Abendgebet

Bevor des Tages
Licht vergeht hör
Welterschaffer
dies Gebet

Der DU so milde
und so gut nimm
gnädig uns in DEINE
Hut.

Dib dass kein böser
Traum uns weckt kein
nächtlich Wahnbild
uns erschreckt

Die Macht des Bösen
dämme ein dass unser
Herz stets bleibe
rein

DER DU Vater mit dem Sohn
und Geist regierst auf
einem Thron DIR sei Ehre
allezeit und in Ewigkeit

Heilig heilig heili heilig ist der Herr

Stefan Zweig

Seit längerer Zeit begegne ich mit wachem Interesse dem literarischen Nachlass dieses sensiblen, sprachverliebten Schriftstellers, der mit einem weiten Herzen dem Leben Schönheit und Grauen ablauscht, und in seinen Werken besingt. In einer kleinen Erzählung „Die Sorglosen“ ist seine Leidenschaft und Beobachtungsgabe fassbar, mit der er die Sorglosigkeit eines teils der ewig Sorglosen, die sich im zweiten Jahr des entsetzlichen ersten Weltkrieges in St. Moritz vergnügten, und allem Leid gegenüber abschotteten. Er überlässt es dem Leser seine eigene Antwort zu geben auf das namenlose Leid und Elend jener und jeder Zeit. Den je eigenen Weg zu suchen, um trotz gefühlter aber letztlich unwirksamer Trauer, den möglichen Funken aktiver Hilfe und Anteilnahme nicht zum verlöschen zu bringen. Aber auch, um in der Sorglosigkeit der Sorglosen, insofern es diesen wie beispielhaft gelingt, spielerisch ein Erleben der im Grunde von allen Menschen ersehnten Freude an der Gestaltung des Lebens ohne Mord und Totschlag vor zu führen.

Stefan Zweig, vermag nicht nur in seinen bekannten Novellen, wie beispielhaft der „Schachnovelle“ oder „Verwirrung der Gefühle etc“ sondern auch in seinen Essays „Europäische Erben“ uns ihm maßgeblich erscheinende Autoren in ihrer menschlichen und künstlerischen Entwicklung nahe zu bringen. Er nimmt insofern auch zu gesellschaftlichen Fragen seiner Zeit in einer bildhaften immer wieder ins Geistige vordringenden Sprache so Stellung, dass er dem Leser in einer stets überraschend neuen Weise, die Aufgabe eines der Humanität verpflichteten Dichters, der menschliche Größe und die Fähigkeit aufzeigt, selbst banalen Ereignissen Bedeutung zu verleihen. Er vermag auch den Lesern vor Augen zu führen, unter welch schwierigen Umständen es Literaten möglich wurde, trotz feindlicher Umweltbedingungen geistig zu überleben. Einen Weg zu finden, um an dem als gut, edel und recht Erkannten, vorbildlich festzuhalten, dieses hohe Gut zu verteidigen. und dieses geistige Gegengewicht gegen alle destruktiven Kräfte in lebendigem Austausch mit Gleichgesinnten am Leben zu erhalten. In Triumph und Tragik des Erasmus von Rotterdam setzt sich Stefan Zweig mit dessen Aufstieg aus einer sich in der Kindheit verlierenden geringen Bedeutung, mit Fleiß und Gelehrsamkeit, mit einem katholischen Priester, und den bedeutendsten Humanisten seiner Zeit auseinander. Sein Freiheitsdrang und die bis zum Lebensende bewahrte Neigung, sich in allen Bereichen seines Lebens undogmatisch zu verhalten und Abhängigkeit in jeder Form zu vermeiden,charakterisiert ihn besonders. Allen Versuchen, ihn politisch zu vereinnahmen, verstand er es sich effektiv zu entziehen. Stefan Zweig rühmt in Erasmus einen, dem Humanismus verpflichteten, mit profunden Kenntnissen ausgestatteten Experten seiner Zeit, dessen Rat auf allen Ebenen der Gesellschaft zunehmend gesucht wird. Mit seiner friedliebenden, auf Ausgleich und Überwindung von Gegensätzen zielenden Geisteshaltung, gerät Erasmus aber in zunehmende Gegnerschaft zu der, vom anderen führenden Exponenten Luther vertretenen Unbedingtheit in Glaubensfragen, die schließlich zu einem zwischen ihnen unversöhnlichen, öffentlich ausgetragenen Streit führt. Die zunehmend schonungsloser geführten Debatten, begleiteten die Auseinandersetzungen der Christen und führten zu Kirchenspaltungen mit anhaltenden, verheerenden Auswirkungen auf das kulturelle und gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen in Europa. Erasmus muss schließlich gegen Ende seines Lebens auf tragische Weise das Scheitern seiner humanistischen, auf Ausgleich gerichteten Bestrebungen und die fortwährenden, machtpolitisch motivierten, Auseinandersetzungen von Protestanten und Katholiken erleben. Die im Augsburger Religionsfrieden noch einmal im Sinne von Erasmus durch Melanchthon vorgeschlagenen, Lösungen, um zu einem Ausgleich der bestehenden Unterschiede in Glaubensfragen zu kommen, verfehlen jedoch die angestrebten Ziele. Obwohl sich in der Realpolitik schlussendlich die Machtpolitik Machiavellis behauptete, wird das erasmisch-humanistische Prinzip friedlicher Überwindung von Gegensätzen, wie ein nicht auszulöschender Menschheitstraum im politischen Alltag immer wieder beschworen. Es blieb mir. nach der Lektüre der mir zugängigen Schriften, ein schreckliches Rätsel, dass Stefan Zweig auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, sein Leben mit einem Freitod beendete, als er auf den ihm fremden, geistigen und sprachlichen Lebensraum, eine Sprachlosigkeit erlebte.

