Carpe diem

Das zunehmende Lebensalter lädt uns Menschen ein, über das Phänomen der Zeit nachzudenken. Dies scheint berechtigt, wenn wir erwägen, dass unsere verfügbare Zeit stetig schwindet und, wie bei allen Lebewesen, begrenzt ist. Den römischen Dichter Horaz könnte dieses Erleben der Endlichkeit zu seiner Aussage “carpe diem” -nutze die Zeit- geführt haben, die ich als Titel zu einer Betrachtung über die Zeit wähle. Das Ende unseres Daseins naht wirklich todsicher. Es scheint so betrachtet, als stünde unser ganzes Leben nur unter einem schlechten Stern. Horaz richtet seinen Blick jedoch auf die in unserem Dasein stets vorhandenen Gestaltungsräume. Auch wir heute Lebenden versuchen die vorhandene Zeit zu nutzen, wehren uns gegen die Vorstellung einer reinen Vergänglichkeit und hoffen mit vielen Gläubigen auf ein Leben nach dem Tod. Greifen wir daher die Anregung des römischen Dichters, als Impuls zu einer Betrachtung über die Zeit auf:

Unter den Philosophen hat sich vornehmlich Martin Heidegger in seinem Hauptwerk “Sein und Zeit” ausführlich mit Aspekten des Phänomens der Zeit im menschlichen Dasein befasst. Ärzten, wie S. Freud und C.G. Jung, verdanken wir Erkenntnisse über das Zeiterleben in Gestalt von bewussten und unbewussten Vorgängen in unserer Seele. Auch die Psychologie untersucht Aspekte der Zeit, nimmt die existenziellen Bedingungen des menschlichen Lebens in den Blick, und erforscht das Verhalten und dessen gezielte Veränderung. Christliche und andere Religionen betrachten das menschliche Leben im Ganzen der Schöpfung, und geben Antwort, auf die Sinnfrage und Sehnsucht nach einem Leben über den Tod hinaus. All dies sind bedeutende und nützliche Hilfen, um unser Dasein unter den jeweils gegebenen existenziellen Bedingungen unserer Umwelt zu verstehen und zu gestalten. Das Bewusstsein aber, dass unser Leben einem steten Wandel ausgesetzt ist, umfasst die ganze Geschichte der Menschheit. Selbst die Natur, in der wir uns vorfinden, ist diesem unaufhaltsamen Werden und Sterben ausgesetzt. Wir könnten zwar versuchen, vor diesen Tatsachen die Augen zu verschließen, und uns der Anerkennung unserer Lebensbedingungen und den uns gestellten Aufgaben zu verweigern, aber es nützte nichts, denn mit der Geburt in diese Welt blieben wir dennoch unauslöschlich im Buch des Lebens als einmal “Gewesene” aufgezeichnet. Nehmen wir daher unser persönliches Leben in der Zeit, als einen Prozess stetigen Wandels näher in den Blick. Es mag in unserer Vergangenheit durchaus schmerzliche oder schöne Erfahrungen gegeben haben, sie gehören aber als solche nicht mehr zu unserer realen Gegenwart. Die Mutter Zeit hat sie längst in den Schoß des Vergangenen aufgenommen. Auch wenn vergangene Ereignisse von Gefühlen begleitet sind, besitzen sie nicht mehr die gleiche Aktualität wie früher. Sie können als vergangene und damit in ihrer Bedeutung als “gewesene” Ereignisse erkannt, und einer bewussten Prüfung zugängig gemacht werden. Dadurch könnten sie ihren eventuell bedrohlichen Charakter verlieren, und ihr kreatives Potential wieder entfalten, um in verschiedener Weise das gegenwärtige oder künftige Leben zu bereichern. Von den in unserer Vergangenheit wurzelnden Erlebnissen können wir uns aber nicht vollkommen lösen, denn sie wirken bewusst oder unbewusst in unsere Gegenwart und Zukunft hinein. Es gilt aber, darüber zu wachen, dass wir unsere Freude am Dasein bewahren, um die stets neuen Lebensaufgaben zu lösen. Horaz erinnert uns mit seiner Aufforderung, jeden Tag zu nutzen, nachdrücklich an diesen zu unserem Wohl täglich eröffneten Gestaltungsspielraum. Wir sollten uns daher bewusst sein, dass all unser gegenwärtiges Werken und Gestalten in der Zeit, dem Gesetz des Sterbens und Werdens in der Natur nicht ganz entgehen kann. Übergeben wir doch täglich unser Werk als einen “gewesenen Tag” dem uns geschenkten Schlaf und damit auch der Vergangenheit. Es scheint daher vernünftig, unser Wirken in der Gegenwart so zu betrachten, als hätten wir alles nicht vollkommen in Händen, um uns dadurch in das stetige Loslassen im Leben nach dem Gesetz von Zeit und Ewigkeit einzuüben. Im Verlauf des Lebens wird aber zunehmend die Begrenzung aller verfügbaren Zeit deutlich bewusster. Unsere Handlungsspielräume können durch unerwartete Ereignisse wie Krankheit, körperliche oder seelische Beeinträchtigungen gemindert werden. Es verlangt deshalb Mut, trotz der Beobachtung von Todesfällen und Schicksalsschlägen, in unserer Umwelt, sich immer wieder aufzuraffen, um das eigene Leben dennoch in Grenzen zu genießen und den uns verbleibenden Lebensraum tagtäglich zu gestalten. Redlicherweise lässt es sich aber nicht aus unserem Bewusstsein verdrängen, dass auch unser künftig zur Verfügung stehender Gestaltungsraum, der zunächst, wie ein unbeschriebenes Blatt viele Möglichkeiten offenlässt, einmal ein “gewesener” sein wird. Es scheint daher, als ob die Mutter Zeit dem Gesetz des Sterbens und Werdens folgend, sowohl unser vergangenes, als auch unser gegenwärtiges und zukünftiges Leben umfinge.

