Lesung und Evangelium

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Erstes Buch Samuel 17,32-33.37.40-51.
In jenen Tagen sagte David zu Saul: Niemand soll wegen des Philisters den Mut sinken lassen. Dein Knecht wird hingehen und mit diesem Philister kämpfen.
Saul erwiderte ihm: Du kannst nicht zu diesem Philister hingehen, um mit ihm zu kämpfen; du bist zu jung, er aber ist ein Krieger seit seiner Jugend.
Und David sagte weiter: Der HERR, der mich aus der Gewalt des Löwen und des Bären gerettet hat, wird mich auch aus der Gewalt dieses Philisters retten. Da antwortete Saul David: Geh, der HERR sei mit dir.
David nahm seinen Stock in die Hand, suchte sich fünf glatte Steine aus dem Bach und legte sie in die Hirtentasche, die er bei sich hatte, in den Vorratsbeutel. Die Schleuder in der Hand, ging er auf den Philister zu.
Der Philister kam immer näher an David heran; sein Schildträger schritt vor ihm her.
Als der Philister aufblickte und David sah, verachtete er ihn, denn er war jung, rötlich und von schöner Gestalt.
Der Philister sagte zu David: Bin ich denn ein Hund, dass du mit einem Stock zu mir kommst? Und er verfluchte David bei seinen Göttern.
Er rief David zu: Komm nur her zu mir, ich werde dein Fleisch den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben.
David antwortete dem Philister: Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN der Heerscharen, des Gottes der Schlachtreihen Israels, den du verhöhnt hast.
Heute wird dich der HERR mir ausliefern. Ich werde dich erschlagen und dir den Kopf abhauen. Die Leichen des Heeres der Philister werde ich noch heute den Vögeln des Himmels und den wilden Tieren geben. Alle Welt soll erkennen, dass Israel einen Gott hat.
Auch alle, die hier versammelt sind, sollen erkennen, dass der HERR nicht durch Schwert und Speer Rettung verschafft; denn es ist ein Krieg des HERRN und er wird euch in unsere Hand geben.
Als der Philister weiter vorrückte und immer näher an David herankam, lief auch David schnell auf die Schlachtreihe zu, dem Philister entgegen.
Er griff in seine Hirtentasche, nahm einen Stein heraus, schleuderte ihn ab und traf den Philister an der Stirn. Der Stein drang in die Stirn ein und der Philister fiel mit dem Gesicht zu Boden.
So besiegte David den Philister mit einer Schleuder und einem Stein; er traf den Philister und tötete ihn, ohne ein Schwert in der Hand zu haben.
Dann lief David hin und trat neben den Philister. Er ergriff sein Schwert, zog es aus der Scheide, tötete ihn und schlug ihm den Kopf ab. Als die Philister sahen, dass ihr starker Mann tot war, flohen sie.
Psalmen 144(143),1.2abc.9-10.
Kv: Gelobt sei der Herr, der mein Fels ist.
Gepriesen sei der HERR, mein Fels, der meine Hände den Kampf lehrt, meine Finger den Krieg!
Er, meine Huld und meine Festung,
meine Burg und mein Retter,
mein Schild, dem ich vertraue.
Gott, ein neues Lied will ich dir singen, auf der zehnsaitigen Harfe will ich dir spielen,

dir, der den Königen Sieg verleiht, der David, seinen Knecht, vom Schwert des Unheils befreit.
Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus 3,1-6.
In jener Zeit als Jesus wieder in die Synagoge ging, war dort ein Mann mit einer verdorrten Hand.
Und sie gaben Acht, ob Jesus ihn am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
Da sagte er zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte!
Und zu den anderen sagte er: Was ist am Sabbat erlaubt – Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder es zu vernichten? Sie aber schwiegen.
Und er sah sie der Reihe nach an, voll Zorn und Trauer über ihr verstocktes Herz, und sagte zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er streckte sie aus und seine Hand wurde wiederhergestellt.
Da gingen die Pharisäer hinaus und fassten zusammen mit den Anhängern des Herodes den Beschluss, Jesus umzubringen.
Lektionar. Rechte: staeko.net
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Im Namen des Vaters Sohnes und Heiligen Geistes

Unschuldige Liebe

Allerheiligster, ehrenwertester, allerliebster Vater aller Väter, DU der Schöpfer allen Lebens, hast uns Jesus Christus, von der Jungfrau Maria im Heiligen Geist empfangen, als Gottes- und Menschensohn geschenkt. Zum Erlöser und Retter geboren, hat ER für uns unter Pontius Pilatus gelitten. Gekreuzigt, gestorben und begraben ist ER vom Tod auferstanden. ER ist in den Himmel aufgefahren, sitzt zu Rechten des Vaters und wird wieder kommen in Herrlichkeit zum Gericht über Lebende und Tote. In Einheit mit dem Vater und dem Heiligen Geist ist ER von Ewigkeit zu Ewigkeit in SEINEM Reich der Gerechtigkeit und des Friedens im Himmel und auf Erden gegenwärtig. Wir beten DICH, den Vater Sohn und Heiligen Geist als unseren einen, Allerheiligsten Gott, der Quelle alles Guten, die unseren unendlichen Durst nach Liebe zu stillen vermag, von ganzem Herzen mit allen Sinnen an.
DU hast uns die unschuldige, heilige Liebe. die DICH und alles was es gibt, den Himmel, die Erde die Menschen und Geschöpfe, und die unendlichen Möglichkeiten DEINES Liebeswirkens geschenkt. DIR, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist, dem „ICH BIN DERR ICH BIN DA“ verdanken wir alles was wir sind und haben. Im Reich DEINER Gerechtigkeit und des Friedens sind wir im Glauben Hoffen und Lieben mit dem Papst, allen Gläubigen und Geschöpfen, im Schutz der Gottesmutter in DEINEM Namen und Anliegen, im Gebet um DEINEN Gabentisch in Wort und Sakrament vereint. DU sendest uns zu unseren Brüdern und Schwestern, um zu verkünden, dass DU uns unendlich nahe bist, die Flamme der ewigen Liebe in uns bewachst, und austeilst. Gestärkt durch DEINE Gnaden dürfen wir DICH und alles was DEIN ist rühmen, und alle Armen, Blinden, Lahmen, Kranken, Leidenden, Sterbenden, Enttäuschten an DEINEN Gabentisch einladen, um uns mit ihnen die Liebe und Freude über Gott schenken zu lassen. Möge der Heilige Geist alles Wirkliche und Mögliche mit SEINER heiligen Liebe durchdringen, dass wir dankbar und vertrauensvoll Gott für die Gnade der unschuldigen Liebe, die uns mit IHM und mit einander in allem, was wir sind und haben, im Geist und Wahrheit verbindet danken. Anbetung, Ehre und Herrlichkeit sei dem Vater Sohn und Heiligen Geist allezeit und in Ewigkeit

Dank Lob Ehre Herrlichkeit dem Vater Sohn und Heiligen Geist

Über Worte und Sprache

Unsere Worte und Sprache in ihren vielfältigen Formen, dienen uns Menschen lebenslang als Brücken zur Verständigung. Ich lade Sie, liebe Leser daher heute ein, mit mir über die Bedeutung und Pflege dieses kostbaren Geschenkes unseres Lebens nachzudenken: Lange bevor wir sprechen konnten, drangen Geräusche, Töne und Worte an unsere kindlichen Ohren: Wenn die Mutter beispielsweise den Tisch deckte, dabei ein Lied summte, mit den Geschwistern redete oder die Teller klapperten, verschmolzen Geräusche und Worte zu einem vertrauten Sprachraum. Mutters Stimme klang in uns nach, als wir von ihr die ersten Worte und Sätze lernten und deren Bedeutung erfassten. Es brauchte geduldige Zuwendung, viele Hinweise und Hilfen von ihr, bis wir im spielerischen Spracherwerb, unseren Wortschatz so erweiterten, dass wir konkrete Ereignisse in unserer Umgebung verstehen, und sinngemäß darauf antworten konnten. Die Worte und Sprache der anderer Menschen konnten uns von da an im Einklang mit der eigenen Erfahrung gelegentlich wie ein „heile Segen“ beruhigen und trösten oder verunsichern, erschrecken und ängstigen. Der Spracherwerb und die Bereitschaft lebenslang zu lernen, gehören daher mit zu den Voraussetzungen unserer Kompetenz zur Lebensgestaltung und Orientierung in einer komplexen Umwelt.

