näher zu untersuchen. Eine aufregende Sache! Für eine Weile überlasse ich mich den Kinderstimmen in wärmender Sonne. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, tauchen Bilder und Erinnerungen auf, die mich in die eigene Kindheit zurückführen: Zum Greifen nahe steht der unter seinem tief gezogenen Dach Schutz bietende Bauernhof meiner Verwandten auf dem Hotzenwald vor mir. Leuchtende Blumen und üppiges Gemüse im Vorgarten kommen in den Blick. Ich vernehme, wie früher in der Sonntagsruhe, das beruhigende Gackern der Hühner, die den Hof zufrieden pickend umkreisen und ab und zu einen stolzen Hahnenschrei. Vor dem Haus steht wie eh und je der Brunnen, Tag und Nacht mit beruhigendem Plätschern verbindend.
Wir treten in das Berger-Haus, das nach langer Zeit in meiner Fantasie ein wenig verändert wirkt. Gerade dadurch bewahrt es seinen ihm eigenen Charakter, den ich als zwölfjähriger Knabe schon intuitiv erfasste, heute aber, in zeitlichem Abstand, viel intensiver wahrnehmen kann. Ein herber Duft aus Stallungen, Scheune und Wirtschaftsräumen erfüllt das Gehöft. Bis in die Kleidung dringt dieser „Hotzen -Weihrauch“ und kennzeichnet unverwechselbar die Herkunft der Bewohner. Da ist sie wieder, die geräumige Bauernstube, hell, freundlich. Die Sonne scheint durch die gemütlichen Fenster mit den von der Berge rmutter sorgsam gepflegten, rot leuchtenden Geranien. Im Herrgottswinkel steht der weiß gescheuerte Tisch mit einer Eckbank und kräftigen Bauernstühlen. Das Kreuz, hinter dem Tisch erhöht, mit stets frischen Blumen versehen, schmückt den Raum. Durch die nordöstlichen Fenster kann man den Turm und die Umrisse der kleinen Kapelle von Giersbach erkennen, deren Glocken zum Kirchgang laden und mit hellem Klang Mittag und Abend ankündigen. Übers Eck, der Küche zu gelegen, steht eine dreistufige aus dunkelgrünen Kacheln gebaute Kunst. Sie gibt in den langen, kalten Wintern, behagliche Wärme ab und lädt zu Gesprächen ein. Zwei mit Geschirr prall gefüllte Kommoden, auf denen Photos der Angehörigen sorgfältig aufgebaut sind, ergänzen die Einrichtung. In Türnähe hängt die alte Wanduhr. Täglich vom Berger-Vater mit scharrendem Geräusch bedächtig aufgezogen, füllt ihr beruhigendes Ticken bis zum nächsten Stundenschlag den Raum.
Wir befinden uns nun im kleinen Flur, in dem die pusierlichen Katzen nach einem lockenden „Zi-Zi-Pus-Pus“ von der Berger-Mutter gefüttert werden. Die lehmgestampfte Küche mit dem niederen holzbeheizten Herd, dem Backofen, der zugleich die Kunst erwärmt, einem Bord für das einfache Geschirr, dem gescheuerten Küchentisch mit Stühlen, zur Westseite mit einem Spülstein und dem „Seperator“, ausgestattet, ist das Reich der Hausfrau. Als Junge hatte ich eine Technik entwickelt, die es mir erlaubte, mich für die Arbeit am Seperator gleich selbst zu entlohnen: Ich beugte mich hinter den von Hand zu bedienenden Seperator und trank, direkt aus der Abflussleitung, den von der Magermilch geschiedenen Rahm in genüsslichen Zügen. In dieser Küche fiel mir das besondere Verhalten der Schweine auf: Ich kam zur Erkenntnis, dass Schweine, entgegen der allgemeinen Erwartung, offensichtlich recht kluge Tiere sein müssten. Beim Ausmisten ihres Stalles wurden sie gewöhnlich in die Küche getrieben. Sie wehrten sich aber vehement, wenn der Metzger zur Vorbereitung der Hauschlachtung in der Küche hantierte, als ob sie ihr bevorstehendes Ende ahnten.
Nun nähern wir uns den an die Küche angrenzenden Stallungen miden endlos wiederkäuenden Kühen, Ochsen, Rindern, Kälbchen. Sie werden von der angrenzenden Scheune aus mit Futter versorgt und in der Stallung getränkt. Hier lernte ich die Tiere zu füttern, zu tränken, den Stall auszumisten, die Kühe zu melken und geschickt ihren dauer-wedelnden, oft feucht triefenden Schwänzen auszuweichen. Mein besonderes Interesse galt dem südlich an die Stube und das Schlafzimmer der Berger-Eltern angrenzenden Werk-Raum. Hier ließ sich alles finden, was ein Jungen-Herz interessierte: Werkzeuge, Maschinenteile, ein Dengelstock, die Werkbank und unzählige Ersatzteile. Ein Bastelparadies! Von da aus gelangen wir mit wenigen Schritten in die geräumige Scheune mit den diversen Wagen, dem Zaunzeug, den Mähmaschinen, Heuwendern, dem Heuaufzug und Häcksler. Hier riecht es nach frisch geschnittenem Gras, Heu, und Kartoffeln. Zwei Erlebnisse blieben besonders haften: Bei der Heuernte durfte ich einen Wagen laden. Das relativ langstielige Heu erlaubte es, den Wagen sehr breit zu auszuladen. Ich drückte nun die Gabel des Heuaufzuges beim Abladen kräftig in Längsrichtung des Wagens ein, in der Erwartung, eine besonders große Heumenge aufziehen zu können. Zu meinem großen Schrecken hob sich aber das Heu nicht, als ich den Aufzug bediente. Anstelle dessen knarrte es über mir im Gebälk verdächtig und die Seilwinde zog das Deckengebälk in die Höhe. Was tun? Ich könnte versuchen das Heu wieder abzulassen. Und siehe da: Nicht das Heu sondern das Gebälk über mir, auf dem die Seilwinde befestigt war, senkte sich zu meiner Beruhigung wieder in die Ausgangslage. Die zweite Geschichte handelt von einer zweirädrigen Mähmaschine, die wie ein Pflug geführt wird und vorn mit einem breiten Messerbalken versehen ist. Gelegentlich wurde sie, um Treibstoff zu sparen, mit größeren Rädern ausgestattet. Ich legte beherzt den Gang ein, ließ wie bei kleineren Rädern die Kupplung los, doch oh Schreck! Die Maschine schoss mit doppelter Geschwindigkeit aus der Scheune, zog den überraschten Steuermann hinter sich her und kam an einem hölzernen Telefonmasten, in den sich die Zinken des Messerbalgens tief einbohrten, endlich zum Stillstand. Unter dem breit ausladenden Dach des Bauernhauses wird Holz für die kalte Jahreszeit gespeichert. Auch Kaninchen finden darunter in ihren Ställen Platz. Neben dem Haus befindet sich ein großer eingezäunter, von der Berger-Mutter gehegter, besonderer Gemüsegarten, eine Bünte, in dem auch Beerensträucher gezogen werden.
Wie in einem Film reihen sich in meiner Vorstellung die Bilder aus der Zeit meines zweijährigen Aufenthaltes auf dem Hotzenwald im Wechsel der Jahreszeiten aneinander. Nur die Sonn- und Feiertage unterbrechen diesen Rhythmus. Am Morgen geht es mit den Hühnern aus den Federn. Die Glocke der Kappelle erinnert an die Mittagszeit und lässt mit hellem Ton den Tag in die Nachtruhe ausklingen. Dann übernimmt der Brunnen vor dem Haus die Aufgabe, den Jungen von damals in den Schlaf und die Träume zu wiegen. Wir befinden uns in den Kriegsjahren 1942-44: Ein Sohn der Bergerfamilie war schon im Felde geblieben. Die Bergermutter versorgte mit Hingabe die beiden anderen Söhne mit Feldpostbriefen und Päckchen. Mir blieb es vorbehalten, die des vorgeschriebenen Gewichtes wegen an einander gereihten 100 Gramm Päckchen zur Post nach Herrischried zu tragen. Die Bergermutter trauerte sehr, um ihren Ältesten, den Josef. Um den Verlauf des Kriegsgeschehens zu verfolgen, hörten wir oft verbotener Weise den Schweizer-Radiosender Beromünster. Der Bergervater schulterte jeden Tag seine Krücke oder den Besen, zog die Mütze auf, die ihn als Straßenwärter kenntlich machte, und zog stolz aus dem Haus, um seinen Dienst zu versehen. Die meisten Männer sind mitten im zweiten Weltkrieg im Feld. Frauen, Mütter alte Männer und heranwachsende Jugendliche füllen die entstandenen Lücken und sorgen für das Nötigste. Auch mein Vater ist im Krieg. In der Stadt sind die Lebensmittel knapp, sodass ich nach dem Tod meiner Großmutter das Angebot, bei meinen Verwandten auf dem Hotzenwald für zwei Jahre auf dem Bauernhof zu wohnen, gerne annahm. Mit annähernd 12 Jahren fühlte ich mich damals sehr erwachsen. Es war zwar traurig, Mutter und den jüngeren Bruder Hans in der Stadt zurückzulassen. Die Erwartungen und die Spannung auf das, was es in der neuen Umgebung zu entdecken geben könnte, überwogen aber.