In seinem Roman „Ungeduld des Herzens“ berichtet Stefan Zweig in psychologisch einfühlsamer Sprache von der unerwarteten dramatischen Verwicklung, eines in einer jüdischen Familie in Österreich unter strengen Erwartungen an den Aufbau eines bürgerlichen erfolgreichen Lebens, in Begegnungen mit Menschen und deren schwierigen Lebensgeschichten, die ihn mit Fragen des Mitgefühls und dessen Folgen konfrontieren. Im Milieu einer Kadettenanstalt und deren Prägung und Stellung in der Gesellschaft ausgesetzt, wird der Erzähler als junger Leutnant der k.u.k.Ulanen in eine gut bürgerliche sehr wohlhabende Familie eingeführt. Dort erfährt er das Wohlwollen der Familie, das ihm seine Kameraden fälschlicher Weise, als eine gelungene Vorteilsnahme vorwerfen. Dort begegnet er bei einem Fest der Tochter des Hausherrn Edith deren Freundin und dem besorgten Vater. Edith ist erschüttert, als der Leutnant sie zum Tanz auffordert. Sie reagiert panisch erregt, denn diese zarte, verwöhnte und anspruchsvolle Person ist gelähmt und kann nur schwer, mit Hilfe eines Stützkorsetts einige Schritte gehen. Der Leutnant ist seinerseits sehr erschüttert und entwickelt Schuldgefühle, die er wieder gut machen will. In nachfolgenden Kontakten steht er vor der Aufgabe sich mit der sensiblen Edith und deren Vater, der die sich anbahnende Beziehung mit Wohlwollen begleitet, zu arrangieren. Noch kennt der Leutnant die Ursache der Krankheit und die Reaktion des Vaters nicht näher. Als seine Kameraden ihm vorwerfen, dass er in Abhängigkeit gerate, stellt er seine Besuche kurzfristig ein, und gerät in eine Entscheidungssituation, getrieben von einem sich anbahnenden Mitgefühl. Die Patientin durchschaut seine Lüge zur Entschuldigung. Der behandelnde Arzt kommt ins Haus. In einem Gespräch bittet der sehr besorgte Vater, der schon viel Geld in die Heilung seiner Tochter investierte, den Leutnant, dass er versuchen solle, im Kontakt mit dem Arzt zu klären, ob das Leiden seiner Tochter „heilbar“ sei. In einem längeren Gespräch erfährt der Leutnant, dass der Hausherr seine Frau durch Magenkrebs bei einer Operation verlor. In der Todesnacht habe der Arzt erfahren, welche Bewandtnis es mit dem zu Reichtum gelangten Ehemann habe. Dieser, ein Versicherungsagent, habe durch Zufall während einer Bahnfahrt ein Gespräch belauscht, aus dem er erfuhr, dass eine reiche Fürstin ihr Erbe an den gierigen Verwandten vorbei, ihrer langjährigen Begleiterin vermachte. Der Agent habe es dann erreicht die Erbin so in Wohlwollen ihm gegenüber einzuhüllen, dass sie ihm ihr Erbe zu einem Drittel des zu erwartenden Kaufpreises vermachte. Er gerät in Konflikt mit seinem Handeln, als er das weiter bestehende Vertrauen dieser Frau zu ihm erlebt, und findet eine Lösung durch Ehe mit ihr, bis zu deren Tod. Einer glücklichen Ehe entspringt ein lebhaftes Kind, bis ihm auch Edith durch deren Krankheit zur ständigen Sorge wird. Er versucht alles, um die Heilung zu ermöglichen. In diesem Kontext kommt es zu einem längeren Austausch über Heilungsmöglichkeiten und dem Standpunkt des Mediziners, dass er in solchen Fällen, er behandle mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, seit 5 Jahren Edith nicht aufgebe unter dem Erfahrungswert, dass er nie wissen könne welche Methoden oder Mittel der Forschung er npch in die Hand bekommen könne, um deren Heilung einzuleiten. Derzeit mache er sich aber mehr Sorgen um den Vater, und dessen bedrohte Gesundheit, als um die kranke Tochter.

Es blieb mir, nach dem Studium der mir zugängigen Werke von Stefan Zweig ein schmerzliches Erlebnis, dass der von mir geschätzte Schriftsteller, der auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, sein Leben mit einem Freitod beendete, als er in einem ihm fremden, geistigen und sprachlichen Lebensraum, seine Sprachlosigkeit erlebte. Ich hoffe sehr, dass er uns dennoch auch in unserer heutigen Zeit ermutigen könnte, in Wort und Tat für das menschliche Leben, zerstörerischen Kräften entgegenzutreten.