So kommen wir nun bei unserer Zeitanalyse zu einem letzten Gedanken. Es scheint bei unserer Betrachtung des Lebens in der Zeit etwas zu geben, das sich trotz aller denkbaren Vergänglichkeit des Daseins behauptet. Denn unsere Vergangenheit, wie die Gegenwart und Zukunft, werden einmal mit Sicherheit ein persönliches Leben “gewesen” sein. Wir haben es zwar nur in sehr begrenzten Möglichkeiten in Händen. Dennoch wird es aber einmal sicher ein ganzes, nicht mehr auszulöschendes, wertvolles Leben “gewesen” sein, auch wenn wir dann dieser Welt nicht mehr angehören. Hier taucht noch einmal der Begriff des “carpe diem” in anderer Bedeutung auf. Wir können und sollten, soviel uns möglich ist, dazu beitragen, unser Leben so zu gestalten, dass wir es dereinst mit allen Höhen und Tiefen, als ein menschenwürdiges und verantwortungsvoll erfülltes Leben am Ende unserer Tage, unserem Schöpfer und Erhalter anvertrauen können. Er unser Gott, zu dem wir als Christen aufschauen, möge uns in allem Werden und Vergehen bis dahin segnen und vor allem Bösen bewahren. Ihm unserem Schöpfer und Erhalter dürfen wir aber getrost alles vergangene, gegenwärtige und zukünftig “Gewesene” unseres irdischen Weges, und dereinst all unser “Gewesensein” im Ganzen anvertrauen.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.