Auch in den globalen Beziehungen der Menschen und bei deren Problemen, sind die Bereitschaft zum Gespräch, und die Sprache als Medium des Interessenausgleichs, von entscheidender Bedeutung. Die weltweiten Konflikte, wirtschaftlichen, ökologischen und religiösen Differenzen, sowie die militärischen und terroristischen Bedrohungen, sind daher Ziele andauernd zäher Verhandlungen. Der Wille zur Verständigung über die hohen Kosten für den Wiederaufbau, die Migrationsbewegungen und die Abwehr von Bedrohungen, bedürfen deshalb im hohen Ausmaß analytischer Fähigkeiten und sprachlicher Kompetenz der Beteiligten, um Lösungen unter den Geberländern im begrenzten Umfang zu verhandeln. Die globalen Probleme des Datenaustausches in verschiedenen Sprachen bekommen nicht nur Wissenschaft, Bildung, und Wirtschaft sondern alle Menschen zu spüren, die bemüht sind, den ständigen Wandel in den relevanten Bereichen zu verstehen, um handlungsfähig zu bleiben. Um die heutige Nachrichtenflut zu reduzieren und die Worte und Sätze in ihrer kulturell unterschiedlich tradierten Bedeutung zu verstehen, ist außer der sprachlichen-, eine hohe medial-technische Kompetenz erforderlich.

Auch in unserer multikulturellen, europäischen Gesellschaft, wechseln wir ständig den Gebrauch sprachlicher Kompetenz, von dem Dialekt und der Alltagssprache zur Hochsprache, Fach- oder Fremdsprache. Wir berücksichtigen ebenso die Unterschiede in der Darstellung empirischer oder historische Befunde, der Kunst, Literatur, Musik, oder bei philosophischen und religiösen Themen. In einem lebenslangen Prozess entwickeln wir Menschen daher die analytischen und intellektuellen Fähigkeiten weiter, um verbale Inhalte, die uns täuschen, verwirren, schaden können, von denen zu unterscheiden, die hilfreich, richtig und wichtig für uns sind. In Diskussionen begegnen wir dabei gelegentlich zwei Sprachspielen, die wie „feindliche Brüder“ nicht zusammen finden wollen: Die Naturwissenschaften, die von der Vorstellung ausgehen, wir könnten mit geeigneten Methoden alles erforschen, und mit hoher Wahrscheinlichkeit das, was gültig, richtig und wahr ist, von dem unterscheiden, was falsch und zu verwerfen sei. Sie betrachten die Frage, warum es sie und ihre Forschungsgegenstände gibt, als irrelevant. Ausgeblendet wird meistens auch die Frage, ob alles was erforscht werden kann, noch zu finanzieren, sowie ethisch und sittlich zu vertreten ist. Der immer spezifischere Blick empirischer Forschung nur auf ihre Disziplin, führt schließlich auch dazu, dass es im Laufe der Zeit immer weniger Spezialisten gibt, die sich in den von ihnen vertretenen Fachgebieten noch auskennen. Die so bedeutsame ganzheitliche Betrachtung aller Lebenskontexte und ihrer Wechselwirkung hingegen, schwindet. Im Interesse von uns allen und der Forschung, ist es daher auch heute unverzichtbar, dass die in den Geisteswissenschaften tradierte Frage: „Warum gibt es das alles und nicht nichts?“, und damit der Blick auf das „Ganze“ nicht verloren geht. Es mag die empirischen Forscher zwar enttäuschen, wenn ihr Anspruch, das Maß aller Dinge zu sein, bestritten wird. Um die unantastbare Würde des Menschen als Person, seine Stellung und Verantwortung im gesamten Lebenskontext des Makro- und Mikrokosmos zu verstehen, muss aber über seinen Gestaltungsspielraum und die Grenzen, über seine Macht und Ohnmacht, über Leben und Tod, die in allem waltenden Geheimnisse, und seine Sehnsucht nach Vollendung in Gott gesprochen werden. Offensichtlich sind Worte eingebettet in sprachgeschichtliche Kontexte, von denen her sie ihre Bedeutung bekommen. Das gilt sowohl für die Natur- als auch für die Geisteswissenschaften. Beide Betrachtensweisen sind unentbehrlich und bedürfen gegenseitiger Ergänzung. Dies umso mehr in einer Zeit, in der man vielfach davon ausgeht, eine geisteswissenschaftliche Erforschung der Phänomene erübrige sich. Es gilt daher, immer wieder neu, in den geschichtlichen Epochen aufzuzeigen, dass die unterschiedlichen Standpunkte Schaden nehmen müssten, wenn sie nicht durch die jeweils andere Auffassung ergänzt und bereichert würden.

Wir müssen leider feststellen, dass bei einem unheimlich anmutenden Wachstum an Wissensbeständen, die Fähigkeit der Menschen, zur kritischen Analyse der Meinungsvielfalt, eher zu schwinden scheint. Hinzu kommt, dass die Sensibilität für den Reichtum an sprachlichen Ausdrucksmitteln, und damit die Bereitschaft zu kultiviertem Sprechen und Hören abnimmt. Differenziertes Hören und Verstehen von Worten und Sätzen im jeweiligen Sprachkontext, und die Fähigkeit, sich adäquat auszudrücken, sind aber notwendig, wenn beispielsweise Worte und Sätze in philosophischen, theologischen oder religiösen Kontexten, wenn letztendlich »Worte Gottes«, sinngemäß verstanden und von naturwissenschaftlichen Befunden unterschieden werden sollen.

Über Sprache

In einem gewissen Gegensatz zu einer etwas bedrückten Stimmung nach dem Erwachen, stand ein plötzlicher Impuls, als ich Gottfried Keller`s „Grüner Heinrich“ heute las. Ich freue mich sehr über die Bereitschaft meiner Frau, solange sie nicht in ein seliges Nickerchen entschlummert, mir nach den Mahlzeiten beim Espresso zuzuhören, wenn ich ihr vorlese. Unsere Lektüre erfährt dadurch einen besonderen Reiz, dass wir sie immer wieder unterbrechen, wenn uns eine besondere Textstelle, zum Innehalten und Überdenken des Inhaltes einlädt. Wenn wir einem Schriftsteller begegnen, der sich einer besonders schönen Sprache bedient, dann bereitet uns das ein besonderes Vergnügen. Ich erinnere mich, dass wir vor einiger Zeit, eine lateinische Textpassage übersetzten, um uns an der knappen und präzisen Ausdrucksweise der Sprache zu ergötzen. Im Rentenalter angekommen, mit etwas mehr freien Raum zur Gestaltung des Tagewerks, vermitteln uns die Kenntnisse von so vielen Wissensbeständen, die wir miteinander teilen, oft Gelegenheit, ein anregendes Gespräch zu führen. So auch wieder heute beim Lesen des „Grünen Heinrich“.