Kreuzzeichen

Ein kleines Gefäß mit Weihwasser gefüllt, gehört zu meinen frühesten kindlichen Erfahrungen. Unsere Großmutter ließ es sich nicht nehmen, jeden Abend an mein Bett zu treten, ihre Finger ins geweihte Wasser, zu tauchen, und mich im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes zu segnen. Es war mir dabei immer ein wenig feierlich zu Mute. Im Schutze dieser liebevollen Geste konnte ich dann ruhig einschlafen. Ich konnte es kaum erwarten, bis ich mich später wie die Erwachsenen, beim Betreten und Verlassen der Kirche, selbst mit Weihwasser besprengen und bekreuzigen durfte.

Tief beeindruckt haben mich auch die gelegentlichen Krankenbesuche unseres Pfarrers. Ein Beistelltisch wurde weiß eingedeckt, und darauf ein kleines Standkreuz und zwei silberne Kerzenständer mit brennenden weißen Kerzen gestellt. Wenn der Priester sich in Ehrfurcht bekreuzigte und vor dem Allerheiligsten niederkniete, erfüllte mich ein feierlicher Schauer. Zur vertrauten Umgebung gehörte auch das von unserem Großvater selbst geschnitzte, und naturbelassene Kreuz aus Lindenholz, in Gestalt eines Weinstocks an der Wand. Ein Leben lang begleiten uns Christen das Weihwasser und das Kreuz, als Zeichen der Erlösung, des Segens und der Hoffnung, bis über den Tod hinaus. Ist das nicht Grund genug, wieder einmal zu bedenken, was geschieht, wenn wir zum Kreuz aufschauen, und uns selbst oder andere bekreuzigend, den Segen empfangen oder einander spenden?

Ich gehöre noch zu der Generation katholischer Christen, die sich darüber freuen, wenn die Kirchenglocken uns zur Heiligen Messe und kirchlichen Festen einladen, und wir uns im Jahresreigen um den Altar versammeln. Unsere Priester waren sehr geachtet, und wir Kinder begrüßten sie mit einem fröhlichen „Gelobt sei Jesus Christus“. Wir schätzten den Religionsunterricht und unsere Geistlichen, die uns die Bedeutung der Zeichen und Sakramente erklärten, und mit uns die Geheimnisse unseres Glaubens feierten. Ein heiliger Schauer kann uns befallen, wenn wir vom Kreuz berührt, und aus unseren Träumen wachgerüttelt bemerken, wie sehr uns Gott liebt und braucht, um an SEINER Stelle in anderen Menschen Hoffnung und Segen zu erwecken, und dass wir in IHM und durch IHN, ein Zeichen SEINER Gegenwart in unserer Zeit sein sollen. Vielleicht meint es Gott in SEINER zarten Liebe und unendlichen Geduld mit uns sogar gut, wenn ER SEINE alles überragende Majestät vor uns verbirgt, und uns schwache Menschen benutzt, um in den Spielwiesen des Alltags, anderen unseren Glauben so zu bezeugen, dass sie sich vor uns und dem Herrn nicht zu sehr erschrecken müssen. Denn auch wir dürfen fest darauf vertrauen, dass der Herr die Schwächen und Nöte Seiner Zeugen kennt, und auch durch unsere kleinen Gesten das Wunder wahrer Gottesbegegnung bewirken kann.

Die Begegnung mit der überwältigenden Fülle der Liebe des dreifaltigen Herrn, würde uns Kleingläubige doch sicher noch mehr erschrecken, als den mit fester Speise des Glaubens vertrauten Petrus, der beim Hahnenschrei seinen Verrat erkennend, bitterlich weinen musste. Das kraftvolle Kreuzzeichen der Liebe Gottes kann unsere Schuld und verborgenes Chaotisches in uns und um uns aufdecken. Es kann uns aber auch zur Erkenntnis führen, wie unsagbar wir darauf angewiesen sind, die barmherzige Nähe Gottes, und SEINE Vergebung im schlichten Kreuzzeichen immer wieder zu erfahren. Von Geburt bis in den Tod und in die Auferstehung hinein, ist das Kreuzzeichen ein Ausdruck dafür, dass Gott nie aufhört Chaos in Kosmos zu wandeln. Wer, wenn nicht die Heiligste Dreifaltigkeit weiß besser, was für uns alle wirklich umfassend gut ist.

Gottes Fürsorge für das, was er in SEINER unendlichen Güte und Liebe geschaffen hat, und allezeit am Leben erhält, ist wahrlich schon des Dankes wert. Unsere Heiligen sind auf ihre je eigene Weise, wie der Heilige Franziskus, mein Namenspatron, Zeugen der erlösenden Liebe Gottes. Wie nahe durfte dieser Heilige dem dreifaltigen Herrn kommen. Ein Beichtspiegel ist er für uns alle: Sind wir so still, demütig, aufmerksam und offen, dass der alle Geschöpfe durchwaltende Segen göttlicher Liebe auch uns erfüllen, und durch unsere Armut hindurch zu einem wirksamen Zeichen der Liebe werden kann? Hängen wir die Kreuze nie ab und bleiben wir allzeit gesegnet im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das Kreuz der Erlösung und Hoffnung

Kreuzzeichen

Ein kleines Gefäß mit Weihwasser gefüllt, gehört zu meinen frühesten kindlichen Erfahrungen. Unsere Großmutter ließ es sich nicht nehmen, jeden Abend an mein Bett zu treten, ihre Finger ins geweihte Wasser, zu tauchen, und mich im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes zu segnen. Es war mir dabei immer ein wenig feierlich zu Mute. Im Schutze dieser liebevollen Geste konnte ich dann ruhig einschlafen. Ich konnte es kaum erwarten, bis ich mich später wie die Erwachsenen, beim Betreten und Verlassen der Kirche, selbst mit Weihwasser besprengen und bekreuzigen durfte.