Anbetung

O Gott hilf uns beten. Im Licht dieses Vorfrühlingstages und im seligen Licht des uns geschenkten Glaubens, wagen wir zu beten, und unsere Herzen und alles was wir sind und haben, zu DIR, DU unser Schöpfer, unseren Herrn und Gott zu erheben. Heilig heilig heilig bist DU, und nichts kommt DIR gleich, denn ohne DICH ist nichts. DIR aber o Gott , den wir unseren Vater nennen dürfen, mit DEINEM Sohn im Heiligen Geist, in drei Personen immer und ewig gegenwärtig, verdanken wir alles, was es gab, und für uns im Kosmos DEINER unendlichen Liebe in Ewigkeit geben wird. DU hast uns als DEINE Söhne, Töchter und Kinder gezeugt, und uns Leben aus Dir, im Glauben, Hoffen und Lieben geschenkt. DU bist alles, was wir sind und haben, und alles was DU uns in der Zeit und im ewigen Leben mit DIR schenken willst. Hilf unseren Worten und Taten auf, DICH über alles, und mit allem, was es im Himmel und auf Erden gibt, in würdiger Weise zu loben und zu preisen, und DICH und einander aus ganzem Herzen, mit aller Kraft und allen Sinnen zu lieben.

Es ist DEIN heiliger Wille, uns nahe zu sein, uns an DEINEM Allerheiligsten Leben teilnehmen zu lassen, und durch DICH gestärkt, vor allem Bösen zu bewahren, bis DU uns in DEINE ewigen Wohnungen heimholst. DU hast uns DEINEN eingeborenen Sohn als Retter und Erlöser geschenkt, um uns in würdigster Weise von DIR Kunde zu bringen, von Schuld und Sünde zu erlösen, und uns auf dem Weg der Wahrheit, in der Einheit mit DEINER Kirche, im Glauben voranzugehen. Durch IHN und mit IHM leben wir im Heiligen Geist im Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, mit allen mit DIR und miteinander Versöhnten zusammen.

In DEINEM Glauben DEINER Hoffnung und DEINER Liebe erkennen wir den Heiligen Geist in uns, und in allem was es auf Erden und im Himmel gibt. ER ist die ewige Liebe, die DICH Vater mit dem Sohn und mit allem was DU für uns geschaffen hast verbindet. ER ist die Kraft, die uns aus Maria SEINER und unserer Mutter den Gottes- und Menschensohn Jesus Christus schenkte, und IHN leben leiden, und am Kreuz für uns sterben ließ. ER ist die Kraft, in der Jesus alles vollbrachte, die IHN und mit IHM auch uns, aus Sünde und Tod auferweckte. ER ist der ewige Herzschlag der Liebe des Vaters und des Sohnes und die Hoffnung aller Geschöpfe und Lebewesen bis er wiederkommt, um Gericht zu halten über Lebende und Tote.

Bete DU allmächtiger ewiger Gott, DU unser Vater und Sohn, in und mit uns, dass der Heilige Geist bewirke, was zur Ehre Gottes in SEINEM Reich, dem Himmel auf Erden, geschehen soll, bis wir am Ende der Zeiten, am ewigen Leben der Herrlichkeit des Vaters Sohnes und Heiligen Geistes teilnehmen dürfen.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.

Betrachtung

Ein schöner sonniger Vorfrühlingtag lässt das Herz höherschlagen und öffnet alle Sinne weit für das Geschenk des Lebens. Ich suche nach Worten. In mir ist alles auf Empfang eingestellt. Im Erwachen habe ichheute nach Worten gefahndet, die andeuten sollten, was sich in mir ereignet. Ich tat mich schwer damit. Wer kann schon leichthin von der Begegnung mit Gott reden. Es sollten Worte sein, die noch nicht abgenutzt sind. Worte, wie gebrochenes Brot, oder ein Schluck Wein. Lebensnotwendige Worte, die alles offenlassen, was Menschenherzen bewegt und überfordert. Wer kann schon Worte finden, die Gott unseren Vater, den Sohn unseren Erlöser, und den Heiligen Geist den Tröster und Beistand, angemessen würdigen. Ich wollte ja über die Kirche reden, die Gottes Haus auf Erden und der heilige Ort der Begegnung mit IHM ist. Eine Kirche die kosmisch weit ist, in der alles Platz hat, was der Herr ins Leben gerufen, erhalten und für gut befunden hat. Von enem Heiligtum, in dem wir Menschen, Geschöpfe und Lebewesen, Gott für alles danken, und uns in diesem Gotteszelt wohlfühlen, als wäre es ein Stück Himmel auf Erden.