Als wir eine Textstelle betrachteten, in der Keller sich zu seiner Liebe zur Sprache äußert, erlebte ich -wie auf einer zweiten Ebene- ein spontanes, besonderes Vergnügen. Es wurde mir nämlich bewusst, wie sehr mich die Sprache als Sprache fasziniert. Ich war immer sehr davon angetan, wenn ich eine Erzählung las oder einen Autor sprechen hörte, der sich Mühe gab, ein Deutsch zu sprechen, das dem Inhalt angemessen war. Als ich meine Frau kennen lernte -damals noch ein Theologie-Student- habe ich in überschäumender Verliebtheit sehr viel von mir erzählt. Sie schmunzelt gelegentlich heute noch, wenn sie davon spricht. Sprache ist aber nicht nur in unserem familiären Umfeld bedeutungsvoll. Mir ihrer Hilfe erschließen wir uns auch die gemeinsamen Erfahrungen aus unserer Studienzeit, die Kenntnisse aus unseren Berufen, sondern auch die kulturellen, politischen und religiösen Kontaktfelder in unserer Gesellschaft. Diente uns doch das Medium der Sprache während vieler Jahre, um in unserer Familie und mit unseren Patienten Beziehungen zu gestalten.

Für mich selbst bedeutete es eine erhebliche Umstellung, als ich von den Geisteswissenschaften herkommend, in meinem Beruf als Psychologischer Psychotherapeut auch Gutachten zu schreiben hatte, bei denen es, wie im Latein, auf eine knappe und präzise Darstellung des Sachverhaltes ankam. Erst als ich im höheren Lebensalter das Berufsleben hinter mir lassen konnte, entdeckte ich wieder meine Liebe zum sprachlichen Ausdruck, der nicht so sehr einer bestimmten Absicht diente, sondern gleichzeitig auf die Schönheit der Sprache an sich achten konnte, um mit deren Hilfe, frei und ungebunden, einfach nach Lust und Laune fabulieren und gestalten zu können. Ich habe diese Seite meines Wesens zwar immer dann, wenn ich mit anderen Menschen im direkten Gespräch war, erleben können; das mag auch mit ein Grund gewesen sein, warum ich mich zu einem sprechenden Beruf entschloss, der mir in dieser Hinsicht freie Räume bot, um das Medium der Sprache in der je angemessenen Weise zu nutzen. Von besonderer Bedeutung waren für mich aber immer die Momente, in denen mir oder meinen Partnern im Verlauf des Gesprächs überraschend neue Gedanken zufielen, die unsere Unterhaltung veränderten oder bereicherten. Auf die Idee aber, einmal einen Text zu schreiben, der sich nur mit der Sprache als Sprache befasst, bin ich bislang noch nicht gekommen. Ich muss aber gestehen, dass mich dieser Umstand heute sehr angeregt hat. Meine vorherige Müdigkeit ist verflogen und meine Finger fliegen nur so über die Tasten. Es ist als würden sie vor Freude tanzen. Übrigens war ich nie ein Tanzverächter. Die ersten Übungen in der Küche mit unserer Mutter, die ebenfalls gern tanzte, und die vielen Erinnerungen an Frauen beim Tanzen, sind in mir ebenso wach, wie die Lust über meine Sprache zu schreiben. Von der Kindheit an, haben mich Worte, Geräusche, Gesang und Musik in allen Formen sehr berührt. Ich habe über diese Zeit in meinen drei Büchern ausdrücklich gesprochen. Als Bewohner des Grenzgebietes in der Nähe Basels zur Schweiz und zu Frankreich, mit der Muttermilch des alemannischen und Schweizer Dialektes aufgewachsen, habe ich diese Sprachmelodie so verinnerlicht, dass sie mir immer wieder in Mund und Feder schlüpft. Wenn ich in späteren Jahren nach Rheinfelden, meiner Heimatstadt fuhr und den nahe gelegenen Waidhof überquerte, stellte sich wie von selbst der Dialekt wieder ein. Meiner Mutter ging es wie den Einheimischen bis ins hohe Alter ähnlich. Das „Hochdeutsch“ blieb ihrem Wesen fremd. Selbst wenn sie es ab und zu angestrengt versuchte, nach der Schrift zu sprechen, hörte man die alemannische Mundart heraus. Eine unserer Töchter brachte es auf den Punkt indem sie äußerte: „Unsere Oma ist ja eigentlich lieb – wenn sie nur ein wenig Deutsch reden könnte“. Meine Freunde äußerten sich während meiner Studien in Münster ähnlich: Ich solle so reden wie mir der Schnabel gewachsen sei. Es gelänge mir ja doch nicht meinen Dialekt zu verdrängen. Sie verständen mich auch so. Welch eine Erleichterung für mich.

Meiner Lebensgeschichte bedingt, sehr spät einsetzende Studien, ließen mir bei dem immer neu andrängenden Stoff, den es zu bewältigen gab, keine Zeit, um über das Geschenk meiner Sprache als Sprache nachzudenken. Ich benötigte sie zwar fortwährend, um mich mit anderen Menschen zu verständigen und um die vielen Lerninhalte aufzunehmen. Ich blieb es aber bis auf den heutigen Tag schuldig, mich für die Geschenke des Dialekts, der deutschen Sprache, des Latein Griechisch und Hebräisch und der eher rudimentären Kenntnisse in Französisch und Englisch, zu bedanken. Sprache wurde aber für mich als wissenschaftlicher Zugang zur Philosophie, Theologie und Psychologie sehr bedeutsam. Ich verdanke der Sprache auch den Zugang zum Abitur als Spätberufener und die Möglichkeit, um Kenntnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern wie Mathematik, Chemie, Physik und Biologie zu erwerben, um dadurch Grundlagen für eine solide Bildung zu schaffen. Ein schwacher Trost mag es für die Lehrer und Professoren gewesen sein, mit denen ich während der langen Zeit des Studiums zusammenarbeitete, dass ich meine Dankbarkeit ihnen gegenüber, hoffentlich noch nicht zu spät, in meinen Büchern und Beiträgen zum Ausdruck bringen konnte. Wie wichtig diese allgemeine Bildung für mich wurde, konnte ich aber erst so richtig erfahren, als ich in späteren Jahren, von den beruflichen Bürden befreit, in meiner letzten Arbeitsphase die Möglichkeit zu literarischem Schaffen entdeckte. Hier erst, in freier kreativer Wahl und Gestaltung der Themen, die mich interessieren, kommt alles, was ich in meinem Leben erfahren und lernen durfte, noch einmal sprachlich zur Geltung. Denn in allen Feldern des Lernens und Arbeitens und in den eigenen politischen und gesellschaftlichen Unternehmungen benötige ich die Sprache als Brücke zur Verständigung mit anderen Menschen. Schon in meinem ersten Band „Geschichten und Gedanken“ unternahm ich in einem Essay über „Einheit und Vielheit“ den Versuch, mir programmatisch klar zu werden, was die Aufgabe in meinem höheren Lebensalter sein könnte. Damals konnte ich Vieles, was in mir gärte, nur als ein Drängen beschreiben. Bessere Worte standen mir nicht zur Verfügung. Dass ich vor einem gewagten Unternehmen stand, konnte ich damals nur ahnen. Ich entdeckte aber beim literarischen Arbeiten immer neue Möglichkeiten, mich in Lyrik und Prosa auszudrücken und in Essays zu verschiedenen gesellschaftlichen oder religiösen Fragen Stellung zu nehmen. Eine ernstliche Erkrankung mit Klinikaufenthalten und rehabilitativen Maßnahmen nötigten mich zeitweise zu einer eingeschränkteren Gestaltung meines Alltagslebens. Zeitweise beeindruckte mich die Sorge, dass ich mich nicht mehr wie zuvor literarische betätigen könnte. Seltsamer Weise entstanden genau in dieser schwierigen Zeit sehr viele Aphorismen, und Sinnsprüche; eine Literaturgattung, mit der ich mich bislang noch nicht so intensiv beschäftigte. Diesem Arbeitsversuch stand ich eine gewisse Zeit sehr kritisch gegenüber. Ich bemerkte, dass ich mich sehr überwinden musste, um mit anderen Menschen in dieser reduzierten Form über Gefühle und Inhalte zu reden. Eine Sammlung von Textentwürfen, verlockten mich nicht mehr, einem vierten Band meiner Geschichten und Gedanken zu schreiben. Erst heute beim Studium des „Grünen Heinrich“ und in der Unterhaltung mit meiner Frau über verschiedene Aspekte, die uns aufgefallen waren, platzte der Knoten. Ich entdeckte dabei neu die Lust am Fabulieren, Plaudern und Darstellen und Erzählen, Sprache zu gestalten und die Formen entstehen zu lassen. Wenn Sie liebe Leser dieses Textes verstehen wollen, was ich zu sagen habe, dann achten Sie bitte nicht nur auf den Inhalt, der mir beim Schreiben zufiel, sondern auf die zwischen den Zeilen aufbewahrte unbändige Lust, Freude und Dankbarkeit für die deutsche Sprache und den Sprachraum, in den ich hineingeboren bin. Mit Hilfe dieser Sprache habe ich alles bekommen, was mir das Leben in diesem Land bot und immer noch bieten kann. Ich habe keine Mütze auf dem Kopf, aber ich würde sie im Moment abnehmen, um mich in annähernd gebührender Weise vor meiner Muttersprache zu verneigen.