Von Rheinfelden nach Säckingen mit dem Zug war mir das Terrain, von gelegentlichen Kaffee-Besuchen mit der Mutter bekannt. Dort stieg ich dann mit kleinem Gepäck –meine Mutter hatte die nötigen Kleidungsstücke schon per Post zum Versand gebracht- in einen großen „gelben Postomnibus“. In immer neuen Kehren gewannen wir, den Eggberg hinauf rasch an Höhe, ließen die Rheinebene weit unter uns und näherten uns über Rickenbach der Endstation Hetzlemühle, kurz vor Herrischried.
Dort stieg ich mit meinem kleinen Rucksack aus, um zu Fuß der Landstraße entlang nach Giersbach zu wandern. Weit und breit war kein Mensch zu sehen. So konnte ich es mit nur wenig schlechtem Gewissen wagen, meine erste Zigarette zu rauchen. Aus unerfindlichen Gründen hatte ich zu Hause eine Packung „Eckstein“ ergattert und Streichhölzer eingesteckt. In Erwartung des bevorstehenden „Genusses“ entnahm ich der Packung eine Zigarette, klopfte sie an einem Ende glatt, wie ich es bei Männern gesehen hatte, und zündete sie mit nun dokumentierter Männlichkeit an. Gelegentlich stäubte ich die Asche bei leicht gestrecktem Arm seitlich ab und genoss diese Geste in vollen Zügen. Nach einer halbstündigen geruhsamen Wanderung, gab ein letztes kurzes Waldstück den Blick auf mein neues Domizil Giersbach mit der kleinen Kapelle am Ortseingang und dem kurzen Wegstück links der Straße, das zum Berger-Haus führte, frei. Dort standen direkt neben dem kleinen Brunnen vor dem Haus meine Verwandten zum Empfang bereit: Die Bergermutter mit ihrem rotbackigem, freundlichen Gesicht, den weißen zu einem Zopf nach hinten gekämmten Haaren, der großen Schürze und ihren von der Arbeit etwas rauen Händen. Hinter ihr unter der Haustür, der untersetzte Bergervater, der etwas verlegen und nervös an seinbuschigen Schnurrbart zupfte. Daneben Alfons, der jüngste Sohn, der damals, bereits gemustert, sehnlichst auf seinen Stellungsbefehl wartete.
Mit aufmunternden Worten geleitete mich die Familie in die Stube, die nun für längere Zeit Ort gemeinsamer Mahlzeiten und wichtige Begegnungsstätte mit den Verwandten und deren Freunde werden sollte. Mir fielen die Photos des gefallenen Sohnes Josef und des mittleren Sohnes Fridolin in ihren schmucken Wehrmachtsuniformen auf. Ich bekam das Haus gezeigt, den Schlafraum der Berger-Eltern, neben der Stube, das Zimmer Fridolins neben dem Eingang und mein Schlafzimmer, das ich mit Alfons zusammen im Obergeschoß teilte. Alfons machte mich wohlwollend darauf aufmerksam, dass die dort neben den Speckseiten hängenden kleinen Rauchwürste, ganz hervorragend schmeckten. Nach den ersten viel versprechenden Eindrücken fiel ich am Abend unter dem monotonen Rauschen des Brunnens in einen erquickenden Schlaf Alfons wurde in allen Bereichen der Landwirtschaft mein bestaunenswerter Lehrmeister, ansonsten nahm mich die Bergermutter liebevoll unter ihre Fittiche, so dass kaum Langeweile aufkommen konnte. Ich lernte rasch den Umgang mit dem Vieh im Stall, das immer, auch an Wochenenden, versorgt sein wollte. Die Wetterlage im Jahreskreislauf wies uns die Aufgaben zu, die ausgeführt werden mussten. Im Frühjahr und Herbst wurden die Felder gedüngt: Stolz thronte ich auf dem Jauchefass und half den Mist auf den Feldern zu verteilen. Ich begleitete Alfons beim Pflügen, Eggen und Säen. Lernte mit der Sense umzugehen, ging mit ihm zu den Waldarbeiten, half im Sommer und Herbst beim Mähen, bei der Heu- und Kartoffelernte, beim Einholen der Frucht. Im Winter wurden Reparaturen am Haus vorgenommen und Geräte instand gesetzt. Gelegentlich durfte ich den Bergervater begleiten, wenn Straßen in seinem Bereich ausgebessert und geteert wurden. In strengen Wintern mussten Räumkommandos bei Tag und Nacht einen kleinen Weg durch meterhohe Schneewechten frei schaufeln. Es blieb aber ausreichend Zeit, um sich in der Stube auf der Kunst zu wärmen, mit den Katzen zu spielen und den spannenden Geschichten der Bauern und Bäuerinnen zu lauschen, die oft zu Besuch kamen.
Ohne es recht zu bemerken, wurde so aus einem Stadtkind ein rechter Bauernjunge. Ich ging einen langen Weg von Giersbach nach Kleinherrischwand zur Schule und war in einer gemischten Klasse mit Buben und Mädchen zusammen. Das Lernen viel nicht schwer, so dass ich mich gut zu behaupten verstand. Dies umso mehr, als wir als Lehrerin eine hübsche, freundliche Elsässerin hatten, in die ich mich jungenhaft verliebte. Mit der fleißigen und frommen Bergermutter war ich täglich zusammen. Sie erinnerte mich an meine Großmutter, die ich nach deren Tod oft schmerzlich vermisste. Sie hielt mich an und ich ging gerne mit ihr zu den Gottesdiensten in die Kapelle in Giersbach und in die Pfarrkirche nach Herrischried. Gelegentlich gab es im Berger-Haus eine “Notschlachtung“. Der Pfarrer wurde dann reichlich bedacht. Ein Stück Butter, frisches Fleisch und Geräuchertes hatte ich im Pfarrhaus abzuliefern. Zu meiner größten Verwunderung besaß die Köchin auch mitten im Sommer noch Weihnachtsgebäck, um den Träger zu entlohnen.
Ganz deutlich tritt nun die hagere, leicht nach vorn geneigte, große Gestalt, das von Falten zerfurchte Gesicht mit dem energischen Kinn, den lebhaften, gütigen Augen und dem leicht gewellten schlohweißen Haar des Herrischrieder-Pfarrers aus dem Strom der Erinnerung hervor. Die Bauern nannten ihn liebevoll „ihren Hotzenbischof“. Stolz trug er seinen Römerkragen, unentwegt bemüht, seine weit zerstreute Gemeinde bei Wind und Wetter zu betreuen. Die Bergermutter führte das Familien-Privileg, die Geistlichen zu verköstigen, wenn sie wöchentlich in der Kapelle Gottesdienst hielten, gern und getreulich fort. Sie war dabei immer ein wenig aufgeregt, richtete die Stube fein her, deckte den Tisch mit dem schönsten Geschirr und bediente den hohen Herrn mit besonderer Sorgfalt. Der Bergervater zog sich indessen immer etwas verlegen zurück, um ein Zusammentreffen mit dem Pfarrer zu vermeiden. Mich wunderte es als Junge sehr, wie es kommen konnte, dass die Bergermutter mitten im Krieg in der Lage war, Bohnenkaffee anzubieten und weshalb es nötig sei, der guten Milch noch zusätzlich Sahne hinzu zu fügen.
