#Vater #Sohn und #Heiliger #Geist. Wir machen #Pause um DICH zu loben zu rühmen und DIR für alle #Gaben in dieser #Welt DEINER #Heiligen #Kirche in der wir nach DEINEM #Willen im #Reich der #Gerechtigkeit und des #Friedens leben zu danken. #DEUS #Kirche pic.twitter.com/dTisZ0Blrk
— Franz Schwald (@FranzSchwald) April 3, 2023
Einigung
Der Herr
Schenkt
alles was
ER ist so
werde ich
Christ
Und alles
was ich bin
und habe
werde IHM
und Euch
zur Gabe

Karfreitag
Der Schöpfung
aller Menschen
Not wandelst
DU durch
DEINEN Tod
In Licht ach
HERR DEIN
armes Herze
bricht

Der Birnbaun
Kein Laut ist zu vernehmen an diesem Morgen. Mensch und Natur gönnen sich eine Auszeit. Nichts stört das Schweigen. Die Stille erfasst auch mich. Durch die kahlen Bäume sind deutlich die verschlafenen Nachbarhäuser zu sehen. Es fehlt jede Spur eines Windhauches Tief am Horizont, hinter Wolkenbänken versteckt, lässt die neblig leuchtende Sonne, die Konturen entlaubter Bäume kräftig hervortreten. Ihr schräges Licht fällt in unser Wohnzimmer, zaubert edlen Glanz auf die silberne Teekanne und belebt ab und zu im Spiel mit dem Schatten unsere Wohnung. Wie im Rahmen eines Bildes, richtet sich vor mir, beim Blick durch das Fenster, majestätisch der hohe, ausladende Birnbaum auf. Er steht an der Grenze unseres Grundstückes zur Klinge hin, die uns immer frische Luft zufächert. Nur die Birke mit ihrem weißgrauen, schartigen Stamm, ist annähernd gleich hoch. Die schlanken Fichten zu ihrer Seite lassen lediglich an den überreifen krummen Zapfen die Jahreszeit erkennen. Sie legen keinen großen Wert auf Veränderung und halten jahrein, jahraus, an ihren dunkel- und hellgrünen stacheligen Zweigen fest. Zu Füßen des Birnbaums reihen sich, der Grenze entlang, wie Kinder im Reigen unsere Büsche. Im Gegenlicht, tritt die Schönheit unseres Birnbaums besonders deutlich hervor. Fest verwurzelt, Wind und Wetter trotzend, teilt sich der kräftige Stamm im formenreichen, bizarren Spiel, bis ins zarte äußerste Geäst. Wie eine Skulptur in ihrer nackten Schönheit, steht er entblättert vor meinen Augen. Staunend frage ich mich, welcher Künstler dieses vielgestaltige Astwerk auch nur annähernd darstellen könnte. Nun ist mehr als deutlich zu erkennen, dass er schon lange, wer weiß wie lange, seinen Platz behauptet, denn eine grüngraue Moosschicht bedeckt an der Wetterseite den kräftigen Stamm und die stabilen Äste bis hinauf in den Wipfel. Erhaben, stolz, steht er in seiner stillen Würde auf dem ihm eigenen Boden. Nur ab und zu bekommt der Birnbaum Besuch von einer Elster und einem Sperling. Dann zittern die Zweige aufgeregt bei der Landung, und winken den Freunden beim Abflug leise nach. Wenn ich unseren Nachbarn in einer gedachten Linie umgrenze, ist unschwer zu erkennen, dass er ein wahrer Birn- und kein Apfelbaum ist. Wer wollte ihm diesen Anspruch streitig machen? Er war vor uns da. Seit einiger Zeit dürfen wir uns an seinem übers Jahr wechselnden Liebreiz erfreuen: Im Frühling hüllt er sich in ein weißes Blütenmeer, im Sommer spendet er Schatten, im Herbst einen unerschöpflichen Reichtum an Früchten. Danach zeigt er uns seine markante Statur. Er wird den Herbstwinden trotzen, diesen Winter überstehen, und uns in unterschiedlicher Gestalt auch im nächsten Jahr an die Beständigkeit in aller Veränderung erinnern. Vielleicht freut sich unser stummer Freund ein wenig darüber, wenn wir ihn nicht übersehen, und davon erzählen, wie reich er uns beschenkt. Wir dürfen mit seiner Verschwiegenheit rechnen. Er wird alle Worte in seinem „Herzen“ bewahren, und hoffentlich auch die Menschen erfreuen, die nach uns kommen.