Gottfried Keller setzt sich im „Grünen Heinrich“ mit seiner Jugend und der damaligen schulischen Erziehung auseinander, die wie vielfach auch heute noch, der Wissensvermittlung ein großes Gewicht beimisst. Keller hat sich sehr daran gestört, dass ihm auf diese Weise erschwert wurde, sich froh und frei den eigenen Gedanken zu überlassen. Das galt als Abwesenheit und verdiente Strafe. Wie oft ist es mir ähnlich ergangen, dass ich einen eigenen Gedanken hatte oder eine Idee, und mich nicht traute, das, was mir einleuchtete oder zu Herzen ging, auszusprechen. Worte sind für mich aber Musik und künstlerischer sprachlicher Ausdruck, um mit anderen Menschen in Austausch zu kommen; insofern Brücken zum Du und zur Gesellschaft in der wir leben. Ich betone es noch einmal, dass ich das alles nicht nur zu Papier bringe, um einen Sachverhalt möglichst genau darzustellen, sondern um zu zeigen, wie sehr mich die deutsche Sprache, der ich so viel verdanke und die Menschen, die sich in diesem Medium bewegen achte und respektiere. Wenn es nicht zu prosaisch klingen würde, dann müsste ich nun davon sprechen, dass mich der Versuch, der Sprache meine Referenz zu erbieten nicht unberührt lässt: Ich fühle mich ihr so verbunden, dass es mich zu Tränen rührt, wie sehr mich die Sprache zu bewegen vermag. Umso schwerer ist es für mich zu ertragen, wenn durch eine Erkrankung die Produktion von Texten stockt, oder wen ich befürchten muss, Einschränkungen hinnehmen zu müssen. Ich habe ja in letzter Zeit auch wieder Prosatext schreiben können. Wenn ich Aphorismen oder Sinnsprüche schreibe, dann vermisse ich ein wenig die Freude an der sprachlich reichen Gestaltung der Gedanken. Sie nimmt aber dann die Form eines inneren Vergnügens an, in der Hoffnung, dass andere Menschen in der Lage wären die in knapper Form gehaltenen Erfahrungen auf ihre Weise zu deuten und zu verstehen. Ich bleibe dabei: Heute ist es so, dass ich zwar verschiedenes erzählte und mich freue, wieder einmal einen Prosatext geschrieben zu haben, aber wohl verstanden, liebe Leser, dies nur, um meiner unbändigen Freude, der Sprache als Sprache Ausdruck zu verleihen. Ich spüre eine wohlige Erregung in mir, als hätte ich eine große Entdeckung gemacht. Vielleicht können Sie sich lustvoll ein wenig anschließen und davon profitieren, dass Sprache nicht nur zur Vermittlung von Wissen und Tatsachen, sondern auch wegen des reinen Spieles mit freundlichen Worten von Bedeutung sein kann.

 

 

 

Über die Zeit

Heute lade ich Sie ein, mit mir über das Phänomen der Zeit nachzudenken, die für uns alle mit der Geburt beginnt, und einmal todsicher endet. Wir finden uns als Menschen mit anderen Lebewesen in einem zeitlichen Gefüge von Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft, im Kreislauf der Jahreszeiten und in einem kosmischen Geschehen vor, das mit Sicherheit einmal vor uns war, und nach uns existieren wird. Im Vergleich hiermit ist unsere individuelle Lebenszeit sehr kurz, und unser Gestaltungsraum wird durch die Endlichkeit des Daseins begrenzt. Mit unserem Tod geht aber unsere Zeit auf Erden endgültig zu Ende. Wir werden uns daher zu einem unbekannten Zeitpunkt unseres Lebens, von allen Beziehungen zu Menschen Lebewesen und Sachverhalten verabschieden müssen. Das Leben als Ganzes wird jedoch auch nach uns weiter gehen, und alle Ressourcen der Welt, unsere eigenen Werke und die kulturellen Leistungen der Menschen, werden die Nachkommen übernehmen. Das bedeutet: Nach unserem Lebensende werden die nächsten Generationen immer wieder einen Frühling, Sommer, Herbst und Winter erleben. Auch das Geschehen in den kosmischen Räumen des Universums, und im makro- und mikrokosmischen Prozess der Natur, wird bleiben. Unsere Nachkommen werden das religiöse, kulturelle, technische und künstlerische Erbe der Menschen auf Erden übernehmen, verwalten, und den nachfolgenden Generationen anvertrauen.
Das Leben als Ganzes mutet uns daher zu, nachzudenken und unsere Lebenszeit zu nutzen, um das Erbe unserer Väter und Mütter nach Kräften treu zu verwalten, die Ressourcen zu schonen, um einmal alles mit einem liebevollen Blick der Sorge und des Wohlwollens, an unsere Nachkommen weiter zu geben. Wir haben das Geschenk des Lebens mit seinen Chancen und Grenzen einmal ebenso übernommen. und müssen uns fragen lassen, wie wir mit diesem Erbe umgegangen sind. Wir erleben die Zeit von Geburt an als unsere persönliche und gesellschaftliche Geschichte. Ohne uns dessen immer bewusst zu sein verabschieden wir jedes Jahr, jedem Tag, jeder Stunde, Minute und Sekunde als Teil unserer Lebenszeit. Der Fluss der Zeit ist nicht aufzuhalten. Die begrenzte Lebenserwartung scheint uns zu ermahnen, unser Leben so zu führen, dass wir uns einmal von Freude und Leid in der Zeit, verabschieden können. Ich rede mit Ihnen von Mensch zu Mensch über unser Leben in seiner begrenzten Zeit die todsicher endet. Wir finden uns alle in einem zeitlichen Gefüge von Vergangenheit Gegenwart und Zukunft im Kreislauf der Jahreszeiten und kosmischen Abläufen