Jedes Jahr in der Fastenzeit war Patrozinium. An diesem Tag wurde eine Torte mit violettem Zuckerguss serviert. Pfarrer Rombach wusste sicher nichts davon, dass ich, während des Frühstücks der Herren, beim Melken im Stall fast verzweifelte bei der Vorstellung, dass der Pfarrer und ein zusätzlicher Vikar mir nichts mehr von der Torte übrig lassen könnten. Ich bekam aber zu meinem Trost noch ein großes Stück ab. Es war eine kleine, fromme Gemeinde, die sich zu den wöchentlichen Gottesdiensten in der schlicht eingerichteten Kapelle einfand. Hier war ich, ganz dicht hinter dem Priester, dem heiligen Geschehen besonders nahe. Ich folgte den Gebeten und Handlungen mit großer Aufmerksamkeit und sehe den Pfarrer in seinem römischen Messgewand vor mir wie er, andächtig ergriffen, seinen Rücken beugt, die Einsetzungsworte spricht, die konsekrierte Hostie zur Anbetung hochhält, die Kommunion austeilt und uns den Segen spendet. Alles geschieht in beeindruckender Würde und Feierlichkeit und die wenigen, kräftigen Stimmen, schenken Geborgenheit und füllen den Raum zum gemeinsamen Gotteslob.
Auf Pfarrer Rombach konnten wir uns verlassen. Er kam bei jeder Witterung zu Fuß. In einem besonders strengen Winter bei hohem Schnee und Nebel gab es einmal eine große Aufregung als er ausblieb. Einer rasch zusammen gestellten Rettungsmannschaft gelang es schließlich ihn zu unserer Freude wieder zu finden und gesund nach Giersbach zu bringen. Pfarrer Rombach genoss wegen seiner seelsorgerischen Pflichterfüllung und den Kontakten zu dem ihm Anvertrauten als fürsorglicher Vater und Freund hohes Ansehen. Er ließ es sich nicht nehmen, soweit es seine Kräfte erlaubten, mit anzufassen, um der Berger-Familie bei der Heuernte zu helfen. Man fand ihn dort bei den Frauen, denen er half, das Heu mit dem Rechen zu Maden zusammen zu ziehen. In den Kriegsjahren war Pfarrer Rombach untersagt, in der Schule zu unterrichten. Wir trafen uns daher in einem der Schule nahe gelegenen Bauernhaus. Er stand mit lebhaften Gesten in der einfachen Stube. Wir Buben und Mädchen scharten uns dankbar und stolz auf Wandbänken und Stühlen um ihn. Anschaulich, bildhaft, lebendig und einprägsam erklärte er uns die Glaubensgeheimnisse und erschloss uns die Schrift. Er bewirkte durch seine Standhaftigkeit, dass auch wir ermuntert wurden, unseren katholischen Glauben zu lieben und in einer Zeit zu bekennen, in der die damaligen Machthaber dies nicht schätzten. Gerade in den Kriegsjahren scharten sich nicht nur die Gläubigen um ihren „Hotzenbischof“. Mutig leistete er in der Kraft seines Auftrags und Glaubens den Nationalsozialisten entschiedenen Widerstand. In der Pfarrkirche donnerte er von der Kanzel: „Ich bin ein Soldat Gottes und ich weiche nicht von der wahren Lehre ! “. Die Gestapo saß im Kirchenschiff und stenographierte seine Predigt mit, wagte aber nicht ihn zu verhaften. Dies hätte einen Aufstand gegeben unter den Katholiken, denn Pfarrer Rombach hatte einen großen Rückhalt in der ganzen Bevölkerung.
Wie den Kindern, die zu Beginn dieser Geschichte sehr aufgeregt waren und dann verstummten, als sie mitten im Spiel eine tote Maus fanden, geht es auch mir, wenn ich mit dem Alter immer mehr mit überraschenden Todesfällen konfrontiert werde. Gelegentlich halte ich das Sterbebild des „Hotzenbischofs“ stumm in meinen Händen, der nach einem treuen und erfüllten priesterlichen Leben in einem violetten römischen Messgewand in seinem Sarg liegt. Er hatseinen Frieden beim Herrn wahrlich verdient. Dem aufrechten und treuen Priester, Pfarrer Rombach, schulde ichschon länger eine Geschichte in der lebendig werden sollte, was mich mit Ihm, dem Hotzenwald und den Menschen dort verbindet. Dieses Versprechen musste ich einlösen!
Nach längerem Abwägen, fällt die Entscheidung: Sie wünscht sich zum Geburtstag eine neue Handtasche. Das war geschafft! Ich erkläre mich unvorsichtigerweise bereit, sie zum Einkauf in die Stadt zu
begleiten. Erwartungsvoll sitzen wir in der Regionalbahn. Wie üblich, sind wir an diesem Tag nicht die einzigen Kauflustigen, bahnen uns den Weg durch die Menge und steuern das Ziel, ein großes Kaufhaus an.
Ich kenne das Kaufhaus von verschiedenen Besuchen. Meine Frau und die Töchter, fühlen sich im Unterschied zu mir in solcher Umgebung pudelwohl. Es scheint sie keineswegs zu ermüden, beutegierig durch alle Abteilungen der verschiedenen Etagen zu streifen, um die angebotenen Waren nach Mode, Qualität und Preis zu prüfen. Stets auf dem Sprung zum nächsten Artikel oder einem »Schnäppchen«, steht ihnen das Jagdfieber ins Gesicht geschrieben. Gewöhnlich suche ich mir bei derlei Unternehmungen einen Stuhl, um abzuwarten, bis mir ein »Fundstück« zur Beurteilung vorgelegt wird. In derlei Situationen empfiehlt es sich, nicht zu bezweifeln, dass die Damen selbst am Besten in der Lage sind, Nutzen und Kosten ihrer Auswahl einzuschätzen. Und sollte sich in mir manchmal die Idee entwickeln, als Mann auch erkennen zu können, was einer Frau gut zu Gesicht steht, unterdrücke ich umgehend derlei wenig hilfreiche Gedankenspiele. Erfahrungsgemäß führt das ja nur dazu, dass meine Damen im besten Falle einen von mir vorgeschlagen Gegenstand mit deutlich geringschätzigen Blicken in die Hand nehmen, um ihn nach kurzer Prüfung wieder ins Regal zurück zu legen. Die gutgemeinte Absicht, meine Frau zu begleiten, um sie durch mein Interesse am Einkauf zu erfreuen, war an diesem Tag so dominant, dass ich mich nicht mehr an frühere, enttäuschende Erlebnisse zu erinnern vermochte, die zu einer längeren Einkaufsabstinenz meinerseits führten. Zudem war ich mir einigermaßen sicher, in der Obhut meiner Frau bei Laune zu bleiben und in dem riesigen Kaufhaus nicht verloren zu gehen. Als geheime Notfallplanung beabsichtigte ich, mich gegebenenfalls in das Restaurant zurück zu ziehen, um dort abzuwarten, bis die unbändige Kauflust meiner Frau abgeklungen ist. So gewappnet, schaue ich dem weiteren Verlauf des Einkaufs relativ gelassen entgegen.
Wir beginnen das Unternehmen „Handtaschenkauf“, strategisch nachvollziehbar, im obersten Stockwerk: An den unmöglichsten Plätzen und Verstecken, gibt es in dieser Abteilung eine reichliche Auswahl verschiedener Handtaschen, in allen nur erdenklichen Farben und Größen. Ich folge meiner Frau in sicherem Abstand, um nicht aufdringlich zu erscheinen und sie nicht aus den Augen zu verlieren. Sie geht mit frischem Elan zielstrebig auf die ersten Taschen zu, wiegt sie in der Hand, prüft das Leder und die Einteilung, hängt sie sich probeweise links, dann rechts über die Schulter, tritt prüfend vor den nächsten Spiegel, um sie der Reihe nach dann wieder in die Regale zurück zu stellen. Nach einiger Zeit haben wir auf diese Weise das oberste Geschoß ineffektiv durchforstet. Mit ungebrochenem Jagdfieber begeben wir uns auf Beutesuche im dritten Obergeschoss: Das Angebot ist verblüffend vielfältig. Taschen über Taschen stehen in größeren und kleineren Regalen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Taschen gesehen. Es entwickelt sich in mir die abstruse Vorstellung, dass es nicht genügend Frauen geben könnte, um sie alle zu kaufen. Möglicherweise kann dies aber nur einem Mann einfallen. Meine Frau hingegen schreitet wieder kurz entschlossen auf die Taschen zu; große und kleine, rote und braune, schwarze und weiße, Einkaufstaschen und auserlesene Objekte für die »Dame von Welt«. Es mögen nach meiner Erinnerung an die Hundert Taschen gewesen sein, die sie prüfte, um sie dann wieder an ihren Platz zu stellen.