Wer wohnt schon in einem Tempel nicht aus Stein, sondern Stein für Stein von einem Schöpfer erbaut, der in SEINEM Wirken alles ist, was es gibt. Die ganze Schöpfung in ihrer Pracht und wir Menschen verweisen in diesem Gotteszelt, in seiner Schönheit, im Glauben Hoffen und Lieben auf Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist. Für alle Lebewesen will diese lebendige Kirche aus Gottes Geist und Wahrheit, Heil, Heimat und Ort Dankens, Betens und Lobpreises sein. Alles Leben in diesem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens gilt der Ehre Gottes und der Einheit in SEINEM Namen im respektvollen Umgang miteinander.

Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land, aus ewigem Stein erbauet von Gottes Meister Hand. Gott wir loben DICH, Gott wir preisen Dich. O lass im Hause DEIN uns all geborgen sein.

Gaudete

DU, Erhabener und über alles geliebter Vater, bist heute mit DEINEM Sohn, unserem Erlöser und dem Heiligen Geist bei mir eingekehrt.DU hast mir dabei in DEINER schweigenden Gegenwart, so viel Glück und Freude geschenkt, dass es mir die Sprache verschlug. Ich konnte nur noch weinen, und DIR mit meinen Tränen zeigen, wie gerührt und dankbar ich bin, dass es DICH, den Dreifaltigen Gott gibt, der allen Geschöpfe auf Erden ewig Himmel und Heimat sein will. Jetzt hat sich der Gefühlssturm gelegt und DU schenkst mir wieder Worte. Ich bitte, Herr und Gott, lege mir nur heilende Worte in den Mund, die von Herz zu Herz gehen. Worte, die der Heiliger Geist mir eingibt, und durch IHN als wahr erweisen.

DU Herr und Gott bist mit DEINEM Sohn und dem Heiligen Geist unser Tempel und Heiligtum, der zu Lobpreis und Begegnung mit DIR einlädt.DU allein bist unsere Vergebung, unser Erbarmen, unser Glaube, die Hoffnung und Liebe, die alle in DIR Erlösten und Versöhnten zu DEINEM Volk zusammenführt. DICH allein feiern wir als unseren wunderbaren Herrn, Gott, Schöpfer und Erhalter allen Lebens. DEINE Macht Kraft und Herrlichkeit und Liebe, zeigt sich in allem, was es auf Erden und im Himmel gibt. Der Glanz DEINER Herrschaft, die nicht zu fassen ist, leuchtet unseren liebenden Augen in allem was existiert und lebt auf. DU hast uns und alle DEINE Geschöpfe nach DEINEM Bild und Gleichnis gezeugt und uns die Liebe zu DIR und zu allen DEINEN Werken ins Herz geschrieben. DEIN sind wir mit allem, was es gibt, in dieser weltoffenen Kirche.

DEIN Eigentum hast DU uns als Wohnung, Tempel und Kirche, zur liebevollen Pflege anvertraut. DU hast uns auch DEINEM Sohn als Erlöser und Retter geschenkt. ER, DEIN ewiges Wort, will uns im Heiligen Geist inspirieren alles, was es gibt, heimzuholen in DEIN Zelt auf Erden. Im Himmel auf Erden, im Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, will Gott alle Armen, Kranken Blinden, Zweifelnden und Verzweifelten nahe sein. Öffnen wir dem Allerheiligsten, unserem Herrn und Gott, Herz und Sinn. ER möge uns Christen, die Gläubigen, alle Menschen und Geschöpfe, im Heiligen Geist zusammenführen. In SEINEM Gotteszelt will ER uns im Glauben Hoffen und Lieben, ewige Heimat sein. In SEINEM Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, bewahrt ER uns vor allem Bösen, und ermuntert unszum Guten, um sich in der erneuernden Kraft des Heiligen Geistes, als Gott und Herr allen Lebens zu erweisen.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.