Tief beeindruckt haben mich auch die gelegentlichen Krankenbesuche unseres Pfarrers. Ein Beistelltisch wurde weiß eingedeckt, und darauf ein kleines Standkreuz und zwei silberne Kerzenständer mit brennenden weißen Kerzen gestellt. Wenn der Priester sich in Ehrfurcht bekreuzigte und vor dem Allerheiligsten niederkniete, erfüllte mich ein feierlicher Schauer. Zur vertrauten Umgebung gehörte auch das von unserem Großvater selbst geschnitzte, und naturbelassene Kreuz aus Lindenholz, in Gestalt eines Weinstocks an der Wand. Ein Leben lang begleiten uns Christen das Weihwasser und das Kreuz, als Zeichen der Erlösung, des Segens und der Hoffnung, bis über den Tod hinaus. Ist das nicht Grund genug, wieder einmal zu bedenken, was geschieht, wenn wir zum Kreuz aufschauen, und uns selbst oder andere bekreuzigend, den Segen empfangen oder einander spenden?

Ich gehöre noch zu der Generation katholischer Christen, die sich darüber freuen, wenn die Kirchenglocken uns zur Heiligen Messe und kirchlichen Festen einladen, und wir uns im Jahresreigen um den Altar versammeln. Unsere Priester waren sehr geachtet, und wir Kinder begrüßten sie mit einem fröhlichen „Gelobt sei Jesus Christus“. Wir schätzten den Religionsunterricht und unsere Geistlichen, die uns die Bedeutung der Zeichen und Sakramente erklärten, und mit uns die Geheimnisse unseres Glaubens feierten. Ein heiliger Schauer kann uns befallen, wenn wir vom Kreuz berührt, und aus unseren Träumen wachgerüttelt bemerken, wie sehr uns Gott liebt und braucht, um an SEINER Stelle in anderen Menschen Hoffnung und Segen zu erwecken, und dass wir in IHM und durch IHN, ein Zeichen SEINER Gegenwart in unserer Zeit sein sollen. Vielleicht meint es Gott in SEINER zarten Liebe und unendlichen Geduld mit uns sogar gut, wenn ER SEINE alles überragende Majestät vor uns verbirgt, und uns schwache Menschen benutzt, um in den Spielwiesen des Alltags, anderen unseren Glauben so zu bezeugen, dass sie sich vor uns und dem Herrn nicht zu sehr erschrecken müssen. Denn auch wir dürfen fest darauf vertrauen, dass der Herr die Schwächen und Nöte Seiner Zeugen kennt, und auch durch unsere kleinen Gesten das Wunder wahrer Gottesbegegnung bewirken kann.

Die Begegnung mit der überwältigenden Fülle der Liebe des dreifaltigen Herrn, würde uns Kleingläubige doch sicher noch mehr erschrecken, als den mit fester Speise des Glaubens vertrauten Petrus, der beim Hahnenschrei seinen Verrat erkennend, bitterlich weinen musste. Das kraftvolle Kreuzzeichen der Liebe Gottes kann unsere Schuld und verborgenes Chaotisches in uns und um uns aufdecken. Es kann uns aber auch zur Erkenntnis führen, wie unsagbar wir darauf angewiesen sind, die barmherzige Nähe Gottes, und SEINE Vergebung im schlichten Kreuzzeichen immer wieder zu erfahren. Von Geburt bis in den Tod und in die Auferstehung hinein, ist das Kreuzzeichen ein Ausdruck dafür, dass Gott nie aufhört Chaos in Kosmos zu wandeln. Wer, wenn nicht die Heiligste Dreifaltigkeit weiß besser, was für uns alle wirklich umfassend gut ist.

Gottes Fürsorge für das, was er in SEINER unendlichen Güte und Liebe geschaffen hat, und allezeit am Leben erhält, ist wahrlich schon des Dankes wert. Unsere Heiligen sind auf ihre je eigene Weise, wie der Heilige Franziskus, mein Namenspatron, Zeugen der erlösenden Liebe Gottes. Wie nahe durfte dieser Heilige dem dreifaltigen Herrn kommen. Ein Beichtspiegel ist er für uns alle: Sind wir so still, demütig, aufmerksam und offen, dass der alle Geschöpfe durchwaltende Segen göttlicher Liebe auch uns erfüllen, und durch unsere Armut hindurch zu einem wirksamen Zeichen der Liebe werden kann? Hängen wir die Kreuze nie ab und bleiben wir allzeit gesegnet im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das Kreuz der Erlösung und Hoffnung