Meine Enttäuschung hält sich immer noch in Grenzen. Ich betrachte es aber als meine fürsorgliche Aufgabe, warnend darauf hinzuweisen, dass es kaum ein anderes Geschäft in dieser Stadt gebe, das ein ähnlich umfangreiches Taschen-Sortiment anböte. Sie möge daher die Hoffnung nicht aufgeben, fündig zu werden. Dieses Hinweises hätte es nicht bedurft, denn wir befinden uns mittlerweile im zweiten Obergeschoß. Und wie es das Schicksal will: Es gibt Taschen in allen Variationen. Mir sind ähnliche Objekte in dieser Reichhaltigkeit früher gar nie aufgefallen. Wo hatte ich bloß meine Augen? Wir nehmen wieder mit Regalen Kontakt auf, längere, kürzere, hohe und niedrige, alle prall gefüllt mit Taschen. Mich überkommt ein erstes Schwächegefühl und ich setze mich auf einen der Stühle in der Nähe meiner Frau. Wenn ich gelegentlich bemerke, dass sie eine Tasche besonders ausgiebig betrachtet, erhebe ich mich, um sie mit einem vorsichtigen Rat beim Kauf zu unterstützen. In der Regel bedarf es einer solchen Schützenhilfe nicht, denn wenn ich es wage, eine Tasche chic zu finden, kann ich nahezu sicher sein, dass sie unweigerlich ins Regal zurück wandert. Es überrascht mich nicht mehr sonderlich, auch im ersten Obergeschoss reichliche Taschen zu sehen. Innerlich seufze ich bereits: » Nichts als Taschen, wo soll das noch enden? « Zusehends nähere ich mich der Belastungsgrenze. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich dabei, die Taschen schon doppelt zu sehen. Die Taktik meiner Frau bei der Wahl eines Objekts, scheint mir inzwischen ausreichend klar: Tasche anschauen, Einteilung und Leder prüfen, Farbe auf sich wirken lassen, gelegentlich Tasche links, dann rechts umhängen, vor den Spiegel treten, die Tasche wieder in das Regal zurück stellen. Langsam dämmert es mir, sie könne möglicherweise gar nicht so recht wissen, was sie kaufen will. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass sie diese Tatsache irgendwie störe. Eher beginne ich mich selber ein wenig verlassen zu fühlen. Sie scheint nur noch Augen für Taschen zu haben. Stellen Sie sich einmal vor, zu welchen ehelichen Belastungen es führte, wenn ich über diesen Zustand klagte. Ein guter Engel und langjährige Erfahrungen mit Frau und Töchtern, bewahren mich vor solchem Missgeschick. Ich trabe daher, etwas verdrossen, stumm wie ein Fisch, hinter meiner Frau her.
Es geht noch ein Stockwerk tiefer. Ich glaube, mich trifft der Schlag! Da ist sie, »die Spezialabteilung für Damentaschen«. Ich nehme alle Kräfte zusammen, um mit meiner Frau -wie zu erwarten, ineffektiv- noch einige Regale nach der Methode: Anschauen und Zurückstellen, nach einer geeigneten Tasche durch zu stöbern. Dann gebe ich mich geschlagen und sage: » Ich kann nicht mehr; ich brauche frische Luft! « Ein etwas überrascht, enttäuscht-kritischer Augenaufschlag meiner Frau ist die Antwort. Dann großzügig, als litten Männer chronisch beim Einkauf unter Konditionsschwierigkeiten, die Absolution mit der Frage: » wo treffen wir uns? « Ich kenne nur das Cafe in der Nähe des Schlossplatzes. Wir vereinbaren, uns dort zu treffen.
Mit raschen Schritten verlasse ich das Kaufhaus und erhole mich auf der belebten Königsstraße bei einem Akkordeonisten, der seinem Umhängeschild nach, in Russland schon verschieden Preise gewann. Er spielt hervorragend Stücke von Bach und Händel. Ich komme et- was zur Ruhe. Beim Gang zum Treffpunkt bin ich bereits so auf Taschen fixiert, dass ich es auch ohne Frau nicht lassen kann, ein kleines Fachgeschäft zu betreten, um dessen Angebot zu prüfen. Mein Blick fällt auf ein interessantes „ weißes Stück“. Ich wage es, nach den aktuellen Erlebnissen beim Einkauf zu vermuten, dass diese Tasche meiner Frau gefallen könnte.
Ich sitze im Cafe: Es herrscht Hochbetrieb. Die Bedienungen kommen kaum nach. Einige Tische sind unappetitlich mit leerem Geschirr voll gestellt. Mit Mühe halte ich einen Platz für meine Frau frei. Endlich! Sie kommt mit kleinem Gepäck – ohne Handtasche. Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Die leeren Teller und Tassen auf den Tischen im überfüllten Cafe sind auch nicht geeignet, sie aufzuheitern. Wir nehmen einen Drink. Ich setze zu einem letzten Versuch an, die Stimmung zu retten und erweise mich als ein interessierter Taschenjäger. Ohne Überheblichkeit, wie nebenbei, gebe ich zu verstehen, dass ich in Ihrer Abwesenheit dem kleinen Fachgeschäft neben an einen Besuch abstattete, mit dem Verweis, wir sollten diese
Option nicht auslassen. Ein müdes Lächeln zunächst, dann aber wieder dieser »Taschensuch-Blick« in den Augen meiner Frau. Ich habe ins Schwarze getroffen. Wir bezahlen, verlassen den ungastlichen Raum und steuern gemeinsam das Fachgeschäft an. Eine überaus freundliche Verkäuferin nimmt uns in Obhut. Meine Frau sucht die Regale ab und zieht auf Anhieb, ich traue meinen Augen nicht, sie zieht »meine weiße Tasche« aus dem Regal, prüft das Leder, die Form, die Einteilung, hängt sie links und rechts um, fragt mich schließlich, ob sie mir gefalle? Ich halte mich aber mit aller nur erdenklichen Anstrengung zurück, mich zu äußern, in der Hoffnung, jetzt hat sie es. Bei der nachfolgenden Szene hätte ich in den Boden versinken können, hatte ich doch alles vermeintlich richtig eingefädelt. Meine Frau aber gibt der Verkäuferin eindeutig zu verstehen, die »weiße Tasche« habe zwar einen gewissen Charme. Sie habe sich aber eine braune Tasche gewünscht. Das war es dann.
Meine Frau lehnt sich bei der Rückreise sichtlich erschöpft in den gepolsterten Sitz zurück. Ich bin nicht so sehr müde, eher verärgert; sind es doch nur noch Stunden bis zu ihrem Geburtstag. Wo bekomme ich denn nun eine Tasche her? Finstere Gedanken verfolgen mich. Was hat uns diese Reise in die Stadt gebracht? Es geht mir immer wieder durch den Kopf, braun muss sie sein, – und sie wird auch eine braune Tasche bekommen, aber nach meiner EinkaufsmethodAnderntags befinde ich mich in unserem Schuhgeschäft in Backnang und sehe zu meiner großen Überraschung in der Auslage die »braune Handtasche« wie für meine Frau gemacht, und dazu noch recht preiswert. Hinein! Ich lasse mir die Tasche zeigen, prüfe das Leder, die Einteilung, hänge sie probeweise rechts, dann links über die Schulter, trete vor den Spiegel und kaufe sie. Der Verkäuferin gebe ich diskret aber bestimmt Einblick in meine Seelenlage und sage: »Wenn meiner Frau diese Tasche nicht gefällt, dann gibt es Schuhe! « Ich behalte mir das Umtauschrecht vor. Sie werden es nicht fassen, mir ging es genau so. Ich präsentiere am Geburtstag stolz mein Geschenk und meine Frau äußert begeistert: » Genau so habe ich mir die Tasche vorgestellt «. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Können Sie mir erklären, wie es dazu kommt, dass ich in der Lage bin, die Absichten meiner Frau zu erraten?