Entbunden von beruflichen. familiären und gesellschaftlichen Verpflichtungen bietet sich, wenn das eigene Einkommen gesichert ist, für Menschen nach der Berentung oder Pensionierung ein reiches Betätigungsfeld nach freier Wahl, im familiären, gesellschaftlichen und sozialen Umfeld an. Wie zu allen Zeiten besitzt die Weitergabe der Lebenserfahrungen im Austausch mit den jüngeren Generationen hohe Priorität. Mit dem höchsten Lebensalter und der damit zwangsläufig verbundenen körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen, engt sich der Bewegungs- und Aktionsraum erheblich ein. Im gleichen Maße stellt sich unvermeidlich eine vermehrte Abhängigkeit von anderen Menschen, die Erfordernis altersgerechten Wohnraumes, in einem sozialen und kulturellen Umfeld und ärztlicher und pflegerischer Betreuung ein. All diese Anpassungsleistungen bedürfen einer ständigen Wachsamkeit, kognitiven und emotionalen Bereitschaft, sich so zu verhalten, dass die individuelle Kreativität zur Anpassung an die neuen Lebenssituationen, und die kognitive und emotional angemessenen Reaktionen möglichst erhalten bleiben. Im hohen und höchsten Lebensalter ist mit der Zunahme zu beobachtender Todesfälle, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensende. und der damit gegebenen Umstände nicht zu vermeiden.
Diese Fragen haben mich motiviert, darüber nachzudenken, ob es Sinn
machen könnte, über eigene Lebenserfahrungen und die zu erwartenden Aufgaben zu reden, insofern sie als Aufgaben erkannt werden, die individuelle Erfahrungen übertreffen: Ich wage es daher mit Ihnen im Alter von sechsundneunzig Jahren auch über meinen zu erwartenden Tod, und die sich daraus für mich ergebende Sachlage, als einer der wie Sie nicht weiß, was im Tod und danach genau geschieht, zu reden. Vermutlich bin ich kein Einzelfall, dem es schwer fällt, über das geheimnisvolle Geschehen des Anfangs und Endes des Lebens nachzudenken.
Es gibt mich seit über sechzig Jahren und ich weiß, dass ich mein Leben zu Ende leben möchte, wann immer das geschieht. Die Frage aber ist. ob ich und wir als Schicksalsgefährten bereit sind Geburt und Tod und die Lebenserfahrung näher anzuschauen: Unsere Geburt haben wir nicht bewusst erlebt wohl aber die Freude bei der Geburt unserer Kinder, und den Schrecken beim Tod geliebter Menschen. Was könnte es uns schwer machen, unseren eigenen Abschied vom Leben anderer und vom eigenen Leben zu bedenken? Könnte es sein, dass uns der Tod, als der endgültige Abschied von allem was unser Leben von Geburt bis in die gelebte Gegenwart Bedeutung und Sinn verlieh sehr schwer fällt. Die Angst taucht auf als ob alles, was unser Leben in der Zeit erfüllte, im Tod vernichtet würde. Dass es im eigenen Tod um einen endgültigen Abschied vom Leben im bekannten Zeitraster von Vergangenheit Gegenwart und Zukunft geht, und unser individuelles Leben vernichtet würde. Was wäre aber wenn wir akzeptieren würden, dass unsere immer auch subjektive begrenzte Welterfahrung zwar mit dem Tod verabschiedet werden muss, und wir uns mit der Tatsache anfreunden müssen dass die Welt und das Universum in seiner in Gesamtheit und Zeitstruktur, auch noch nach uns mit großer Wahrscheinlichkeit weiter bestehen wird? Was könnte es für uns und unsere Nachkommen bedeuten, wenn sie für uns der Sorge und wir mit unserem Tod der zeitlichen Sorge um uns selbst enthoben würden? Könnte die Vorausschau auf das sichere Ende unseres individuellen Lebens in der Zeit für uns im hohen oder höchsten Lebensalter ermuntern, all das nach Kräften in der verbleibenden Zeit zu umsorgen, was dem allgemeinen Leben nach uns förderlich wäre? Kann uns der christliche Glaube, wenn es um die ersten und letzten Fragen unseres Daseins in der Zeit geht ermutigen, den Abschied aus dem geschenkten Leben in der begrenzten individuellen Lebenszeit zu wagen. Wir Vertrauen unserem himmlischen Vater, der vor und jenseits aller Zeit in ewig liebender Gegenwart Himmel und Erde in ihrer Zeit erschaffen und erhalten, uns durch SEINEN eingeborenen Sohn erlöst, auch SEINE Zusage einhält, am Ende der Zeiten, den Gesegneten in einer neuen Schöpfung ewiges Leben zu schenken. Das Leben der Tod und die Auferstehung Jesu bedeutet dann, unsere Erlösung von Schuld und die Hoffnung dass der ewige Gott die Zeit, uns und alles was ER aus Liebe schuf zum ewigen Leben in einer neuem Schöpfung bestimmt. Jeder Wimpernschlag erfahrener, gestalteter und liebender Zuwendung, zu allen Menschen und Geschöpfen im Lebensgarten Gottes, schenkt uns die Freude in Standfestigkeit, Vertrauen, Glauben Hoffnung und Liebe, in der Zeit, und in dereinst ewig beim Vater, Sohn und Heiligen Geist in SEINER neuen Schöpfung im Reich des Vaters Sohnes und Heiligen Geistes in Frieden und Gerechtigkeit leben zu dürfen.

 

Über die Wahrheit

Vom Heiligen Thomas stammt der Wahrheitsbegriff: „ veritas est adaequatio intellectus ad rem“ – Wahrheit ist Anpassung der Erkenntnis an die Sache. Manchmal braucht es seine Zeit, bis sich der Kern einer solchen theologischen Aussage wieder so aus dem verdunkelnden Meinungsstreit herausschält, dass er sich dem wachen Bewusstsein der Gläubigen neu zu erschließen vermag. So ging es auch mir. Längere Zeit legte auch ich, dem modernen Verständnis folgend, die philosophisch und theologisch begründete Aussage des Heiligen Thomas, dass „Wahrheit eine Anpassung des Erkennens an die Sache“ sei, als überflüssig zur Seite. Die alte Pilatusfrage aber, „was ist Wahrheit“ behauptete sich hartnäckig und ließ sich nicht so leicht entsorgen. Sie tauchte aus der Dunkelheit der Verdrängung immer wieder auf.

Seit meiner Pensionierung vor Jahren, und dem dadurch gewonnenen Freiraum, bin ich Erfahrungen auf der Spur, die mir zunehmend gestatten, mein eigenes Fühlen, Denken und Urteilen zu gebrauchen, um der drängenden Suche nach Wahrheit, Weg und Leben folgend, auch philosophisch-theologische Aussagen auf ihre Tauglichkeit für uns heute zu prüfen. Dadurch kam es zu einer Veränderung meines Verhaltens, und der Einstellung zur Welt im Ganzen, die mich immer mehr ins Staunen versetzte. Ich erlebte mich in diesem Prozess zunehmend wie ein Geführter, der sich einer notwendigen Aufgabe nicht mehr entziehen durfte. Die Realität von Gut und Böse, Krieg und Frieden, Schuld und Sühne, Leben und Tod, die Sorge um die ökologischen, kulturellen und religiösen Daseinbedingungen der Menschen, verlangten meine Antwort. Der entscheidenden Frage, warum es mich und alles Seiende gibt, und der Erkenntnis, dass es in mir eine empirisch nicht zu erklärende Liebe zur Einheit und Vielfalt aller Phänomene im Mikro- und Makrokosmos gibt, konnte ich nicht mehr ausweichen. Diese Frage führte mich wieder in die Nähe der Erkenntnis des Heiligen Thomas, der die Meinung vertrat, dass Wahrheit sich in einem Prozess der Anpassung von Erkenntnis an die Sache, an das schon Da-Seiende ereignet. Es mag unseren Hochmut, selbst alles machen zu können zwar kränken, kann uns aber auch entlasten, wenn die widerständigen Dinge sich letztlich unserem erkennenden Zugriff in gewisser Weise entziehen. Wir erschaffen sie ja nicht auch wenn wir durchaus in der Lage sind, bereits Vorhandenes umzugestalten. Dem liebenden Blick gläubiger Erkenntnis erschließt sich aber darüber hinaus, in allen Dingen eine ihnen eignende Überfülle, die auf einen Schöpfer verweist. Nun wurde mir immer klarer, warum ich mein und aller Leben, die Einheit und Vielfalt, Gott und die Welt unbedingt liebe. Ich bemerkte in der Folge, wie sehr diese Erkenntnis mit meinen innersten Bedürfnissen übereinstimmte, und mich zu einem lebendigeren Bezug zu Menschen und Dingen führte. Pascal verweist in ähnlichem Zusammenhang sinngemäß darauf, dass unser Herz, die personale Mitte unserer selbst, seine eigenen Gründe hat. Vernunft Glauben und Liebe müssen daher keine unversöhnlichen Gegensätze sein. Sie können als treibende und steuernde Kraft, der in uns wirkenden und gestaltenden Gottebenbildlichkeit verstanden werden. Wohl den Menschen, die in Frieden mit sich, der Welt und allen Geschaffenen im Hause Gottes wohnen dürfen.