Der alte Mann und die Frau
Gelegentlich begegne ich dem alten Mann, der aufrecht und nachdenklich seinen Weg geht.Seine erkennbaren körperlichen Beschwerden, scheinen ihn nicht besonders zu beeindrucken. Blickt er mich mit seinem von Falten zerfurchten Gesicht, der markanten Nase, dem energischen Kinn und den leicht abstehenden, auf Empfang gestellten Ohren freundlich an, empfinde ich Sympathie und Respekt. Seine fragenden, zugewandten Augen, in denen Güte, Weisheit und Kraft aufleuchtet, fesseln mich immer wieder. Manchmal wirkt er, wenn er ruhig und bestimmt vorwärts schreitet, mitgenommen. Es entsteht aber nie der Eindruck, als könne er in schwierigen Zeiten seine Ziele aus den Augen verlieren. Mit einem Wort: Der alte Mann fasziniert mich. Er scheint ein gutes Herz zu haben. Bei unseren Begegnungen kann ich mich immer ein wenig an ihm aufrichten. Seine Erscheinung ermutigt ohne Worte. Ab und zu wirkt er in sich gekehrt, als ob ihn viele Gedanken bewegten. Ich frage mich immer mehr, was ihn beschäftigt, aus welchen Quellen er lebt und handelt, welche Ziele er verfolgt? Er könnte sicher manche Geschichte aus seinem Leben erzählen. Vielleicht lässt er sich bei unserer nächsten Begegnung ein wenig in seine Seele blicken?
Es überrascht mich nicht sonderlich, den alten Mann, der mich auf meiner Wanderung beschäftigt, nach einer Wegbiegung in der Ferne wirklich zu sehen. Wir sind offensichtlich in der gleichen Richtung unterwegs. Mir wäre es nie in den Sinn gekommen anzunehmen, es könne ihm in seinen Sportschuhen an Tempo gelegen sein. Im Gegenteil. Heute wirkt sein Gang beschwerlicher als sonst, müder aber nicht kraftlos. Langsam, als sei jeder Schritt kostbar, geht er mit Hilfe von Stöcken vorsichtig voran. Der Rücken könnte ihm Beschwerden bereiten. Ab und zu wandern seine Blicke in die umgebende Natur, die gerade jetzt, im Frühjahr beginnt ihre volle Kraft zu entfalten. Die Felder, Wiesen und Wälder stehen stolz in ihren farbenfrohen Gewändern. Ich kann beobachten, wie der Alte die emsigen Bauern freundlich grüßt. Er scheint mit ihnen ebenso vertraut zu sein, wie mit den Vögeln, der wärmenden Sonne,dem plätschernden Bach, und den Blumen und Gräsern am Wegrand. Der alte Mann scheint sich die Zeit zu gönnen, um all die Gaben der Natur mit ihren vielfältigen Stimmen, dankbar zu genießen. Es ist unvorstellbar für mich, ihn zu einer rascheren Gangart bewegen, zu wollen, denn das könnte ihn ja bei seinen „Beobachtungen“ stören. Ganz sicher würde er, eine solche Aufforderung ruhig und bestimmt mit der Bemerkung ablehnen, dass er schon oft in gleichem Schritt und Tritt gegangen und angehalten wurde, Tempo aufzunehmen, und dies nun getrost den Jungen überlas-sen könne. Wenn ich seine, trotz des höheren Alters durch trainierte Gestalt vor mir sehe, legt sich der Gedanke nahe, dass ihm Sport und Bewegung von Kindesbeinen an vertraut sind. Es würde mich gar nicht überraschen, wenn er mir ruhig und stolz erzählte, dass er auch heute noch jeden Tag Gymnastik treibe. Ob er Sportgeräte in seiner Wohnung hat? Überhaupt, wo und wie er wohnt, beginnt mich zunehmend zu interessieren. Ich halte ihn offen gestanden auch für einen Geistessportler und kann mir gar nicht vorstellen, dass er zu Hause nur vor dem Fernseher sitzen könnte. In solchen Gedanken befangen, kommen wir beide uns auf unserem Weg näher. Es fällt mir immer wieder auf, dass der alte Mann im Gegensatz zu den vielen Frauen, die mir unterwegs begegnen, wenig daran interes-siert scheint, sich ein attraktives jugendliches Aussehen zu geben. Er trägt, wie so oft, eine Cordhose und ein leichtes, blaues Wollhemd. Die locker das Haupt umspielenden, leicht schütteren weißen Haare, harmonieren gut mit Blau. Heute lächelt er mich besonders einladend an. Dabei treten seine Lebensringe, die Gesichtsfalten besonders deutlich hervor. Wie viele Jahre mochte er auf dem Buckel haben? Obwohl die Oberlieder der Augen nach Unten drücken, behindern sie seinen freimütigen Blick nicht. Wird es heute zu einem Gespräch kommen? Ich war mehr als bereit dazu. Das zugewandte Antlitz ließ einiges erwarten.