Im Namen des Vaters
des Sohnes und des
Heiligen Geistes
Alles was Gott der
Herr erschaffen hat
und am Leben erhält
Alles was es von Anfang
an gab im Hier und Jetzt
bis zum Ende der Zeit gibt
Und im Himmel wie im
Universum göttlicher
Liebe auf Erden existiert
Soll mit uns vereint zu
Dank Lob Anbetung des
Allerhöchsten werden
Herr erbarme DICH unser
vergib unsere Sünde und
Schuld wie wir vergeben
Sei DU die Mitte und Quelle
unserer Liebe im Glauben
Hoffen Beten und Feiern
Erde singe dass es klinge
laut und stark Dein Jubellied
Himmel alle singt zum Schalle
Dieses Liedes jauchzend mit
singt ein Loblied unserm
Meister preist IHN laut ihr
Himmelsgeister was ER erschuf
was Gott erbaut juble laut. Die
Ehre Anbetung und Herrlichkeit
Sei dem Vater Sohn und Heiligen
Geist allezeit und in Ewigkeit
heilig heilig heilig heilig ist
Der Herr ER der nie begonnen
ER der immer war ewig ist und
waltet SEIN wird immerdar
Es ist der 23. Januar des Jahres 2015: Sehr früh am Tage erblicken unsere Enkel das Licht der Welt. Gott sei´s gedankt! Unsere Tochter Veronika hat Zwillinge geboren. Die Mutter und Kinder sind gesund. Auch der besorgte und stolze Vater hat „die anderen Umstände“ gut überstanden. Wir, die Großeltern, alle Verwandten, Freunde und Bekannten, freuen uns über die Geburt von Emilia und Paul. Erste Fotos der Enkel lassen keine Wünsche offen. Wir sind entzückt über die hübschen Kinder, staunen über dieses Wunder, und finden die Kleinen zum Knuddeln und Küssen süß. Schon lange stellten sich Veronika und Arthur, auf ein Leben mit Kindern ein. Sie konnten in einer ruhigen Wohnlage im Nordwesten Hamburgs ein schönes Haus erwerben, bauten es um und richteten es nach ihren Bedürfnissen ein. Auch der große Garten mit altem Baumbestand wurde neu gestaltet. Beim Gartenhäuschen mit dem windgeschütztem Sitzplatz, durfte auch der passende Strandkorb nicht fehlen. Wir Großeltern begutachteten bei verschiedenen Besuchen den Baufortschritt; ein Ergebnis sorgfältiger Planung und aufwendiger Arbeit. Hier entstand in den vergangenen zwei Jahren ein Zuhause, in dem sich Eltern wie Enkel wohl fühlen können.
Als wir von der Geburt der Zwillinge erfuhren, war Iris, meine Frau, nicht mehr zu halten. Sie musste, wie die anderen Verwandten, die Enkel unbedingt sofort sehen, kehrte überglücklich von einem Blitzbesuch in Hamburg zurück, und schwärmte von den „süßen Kleinen“, die sie zum ersten Mal in den Arm nehmen durfte. Wir planten umgehend einen gemeinsamen, längeren Aufenthalt in Hamburg. Als Großvater musste ich mich aber trotz erfreulicher Botschaften, noch etwas gedulden, bis ich die Enkel sehen und erleben durfte. Endlich war es so weit: Doch kurz vor der Abfahrt, traten bei mir heftige Rückenschmerzen auf, die eine Reise zu verhindern drohten. Dabei hatte ich mich in Vorfreude doch schon sorgfältig auf die Fahrt vorbereitet. Sollte es mir nun nicht gegönnt sein, meine Enkel zu sehen? Auf Rat meiner Frau, entschloss ich mich aber trotz der Beschwerden, die Reise im Auto zu wagen. Entgegen aller Sorge, gelang es mir, die Rückenlehne des Sitzes so einzurichten, dass die Schmerzen erträglich blieben. Wir hatten zudem Glück: An diesem etwas diesigen Wintertag herrschte mäßiger Verkehr auf den Straßen. Mit wachsender Distanz von Oppenweiler, nahm die Hoffnung zu, die Reise gut überstehen zu können. Nach nur sechs Stunden Fahrzeit, tauchte die uns bekannte Silhouette Hamburgs vor uns auf. Dem Ziel unserer Reise waren wir nun sehr nahe:
Veronika hatte sich bei unserer Ankunft gerade, nach der „Mahlzeit“ mit den Kindern, zu einem Plauderstündchen auf das Sofa im Wohnzimmer zurückgezogen. Es herrschte beruhigende Stille im Hause. Paul flirtete, bequem auf den Oberschenkeln der Mutter liegend, mit Veronika, die ihn zum Dank für seine zufriedene Miene, gelegentlich ein wenig rüttelte. Emilia hatte es sich im rechten Arm ihrer Mutter bequem gemacht, und schaute sie satt und zufrieden unverwandt an. Beide Kinder beteiligten sich mit lebhaftem Mienenspiel an der Plauderei. Die Stimme Veronikas schien ihnen vertraut zu sein.Wir wurden nun unseren Enkeln hoch offiziell, als deren Oma und Opa vorgestellt. Die Kleinen sahen wirklich genau so aus, wie ich sie von den Fotos bereits kannte. Zunächst stand ich ein wenig sprachlos aber sehr dankbar vor diesem Wunder an Leben. Veronika versicherte uns, dass beide Kinder seit ihrer Geburt, an Gewicht schon deutlich zugelegt hätten. Als ob wir uns schon lange wohl bekannt wären, gelang mir die richtige Zuordnung der Namen in Kürze. Es dauerte nur eine kleine Weile, bis es die glückliche Mutter wagte, uns ihre Kinder anzuvertrauen. Ich kann Ihnen versichern, liebe Leser, dass es für mich ein sehr schönes Gefühl war, eine so süße Enkelin an sich zu bergen. Es dauerte daher nicht lange, bis es Emilia gelang, ihren Großvater zu einem lebhaften „Gebabbel“ zu verführen. Nichts von all dem, was sich früher zwischen mir und unseren Töchtern abspielte, hatte ich verlernt, und bald bemerkt, dass Emilia, wie ihre Urgroßmutter Emilie, Musik zu lieben schien. Und mir fielen wie von selbst alle möglichen Lieder zu, die wir einst mit unserer Mutter sangen. Unter uns gesagt, es waren auch einige nicht so ganz koschere „Lumpenliedchen“ dabei. Emilia schien sich aber nicht daran zu stören. Sie scheint wahrlich nicht aus der Art gefallen zu sein Ihr Bruder Paul wurde indessen von seiner Oma sehr verwöhnt und liebkost, wie es sich für einen agehenden Mann gehört. Meine Prognose für seine Zukunft ist klar: Paul, von Kindheit an so ans „Schmusen und Küssen“ gewöhnt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch in seinem späteren Leben diese Einstellung beibehalten. Uns bleibt nur zu raten, welche familiären Erbanteile sich in diesem Knaben verkörpern. Einige Stunden verbringen wir nun schon mit unseren Enkeln und deren Eltern in Hamburg. Gestern fand die erste Ausfahrt statt. Die Kinder wurden schön warm eingepackt und dann marschierten wir mit dem geräumigen, leichtgängigen Kinderwagen los. In der Nähe gibt es übrigens sehr schöne, ruhige Wanderwege, die sich zu derlei Ausfahrten unterschiedlicher Länge anbieten. Veronika machte uns dabei auf die vielen Pferde aufmerksam, die es hier gebe. Sie erwartet wohl zu Recht, dass sie, wie andere Eltern, in nicht allzu ferner Zeit auch unsere Enkel auf Ponys im Kreise herum führen müssten. Nebenbei bemerkt: Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als mich unsere Töchter als Pferd benötigten, oder später an die schwierigere Aufgabe, sie davon zu überzeugen keine eigenes Pferd zu bekommen. Mir lag die Klage eines Freundes in den Ohren, der alle Wünsche seiner Tochter geduldig erfüllte, bis auf den Umstand, jedes Wochenende auf einem anderen Turnierplatz zubringen zu müssen.