Ein Gespräch mit Gott

Wenn ich könnte, – und ich kann ja, so sende ich Euch, Ihr Erlösten, mit Gott und mit einander Versöhnten, brüderliche, geschwisterliche Grüße in der Freude über Gott. ER unser Schöpfer und Jesus Christus, der Gottes- und Menschensohn gibt mir gnadenhaft im Heiligen Geist, ohne eigenes Verdienst, jedes Wort ein, das ich im Moment noch nicht kenne. Heiliges, andächtig-dankbares Schweigen erfüllt mich, beim Gedanken und Bedenken, dass wir DIR, über alles geliebter Vater unser ganzes Leben, und diesen schönen Tag verdanken. Wir wissen, glauben, hoffen, leben und lieben im Reich DEINR ewigen Gerechtigkeit und des Friedens. Wir existieren Dank DEINER unerforschlichen Milde und Güte durch DEINE Gnade. Alles was wir sind und haben, den Himmel in, und über uns, die Erde, das Universum, und DEINE Allerheiligste Gegenwart im Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, ist der Ort lebensvoller Begegnung mit DIR, der Quelle aller Gnaden, und alles Guten.

Wir danken DIR mit allen Heiligen und Seligen, mit den Engeln, himmlischen Heerscharen und der Gottesmutter, unserer Fürsprecherin, für DEINE wunderbare Gegenwart im Gotteszelt DEINER Kirche, die uns hilft und beisteht, DICH in allem was uns bewegt, und alles Nächste mit ganzer Kraft und mit allen Sinnen zu verehren und zu lieben. DEIN Zelt der Gnadenfülle, ausgebreitet vor aller Augen, im Leben Kreuz Tod und Auferstehung DEINES geliebten Sohnes, gibt uns als Weg und Wahrheit die Sicherheit, und den Beistand im Glauben Hoffen und Lieben, DICH nicht zu verfehlen. Verhilf DU uns, Allmächtiger, im Heiligen Geist, allen Lebewesen in geschwisterlicher Liebe zu begegnen, sie zu behüten, vor allem Bösen zu bewahren, und mitzuwirken, dass die Armen, Leidenden, Zweifelnden und Verzweifelten in DEINEM Zelt, unserem Gotteshaus, Vergebung, Heil, Segen und Heimat finden.
Du dreifaltiger Gott, hast alles, was es gibt erschaffen, und für gut befunden. Erbame DICH unser, Allerheiligster, DU unsere Einheit, Gerechtigkeit, unendlicher Trost und ewiger Friede. Der DU vor in und nach aller Zeit, und in Ewigkeit im Heiligen Geist für uns gegenwärtig bist, sei hochgepriesen. Hilf uns, dass wir Deinen Himmel in, unter uns, und den Kosmos all dessen, was DU uns im Universum schenkst, redlich miteinander teilen. Die Einheit, der Glaube, die Hoffnung und Liebe, belebe und erneuere allezeit DEIN Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, und berge unsere Sehnsucht nach DIR, unserer ewigen Heimat.