Mein Staunen über all diese Dinge, führte mich erneut zu den erhellenden Worten des Heiligen Thomas „veritas est adaequatio intellectus ad rem“. Ich erkannte aber nun die zeitlos wahre Botschaft, die sie enthalten. Ebenso klar wurde mir, dass wir die Dinge in ihrer Eigenart und Überfülle nur erkennen und lieben können, weil Gott der die Liebe ist, mit uns und durch uns liebt. Welch ein großes Wunder. Wer es fassen kann, der fasse es! Wie ein Paukenschlag zur Eröffnung der Symphonie des Himmels, berührt uns die Nähe Gottes, Seine Gegenwart, „die Fleischwerdung des Wortes“ in all Seinen Werken. Die ewige Wahrheit, die wir suchen, ist eben auch in den einfachsten Dingen der Welt verborgen. Glücklich der Mensch, dem diese Handschrift Gottes aufgeht. Gleichzeitig trat aber auch eine andere Erfahrung aus der Dunkelheit menschlicher Not, Angst und Zweifelns ins tröstliche Licht. Etwas noch viel Erhabeneres, nämlich die erschütternde Begegnung mit Gott selbst, dem DREIFALTIGEN, dem BARMHERZIGEN dem DEUS SEMPER MAIOR, dem immer GRÖSSEREN, der durch nichts zu beseitigen ist, dem VATER, der uns in Seinen offenen Armen bergen will. Alles in uns drängt nach IHM, das ist auch Teil der Wahrheit unseres Lebens. Es gibt demnach auch eine Annäherung menschlichen Erkennens an den Gott in uns, um uns und über uns, eine „adaequatio hominis ad Deum“. Im Menschensohn, im wehrlosen Kind in der Krippe, wirbt ER, der Herr, um unsere Liebe. Die in uns allezeit begleitende Sehnsucht nach Glück und Frieden soll sich immer wieder neu erfüllen. Der Aussage des Heiligen Thomas füge ich daher beglückt hinzu: “veritas est adaequatio intellectus et sensus ad Deum“. Die Wahrheit ist Anpassung des Erkennens und Fühlens an Gottes Gegenwart. Herr, von dem alles Gute kommt, verwandle das was wir sind und haben in eine Gabe. Lasse DU, dem wir immer schon gehören, nicht zu, dass wir Dich je verfehlen. Deine Worte mögen so in uns Fleisch werden, dass wir Menschen nicht all zu sehr erschrecken, wenn wir miteinander darüber reden.

Hoch gelobt sei ohne End das hochheilige Sakrament

 

Kirche

Montag der 5. Osterwoche
Psalm und Lesungen des Tages

Aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes – Joh 14,21-26.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.
Judas – nicht der Iskariot – fragte ihn: Herr, wie kommt es, dass du dich nur uns offenbaren willst und nicht der Welt?
Jesus antwortete ihm: Wenn jemand mich liebt, wird er mein Wort halten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm Wohnung nehmen.
Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, stammt nicht von mir, sondern vom Vater, der mich gesandt hat.
Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
Lektionar. Rechte: staeko.net

Sel. Jan von Ruusbroec (1293-1381)

Regularkanoniker

Die Zierde der geistlichen Hochzeit, III (Übersetzung v. Willibrord Verkade OSB, Mainz 1922, S. 193ff.)

Der Heilige Geist wird euch alles lehren

Das schauende Leben ist ein himmlisches Leben […] [Dank der Liebeseinheit mit Gott] wächst der Mensch über seine Geschaffenheit hinaus und findet und kostet den Reichtum und die Wonne, die Gott selber ist, und die Gott ohne Unterlaß ausgießt in der Verborgenheit des Geistes, durch den der Mensch der Edelheit Gottes gleicht. Sobald der innige, schauende Mensch derart sein ewiges Bild erreicht hat und in dieser Lauterkeit durch den Sohn eingegangen ist in den Schoß des Vaters, so ist er mit göttlicher Wahrheit erleuchtet […] Ihr müsst wissen, dass der himmlische Vater als ein lebendiger Grund mit allem, was in ihm lebt, seinem Sohne, als seiner eigenen, ewigen Weisheit, tätig zugewandt ist. Und dieselbe Weisheit und alles, was in ihr lebt, ist wiederum dem Vater, das heißt demselben Grunde, aus dem er hervorgeht, tätig zugewandt. Und in dieser Begegnung geht die dritte Person zwischen dem Vater und dem Sohne hervor, nämlich der Heilige Geist, die Liebe beider, die mit beiden eins ist in [ein und] derselben Natur. Und dieser umfängt und durchdringt wirkend und genießend den Vater und den Sohn und alles, was in ihnen beiden lebt, mit so großem Reichtum und solcher Freude, dass alle Kreatur hierüber ewiglich schweigen muss. Denn das unbegreifliche Wunder, das in dieser Liebe liegt, das übersteigt ewiglich das Verständnis aller Geschöpfe. Aber wo man dieses Wunder ohne Staunen versteht und kostet, da ist der Geist sich selbst entrückt und eins mit Gottes Geist und kostet und sieht ohne Maß gleich Gott den Reichtum, der Gott selber ist, in der Einheit des lebendigen Grundes, wo er sich nach der Weise seiner Ungeschaffenheit besitzt. Nun wird diese wonnevolle Begegnung in uns nach der Weise Gottes ohne Aufhören tätig erneuert […] Denn gleichwie der Vater ohne Aufhören in der Geburt seines Sohnes alles aufs neue schaut, so werden alle Dinge in der Ausströmung des Heiligen Geistes vom Vater und Sohne aufs neue geliebt. Und das ist die tätige Begegnung des Vaters und des Sohnes, darin wir minniglich [liebevoll] umfangen werden durch den Heiligen Geist in ewiger Liebe.