Eine Reise nach Stuttgart

Wir sitzen im Wohnzimmer und meine Frau strickt. Es ist nur das leise aneinander Reiben der Nadeln zu hören. In der momentanen Stille erinnere ich mich an ähnliche Situationen in meiner Jugend. Damals fühlte ich mich manchmal sehr wohl und meiner Mutter innig verbunden, wenn sie in der Küche das Geschirr spülte, und ich sie beim Klappern der Teller in der Nähe wusste. Im Augenblick geht es mir genau so. Schweigend genieße ich die Zweisamkeit mit meiner Frau. Ab und zu beobachte ich sie auf meinem Sessel hinter ihr und freue mich, sie so entspannt sitzend zu sehen. Ich weiß, wenn sie nadelt, geht es ihr gut – und mir dann auch. Ein wenig Himmel auf Erden. Verbindet uns doch unaussprechlich viel, seit wir uns vor über fünfzig Jahren das erste Mal sahen. Immer wieder bin ich dankbar, wenn ich sie an meiner Seite glücklich erlebe. Das nun aufkommende Gespräch, öffnet unsere Zweisamkeit. Wir reden mit einander über die vergangenen Tage.

Iris hatte am Abend zuvor aus Interesse an Märchen die Sendung „Alice im Wunderland“ eingeschaltet. Hingegeben verfolgt sie, um mir Ruhe zu gönnen, mit Kopfhörern das Geschehen. Ich beteiligte mich etwas halbherzig und genoss das beim Fernsehen übliche Schweigen, um meinen stets bereiten eigenen Fantasien freien Lauf zu lassen. Gelegentliche Stille, in der sich viel ereignet, ist für mich geradezu lebenswichtig. Immer wieder gönne ich mir deswegen eine Pause, um die vielen Eindrücke und Informationen, denen ich nicht entgehen kann, auf ihre Bedeutung für uns zu überdenken. Aber genau in dem Augenblick, als Alice im Märchen dem Hasen folgend, durch ein Loch im Wurzelwerk eines ausladenden Baumes, in ein weit verzweigtes unterirdisches Labyrinth hinabstürzt, tauche auch ich ab in ein kleines Nickerchen. Auf diese Weise verpasste ich den größten Teil der Sendung. Ab und zu muss ich aber doch wieder ein wenig zu mir gekommen sein. Nach einem jeweils kurzen Blinzeln schlossen sich aber die Lieder wieder, als ich bemerkte wie heftig Alice noch mit den schrecklichen Wesen der Unterwelt kämpfte. Die innere Uhr
weckte mich aber exakt in dem Augenblick, als Alice nach langer Irrfahrt wieder gesund, gestärkt und wohlbehalten aus dem Labyrinth auftauchte. Nach dieser Sendung drehte sich meine Frau um, sah mich etwas besorgt an und fragte: „Weinst Du, bist Du etwa traurig?“ Es mag durchaus sein, dass ich beim inneren „Wiederkäuen“ von Erlebnissen im Halbschlaf oder träumend auf wichtige Dinge gestoßen bin, die einer Träne Wert waren – wer weiß das schon genau. Wahrheitsgemäß antwortete ich: „Sollten Dir meine Augen feucht erscheinen, dann könnte das eher bedeuten, dass ich mich wie Alice im Märchen darüber freue, eigene Kämpfe und Trauer im Leben auch schadlos überstanden zu haben.“ Angeregt durch das Märchen, kamen wir auf gemeinsame Erlebnisse in den letzten Tagen zu sprechen, die uns überraschten und der Fantasie reichlich Nahrung boten. Diese kleinen Geschichten aus unserem Alltag möchten wir Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten.

Vor Tagen fuhren wir mit der Regionalbahn nach Stuttgart. Iris nimmt dort an Vorlesungen über Karl den Großen teil. Da ich mich derzeit im Blick auf das Zeitgeschehen oft besorgt frage, was geschehen müsste, damit wir Europäer nicht wieder in National-Staatlichkeit zurückfallen, interessierte mich, was die heutige Forschung uns über Karl den Großen vorlegt. Hatte er doch damals in einer bedeutenden geschichtlichen Epoche, ähnlich wie wir heute, schwierige Aufgaben zu bewältigen, um das weit ausgedehnte Reich zu verwalten und zu einen. Die Frage, was heute zum Wohl Europas geschehen müsste, treibt mich schon lange um. Ich werde mich zu gegebener hierzu äußern. Dies ist aber dann eine andere Geschichte. Hier will ich nur andeuten, was mich veranlasste, meine Frau an diesem Tag zu begleiten.