Die Handtasche

Nach längerem Abwägen, fällt die Entscheidung: Sie wünscht sich zum Geburtstag eine neue Handtasche. Das war geschafft! Ich erkläre mich unvorsichtigerweise bereit, sie zum Einkauf in die Stadt zu begleiten. Erwartungsvoll sitzen wir in der Regionalbahn. Wie üblich, sind wir an diesem Tag nicht die einzigen Kauflustigen, bahnen uns den Weg durch die Menge und steuern das Ziel, ein großes Kaufhaus an. Ich kenne das Kaufhaus von verschiedenen Besuchen. Meine Frau und die Töchter, fühlen sich im Unterschied zu mir, in solcher Umgebung pudelwohl. Es scheint sie keineswegs zu ermüden, beutegierig durch alle Abteilungen der verschiedenen Etagen zu streifen, um die angebotenen Waren nach Mode, Qualität und Preis zu prüfen. Stets auf dem Sprung zum nächsten Artikel oder einem »Schnäppchen«, steht ihnen das Jagdfieber ins Gesicht geschrieben. Gewöhnlich suche ich mir bei derlei Unternehmungen einen Stuhl, um abzuwarten, bis mir ein »Fundstück« zur Beurteilung vorgelegt wird. In derlei Situationen empfiehlt es sich, nicht zu bezweifeln, dass die Damen selbst am Besten in der Lage sind, Nutzen und Kosten ihrer Auswahl einzuschätzen. Und sollte sich in mir manchmal die Idee entwickeln, als Mann auch erkennen zu können, was einer Frau gut zu Gesicht steht, unterdrücke ich umgehend derlei wenig hilfreiche Gedankenspiele. Erfahrungsgemäß führt das ja nur dazu, dass meine Damen im besten Falle einen von mir vorgeschlagen Gegenstand, mit deutlich geringschätzigen Blicken in die Hand nehmen, um ihn nach kurzer Prüfung wieder ins Regal zurück zu legen. Die gutgemeinte Absicht, meine Frau zu begleiten, um sie durch mein Interesse am Einkauf zu erfreuen, war an diesem Tag so dominant, dass ich mich nicht mehr an frühere, enttäuschende Erlebnisse zu erinnern vermochte, die zu meiner längeren Einkausabstinenz führten. Zudem war ich mir einigermaßen sicher, in der Obhut meiner Frau bei Laune zu bleiben, und in dem riesigen Kaufhaus nicht verloren zu gehen. Als geheime Notfallplanung beabsichtigte ich, mich gegebenenfalls in das Restaurant zurück zu ziehen, um dort abzuwarten, bis die unbändige Kauflust meiner Frau abgeklungen ist. So gewappnet, schaue ich dem weiteren Verlauf des Einkaufs relativ gelassen entgegen.