Texte per E-Mail erhalten

Vum Geheimnis des Lebens

Vor Tagen saß ich auf der überdachten Terrasse im Garten. Vor mir zeigten dunkelrote Dahlien ihre Blütenstände, daneben behauptete sich eine üppig weiß-grün aufgeblühte Annabell. Die meditative Stille weckte Erinnerungen an meine betende Großmutter, an Marienlieder und die Worte „DEUS CARITAS EST“. Dann beglückten mich Gedanken über Gott unseren Vater, der Quelle aller Wahrheit, und die Worte „DEUS VERITAS EST“. Diese Erfahrungen machten mich sprachlos. Erst einige Tage später fand ich nach anfänglichem Zögern die Sprache wieder, als mich ein Freund aufforderte, dieses Ereignis zu beschreiben. Ich hoffe dass meine Schilderung und die Gedanken hierzu, die Würde des Erlebnisses bewahren:
Kurz nach seiner Geburt vor vier Wochen, lag unser jüngster Enkel Max auf meiner Brust. Als bedürftiges, lebendiges Wesen, wurde auch ich einst in das Geheimnis des Lebens geboren. Danach bargen und behüteten mich die Familie, und im Jahresreigen die Kräfte und Schönheit der Natur. Im Schutz und Segen der Kirche entfalteten sich die Beziehungen zu Menschen, Welt und Gott. Durch das Geschenk der Sinne und Sprache verständigte ich mich mit anderen Menschen in Schule, Studium und Beruf und Bildung, über Freud und Leid, die Aufgaben, den Sinn, die Ordnungen und Geheimnisse des Lebens. Ich lernte die Gewalt des Bösen, Schuld und Vergebung, und das Gute in Gestalten der Liebe kennen. Mein Leben war nun ein Teil der Geschichte aller Menschen und Geschöpfe vor uns, mit und nach uns: Der Dank an Gott für den Reichtum des Lebens, veranlasste mich, Verantwortung zu übernehmen: In Familie, Gesellschaft und Kirche durfte ich viele Jahre die Kenntnisse in Psychologie, Philosophie und Theologie zum Wohl der Menschen einsetzen. Ich folgte dem Herzen auch als Schriftsteller durch die Schilderung der Geheimnisse und die Bedeutung von Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit, von Kunst und Musik, im menschlichen Leben. Im höheren Lebensalter dominierten in der Sorge um die Nachkommen die existenziellen, ethischen und religiöse, das ganze Leben betreffenden Themen.
Im Nachdenken über die entscheidenden Wendungen und Fügungen in meinem Leben, erkannte ich, wie sich alle Ereignisse, zu einer persönlichen Geschichte zusammenfügten, die ich einige Jahrzehnte mit anderen Menschen teilen durfte. Trotz aller Katastrophen, Schrecken und Gewalten, habe ich die Grundmelodie des Lebens als Liebe und Freundschaft, Vertrauen in gemeinsame Werte, und die Freude an Kunst, Musik und Religion im Herzen bewahrt. Alle Texte, die ich schrieb und noch schreiben werde, sind Ausdruck eines Dankes an den Komponisten unserer Lebenssymphonie, den verehrungswürdigen Choreographen des vielfältigen Lebens. Die eingangs erwähnte Erschütterung unter dem Dach unseres Hauses, verstehe ich als Ausdruck einer Sehnsucht nach der Quelle, der wir alle Liebe und Erkenntnis, verdanken. Es ist Gott, der Schöpfer und Erhalter allen Lebens, der in SEINEM Sohn und Heiligen Geist Allgegenwärtige. ER, der die WAHRHEIT und LIEBE ist, lässt sich von uns im Glauben und Hoffen Lieben verehren, und will uns einst in SEINE ewigen Wohnungen aufnehmen.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.

Trostworte

Geliebter Vater, Sohn und Heiliger Geist, erleuchte unser Herz und die Sinne, um von DIR Herrlichster, Wunderbarster Quelle ewiger Liebe, demütig anbetend zu reden. Vor, in und nach aller Zeit, bist DU Vater als Weltenschöpfer, in Einheit mit DEINEM Sohn und dem Heiligen Geist, der eine und verehrungswürdigste Ursprung allen Seins, und dereinst unser gnädiger Richter. DU hast uns in all DEINEN Werken, in den Heiligen Schriften und durch DEINE Kirche, DEINE Liebe geoffenbart, die Pflege der Natur anvertraut, und uns die Sehnsucht nach DIR geschenkt. DU hast uns auch in die Dienste der Kirche und Menschheitsfamilie berufen, um DEINE Herrlichkeit allen Völkern, bis DU wieder kommst zum Gericht, zu verkünden. Im Heiligen Geist hast DU uns befähigt, als Kinder,.Söhne und Töchter, DEINE Zeugen und Mitarbeiter in der Welt zu sein. DEIN Heiliger Wille soll sich in unserem und im Leben mit der Kirche, in DEINEM Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, als Einladung im Glauben Hoffen und Lieben, zu allen Menschen und Geschöpfen bewähren. Er verpflichtet uns, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse im Lichte des Gewissens zu unterscheiden, und Gott zu geben was IHM, und dem Staat, den Familien und der Gesellschaft, was ihnen gebührt. Prüfen wir, als getaufte und gefirmte Christen, in Verantwortung für unseren Glauben, die gegenwärtigen Ereignisse in unserer Menschheitsfamilie:

Unser Glaube half mir schon einmal, im und nach dem Dritten Reich, zu unterscheiden, was Gott und was dem damaligen Führer gebührt. Ich musste auch die Folgen eines seiner Grundrechte beraubten Volkes ertragen. Umso mehr schätze ich, die in den demokratischen westlichen Gesellschaften tradierten Werte, und die freie Meinungsäußerung. Bei autokratisch ausgerichteten Völkern, würde mir dies unter Androhung von Strafen, wie einst im Dritten Reich, verboten. Ich versuche daher in Ergänzung eines Beitrages zur „Lagebeurteilung“, den Unterschied zwischen Demokratien und Autokratien weiter zu verdeutlichen:

Wie wir erkennen können, hat Putin seine Macht über die Propaganda benutzt, um einen gigantischen Truppenaufmarsch Russlands und Weißrusslands an der Grenze zur Ukraine als Manöver zu behaupten. Die durch nichts zu rechtfertigende Invasion, und sein brutaler Krieg, in der Ukraine hat aber zu einem bewundernswerten Widerstand geführt, und bei den westlichen Verbündeten, ein Sanktionspacket und eine zuvor nicht so deutliche Geschlossenheit und Verteidigungsbereitschaft der in der Nato Verbündeten ausgelöst. Die auf Lügen aufgebaute Propaganda Putins, kann selbst in Russland angesichts der vielen Flüchtlinge und Toten, und der zerstörten Infrastruktur in der Ukraine, nur durch eine Lügenpropaganda und brutale Unterdrückung der Meinungs- und Pressefreiheit im eigenen Land, aufrecht erhalten werden. Zu erkennen ist aber, dass Putin durch diesen Krieg weltweit massiv an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat. Der Westen versucht in Reaktion durch abgestimmte Diplomatie und eine erheblich militärische Nachrüstung der Nato an der Ostflanke. ein Übergreifen des Krieges auf Gebiete der Natoverbündeten zu verhindern. In einem Punkt hat sich Putin aber sicher getäuscht. Die NATO scheint geschlossener als je zuvor, die Sanktionen wirken, und die Ukraine verhinderte bisher mit westlicher Unterstützung, das weiter Vordringen der Russen. In Summe der erkennbaren Ereignisse, hat Putin seine Ziele noch nicht erreicht. Zu beklagen sind aber die menschlichen Opfer, die hohen Kosten, die Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen in Kultur, Handel und Wirtschaft, und die Tatsache, dass Friedensbemühungen bisher erfolglos blieben.
Aus christlicher Sicht können wir aber fest darauf vertrauen dass Gott unser Schöpfer die Quelle allen Lebens und alles Guten die Menschen aller Zeiten liebt, sich auch unser erbarmt, die Schuld vergibt, um uns den wahren Frieden und die Versöhnung mit IHM und allen Brüdern und Schwestern zu schenken, wenn wir IHN darum bitten. Erinnern wir uns daran, dass ER uns durch das Leben, den Tod und die Auferstehung SEINES Sohnes, Sühne für alle Schuld und Sünde geleistet hat, sodass auch wir einander vergeben und im Reich SEINER Gerechtigkeit und des Friedens mit einander leben können. Bitten wir Gott unseren Vater, dass ER uns mit SEINEM Sohn und dem Heiligen Geist vor allen Übeln an Leib und Seele verschone, und danken wir IHM für alles, was wir sind und haben, dass ER uns im Heiligen Geist zu SEINEN Kindern, Söhnen und Töchtern macht, die in der Menschheitsfamilie als Versöhnte in Frieden mit einander leben dürfen. Unser Schöpfer will keinen Krieg, sondern ER ermutigt uns durch SEINE Liebe, dass wir IHM und einander in Sorge und Verantwortung auch für das ewige Leben dienen. Bedenken wir, was der Vater gelitten haben musste, um SEINEN Sohn für uns zu opfern, und wie sehr uns der Herr Jesus Christus liebt, der unsere Schuld am Kreuz sühnte, dann hat uns der Heilige Geist schon jetzt getröstet, und in der Hoffnung gestärkt, dass es möglich ist, einander als Versöhnte im Namen Gottes zu vergeben, und zu SEINER Ehre, als Erlöste mit einander im Frieden unsere Wege zu gehen. Der Vater Sohn und Heilige Geist gebe uns hierzu SEINEN Segen!

