WORTE GOTTES

Von Kindheit an, lange bevor wir sprechen können, hören wir Geräusche, Töne und Worte: Wenn die Mutter den Tisch deckt und die Teller klappern, dabei ein Lied singt oder mit den Geschwistern spricht, fühlen wir uns in dieser vertrauten Umgebung, sicher und geborgen. Wir lernen mit der Muttersprache, die Bedeutung von Worten und Sätzen. Mit dem Spracherwerb erweitert sich unser Horizont: Wir verstehen Zusammenhänge besser, sind in der Lage, Phänomene von einander zu unterscheiden, und uns in zunehmend komplexeren Kontexten zu orientieren. Nun ist es möglich, uns über unsere Wünsche und Grenzen, über Begriffe, Ziele, Ereignisse und Vorstellungen mit anderen Menschen zu verständigen. Mit Worten erweitern wir nicht nur unser Wissen, sondern klären auch unsere Beziehungen zu Dingen und Menschen. Worte können uns beruhigen, trösten, wie ein »heile Segen! « oder verunsichern, erschrecken und ängstigen.

In unserer Zeit, in der wir mit vielen Worten und Mitteilungen überschüttet werden, ist es besonders wichtig, zu erkennen, welche Weltsicht, in den unterschiedlichen Sprachfamilien tradiert wird. Wenn wir uns gegenseitig verstehen wollen, gilt es, den Dialekt von der Hochsprache, die Alltagssprache von der Fach- und Fremdsprache, zu unterscheiden. Dabei ist es erforderlich, zu berücksichtigen, ob wir uns mit Hilfe der Sprache über empirische und historische Befunde, über Kunst, Literatur und Musik oder über philosophische und religiöse Themen unterhalten. In einem lebenslangen Prozess gilt es sich mit dem, was wir hören, auseinander zu setzen, um sprachliche Inhalte, die uns täuschen, verwirren, schaden können, von denen zu unterscheiden, die hilfreich, richtig und wichtig für uns sind. In hartnäckigen Diskussionen begegnen uns oft zwei Auffassungen, als handle es sich dabei um »feindliche Brüder«, die nicht zusammenfinden können:

Die Naturwissenschaften, die weitgehend von der Vorstellung ausgehen, wir könnten mit geeigneten Methoden alles erforschen, und mit hoher Wahrscheinlichkeit das, was gültig, richtig wahr ist, von
dem unterscheiden, was falsch und zu verwerfen sei. Sie betrachten die Frage, warum es sie und ihre Forschungsgegenstände gibt, als irrelevant. Ausgeblendet werden meistens auch die Fragen, ob alles was erforscht werden kann, noch zu bezahlen, sowie ethisch und sittlich zu vertreten ist. Der immer spezifischere Blick empirischer Wissenschaften auf ihre Disziplin, führt schließlich dazu, dass es im Laufe der Zeit immer weniger Spezialisten gibt, die sich in ihren Fachgebieten noch auskennen. Die ganzheitliche Betrachtung der Lebenskontexte hingegen, schwindet. Im Interesse von uns allen und der Forschung, ist es daher auch heute unverzichtbar, dass die in den Geisteswissenschaften tradierte Frage: »Warum gibt es das alles und nicht nichts?«, und damit der Blick auf das »Ganze« nicht verloren geht. Es mag die empirischen Forscher zwar enttäuschen, wenn ihr Anspruch, das Maß aller Dinge zu sein, bestritten wird. Um die unantastbare Würde des Menschen als Person, seine Stellung und Verantwortung im gesamten Lebenskontext des Makro- und Mikrokosmos zu verstehen, muss aber über seinen Gestaltungsspielraum und die Grenzen, über seine Macht und Ohnmacht, über Leben und Tod, die in allem waltenden Geheimnisse und seine Sehnsucht nach Vollendung in Gott gesprochen werden.