Die Realität holte uns Altstudenten nach der Vorlesung wieder rasch ein, denn es galt, die Abfahrtszeit unseres Zuges zur Rückreise nach neuem Fahrplan zu bestimmen. Meine Frau kennt sich, der vielen Termine wegen, in der Stadt unstrittig besser aus als ich. Manchmal verlieh ich ihr schon insgeheim den Titel einer „Wahl-Stuttgarterin“ Deshalb lasse ich mich in der Regel gern von ihr durch die belebten Straßen führen. In dem aktuellen Falle geschah dies aber nicht. Denn ein kleines Teufelchen männlichen Aufbegehrens gab keine Ruhe, sodass ich sehr bestimmt, am Ende jedoch ineffektiv, darauf bestand, auch selbst auf irgendeine Weise die Abfahrtszeit des Zuges herausfinden zu können. Die Miene meiner Frau verhieß darauf hin nichts Gutes. In der Folge hatten wir einige Mühe, die etwas eingetrübte Stimmung wieder auszugleichen. Ich musste zu diesem Zweck, in meiner männlichen Ehre zwar etwas gekränkt, aber ohne ernstlichen Schaden zu nehmen, meine „Protestfahne“ wieder einrollen. Denn Iris führte mich im Bahnhof zielstrebig zu einem Stand, an dem die neusten Fahrpläne kostenlos angeboten wurden. Der Selbständigkeit halber versorgte ich mich auch mit den aktuellsten Informationen über die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Züge. Ich muss gestehen, dass wir heute unsere unterschiedlichen Standpunkte weniger kämpferisch vertreten und bei geringerem Aufwand eher beidseits befriedigende Lösungen erzielen, als in früheren Jahren. Es lohnte sich daher für uns in vielen Versuchen geduldig zu lernen, was geschehen muss, um immer wieder einen Ausgleich der Interessen zu erreichen. Manche Menschen nennen diesen Umgang mit einander sogar Liebe.

Als ob uns das Schicksal an diesem Tage nicht besonders wohl gesonnen wäre, steuerten wir bereits ohne etwas davon zu ahnen, auf den nächsten Dissens zu: Ich stürmte, um unseren Zug nicht zu verpassen, entgegen sonst üblicher Praxis voraus. Ein Blick auf die Abfahrtstafel zeigte mir, dass Eile geboten war. Die Regionalbahn stand an unserem Bahnsteig schon bereit, um in drei Minuten Stuttgart zu verlassen. Die Erregung stieg zusehends, als ich zurückblickend meine Frau nirgends entdecken konnte. Das hatte mir gerade noch gefehlt. Wütend steige ich, begleitet von dem wenig schmeichelhaften Gefühl, „möge sie nun nach Hause kommen, wann sie will“, in einen der hinteren Wagen des Zuges ein. Eine unerklärliche Hoffnung auf ein Wunder ließ mich aber an der offenen Türe warten. Und siehe da, in letzter Sekunde vor Abfahrt des Zuges, taucht Iris auf, sieht mich, stürzt herbei und steht schwer atmend, aber wie ein unschuldiges Lämmchen neben mir. Ich wollte schon zu einer Gardinenpredigt ansetzen, da erklärte sie mir mit einem versöhnenden Blick, sie habe einen Blinden zum Zuge führen müssen. Nicht einmal meine durchaus berechtigt Wut konnte ich nun loswerden. Die Kritik an ihrer für mich unangenehmen Verspätung blieb mir bei diesem Sachverhalt im Halse stecken. Einem blinden Menschen hätte ich doch auch geholfen.

Die Gemüter beruhigten sich nicht wesentlich, als wir uns danach durch einige Wagen des voll besetzten Zuges hindurch quälen mussten, um im vorderen Bereich einen Platz zu ergattern, der für den Ausstieg am Zielbahnhof günstiger lag. Wir verzichteten weise auf eine grundsätzlichere Aussprache zum Thema Verspätung. Hatte doch mein Schwiegervater deswegen schon unter der Türe stehend zu leiden, um auch die letzte seiner Töchter vor der Abreise noch einzufangen. Was die Pünktlichkeit anbelangt, bin ich mit meiner Frau und drei Töchtern gesegnet, sein direkter Nachfahre. Auf der Rückreise aus Stuttgart, gelang uns aber auf elegante Weise, das Thema zu wechseln. Waren wir doch beide mehr an einem Gespräch über Details der interessanten Vorlesung interessiert, als daran, die Gründe zu erforschen, weshalb es in unserer Familie die betrübliche Neigung gibt, dass die Damen oft zu spät kommen. Wir wurden dabei durch ein unangenehmes Geräusch aus dem Lautsprecher so sehr gestört, dass wir in einen anderen Wagen flüchteten, um auch dieser Belästigung zu entgehen.

Bei der anschließenden anregenden Unterhaltung, verging die Zeit wie im Fluge. Irgendwann hielt der Zug irgendwo. Ich schaue kurz aus dem Fenster und behaupte, wir sind schon in Backnang, und damit bald zu Hause. Ein vergnügtes Kichern junger Damen neben uns, und deren Hinweis, dass wir uns bereits in Murrhardt befänden, und nun die anfahrende Regionalbahn nicht mehr verlassen könnten, überraschte uns nicht wenig. Die freundlichen Mädchen zückten hilfreich ihre Handys, nannten uns die nächste Station, und informierten uns über die Abfahrtszeiten zu einer möglichen Rückreise.

