In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage. Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf, dass ihr einander liebt.
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Hl. Aelred von Rievaulx (1110-1167)

englischer ZisterzienserabtDie geistliche Freundschaft, 2 (in Christliche Lesungen für unsere Zeit, Blatt W32; übers. Orval; ©1972 Abtei Orval; ins Dt. übersetzt © evangelizo„
Ich nenne euch Freunde“ (vgl. Joh 15,15)

Unter den menschlichen Werten gibt es nichts Heiligeres, das man sich wünschen, nichts Nützlicheres, das man erstreben könnte, nichts, das schwerer zu finden wäre, nichts Lieblicheres, das man erleben, nichts Fruchtbareres, das man besitzen könnte, als die Freundschaft. Sie trägt ihre Früchte sowohl im gegenwärtigen Leben – also im Leben von heute – als auch im zukünftigen; ihre Süße verfeinert alle Tugenden; ihre Kraft besiegt die Laster; sie mildert das Unglück und zügelt uns im Glück. […] Welche Freude, welche Geborgenheit, welches Glück liegt darin, jemanden zu haben, mit dem man angstfrei sprechen kann – so wie mit sich selbst; dem du ohne Furcht bekennst, was du gefehlt hast, ohne Erröten dein Innerstes offenlegst, wenn du meinst, dass dir Fortschritte gelungen sind; dem du alle Herzensgeheimnisse anvertraust und alle Pläne sorglos aufdecken kannst! […] Es gibt kein kraftvolleres, wirksameres und hevorragenderes Heilmittel für unsere Wunden, bei all dem, was uns hier auf Erden zustößt, als jemanden zu haben, der einerseits bei all unseren Enttäuschungen mit uns mitfühlt und andererseits herbeigeeilt kommt, um uns zu unseren Erfolgen zu beglückwünschen. Zwei Freunde, wie der Apostel sagt (vgl. Gal 6,2), stützen sich gegenseitig, tragen miteinander ihre Lasten – oder besser noch: Jeder empfindet seine eigene Last leichter als die seines Freundes. […] Die Freundschaft kommt der Vollkommenheit nahe, die in der Liebe und der Erkenntnis Gottes besteht: Ein Mensch wird, sobald er der Freund eines anderen Menschen geworden ist, zum Freund Gottes, gemäß dem Wort des Erlösers im Evangelium: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“ (vgl. Joh 15,15).

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