Ich lasse die leichte Beklemmung und Unsicherheit, die mich, als wir uns auf Augenhöhe begegnen befällt, beiseite und grüße in der mir möglichen Offenheit mit einem freundlichen »Grüß Gott!«. Er wendet sich mir voll zu und antwortet mit sonoren Stimme: »Grüß Gott, ein wunderschöner Tag! Sie sind auch schon unterwegs, wie die Bauern auf dem Feld, die zu diesen Wiesen und Äckern gehören!« Ich hatte mich nicht getäuscht. Er hatte tatsächlich mit den Bauern gesprochen und scheint sie gut zu kennen. Offensichtlich kommt er auch mir sehr entgegen. Der alte Mann scheint sich auf ein Gespräch mit mir zu freuen und sich dabei gut zu fühlen. Seine Hände und Arme, sind von der Sonne gebräunt, das Gesicht leicht gerötet. Der Blick ist zugewandt auf mich gerichtet, als modelliere er meine Gestalt. Ich frage mich, wie alt er sei? Derjugendliche Scharm und die lebhaften Gesten, die seine Worte begleiten, erschweren es, mich auf eine Jahreszahl festzulegen.
Ich gebe es schließlich auf, zu rätseln, wie ein Gespräch zwischen einem mehr als ein halbes Menschenleben Älteren und mir verlaufen könnte, welche Regeln da zu beachten wären, und ob er an einem Gedankenaustausch mit mir Interesse haben könnte. Meinen ganzen Mut, die Distanz zu überbrücken, lege ich in die Worte: »Wirsind uns nun schon so oft auf diesem Weg begegnet und heute begrüßen sie mich besonders einladend, sodass ich mir erlaube, sie zu fragen, ob wir nicht ein wenig gemeinsam wandern könnten? Er schien meine Bitte erwartet zu haben und gab freundlich zurück: Er kenne mich auch nur vom Sehen, das müsse uns aber nicht hindern, miteinander ,zu wandern und zu plaudern. Ihm sei im Moment auch danach. Der Bann war gebrochen; nun konnte mich nichts mehr hindern mit dem alten Mann zu reden.
Er schlug vor, uns Zeit zu lassen, um das auch mir sehr vertraute Tal hinauf durch den Wald den Berg hinan, über Zell, wieder zurück nach Oppenweiler zu gehen. Ich gab mir Mühe, mich auf sein Tempo einzustellen. Es war nicht einfach für mich, da ich sehr wohl eine raschere Gangart gewöhnt bin. Er schien dies zu bemerken und sagte: »Ist es Ihnen unangenehm, langsam zu gehen? Ich fühlte mich ein wenig ertappt, sah aber keinen Anlass, etwas zu verheimlichen und antwortete wahrheitsgemäß: »Ich gehe zwar allein viel schneller. Um mich mit Ihnen zu unterhalten, könnte ich mich aber auf ihren langsameren Schritt gut einstellen«. Wir wanderten nun geruhsam den uns bekannten Weg zum Brückle und die Steigung hinauf in den Wald. Der alte Mann nahm mir die Bürde ab, das Gespräch zu beginnen, und verwies auf seine beiden Stöcke: Diese Hilfen benötige ich erst seit zwei Jahren. Nun wohne
ich mit meiner Familie seit 25 Jahren hier in Oppenweiler. Den Weg, den wir zusammen gehen, bin ich früher im flotten Tempo gerannt. Mir ist fast jede Grasnarbe am Weg bekannt. Ich hatte mir damals mein Laufpensum in Intervalle eingeteilt. Es war mir wichtig, den Weg möglichst in immer kürzerer Zeit zu bewältigen. Ich stieg auch gern auf mein Rennrad, vergnügte mich beim Schwimmen, Tennis-spiel und mit Wintersport. Gut, dass ich das alles kenne, denn von alldem ist heute nur die tägliche Gymnastik, und das geruhsame Wandern übrig geblieben.Es hat mich sehr gekränkt, als ich nach und nach alle die mir lieben Sportarten nicht mehr ausüben konnte. Nun bin ich so weit, Ihnen und denen, die schneller gehen oder rennen