Worte und Sätze sind eingebettet in sprachgeschichtliche Kontexte, von denen her sie ihre Bedeutung bekommen. Das gilt sowohl für die Natur- als auch für die Geisteswissenschaften. Beide Betrachtensweisen sind unentbehrlich und bedürfen gegenseitiger Ergänzung. Dies umso mehr in einer Zeit, in der man vielfach davon ausgeht, eine geisteswissenschaftliche Erforschung der Phänomene erübrige sich. Es gilt daher, immer wieder neu, in den geschichtlichen Epochen aufzuzeigen, dass die unterschiedlichen Standpunkte Schaden nehmen müssten, wenn sie nicht durch die jeweils andere Auffassung ergänzt und bereichert würden.
Wir müssen leider feststellen, dass bei einem unheimlich anmutenden Wachstum an Wissensbeständen, die Fähigkeit der Menschen, zur kritischen Analyse der Meinungsvielfalt, eher zu schwinden scheint. Hinzu kommt, dass die Sensibilität für den Reichtum an sprachlichen Ausdrucksmitteln, und damit die Bereitschaft zu kultiviertem Sprechen und Hören abnimmt. Differenziertes Hören und Verstehen von Worten und Sätzen im jeweiligen Sprachkontext, und die Fähigkeit, sich adäquat auszudrücken, sind aber notwendig, wenn beispielsweise Worte und Sätze in philosophischen, theologischen oder religiösen Kontexten, wenn letztendlich »Worte Gottes«, sinngemäß verstanden werden sollen. Die Pflege der Sprache als Medium, um deren Bedeutung und Wandel in theologischen und religiösen Inhalten, vom Gebrauch in anderen Sprachspielen zu unterscheiden, können wir durch einen Vergleich der Überlieferungs-Traditionen beobachten. Auch die Katholische Kirche und deren Verkündigung, sind nicht abgeschottet vom normalen Leben, führenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, und deren prozessualen Veränderungen: Wir können das besonders deutlich an dem Bild ablesen, das sie vor, während und nach dem zweiten Vatikanum darbot. Unser gütiger Papst, Johannes der XXIII, würde sich schon ein wenig wundern, wenn er sehen könnte, dass das von ihm angestoßene Aggiornamento nicht nur ein lindes Frühjahrslüftchen, sondern auch manchen Wirbelwind auslöste. In unserem Zusammenhang werden wir uns aber auf den Gebrauch der Sprache beschränken:

Vor dem zweiten Vatikanum, war es noch weltweit gängige Praxis, die Eucharistie in lateinischer Sprache zu feiern. Der Priester zelebrierte in dieser Ordo, nach Osten gewandt, mit dem Rücken zur Gemeinde. Wer als Glaubender verstehen wollte, was er sagte, musste Latein beherrschen oder sich als Übersetzungshilfe, des damals üblichen »Schott´s«, bedienen. Lediglich die Predigt gab Aufschluss darüber, was im Kirchenjahr, gerade jetzt, gefeiert wurde. Vom sprachlichen, Zugang zu den Texten abgesehen, blieb dann immer noch die Schwierigkeit, den Inhalt der Aussagen richtig zu verstehen. Nach dem zweiten Vatikanum, mit der Einführung der Volkssprache zur Verkündigung, konnten alle Gläubigen der jeweiligen Sprachregion, wie im evangelischen Gottesdienst, das »Wort Gottes« unmittelbar hören, und in der eigenen Sprache verstehen. Die Bedeutung der Sprache zum Mitvollzug der Liturgie und Verkündigung, wurde zudem in der Messe rituell mehr als bisher hervorgehoben: Der Priester trägt heute in der Regel, beim Einzug in den Kirchenraum, das Evangeliar hoch erhoben, über sich, und für alle Gläubigen sichtbar, zum Altar. Die Verehrung gilt, wie der
konsekrierten Hostie in der Monstranz, nun auch dem im Wort verkündigten, gegenwärtigen Herrn Jesus Christus, der uns immer wieder neu, wie den Emmaus-Jüngern den Sinn der Schrift erschließt.