Der Zug hält, wie angesagt, in Fornsbach. Bei leichtem Nebel und anbrechender Dunkelheit, befinden wir uns auf einem menschenleeren Bahnsteig. Es ist ziemlich kalt an diesem Abend. In einsetzendem leichtem Schneefall bewegen wir uns im Schein einiger trüber Straßenlaternen, Richtung Ortsmitte. Wir freuen uns schon darauf, die etwa eineinhalb Stunden bis zur Rückreise, zu unserem Vergnügen nutzen zu kännen, und uns das kulinarische Angebot des empfohlenen Gasthaus „Krone“ munden zu lassen. Das Restaurant, das wir in einiger Entfernung erblicken, wirkte auch in der Nähe sehr einladend, hatte aber nur den Nachteil, dass es heute wegen des Ruhetages geschlossen war. Damit hatten wir nicht gerechnet. Wir sehen uns um, und entdecken zum Glück eine kleine Imbissstube. Etwas durchgefroren, ging es uns wie Maria und Josef, die einst mit ihrem Kind auch ein Dach über dem Kopf suchten. Wir treten ein und werden in einem gut beheizten, mit einem Tresen, zwei Tischen, Stühlen und dem unvermeidlichen Fernseher ausgestattetem Raum, von einer freundlichen, mit Kochmütze dekorierten Bedienung empfangen. Unter den gegebenen Umständen entscheiden wir uns, nach Möglichkeit, eine Rückreise mit der verflixten Eisenbahn zu vermeiden.

Mit Hilfe eines anwesenden jüngeren Paares gelingt es, per Handy eine Taxe herbei zu rufen. Die Wartezeit bis zur Abfahrt reichte gerade noch zu einem Glas Bier. Unsere Bedienung wunderte sich sehr, als wir ihr, im Blick auf den zu erwartenden glücklichen Ausgang unseres Unternehmens, ein großzügiges Trinkgeld gaben. Die Frau mit der Kochmütze verneigte sich mehrmals erfreut dankend von ihren späten Gästen. Der Taxifahrer, der uns nach Oppenweiler zurückbrachte, erzählte kenntnisreich aus früheren Zeiten. Er habe beruflich schon oft mit uns zu tun gehabt, und wüsste genau, wo wir wohnten. Einige „Schutzengel“ standen uns heute zur Seite, sodass wir, wie „Alice im Wunderland“, wieder den rechten Weg durch das Labyrinth unserer Reise nach Hause fanden. Auf diese Weise bestätigte sich auch der Volksmund, der behauptet: „Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen!“

Abendgebet

Bevor des Tages
Licht vergeht hör
Welterschaffer
dies Gebet

Der DU so milde
und so gut nimm
gnädig uns in DEINE
Hut.

Gib dass kein böser
Traum uns weckt kein
nächtlich Wahnbild
uns erschreckt

Die Macht des Bösen
dämme ein dass unser
Herz stets bleibe rein.

DER DU Vater mit dem Sohn
und Geist regierst auf
einem Thron DIR sei Ehre
allezeit und in Ewigkeit

Abendlicht

Abendgebet

Bevor des Tages
Licht vergeht hör
Welterschaffer
dies Gebet

Der DU so milde
und so gut nimm
gnädig uns in DEINE

Hut. Gib dass kein
böser Traum uns
weckt kein nächtlich
Wahnbild uns erschreckt

Die Macht des Bösen
dämme ein dass unser
Herz stets bleibe rein.

DER DU Vater mit dem Sohn
und Geist regierst auf
einem Thron DIR sei Ehre
allezeit und in Ewigkeit

Abendlicht

Abschied

Grausam
hast Du Tod
uns ein Lieb
genommen

Wir sind in
herbe Not
und Schmerz
gekommen

Doch Kummer
quält nicht
mehr Du lebst
in Frieden

Du bist nah
Dein Grab
ist leer und
Erinnerung
geblieben.

Du Bruder
Tod in Ehren
Liebe kannst
DU nicht
zerstören

Osterblumen
und Lieder
trösten uns
wieder

Bei alten Menschen
geborgen

Freude und Leid

Es gehört zur Lebenserfahrung, dass wir Menschen immer wieder überrascht werden von unerwarteten Ereignissen. Dies betrifft insbesondere schmerzliche Erfahrungen durch Tod und Trennungen. Ebenso beständig ist der Anspruch liebender Nähe über alle Grenzen hinaus. Man kann das als Eros und Thanatos, Leben und Sterben verstehen. Es sind so fundamentale überwältigende Tatsachen, dass wir Menschen davor zurückschrecken, darüber nachzudenken. Wir beschäftigen uns daher mit sehr vielen näher liegenden Ereignissen, und bemühen uns um die Gestaltung des Alltages in vielfältiger Weise. Wir sind so sehr mit allem beschäftigt, dass wir auch die im sogenannten Alltag und in der Sorge für einander sich ereignenden Wunder gar nicht mehr bemerken: Wenn ein Kind geboren wird, und mit seinen ersten Schreien, den ihm zustehenden Platz auf Erden behauptet, oder ein lieber Freund sein Leben ausgehaucht hat, und wir an seinem Totenbett oder an seinem Grabe stehen, oder wenn irgendeine nicht vorgesehene Störung unsere Pläne oder die selbstgeschaffene Ordnung durchkreuzt, dann rüttelt uns dieses Geschehen für einen Augenblick durch, und bringt uns aus dem vertrauten Gleichgewicht. In der Regel kehren wir dann aber wieder sehr rasch zu den alten Bewältigungsmustern zurück, denn wir sind ja noch einmal davongekommen.