können, dies Vergnügen von Herzen zu gönnen, denn ich entdeckte, dass ich beim langsamen Gehen sehr viel mehr erleben kann. Erst in diesem Jahr habe ich all das, was auf einem gemütlichen Spaziergang geschehen kann, in einer Erzählung beschrieben. Der alte Mann kam so richtig in Fahrt, als er von seinen vielen Sportarten erzählte, die ihm offensichtlich früher Freude bereiteten. Er schien dabei gar nicht zu bemerken, dass uns beide mehr als ein halbes Menschenleben trennt. Dies ermutigte mich, ihm zu gestehen, dass ich mir bereits überlegt hätte, ob er sportlich interessiert sein könnte und dass ich mich schon länger frage, wie alt er wirklich sein könnte. Er gab mir zur Antwort: » Mit fünfundsiebzig Jahren habe ich meine berufliche Tätigkeit beendet und die Praxis abgegeben. Nun bin ich seit mehreren Jahren im Ruhestand, und ununterbrochen dabei zu lernen, mit der zur Verfügung stehenden Zeit sinnvoll umzugehen. Bei einer meiner mir sehr wichtigen Beschäftigungen, den Wanderungen um Oppenweiler herum, haben wir uns ja kennen gelernt. Wenn Sie wollen, dann schenke ich Ihnen gerne eine Erzählung von mir, damit Sie entdecken können, was dieser Weg mit dem Blick auf die „Reichenberg“ und über Zell zurück im Wechsel der Jahreszeit zu bieten
hat«. Ich war nun doch überrascht. Kaum zu glauben, dass dieser lebhafte und interessierte Mann schon weit über achtzig Jahre alt sein sollte. Für einen Moment wünschte ich mir selbst, dass ich einmal ebenso lebendig und bei Kräften sein dürfte, wenn ich so alt wäre. Ich gab ihm wahrheitsgemäß zur Antwort: »Ich hatte erwartet, dass Sie höchstens auf fünfundsiebzig Lebensjahre zu gehen. Umso erfreulicher sei es für mich, so miteinander reden zu können, als gäbe es keinen Altersunterschied zwischen uns. Ich spüre auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Ihrer Lebenssituation: »Seit Jahren bin ich in einem ständigen Lernen und stehe mit meinem Biologie- und Chemiestudium zur Zeit im Examen mit all seinen Unwägbarkeiten und den Problemen, die auch danach auf mich zukommen. Es gibt noch eine weitere Ähnlichkeit. Bei meinen zeitlich aufwendigen Studien komme ich selten zum Ausgleichssport. Es wäre schon viel gewonnen, wenn ich wie Sie, täglich gymnastische Übungen durchführte. Daher nehme ich mir jetzt wieder fest vor, für sportliche Interessen mehr Zeit einzuplanen, damit ich mir später den Vorwurf ersparen kann, etwas versäumt zu haben«. Das Eis war gebrochen. Das unterschiedliche Alter spielte nun keine Rolle mehr. Ich war wie befreit von einer Last. Der alte Mann hatte wirklich eine Fähigkeit, Distanz abzubauen, um ein offenes Gespräch zu ermöglichen. Er schien auch keine Scheu zu haben, mich als junge Frau ernst zu nehmen. Im Gegenteil. Er empfand offensichtlich Vergnügen dabei, mit mir Erfahrungen auszutauschen. Das nun spürbare Vertrauen erlaubte es mir, eine weitere Frage zu stellen: »Ich habe mehrfach beobachtet, dass Sie mit den Bauern auf dem Feld reden. Es schien so, als ob Sie deren Tätigkeit zu schätzen wüssten«. Er schaute mich wohlwollend an und erklärte: »,as wäre eine längere Geschichte. Wenn sie wollen, dann schenke ich Ihnen eine Erzählung, die davon berichtet, wie ich in den Kriegsjahren bei meinen Verwandten auf dem Hotzenwald die Arbeit in der Landwirtschaft in Feld und Wald rund ums Jahr kennen lernte. Sie haben richtig beobachtet, ich schätze die fleißigen