Wir beginnen das Unternehmen „Handtaschenkauf“, strategisch nachvollziehbar, im obersten Stockwerk: An den unmöglichsten Plätzen und Verstecken, gibt es in dieser Abteilung eine reichliche Auswahl verschiedener Handtaschen, in allen nur erdenklichen Farben und Größen. Ich folge meiner Frau in sicherem Abstand, um nicht aufdringlich zu erscheinen und sie nicht aus den Augen zu verlieren. Sie geht mit frischem Elan zielstrebig auf die ersten Taschen zu, wiegt sie in der Hand, prüft das Leder und die Einteilung, hängt sie sich probeweise links, dann rechts über die Schulter, tritt prüfend vor den nächsten Spiegel, um sie der Reihe nach dann wieder in die Regale zurück zu stellen. Nach einiger Zeit haben wir auf diese Weise das oberste Geschoß ineffektiv durchforstet. Mit ungebrochenem Jagdfieber begeben wir uns auf Beutesuche im dritten Obergeschoss: Das Angebot ist verblüffend vielfältig. Taschen über Taschen stehen in größeren und kleineren Regalen. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Taschen gesehen. Es entwickelt sich in mir die abstruse Vorstellung, dass es nicht genügend Frauen geben könnte, um sie alle zu kaufen. Möglicherweise kann dies aber nur einem Mann einfallen. Meine Frau hingegen schreitet wieder kurz entschlossen auf die Taschen zu: Große und kleine, rote und braune, schwarze und weiße, Einkaufstaschen und auserlesene Objekte für die »Dame von Welt«. Es mögen an die Hundert Taschen gewesen sein, die sie prüfte, um sie dann wieder an ihren Platz zu stellen. Meine Enttäuschung hält sich immer noch in Grenzen. Ich betrachte es aber als meine fürsorgliche Aufgabe, warnend darauf hinzuweisen, dass es kaum ein anderes Geschäft in dieser Stadt gebe, dass ein ähnlich umfangreiches Taschen-Sortiment anböte. Sie möge daher die Hoffnung nicht aufgeben, fündig zu werden. Dieses Hinweises hätte es nicht bedurft, denn wir befinden uns
mittlerweile im zweiten Obergeschoß. Und wie es das Schicksal will: Es gibt Taschen in allen Variationen. Mir sind ähnliche Objekte in dieser Reichhaltigkeit früher gar nie aufgefallen. Wo hatte ich bloß meine Augen? Wir nehmen wieder mit Regalen Kontakt auf, längere, kürzere, hohe und niedrige, alle prall gefüllt mit Taschen. Mich überkommen erste Schwächegefühle und ich setze mich auf einen der Stühle in der Nähe meiner Frau. Wenn ich gelegentlich bemerke, dass sie eine Tasche besonders ausgiebig betrachtet, erhebe ich mich, um sie mit einem vorsichtigen Rat beim Kauf zu unterstützen. In der Regel bedarf es einer solchen Schützenhilfe nicht, denn wenn ich es wage, eine Tasche chic zu finden, kann ich nahezu sicher sein, dass sie unweigerlich ins Regal zurückwandert. überrascht mich nicht mehr sonderlich, auch im ersten Obergeschoss, reichlich Taschen zu sehen. Innerlich seufze ich bereits: »Nichts als Taschen, wo soll das noch enden?« Zusehends nähere ich mich der Belastungsgrenze. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich dabei, die Taschen schon doppelt zu sehen. Die Taktik meiner Frau bei der Wahl eines Objekts, scheint mir inzwischen ausreichend klar: Tasche anschauen, Einteilung und Leder prüfen, Farbe auf sich wirken lassen, gelegentlich Tasche links, dann rechts umhängen, vor den Spiegel treten, die Tasche wieder ins Regal zurückstellen. Langsam dämmert es mir, sie könne möglicherweise gar nicht so recht wissen, was sie kaufen will. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass sie diese Tatsache irgendwie störe. Eher beginne ich mich selber ein wenig verlassen zu fühlen. Sie scheint nur noch Augen für Taschen zu haben. Stellen Sie sich einmal vor, zu welchen ehelichen Belastungen es führte, wenn ich über diesen Zustand klagte. Ein guter Engel und langjährige Erfahrungen mit Frau und Töchtern, bewahrt mich vor solchem Missgeschick. Ich trabe daher, etwas verdrossen, stumm wie ein Fisch, hinter meiner Frau her. Es geht noch ein Stockwerk tiefer. Ich glaube, mich trifft der Schlag! Da ist sie, »die Spezialabteilung für Damentaschen«. Ich nehme alle Kräfte zusammen, um mit meiner Frau, wie zu erwarten, ineffektiv noch einige Regale nach der Methode: Anschauen und Zurückstellen, nach einer geeigneten Tasche durch zu stöbern. Dann gebe ich mich geschlagen und sage: Ich kann nicht mehr; ich brauche frische Luft!« Ein etwas überrascht, enttäuscht-kritischer Augenaufschlag meiner Frau ist die Antwort. Dann großzügig, als litten Männer chronisch beim Einkauf unter Konditionsschwierigkeiten, die Absolution mit der Frage: »wo treffen wir uns?« Ich kenne nur das Cafe in der Nähe des Schlossplatzes. Wir vereinbaren, uns dort zu treffen.