Aber nun wieder zurück nach Hamburg: Bis unsere Enkel so weit sind, dauert es eh noch eine Weile. Gern überlassen es wir ihren Eltern zu entscheiden, welche Vorlieben sie ihren Kindern gönnen wollen. Es erscheint uns Großeltern eher angenehm, derlei Entscheidungen, an die nächste Generation abgeben zu dürfen. Auffallend rasch vergeht die Zeit mit unseren Enkeln, denen es schon gelungen ist, die Herzen ihrer Großeltern für sich zu gewinnen. Schon wenige Stunden der Trennung genügen, um sich wieder nach Ihnen zu sehnen. Während ich hier sitze und an dieser Geschichte arbeite, vermisse ich die Kleinen schon. Ich freue mich wieder darauf, bald ohne Beschwerden mit marschieren, und mit ihnen Plaudern zu können, denn der Opa hat noch viele Räubergeschichten und Lumpenliedchen auf Lager, die sie hören sollten. Die Kleinen verstehen zwar die Worte nicht, wohl aber die sonore Stimme des Großvaters, die es gut mit Ihnen meint. Ich freue schon wieder auf die nächste Ausfahrt und die Gelegenheit, mit stolz geschwellter Brust den Kinderwagen zu schieben. Das hat übrigens auch Vorteile: Zum einen gelten mir dann die bewundernden Blicke aufmerksamer Damen oder Herren, zum anderen kann ich mich am Kinderwagen, unauffällig wie an einem Rollator halten, und nur geschulte Blicke bemerken mein unsicheres Gehen.Für heute beschließe ich meine ersten Eindrücke über die Reise nach Hamburg und bin glücklich, dass ein brandneues Notebook mir erlaubt, der gelegentlichen Lust, zu schreiben, störungsfrei nach zu kommen. Bis zum nächsten Mal, liebe Leser!
Wir befinden uns im fünften Jahr des auf allen Seiten unter großen Verlusten geführten zweiten Weltkrieges. Die deutschen Truppen ziehen sich nach anfänglichen Erfolgen an allen Fronten zurück. Viele Städte liegen zerbombt in Trümmern. Dennoch werden über die Medien Durchhalteparolen verkündet. Es kursieren Nachrichten, die eine Wende zu unseren Gunsten durch geheime Waffen versprechen. Die Menschen sind des Krieges überdrüssig, viele Soldaten verletzt, gefallen oder in Gefangenschaft geraten. Werber bemühen sich dennoch, Jugendlichen „ in letzter Stunde“ den Waffendienst zu empfehlen.
Seit zwei Jahren, bis ins Frühjahr 1944, wohne ich mit Billigung meiner Mutter, in einem Bauernhaus bei Verwandten auf dem Hotzenwald. Mutter- und Vater – Berger hatten mich wie einen Sohn aufgenommen. Ihre eigenen Söhne waren im Feld, der älteste Sohn bereits gefallen. In dieser Zeit litt ich keine Not. Ich arbeitete im Jahreskreislauf im Stall und auf den Feldern mit, wie die anderen Bauernbuben und hatte gut und genug zu essen.Die Berger-Mutter mit ihren roten Wangen, den aufmerksamen blauen Augen und den nach hinten zu einer Rolle geflochtenen, grauen Haaren, war tief religiös. Der stämmige, mittelgroße, Berger-Vater war stolz auf seinen Nebenberuf als Straßenwärter. Nach den wöchentlichen Gottesdiensten in der kleinen Kapelle, kam unser Pfarrer, einer alten Tradition zufolge, ins Bergerhaus zum Frühstück. Er scheute sich nicht, wenn Not an Mann war, bei der Heuernte mit an zu packen. In meiner Erzählung „ Der Hotzenbischof“ habe ich mich dankbar seiner erinnert. Als ihm die Nationalsozialisten den Zutritt zur Schule verwehrten, gab er uns Religionsunterricht in der Stube eines Bauernhauses. Dies verband uns Buben und Mädchen noch mehr mit unserem Pfarrer, der uns in schweren Zeiten ein Vorbild war. Ich folgte seinen überzeugenden Worten, mit denen er über unseren katholischen Glauben sprach, mit großer Aufmerksamkeit und stellte viele Fragen. In seinem Abschlusszeugnis zeichnete er mich als seinen besten Schüler aus. In der 7. und 8. Klasse besuchte ich die Schule in Kleinherrischwand. Einige der Buben und Mädchen lernte ich in diesen zwei Jahren näher kennen. Den Jungen war ich zwar körperlich unterlegen, sie respektierten mich aber der schulischen Leistungen wegen. Unsere Lehrerin, eine hübsche Elsässerin, die sich oft in verführerischer Pose mit ihrem kurzen Rock auf die ersten Bänke setzte, habe ich nicht nur wegen ihres lebendigen Unterrichts angehimmelt. Zu Ostern 1944 war die Schulzeit zu Ende. Mein Vater hatte mir in einem seiner Briefe Ende August 1943 mitgeteilt, dass er als Gebirgsjäger bereits seit 4 Jahren an verschiedenen Fronten im Einsatz sei. Er ließ mich wissen, dass er mich in jeder Hinsicht bei meiner Berufswahl unterstütze. Ich könnte bei ihm in Karlsruhe wohnen, falls ich den Besuch einer Hochschule anstrebte. Nach einem Gespräch mit meiner Mutter entschied ich mich, wieder nach Rheinfelden zurück zu kehren. Ich beabsichtigte, eine kaufmännische Lehre zu beginnen, da mir dies aus damaliger Sicht wünschenswerter erschien.
Nach meinem Schulabschluss verabschiedete ich mich dankbar von den liebenswerten „Berger-Eltern“ mit dem Versprechen, dass ich sie nicht vergessen und wieder besuchen werde. Unverzüglich stellte ich mich bei der Firma Metzger, einer größeren Bauunternehmung in Rheinfelden vor, wurde akzeptiert, begann die Lehre im April 1944, besuchte in dieser Zeit die Handelsschule und beendete beides erfolgreich mit der Gehilfenprüfung zum Baukaufmann im April 1947. Da nach dem Krieg wenig Aussicht bestand, als Baukaufmann irgendwo unter zu kommen, blieb ich der günstigeren Bedingungen wegen, in dieser Firma bis zum Jahre 1962. Ich wurde zunächst in der Lohnbuchhaltung eingesetzt und bediente zusätzlich die Besucher mit
ihren Anliegen am Schalter. Manchmal ärgerte es mich sehr, wenn ich die Abwesenheit unseres Chefs mitzuteilen hatte, obwohl er oben in seinem Büro saß. Angenehmer war es, wenn sich der Lohnbuchhalter, der Wert auf gutes Essen legte, von mir ein Vesper holen ließ und mir einen nahrhaften Trägerlohn zuteilte. Ich hatte auch die angenehme Aufgabe, wöchentlich die Lohntüten zu den Baustellen zu bringen. Dort war ich in dieser Funktion bei den Polieren, Maurern und Hilfsarbeitern gern gesehen, konnte mich auf den Baustellen umsehen und den Fortschritt der Arbeiten beobachten. Noch heute erfasst mich ein Kribbeln, wenn im Frühjahr die Baumaschinen wieder brummen. Die regelmäßige Arbeit auch an Samstagen von 8-12 Uhr, an den übrigen Tagen mittags von 13-17 Uhr war gewöhnungsbedürftig.
Einige Minuten nach Feierabend klopfte ich in meiner Freizeit an die Türen meiner Freunde Rolf und Berthold. Wenn wir abends nicht zu dritt auf Tour waren, wurden wir gefragt, ob einer von uns krank sei. Berthold verdiente damals als Uhrmacherlehrling am meisten und hielt uns oft über Wasser, wenn wir schwach bei Kasse waren. Ich wohnte wieder zu Hause und bekam ein eigenes Zimmer, das ich in späteren Jahren mit einfachen Möbeln und einem Radio nach eigenen Vorstellungen einrichtete. Unsere Mutter hatte es mit mir, einem 14-jährigen, eigenwilligen Knaben und meinem ebenso lebendigen, vier Jahre jüngeren Bruder nicht leicht. Sie achtete streng auf die Einhaltung der Essenszeiten und die häusliche Ordnung, in jüngeren Jahren gelegentlich unter Zuhilfenahme ihres Teppich-klopfers. Mein Bruder wirft mir, wahrscheinlich zurecht vor, ich sei oft der schnellere gewesen, wäre durchgehuscht und er hätte die Prügel bezogen. Die Mutter ließ mir ansonsten große Freiheit, sagte nur, wenn ich spät nach Hause kam: „ich solle ihr keine Schande machen“ was immer das bedeutete. Es gab oft wie mir schien wegen ihres Starrsinns, vermutlich ein Erbe ihres autoritären Vaters, lebhaft geführte Auseinandersetzungen. Ein Grund mehr, öfters Abstand zu halten, und Verständnis bei meinen Freunden zu suchen.