Bauern unserer Umgebung sehr und lasse keine Gelegenheit aus, sie das spüren zu lassen. Kenne ich doch die Mühen und Liebe zur Scholle aus eigener Erfahrung. Dies gilt übrigens für alle „Werktätigen“ hier am Ort. Ohne die Menschen in den Betrieben Büros, der Verwaltung, im Gesundheitswesen und den Behörden, ohne unsere Lehrer, Mütter Putzfrauen und Müllmänner könnten wir nicht so leben, wie wir es heute gewohnt sind. Davon, schränkte er ein, steht aber wenig in den Gazetten. Und auch die Medien sprechen kaum von diesen Helden des Alltags, die sich engagiert in Staat und Gesellschaft einsetze Ich erschrak ein wenig bei dem Gedanken, dass so viele Menschen auch für mich tätig sind, an die ich bisher wenig gedacht hatte. Gab dann etwas betroffen zur Antwort: »Offensichtlich hatte ich Sie richtig eingeschätzt, denn ich bemerkte, wie freundlich Sie mit den Bauern sprachen. Dass Ihnen die vielen anderen Berufstätigen aber genau so wichtig sind, hat mich sehr berührt. Denn offen gestanden, darüber habe ich bisher wenig nachgedacht«. Der alte Mann verzog sein Gesicht zu einem gnädigen Schmunzeln und entgegnete: »Seien Sie unbesorgt, in Ihrem Alter, sie haben mir ja noch nicht gesagt, wie „jung“ Sie sind, machte ich mir über manches, was mich heut bekümmert, ebenso wenig Gedanken. Da hatte auch ich andere Interessen. Sie haben ja noch ausreichend Zeit vor sich, und sollten sich keine Vorwürfe mache«. Der alte Mann stand für mich plötzlich nicht mehr auf einem Sockel. Wir begegneten uns auf „Augenhöhe“. Er verlor zwar einige Lorbeer-blätter aus dem Kranz meiner Idealisierung, den ich ihm aufgesetzt hatte, gewann dafür aber umso mehr menschliche Züge. Es brauchte sicher einige Jahrzehnte, um nicht nur weiße Haare sondern auch diese Altersweisheit zu bekommen. Wie tröstlich für mich. Ich gab zur Antwort:
Fastenbetrachtung
Im Namen des Vaters des Sohnes und des Heiligen Geistes. O Gott, DU hast in dieser Nacht so Väterlich für uns gewacht. Wir danken loben preisen DICH für alles Gute gnädiglich. Bewahre uns auch diesen Tag, dass uns kein Leid geschehen mag. Öffne unsere Herzen und Sinne für DEINE herrliche Gegenwart in DEINEN Werken und im Wirken in uns:
Vor aller Zeit, in DEINER DREIFALTIGEN EINHEIT mit dem Sohn und dem Heiligen Geist, hast DU in DEINER unerforschlichen Liebe entschieden, dass es Menschen, Geschöpfe aller Art, den Kosmos und nach der Zeit, im Himmel bei DIR, ewiges Leben gibt. Täuschen wir uns nicht, und lassen wir uns nicht täuschen. Wir haben uns und das wunderbare Universum, in dem wir leben, nicht erschaffen, erkennen aber, dass es uns und diesen Kosmos gibt. Die Heilige Schrift und die Kirche belehrt uns aber, dass wir alles, was wir sind und haben, und was es auf Erden, und im Universum DEINER heiligen Liebe gibt, allein DIR, unserem Herrn und Gott verdanken.
Heilig, heilig, heilig bist DU, geliebter Vater, Sohn und Heiliger Geist. DIR allein gehören wir, als Söhne und Töchter. Hilf uns gnädig, dass wir DICH, unseren Herrn und Gott, für alles, was DU uns gewährst und schenkst, von Herzen kraftvoll mit allen Sinnen lieben. DU hast uns Brüder, Schwestern und Geschöpfe im Himmel und auf Erden, als unsere Nächsten, und Lebensgefährten zur SEITE gestellt. Gib DU Herr, dass wir Sie wie uns selbst lieben, und mit ihnen die Freude über DICH, und DEINE Gaben im Reich der Gerechtigkeit und des Friedens teilen.