Mit raschen Schritten verlasse ich das Kaufhaus, schildund erhole mich auf der belebten Königsstraße bei einem Akkordeonisten, der seinem Umhängeschild nach, in Russland schon verschieden Preise gewann. Er spielt hervorragend Stücke von Bach und Händel. Ich komme etwas zur Ruhe. Beim Gang zum Treffpunkt bin ich aber bereits so auf Taschen fixiert, dass ich es auch ohne Frau nicht lassen kann, ein kleines Fachgeschäft zu betreten, um dessen Angebot zu prüfen. Mein Blick fällt auf ein interessantes „weißes Stück“. Ich wage es, nach den aktuellen Erlebnissen beim Einkauf zu vermuten, dass diese Tasche meiner Frau gefallen könnte. Ich sitze im Café: Es herrscht Hochbetrieb. Die Bedienungen kommen kaum nach. Einige Tische sind unappetitlich mit leerem Geschirr vollgestellt. Mit Mühe halte ich einen Platz für meine Frau frei. Endlich! Sie kommt mit kleinem Gepäck – ohne Handtasche. Die Enttäuschung ist ihr ins Gesicht geschrieben. Die leeren Teller und Tassen auf den Tischen im überfüllten Café sind auch nicht geeignet, sie aufzuheitern. Wir nehmen einen Drink. Ich setze zu einem letzten Versuch an, die Stimmung zu retten,nd erweise mich als ein interessierter Taschenjäger. Ohne Überheblichkeit, wie nebenbei, gebe ich zu verstehen, dass ich in Ihrer Abwesenheit dem kleinen Fachgeschäft nebenan einen Besuch abstattete, mit dem Verweis, wir sollten diese Option nicht auslassen. Ein müdes Lächeln zunächst, dann aber wieder dieser »Taschensuch-Blick« in den Augen meiner Frau. Ich habe ins Schwarze getroffen. Wir bezahlen, verlassen den ungastlichen Raum, und steuern gemeinsam das Fachgeschäft an. Eine überaus freundliche Verkäuferin nimmt uns in Obhut. Meine Frau sucht die Regale ab und zieht auf Anhieb, ich traue meinen Augen nicht, sie zieht »meine weiße Tasche« aus dem Regal, prüft das Leder, die Form, die Einteilung, hängt sie links und rechts um, fragt mich schließlich, ob sie mir gefalle? Ich halte mich aber mit aller nur erdenklichen Anstrengung zurück, mich zu äußern, in der Hoffnung, jetzt hat sie es. Bei der nachfolgenden Szene hätte ich in den Boden versinken können, hatte ich doch alles vermeintlich richtig eingefädelt. Meine Frau aber gibt der Verkäuferin eindeutig zu verstehen, die »weiße Tasche« habe zwar einen gewissen Charme. Sie habe sich aber eine braune Tasche gewünscht. Das war es dann. Meine Frau lehnt sich bei der Rückreise sichtlich erschöpft in den gepolsterten Sitz zurück. Ich bin nicht so sehr müde, eher verärgert; sind es doch nur noch Stunden bis zu ihrem Geburtstag. Wo bekomme ich denn nun eine Tasche her? Finstere Gedanken verfolgen mich. Was hat uns diese Reise in die Stadt gebracht? Es geht mir immer wieder durch den Kopf, braun muss sie sein, – und sie wird auch eine braune Tasche bekommen, aber nach meiner Einkaufsmethode!

Anderntags befinde ich mich in unserem Schuhgeschäft in Backnang und sehe zu meiner großen Überraschung in der Auslage die »braune Handtasche« wie für meine Frau gemacht, und dazu noch recht preiswert. Hinein! Ich lasse mir die Tasche zeigen, prüfe das Leder, die Einteilung, hänge sie probeweise rechts, dann links über die Schulter, trete vor den Spiegel und kaufe sie. Der Verkäuferin gebe ich diskret, aber bestimmt Einblick in meine Seelenlage und sage: »Wenn meiner Frau diese Tasche nicht gefällt, dann gibt es Schuhe!« Ich behalte mir das Umtauschrecht vor. Sie werden es nicht fassen, mir ging es genau so. Ich präsentiere am Geburtstag stolz mein Geschenk und meine Frau äußert begeistert: » Genau so habe ich mir die Tasche vorgestellt «. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Können Sie mir erklären, wie es dazu kommt, dass ich die Absichten meiner Frau errate?

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