Nachhaltiger trifft es unser Wohlbefinden schon, wenn wir unabweisbare Begrenzungen hinnehmen müssen, die uns das Alter oder krankheitsbedingte Beeinträchtigungen auferlegen, die uns zunächst schonend, dann immer deutlicher auf das Ende des menschlichen Daseins auf Erden vorbereiten. Hier beginnt sich der Ernstfall des Lebens abzuzeichnen. Viele Dinge, die das bisherige Leben ausgefüllt hatten, bekommen einen neuen Stellenwert. Wenn die erste Resignation und Enttäuschung, in der es uns die Sprache verschlug, und die Neigung, sich resignierend zurückzuziehen überwunden sind, werden neue Strategien gefordert, um mit den Gegebenheiten so umzugehen, dass ein Überleben in gewandelter Form möglich und sinnvoll erscheint. Psychologen würden davon sprechen, neue Bewältigungsstrategien zu entdecken. Philosophen würden versuchen über das Leben und Sterben des Menschen inmitten der sich wandelnden Daseinsbedingungen nachzudenken. Menschen wie Du und ich würden miteinander redend versuchen, Trost und Anteilnahme zu zeigen. Kluge Theologen würden ihr ganzes Wissen um Gott und die Welt zur Erklärung des von Gott gewollten Daseins aufbieten. Es liegt mir völlig fern, all diese menschlichen Optionen gering zu schätzen. Sie sind die notwendigen Krücken, die uns auf unserem Pilgerweg durch die Zeit stützen und aufrichten. Nicht zuletzt möchte ich die vielen Zeugnisse der Kunst, Musik und Poesie erwähnen, die uns tröstliche Kunde bringen von Menschen, mit denen wir in einer Schicksalsgemeinschaft leben, lieben und wirken.

Da Leben und der Tod als Grenze unvermeidlich sind, sollten wir einander und allen, die nach uns kommen das Dasein nicht nur gönnen, sondern nach Möglichkeit auch nicht erschweren, und nach Kräften dazu beitragen, ihnen ausreichend Ressourcen als Lebensraum zu überlassen. Dann entsteht die Frage, was „sub spezie aeternitatis“ in einem bewertenden Rückblick auf das eigene Leben zu einem wohlbedachten Erbe für unsere Nachkommen zählen könnte. Ich habe mich entschlossen, seit ich mit 75 Jahren aus dem Berufsleben ausgeschieden bin, genau darüber nachzudenken und alles sorgsam aufzuschreiben: Gott dem Vater Sohn und Heiligen Geist verdanke ich, in religiöser christlicher Umgebung aufgewachsen, reichlich Liebe Trost und Zuwendung gläubiger Menschen erfahren, und lebenslang in der Schicksalsgemeinschaft gläubiger Christen von der Verkündigung der frohen Botschaft durch Jesus Christus getragen zu sein. Was wäre aus mir geworden, wenn ich diesen Halt nicht gefunden hätte? Das bedeutet natürlich alles andere, als ein krisenfreies Glaubensleben. Von den Erschütterungen und frohen Stunden dieser Pilgerreise, berichte ich in meinen drei Büchern. Noch schreibe ich weitere Geschichten, und erzähle meine Erlebnisse über die Pilgerreise im Leben und nach meiner Pensionierung. Nachdem mir das Berufsleben geholfen hat, eine ökonomische Basis zu sichern, die mir den nötigen Freiraum und die erforderliche Unabhängigkeit bescherten, wollte ich über das Leben und dessen Gestaltungsspielräume mit anderen Menschen reden. Sozusagen ein Brückenbauer sein, der mit offenem Visier um sich schaut, und Weggefährten sucht, um mit ihnen zu leben und über das für uns Wichtige zu reden. Ich wollte auf der letzten Wegstrecke noch das tun, was mir zum Wohl der Mitmenschen, aufgrund eigener Fähigkeiten, sinnvoll und möglich erschien. Es brauchte aber Mut und Gottvertrauen, um am Ende der beruflichen Laufbahn, eine Depression zu überwinden, und den eigenen Weg zu finden, um mich zu Fragen unserer Existenz und Zielbestimmung als Menschen zu äußern. Grenzen galt es zu beachten, um nicht auf naheliegende gesellschaftliche Aufgaben auszuweichen, die mir den Raum zum Nachdenken genommen hätten. So kam ich dann dazu, von all dem zu erzählen, was mich in meinem Leben und nach meiner Pensionierung bewegte und beschäftigte. Es erscheint mir nach Jahren an der Zeit, mich auch zur Gestaltung des Lebens als Pensionär zu äußern. Es gibt sicher viele Modelle und Bewältigungsstrategien hierzu. Ich kann jedoch nur von meinem bisherigen Weg sprechen. Den Vortrag, den ich einmal zu Fragen des Übergangs in den Ruhestand zu Papier brachte, halte ich Ihnen sicher nicht, obwohl er sehr viele praktische Hinweise enthält. Meine Lebenserfahrungen, und die nach meiner Pensionierung gefundenen Lösungsansätze, erschienen mir viel hilfreicher zu ein. In meinen drei Büchern und in Beiträgen im Literaturblog und auf diversen Kanälen im Internet, erzähle ich bis heute davon, was mir im Leben und als Pensionär wichtig erschien, um der Freude, Dankbarkeit, und der Sorge um die Weitergabe des christlichen Glaubens Hoffens und Liebens mit allen meinen Kräften als Schriftsteller Gehör zu verschaffen. Bleiben sie in Frieden und im Trost Gottes auf allen Ihren Wegen.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.
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