DEIN allerheiligster Wille, Vater Sohn und Heiliger Geist, geschehe wie im Himmel DEINER selbst, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Lass nicht zu, dass wir die uns gewährte Freiheit missbrauchen und uns an DIR und unseren Nächsten versündigen. Schenke uns Mitleid mit DEINEM Sohn, der unserer Verfehlungen wegen, mit SEINEM Leben, Kreuzestod und Auferstehung bei DIR Sühne leistete. Nimm auch unseren Schmerz, und die bittere Reue über jede Abwendung von DIR, Allerheiligster, und alles Böse gegen unsere Nächsten und uns selbst gnädig an, und vergib unsere Schuld. Die Kraft des Heiligen Geistes komme über uns, helfe unserer Schwäche auf, und bestärke, heilige und erneuere uns, im Glauben Hoffen und Lieben. Heilige Maria, unsere und Jesu Mutter, ihr Heiligen, Seligen, Brüder und Schwestern, bittet für und mit uns, dass wir würdig werden der Verheißungen Christi, unseres Herrn und Meisters.

Die Hotzen und ihr Bischof
Zwei Jahre war ich wärend des letzten Krieges bei Verwandten auf dem Hotzenwald. Ich ging einen langen Weg von Giersbach nach Kleinherrischwand zur Schule, und war in einer gemischten Klasse mit Buben und Mädchen zusammen. Das Lernen fiel nicht schwer, so dass ich mich gut zu behaupten verstand. Dies umso mehr, da uns als Lehrerin, eine hübsche, freundliche Elsässerin unterrichtete, in die ich mich jungenhaft verliebte.
Mit der fleißigen und frommen Bergermutter war ich täglich zusammen. Sie erinnerte mich an meine Großmutter, die ich nach deren Tod oft schmerzlich vermisste. Sie hielt mich an, und ich ging gerne mit ihr zu den Gottesdiensten in die Kapelle in Giersbach, und in die Pfarrkirche nach Herrischried. Gelegentlich gab es im Berger-Haus eine “Notschlachtung“. Der Pfarrer wurde dann reichlich bedacht. Ein Stück Butter, frisches Fleisch und Geräuchertes, hatte ich im Pfarrhaus abzuliefern. Zu meiner größten Verwunderung besaß die Köchin auch mitten im Sommer noch Weihnachtsgebäck, um den Träger zu entlohnen.
Ganz deutlich tritt nun die hagere, leicht nach vorn geneigte, große Gestalt, das von Falten zerfurchte Gesicht mit dem energischen Kinn, den lebhaften, gütigen Augen, und dem leicht gewellten, schlohweißen Haar, der Herrischrieder-Pfarrer, aus dem Strom der Erinnerungen hervor. Die Bauern nannten ihn liebevoll „ihren Hotzenbischof“. Stolz trug er seinen Römerkragen, und war unentwegt bemüht, seine weit zerstreute Gemeinde bei Wind und Wetter zu betreuen. Die Bergermutter führte das Familien-Privileg, die Geistlichen zu verköstigen, wenn sie wöchentlich in der Kapelle Gottesdienst hielten, gern und getreulich fort. Sie war dabei immer ein wenig aufgeregt, richtete die Stube fein her, deckte den Tisch mit dem schönsten Geschirr und bediente den hohen Herrn mit besonderer Sorgfalt. Der Bergervater zog sich indessen immer etwas verlegen zurück, um ein Zusammentreffen mit dem Pfarrer zu vermeiden. Mich wunderte es als Junge sehr, wie es kommen konnte, dass die Bergermutter mitten im Krieg in der Lage war, Bohnenkaffee anzubieten, und weshalb es nötig war, der guten Milch noch zusätzlich Sahne hinzu zu fügen. Jedes Jahr in der Fastenzeit war das Patrozinium. An diesem Tag wurde den Geistlichen eine Torte mit violettem Zuckerguss serviert. Pfarrer Rombach wusste sicher nichts davon, dass ich, während des Frühstücks der Herren, beim Melken im Stall fast verzweifelte, bei der Vorstellung, dass der Pfarrer und ein zusätzlicher Vikar mir nichts mehr von der Torte übrig lassen könnten. Ich bekam aber zu meinem Trost noch ein großes Stück ab.
Es war eine kleine, fromme Gemeinde, die sich zu den wöchentlichen Gottesdiensten in der schlicht eingerichteten Kapelle in Giersbach einfand. Hier war ich, ganz dicht hinter dem Priester, dem heiligen Geschehen besonders nahe. Ich folgte den Gebeten und Handlungen mit großer Aufmerksamkeit, und sehe den Pfarrer in seinem römischen Messgewand vor mir wie er, andächtig ergriffen, seinen Rücken beugt, die Einsetzungsworte spricht, die konsekrierte Hostie zur Anbetung hoch hält, die Kommunion austeilt, und uns den Segen spendet. Alles geschah in beeindruckender Würde und Feierlichkeit, und die wenigen, kräftigen Stimmen, schenkten Geborgenheit, und fülten den Raum im gemeinsamen Gotteslob.