Heilig heilig heili heilig ist der Herr

Traumdeutung

Wir alle werden älter, das ist der nicht zu vermeidende Lauf der Zeit. Jedes Lebensalter hat aber die ihm zukommenden Aufgaben für uns. Den Menschen in sehr hohem Lebensalter sind spezifische Aufgaben gestellt: Das „Hobellied“ lässt diese Lebensmelodie anklingen und besingt die Tatsache, dass das Schicksal einmal alle gleich hobelt, und wir am Lebensende der Welt ade sagend, unseren Hobel aus der Hand legen müssen.

Ich hatte folgenden Traum: Ich befand mich in einer Prüfung zur Mathematik. Einen ersten Teil hatte ich absolviert und wurde zu meiner Überraschung mit der Note sehr gut dafür belohnt. Der zweite Teil musste aus technischen Gründen wiederholt werden. Da zu erwarten war, dafür neue Prüfungsunterlagen zu bekommen, hatte ich einen Teil meiner Unterlagen in Schnitzel zerrissen. Wir mussten aber die alten Unterlagen wieder verwenden. Obwohl mir einige Freunde bei der Ordnung halfen reichte meine Zeit nicht, aus den Schnitzeln wieder Seiten zu gestalten, und die Unterlagen zur nachfolgenden Prüfung zu ordnen. Im Traum führte das zu erheblichem Stress.

Mein Deutungsansatz: Im höheren Lebensalter bin ich dabei nach meinem Berufsleben als Schriftsteller die für die Nachwelt wichtigen
Lebenserfahrungen zu veröffentlichen. Ich verfüge über reichlich Aufzeichnungen. Wie im Hobellied werde ich meinen Hobel zur Stunde Gottes, wie alle Menschen, aus der Hand legen müssen. Die Frage entsteht damit praktisch: „Wie gehe ich mit der verfügbaren Zeit um, um Stress möglichst zu vermeiden.“ Der obige Traum scheint mir zu raten, jeden Tag als Gottes Geschenk in Ruhe zu nutzen, und mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Dies in der sicheren Gewissheit, dass auch ich, wie alle Menschen vor und nach mir, nicht mehr alles erledigen kann, was mir möglich wäre, wenn ich länger leben dürfte, als Gott es in SEINER Weisheit für mich für gut findet. Wie im Hobellied, werde ich daher dem Schicksal seinen Lauf lassen, bis zu dem mir, wie allen Menschen bestimmten Lebensende, um dann der Welt ade zu sagen und den Hobel aus der Hand zu geben. Gott schenke uns allen die Gnade, in Ruhe solange uns Zeit bleibt zu wirken, und alles, was übrig bleiben muss, der Nachwelt zu überlassen.

Traum-Relität-Wünsche

Vielleicht haben Sie sich gelegentlich auch schon gefragt, ob Träume wirklich nur Schäume sind, ob es eine lupenreine, von jeglicher Subjektivität befreite „Realität“ gibt, wie es sich mit unerfüllbar scheinenden Wünschen verhält, oder ob es im Leben auch ein Zusammenspiel von Träumen, Realität und Wünschen geben könnte? Gelegentlich braucht es aber einen Anstoß, um sich mit derartigen Fragen zu befassen: Zur Abklärung eines Beschwerdebildes befand ich mich wenige Tage im Krankenhaus. Ich erlebte die Mitpatienten, Ärzte und Schwestern als ein in jeder Hinsicht besorgtes Team. Es stand an, noch einmal Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dies hatte den verständlichen Wunsch ausgelöst, alles gut zu überstehen, und zu einem Nachdenken geführt, wie ich die aktuelle Lebenssituation der Gesundheit dienlich gestalten könnte. Ein Traum und eine Theaterszene in denen es auch um Herzenswünsche ging, schienen damit in Zusammenhang zu stehen: In diesem Traum befand ich mich in der Situation des bekannten, von Edvard Munch gemalten Bildes, als sei ich der weit geöffnete Mund, der über mein Befinden hinaus, die Klagen und Nöte aller Menschen in der Hoffnung auf Gehör hinausschreit. Auch bei einer Aufführung von Goethes Faust, wurde ein Herzenswunsch deutlich: In den letzten Szenen stellt Goethe dar, wie der nach Erkenntnis strebende Faust, in einem erschütternden Ruf nach Gretchen, seinen Wunsch zu lieben und geliebt zu werden zu erkennen gibt. Zwei Szenen, die uns zeigen, dass wie Augustinus sagt, unser Herz über das Menschen Mögliche hinaus unruhig ist, bis es Ruhe findet in Gott.

Könnten auch wir, geblendet vom Wissen, oft nicht mehr in der Lage sein, zu bemerken, dass wir über alle unsere Begegnungen und Behausungen im Dasein hinaus, ständig Gott unseren Schöpfer, dessen Abbild wir sind, wie ein verlorenes Gesicht suchen? IHN, den HEILIGEN, der uns in hohen Stunden des Lebens, wie in der Szene am Dornbusch, oder im respektvollen Miteinander, schon hier auf Erden einen Vorgeschmack auf die ewigen Wohnungen geben will? Seit über zweitausend Jahren, bezeugt uns die Kirche, dass diese Hoffnung nicht trügt, Gott selbst uns entgegenkommt, und in der alles verbindenden Liebe des Gottessohnes Jesus Christus, ein menschliches Gesicht hat. Wie tröstlich ist es dann, dass der dreifaltige Gott durch IHN, mit IHM und in IHM in unsere Geschichte eintritt, um als Weg, Wahrheit und Leben, ständig bei uns zu sein. ER, der Herr, dem Ehre gebührt, der die Macht hat zu sagen, wer sucht, der findet, wer anklopft, dem wird aufgetan, wer bittet, der empfängt. Wann geschieht das? Eben jetzt, und in jedem Augenblick göttlicher Zeitrechnung. Kennt doch der Geliebte auch all unser Kreuz und Ungemach und weiß, dass wir ohne IHN nichts vermögen. ER kann, wenn wir IHN bitten, alles Tote und Gottferne in uns, und in dieser Welt zu neuem Leben erwecken, und unsere nach Liebe hungernden und dürstenden Herzen wirklich sättigen. Gibt es daher einen ernstlichen Grund, der Hybris des Wissens so zu erliegen, dass wir es nicht mehr wagen, darüber hinaus Gott unsere unerfüllbar erscheinenden Wünsche für die Welt, und Kirche ans Herz zu legen? Und sollten wir unseren Gott, der die Liebe ist, und uns ständig besuchen will, nicht gern einlassen, wenn ER bittend vor unserer Herzenstüre steht, nicht öffnen, wenn der ALLMÄCHTIGE anklopft, IHM nicht wie ein Kind entgegen stürmen, wenn der Vater uns die Ehre SEINER Gegenwart erweisen will? Guter Herr, möchte ich mit Ihnen antworten: Wir sind zwar nicht würdig, aber halte DU uns in DEINER Nähe, und in Liebe vereint, damit wir allzeit in Wort und Tat Deine frohen Zeugen bleiben.

Gottesgabe die Zeit
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