Der Krieg war gelegentlich auch in Rheinfelden zu spüren. Wir saßen oft nach dem Sirenengeheul nachts ängstlich im Luftschutzkeller, hörten die Geräusche der Flugzeuge und einmal den Einschlag von Bomben im Industriegebiet. Tiefflieger griffen damals auch Fahrzeuge auf Zufahrtsstraßen an. Im Herbst 1944 wurden wir zum Schanzen nach Efringen-Kirchen abgestellt. Wir mussten Panzergräben herstellen. Gleichzeitig waren wir Weinbauern zugeteilt, um bei der Lese mit zu helfen. Ich habe nie vergessen, wie der altersschwache Bauer, dem wir zugeteilt waren, volltrunken, eine steile Treppe des Hauses herunter kugelte, ohne Schaden zu nehmen, wieder aufstand und auf unsicheren Beinen davon wankt. Einige Wochen später, ich war damals gerade 15 Jahre alt, wurde ich drei Wochen zu einer vormilitärischen Ausbildung der Wehrertüchtigung, einberufen. Dann kam es zu einer entscheidenden, uns sehr überraschenden Situation: Wir wurden in einen Saal geführt, in dem Werber an den Wänden Photographien der verschiedensten Möglichkeiten des Waffendienstes aufgehängt hatten. Mich überzeugte der glänzende Vortrag über die Vorteile eines Achtrad – Panzerspähwagens, der vorn und hinten steuerbar war und dessen Reifen sich bei einem Durchschuss wieder selbständig abdichteten. In meinen Augen eine Lebensversicherung und so meldete ich mich mit andern Schulkameraden zur Waffen-SS. Als ich dies abends stolz Bertholds Vater erzählte, hätte er mich offensichtlich am liebsten verprügelt. Er erklärte mir in scharfem Ton: „Der Krieg sei doch verloren!“ Ich habe ihm diese Gardinenpredigt nicht übel genommen und ihn auch nicht verraten. Er wäre ja sonst wegen Wehrkraftzersetzung verhaftet worden. Die Ereignisse nahmen nun ihren eigenen Lauf. Unsere Mutter war in großer Sorge.
Wir wurden Wochen später zur Ausbildung einberufen. Auf unserer Fahrt erlebten wir in Immendingen den ersten Tieffliegerangriff und suchten, wo immer möglich, Deckung. Nach diesem Angriff war die Begeisterung bei vielen Schulkameraden dahin. Sie büchsten aus und gelangten wieder nach Rheinfelden. Mit zwei weiteren Kameraden, die nicht desertieren wollten, gelangten wir nach einer Übernachtung im zerstörten München nach Mittenwald. Dort hatte ich großes Glück: Ich bekam eine schwere Angina und lag lange Zeit auf der dortigen Krankenstation. Dadurch entkam ich der militärischen Ausbildung,wurde nicht eingekleidet und bekam auch keine Blutgruppe tätowiert. In der Krankenstation gaben mir alte Landser, die versuchten das Kriegsende abzuwarten, Nachhilfe über die wirkliche Lage. Als am 20. April 1944, an Führers Geburtstag, keine Geheimwaffen zum Einsatz kamen, überzeugten mich die Argumente der Landser. Ich entschloss mich, trotz der damit verbundenen Gefahren, zu desertieren. In meiner Hitlerjugend-Winteruniform, mit Brot und Wurst in einem Einkaufsnetz und einem Regenschirm stieg ich über die Kasernenmauer. Mein Ziel war, Richtung Bodensee zu meiner Tante nach Singen zu gelangen. Zu Fuß, gelegentlich auf einem Traktor, gelangte ich nach Radolfzell. Dort wurde ich mit anderen Jugendlichen und Alten gestellt, eingekleidet und zur Verteidigung von Radolfzell eingesetzt. Wir bauten uns zur Übernachtung Schützenlöcher. Ich war als Zugmelder Verbindungsmann. Diese Aufgabe führte ich einmal durch, um zu berichten, dass französische Panzer auf der Straße vorrücken. Wir befanden uns auf einem kleinen Hügel. Einige Stunden später kämmten gepanzerte Fahrzeuge auch unser Gelände durch. Wir versuchten uns vor dem Maschinengewehr-Feuer zu schützen und robbten in einer Ackerfurche in den toten Winkel. Ich war nicht einmal in dieser Technik erfahren und kam, obwohl ich bat auf mich zu warten, nicht mehr mit. Das war mein großes Glück. Ich konnte nämlich beobachten, wie meine Kameraden, die bergauf über freies Feld zu einem Waldstück zu gelangen versuchten, nacheinander wie die Hasen abgeschossen wurden. ich handelte: Bei der Einkleidung in Radolfzell hatte ich keine Unterwäsche gefasst, sondern meine Hitlerjugenduniform behalten. Ich vergrub meinen Wehrpass, ließ den Waffenrock und meine Waffen in der Ackerfurche zurück, war nun als Hitlerjunge erkenntlich und ging den Franzosen entgegen, indem ich eine weiße Binde, die ich seit meinem Aufenthalt in der Krankenstation bei mir trug, zum Zeichen, dass ich mich ergebe, schwenkte. Ich wurde mehrmals darauf angesprochen, ob ich zur Waffen-SS gehöre, was ichverneinte. Ich weiß nicht wie man mich behandelt hätte, wenn ich die Blutgruppe gehabt hätte. Alle SS-Angehörigen wurden aussortiert. Ich gab mich als Hitlerjunge aus, der ich im Grunde ohne Ausbildung und je einen Schuss abgegeben zu haben ja auch war. Dennoch war es
eine schwierige Situation. Die Pistolen saßen damals sehr locker. Wir wurden mit erhobenen Händen gesammelt, durften erst nach einiger Zeit die Hände auf den Kopf legen, uns dann später setzen und wurden nach Radolfzell transportiert. Dort brachten sie uns Gefangene in das Ortsgefängnis. Ich war noch nie in einem Gefängnis, bekam schreckliche Angst und weinte. Ein französischer Offizier, brachte mich mit gezogener Pistole in eine requirierte Wohnung zu einer deutschen Familie mit der Bitte, dass sie mir zu essen geben und weiter helfen sollten. Als ich anderntags erwachte, war die Wohnung leer. Ich bedankte mich freundlich auf einem Zettel bei meinen Gastgebern, klaute ein Fahrrad und fuhr nach Singen zu meiner Tante. Diese schlug die Hände über dem Kopf zusammen, als ich etwas zerzaust dort ankam.
Um weiter zu kommen, brauchte ich einen Passierschein, der schwer zu erlangen war, weil viele Menschen sich in der großen Stadt sammelten, die ebenfalls weiter wollten. Nach einigen Tagen gelang es mir, meine Tante zu überzeugen, dass ich versuchen wollte, aus der Stadt heraus zu kommen. Ich kam mit meinem Netz mit Verpflegung und dem Regenschirm an die Stadtgrenze, die mit einer bewachten Schranke versehen war. Hier hatte ich wieder Glück: Eine junge, hübsche Frau zog einen Leiterwagen. Ich gesellte mich zu ihr mit der Bitte, mich nicht zu verraten und zog deren Leiterwagen durch die Schranke, während die Franzosen sich offensichtlich gern mit ihr unterhielten. Ich bekam auf einer kleinen Kommandantur außerhalb Singens einen Passierschein bis Waldshut und stiefelte nun über den Randen von Schranke zu Schranke Richtung Waldshut.