Auf Pfarrer Rombach konnten wir uns verlassen. Er kam bei jeder Witterung zu Fuß. In einem besonders strengen Winter, bei hohem Schnee und Nebel, gab es einmal eine große Aufregung, als der Pfarrer ausblieb. Einer rasch zusammen gestellten Rettungsmannschaft gelang es schließlich, ihn zu unserer Freude wieder zu finden, und gesund nach Giersbach zu bringen. Pfarrer Rombach genoss wegen seiner seelsorgerischen Pflichterfüllung, und den Kontakten zu dem ihm Anvertrauten, als fürsorglicher Vater und Freund, hohes Ansehen. Er ließ es sich nicht nehmen, soweit es seine Kräfte erlaubten, mit anzufassen, um der Berger-Familie bei der Heuernte zu helfen. Man fand ihn dort bei den Frauen, denen er half, das Heu mit dem Rechen zu Maden zusammen zu ziehen.
In den Kriegsjahren war es Pfarrer Rombach nicht gestattet, in der Schule zu unterrichten. Wir trafen uns daher in einem der Schule nahe gelegenen Bauernhaus. Er stand mit lebhaften Gesten in der einfachen Stube. Wir Buben und Mädchen scharten uns, dankbar und stolz, auf Wandbänken und Stühlen um ihn. Anschaulich, bildhaft, lebendig und einprägsam, erklärte er uns die Glaubensgeheimnisse, und erschloss uns die Schrift. Er bewirkte durch seine Standhaftigkeit, dass auch wir ermuntert wurden, unseren katholischen Glauben zu lieben, und in einer Zeit zu bekennen, in der die damaligen Machthaber dies nicht schätzten. Gerade in den Kriegsjahren scharten sich nicht nur die Gläubigen um ihren „Hotzenbischof“. Mutig leistete er in der Kraft seines Auftrags und Glaubens, den Nationalsozialisten entschiedenen Widerstand. In der Pfarrkirche donnerte er von der Kanzel: „Ich bin ein Soldat Gottes, und ich weiche nicht von der wahren Lehre ! “. Die Gestapo saß im Kirchenschiff und stenographierte seine Predigt mit, wagte aber nicht ihn zu verhaften. Dies hätte einen Aufstand gegeben unter den Katholiken, denn Pfarrer Rombach hatte einen großen Rückhalt in der ganzen Bevölkerung.
Gelegentlich halte ich das Sterbebild des „Hotzenbischofs“ stumm in meinen Händen, der nach einem treuen und erfüllten priesterlichen Leben in einem violetten römischen Messgewand in seinem Sarg liegt. Er hat seinen Frieden beim Herrn wahrlich verdient. Dem aufrechten und treuen Priester, Pfarrer Rombach, schulde ich schon länger eine Geschichte, in der lebendig werden sollte, was mich mit Ihm, dem Hotzenwald und den Menschen dort verbindet. Dieses Versprechen mußte ich einlösen!

Ewige Liebe
#Gott unser #Vater #Sohn und #Heiliger #Geist DU ewig gegenwärtige #Liebe in und mit Allem. Erbarme DICH vergib und segne uns und Alles in #Zeit und #Ewigkeit. Hochgelobt und gebenedeit DU Herrlichkeit. #DEUS #Kirche #Corona pic.twitter.com/6aAaC6RKgE
— Franz Schwald (@FranzSchwald) March 31, 2023

Das Kreuz
O Herr es
geschehe
Am Kreuz
DEIN Licht
Auch wenn
mein Herz
bricht

Der Kreuzweg unseres Lebens
In schmerzlichen Trennungen von lieben Menschen, beim Leiden unter den Grenzen unseres Daseins, in Angst, Schuld und Einsamkeit, hat es mir oft die Sprache verschlagen. Aber auch im Verstummen blieb noch die Hoffnung, dass Gott der Herr, unsere Klagen hören, und alles zum Guten wenden könne. Ich kenne jedoch auch Situationen, in denen mich der Schmerz so gefangen nahm, als gäbe es nur mein überwältigendes Leid. Jeder Mensch erfährt wie ich, in seinem Leben unausweichlich sein eigenes Kreuz. Wir Christen dürfen darauf vertrauen, dass uns der Herr in allem beisteht und uns hilft, die Last zu tragen. Vielleicht möchte uns der liebende Gott durch Kreuz und Leiden auch nur von ungeordneten Strebungen befreien. Ich kann mir Gott den Herrn, der seine Schöpfung für gut befindet, nur als „deus caritas est“ vorstellen. Mich erschreckt zutiefst, dass wir der Versuchung erliegen könnten, unser Kreuz, das uns mit Jesus Christus verbindet, zu verleugnen. Dies wäre das reine Entsetzen, ein Abweichen von Gottes Wegen, um Götzen zu dienen.
Wohin uns die Anbetung fremder Götter nach „unserem Bild und Gleichnis“ führen kann, das ist auch in unseren Tagen auf vielfache Weise zu beobachten. Scheint doch die Verweltlichung und Abkehr der Menschen von Gott wie allgegenwärtig. Wir können das uns auferlegte Kreuz im Zerbrechen von Beziehungen, bei gegenseitiger Entwürdigung, im Leid, Elend und all unseren Grenzen im Alltag hautnah erleben. Wie wohl tut es dann, wenn Christen bei einander wohnend, sich die Hand reichen, das Mögliche unternehmen, sich gegenseitig trösten, und Gott unsere Not klagend, um Sein Erbarmen anrufen. Wie nötig ist doch im Leid das tröstende Wort, die bergende Hand, oder ein verständnisvolles Schweigen. Dass auf diese Weise manchmal ein Stück Himmel auf Erden, Gottes Reich wahrer Liebe ein wenig aufleuchten kann, durfte ich in der Arbeit als Psychotherapeut und in anderen Begegnungen mit Menschen gelegentlich erfahren. In solchen Situationen kann man dann erkennen, was es bedeutet, wenn einer der anderen Last trägt.
Das ist aber für uns Christen noch nicht die ganze Wahrheit. Denn aus allem Scheitern und Leiden erwächst ja auch immer wieder neue Hoffnung, Vertrauen und Liebe zu einander und zu Gott unserem Vater. Er vermag in uns die Barmherzigkeit, und das Mitleid für einander zu erwecken, dessen es bedarf, um Sein Reich des wahren Friedens aufzubauen. Unser Herr und Meister Jesus Christus geht uns auf diesem Weg voran, und lehrt uns IHM mit unserem eigenen Kreuz zu folgen. Dabei kann es geschehen, dass wir manchmal mehr unser eigenes, und nicht so sehr Jesu und Gottes Leid sehen und beklagen. Wer aber vermag zu ermessen, was der Herr an physischer und psychischer Gewalt bei SEINER Kreuzigung, und durch die Ablehnung SEINER Liebe und Sendung, für uns gelitten hat? Wie sehr muss Gott, unser Vater, menschlich gesprochen. immer wieder leiden, wenn wir IHM die kalte Schulter zeigen, als müssten wir einen Störenfried aus unserem Leben beseitigen. Gott aber lässt trotz allem, nicht ab von SEINER Liebe. Mit offenen Armen geht ER immer wieder auf uns zu, oder trägt uns wie ein verirrtes Schaf, auf Seinen Schultern ins Reich des Friedens zurück. Das Kreuz und Leid in unserem Leben erinnert uns immer wieder daran, wie nötig wir den Herrgott brauchen. Lassen wir daher vom göttlichen Winzer alle ungeordneten Strebungen in uns beschneiden, damit der wahre Gott, der Gegenwärtige, uns im Kreuz und der Auferstehung Seines Sohnes begegnen, und im Heiligen Geist trösten, beleben und stärken kann. Aller Willkür und dem Spott ausgeliefert, fragt uns der Herr vom Kreuz herab, ist einer da, der Mitleid mit mir hat. Ich sage: Ja mein Herr und mein Gott „ adsum“. Immer wieder habe ich schwer darunter gelitten, wenn man DIR, einem meiner Brüder oder Schwestern ein Leid zufügte. Erbarme DICH meiner, erbarme DICH unser. Ich höre wie von fern DEINE Worte „heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein“. Lassen wir Kreuzträger diese tröstenden Worte Jesu, tief in unsere geschundenen Herzen dringen. Welch ein Jubel, welch ein Trost für uns alle.
Bleiben Sie im Segen!
Ihr Franz Schwald aus Oppenweiler