Gelegentlich forderten mich die Soldaten auf, ihr Geschirr zu spülen. Ich entschloss mich, an einem kleineren Ort in Dogern bei Waldshut meinen Passierschein verlängern zu lassen und kam dann zu Fuß nach diesen Erlebnissen wieder in Rheinfelden an. Meine Mutter war mehr als überrascht, als ich gesund und wohlbehalten wieder zu Hause war. Nach Kriegsende hatte die Bauunternehmung Metzger wieder mühsam den Betrieb eröffnet. Dort stellte ich mich vor, um meine Lehre fortzusetzen. Als ich mich am Schalter meldete und das vertraute Gesicht des Lohnbuchhalters sah, erschrak ich sehr. Er war so abgemagert, dass ihm der Kragen seines Hemdes mehrere Zentimeter vom Hals abstand. Nur ganz langsam begriff ich, was ein verlorener Krieg und die französische Besatzung bedeuteten. Der Zusammenbruch des Ideals von Führer Volk und Vaterland, war fast noch schwerer zu ertragen, als der andauernde Hunger und der Kampf ums Überleben. Nun wurde mir mit aller Deutlichkeit klar, was in den KZ-Lagern geschehen war. Davon wussten wir nichts. Umso mehr erschütterten uns die grauenvollen Bilder und die Berichte über die Gräueltaten. Meine Reaktion: Nie wieder Krieg und der Entschluss, dem Frieden ohne Waffen in der Hand zu dienen. Ich wurde später als einer der so genannten “weißen Jahrgänge“ auch nicht mehr zur Bundeswehr eingezogen. Gott danke ich dafür, dass ich bis zum heutigen Tag niemals auf Menschen schießen musste. Es gab aber auch andere Erfahrungen: Nach dem Krieg wollte niemand mehr Nationalsozialist gewesen sein. In der Handelschule grüßten die Lehrer nun mit Grüß Gott. Alles, was mit Stolz auf das deutsche Vaterland zu tun hatte –das war ja nicht nur das Dritte Reich- erschien bedeutungslos. Ich begann mich mit der französischen Nation und den nachfolgenden Vorstellungen von einem geeinten Europa zu identifizieren.,Erst viel später, nach einer längern Reise mit meinem Pfarrer durch ganz Frankreich, die mit einem gesalzenen Strafmandat wegen Geschwindigkeitsüberschreitung endete, kam es zu einer ersten Ernüchterung mit Fragen, ob wirklich nur wir Deutschen an allem Elend Schuld wären. Ich begann, ohne darüber zu reden, auch zu fragen, was andere Nationen getan haben. Die Atombomben auf Japan, der grausame Luftkrieg gegen die wehrlose Zivilbevölkerung in deutschen Städten, die Vertreibung Deutschstämmiger aus dem Osten und vieles andere erschien mir ebenso kritikwürdig. Es war mehr als erstaunlich, dass alle Älteren ebenfalls geschockt waren und Nachteile befürchteten, wenn sie über ihre Erfahrungen im Dritten Reich erzählt hätten. Ich habe selbst außerhalb der Familie vor einigen Jahren zum ersten Mal unter gleichaltrigen Freunden Erfahrungen ausgetauscht. Ein befreundeter Schweizer, dem es gestattet war, während des Krieges die Schule in Rheinfelden-Schweiz zu besuchen, erklärte in der Runde, dass er in der Schweiz “Sauschwabe“ in Deutschland „Schweizerlöli“ genannt wurde. In Wirklichkeit hätte er auch ganz gern die Hitlerjugend-Uniform wie wir getragen. Während bei uns in den Hungerjahren geklaut wurde, was nicht niet- und nagelfest war, musste ich mit der Erfahrung zu recht kommen, dass, nachdem die Grenze geöffnet
wurde, an den Fahrrädern in der Schweiz die Einkaufsnetze mit Lebensmitteln hängen bleiben konnten. Ich hatte doch auch meine Ehre, und sehr darunter gelitten, auf welch vielfältige Weise der unselige Krieg unsere Wertvorstellungen in Deutschland destruierte.Wir litten in Rheinfelden sehr unter der Besatzung. Die Maschinen
und technischen Anlagen, die zu gebrauchen waren, wurden als Beute abtransportiert. Es kam zu einer Entnazifizierungswelle. Auch der Vater meines Freundes Berthold, der um unabkömmlich gestellt zu werden, in die Partei eingetreten war, ohne deren Ideologie zu vertreten, wurde längere Zeit in ein Lager gesteckt, wie viel andere auch. Es fehlte an allen Ecken und Kanten am Nötigsten. Vor allem in den Jahren 1945 und 1946 mangelte es an Nahrungsmitteln. Wir litten schrecklichen Hunger. Unsere Mutter teilte ein Brot und ich nahm mir etwas von dem, was meinem Bruder gehörte. Er erregte sich so, dass er keine Luft mehr bekam. In größter Panik spritzte ich ihn mit kaltem Wasser ab, um ihn vor dem Ersticken zu retten. Eines Tages sagte unsere Mutter, sie habe nichts mehr zu essen. Wir Buben gingen dann gemeinsam nachts auf die umliegenden Felder und brachten Lauch nach Hause. Selbst Kartoffeln gehörten zu den Kostbarkeiten. Eine gute Kirschenernte nutzten wir Buben aus, um unseren Hunger auf den Bäumen zu stillen. Wir gingen alle hamstern. Mein Bruder war ein liebenswerter, hartnäckiger Bettler. Wenn er vorn zur Türe hinaus komplimentiert wurde, erreichte er es bei einem erneuten Versucb oft über den Hintereingang, Beute zu machen. Ich war eher in der Lage zu verhandeln, wenn uns unsere Mutter etwas aus den Beständen mitgab, um es bei den Bauern gegen Lebensmittel einzutauschen. Eines Tages wanderten wir über Säckingen hinauf nach Giersbach zu unseren Verwandten, bekamen Speck und Butter zugesteckt und einen Sack mit Kartoffeln. Auf dem Rückweg machte Mutter schlapp und wir zogen sie zusammen mit den Kartoffeln auf dem Leiterwagen nach Hause. Sie hatte in der Hungerzeit zu Weihnachten Plätzchen gebacken, um uns eine Freude zu machen. Ich entdeckte die Maggidose in ihrem Schrank im Schlafzimmer versteckt und versorgte mich mit einer Handvoll dieser Süßigkeiten. Nach einigen Tagen startete ich einen erneuten Versuch und staunte sehr, denn ich hatte den Eindruck, dass ich nicht so viele Plätzchen entwendet hatte. Trotzdem bediente ich mich weiter. Dann kam der Weihnachtsabend. Die Mutter wollte uns mit dem Gebäck überraschen und kehrte blass, tief gekränkt, enttäuscht und wütend mit der Frage zurück, wer die Plätzchen gegessen habe? Ich gestand betreten meine Schuld mit de Bemerkung, dass ich es war, aber nicht alle gegessen habe. Mein Bruder schloss sich mit dem Bekenntnis an, nun sei ihm endlich klar, wer auch noch genascht habe. Die Weihnachtsstimmung war unter diesen Umständen erheblich beeinträchtigt.
Wir drei waren damals sehr auf einander angewiesen, vor allem nach der Scheidung unserer Mutter. Mein Stiefvater wurde als Kommunist lange in einem Konzentrationslager interniert und kam erst nach dem Krieg wieder frei. Er heiratete erneut, erkrankte und hinterließ nach seinem Tod in den Nachkriegsjahren Frau und Kinder. Erst in diesen Tagen begriff ich nach einem Gespräch mit meinem Bruder, dass er im Unterschied zu mir, seinen Vater gar nicht erlebte. Ich bin leider nach der Kinderzeit meinem Stiefvater nie mehr begegnet, um ihm danken zu können. In einem nächsten Beitrag werde ich berichten wie ich zur
Würde eines Stadtrates von Rheinfelden aufstieg.
Im Namen des
Vaters des Sohnes
und des Heiligen
Geistes
O Gott alles was
was wir sind und
haben sind DEINE
Gaben
In allem was Himmel
und Erde gibt bist DU
es der uns ewig liebt
DICH durch den alles
begonnen haben wir
herzlich lieb gewonnen
Bewahre und vollende
in Frieden und Segen
zum Dank unser Leben
Einem geistlichen “Lesebuch“ gibt Urs von Balthasar den Titel „Das Herz der Welt“ und es hält, was es verspricht. Ich habe während einer stationären Behandlung dieses Werk zum wiederholten Male gelesen. Für den Dienst der Ärzte und des Pflegepersonals im Krankenhaus danke ich diesen, für die spirituellen Anregungen in seinem Buch, Urs von Balthasar. Hier folgen nun einige Gedanken als Impuls zum Thema Herz-Liebe-Gott: Wenn ein kleines Kind die zärtliche Berührung seiner Mutter spürt, öffnet es die Hand, und greift, als ob es darauf gewartet hätte, nach deren Fingern. Wir Erwachsenen bedürfen auch lebenslang liebender Zuwendung und wissen genau, was geschehen kann, wenn sie ausbleibt: In der Folge leidvoller Erfahrungen sehen wir in der Realität und in den Medien Proteste, erhobene Fäuste, Hass und Gewalt bis auf den heutigen Tag. Was aber ist der sichere Weg, damit Fäuste sich lösen, Menschen einander die Hände reichen, und „Schwerter sich in Pflugscharen verwandeln können?“
Unser himmlischer Vater, der dreifaltige Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat, der wie Papst Franziskus unermüdlich betont, die Liebe ist, hat uns Menschen nach SEINEM Bild und Gleichnis die Liebe ins „Herz“ gebrannt, auf die unsere Brüder und Schwestern, die Welt und Schöpfung sehnsüchtig warten. Wir sollen einander als Zeugen Gottes diese Liebe reichlich schenken.
Ehre der Dreifaltigkeit
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