Man kann die Heilige Schrift als eine historische Tatsache, was sie im Kern auch ist, beschreiben und verstehen wollen. Damit bleibt aber eine gewisse Distanz zur Botschaft Jesu und den Jüngern bestehen, die diese Botschaft anzunehmen lernten. Wenn man aber »Gottes Worte« als eine Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen aller Epochen, bis zum Ende der Zeiten versteht, erschließen sich, unabhängig von der verwendeten Sprache, immer wieder neue Aspekte: Ich erinnere mich, dass ich während der Gottesdienste, bei Vorträgen, oder gelegentlich beim Studium der Heiligen Schrift, so von Szenen ergriffen wurde, als wären sie für mich geschrieben. Die Worte gingen mir unter die Haut, direkt zu Herzen. Ich meine begriffen zu haben, warum mir in solchen Situationen, Textstellen so nahekommen. Es sind eben nicht nur Geschichten über Jesu Beziehung zu den damaligen Augen- und Ohren-Zeugen, die uns die Evangelien berichten. Wir hören nicht nur Erzählungen, mit einem historisch verbürgten Kern, wie es damals war. Der Sinn der Geschichten geht weit darüber hinaus! Beim betrachtenden Studium der Begegnungen Jesu, mit den damaligen Menschen, wird eine historische Distanz gerade zu überwunden. Es kommt dadurch zu einem geisterfüllten, lebendigen Dialog; zu einer Begegnung des gekreuzigten und auferstandenen Herrn mit Dir und mir. Zugleich werden die Menschen, die in der Begegnung mit dem Herrn zu Jüngern und Zeugen dieses Geschehens wurden, auch aus einer historischen Erstarrung befreit. In Ihren Begegnungen mit dem Herrn treten sie an meine und Deine Stelle. Du und ich, wir sind gemeint. Die Geschichten holen uns in die immerwährende Liebesbeziehung des Herrn zu uns ein. Wir beginnen von da her neu zu verstehen, warum uns die von der Kirche in unserer Sprache verkündigte frohe Botschaft immer wieder zu Herzen geht. Bei allem zeitlichen Abstand unseres Hier und Heute zum Dort und Damals, den ersten Begegnungen der Jünger mit dem Herrn, besteht im Heiligen Geist, eine uns immer wieder überwältigende Erfahrung, die uns Menschen von Heute ins Spiel bringt: Hierfür mögen einige Beispiel stehen: Maria sitzt an meiner Stelle und ich sitze mit Maria, dem Herrn zu Füßen, der versichert, sie habe, wenn sie das tue, den besseren Teil erwählt. Ebenso bin ich die geschäftige Martha, deren Fürsorge nicht zurückgewiesen wird, die aber lernen muss, dass die Liebe Jesu nicht verdient werden kann, sondern reine Gabe, reines Geschenk, und an keine Vorbedingung geknüpft ist. Wer kennt nicht den »Zachäus«, der auf einen Baum klettert, weil es ihn drängt, den Herrn sehen zu wollen, da er „klein“ von Gestalt ist. Und ER, der Herr, bemerkt ihn, holt ihn herunter, stellt ihn auf die Beine, und sagt ihm die schönen Worte, dass ER heute noch bei ihm einkehren wolle. Ich bin auf meine Weise auch der Schächer am Kreuz, der nicht zulassen kann, dass der mit uns gekreuzigte Verbrecher, den unschuldigen Herrn verspottet. Der darauf hin die Zusage erhält: »Heute noch wirst Du bei mir im Paradiese sein! « Auch diese Zusage des »heute noch« gilt uns, wenn wir nicht zulassen können, dass ER, der absolut GUTE, verspottet wird.
Ich komme aus einer St. Josefspfarrei: Jesus, Maria, Josef, die heilige Familie, und in der Nachfolge die »Katholische Kirche« weltweit, ist heute meine Familie, mein Zuhause. In dieser Kirche habe ich, mit
anderen Menschen zusammen, in der Feier der heiligen Geheimnisse und des weltumspannenden Gebetes, meinen Platz und meine »priesterliche Aufgabe«. In brennender Sorge bete ich mit unserem Papst, Franziskus, dass der Herr im Heiligen Geist unsere große Familie segne, bewahre und nach Gottes Willen zur Vollendung führe. Zu Johannes unterm Kreuz spricht ER: »Sieh da, Deine Mutter! Und zur Mutter Jesu: «Sieh da Deinen Sohn! « So bin ich auch die Gottesmutter, die alle Geheimnisse des Glaubens in ihrem Herzen bewegt und bewahrt, die den Gottes-Sohn zur Welt bringt, das Wachstum des Glaubens und das Wohl und Wehe ihres Sohnes bis unter das Kreuz und in die Geheimnisse der Auferstehung und Geistsendung begleitet. Sie, die Fürsprecherin und Mutter der Kirche, ich der Kirche in mütterlicher Treue verbunden. Ich bin ebenso Johannes, der unter dem Kreuz in Trauer und Schmerz verstummt und sich der Gottesmutter anvertraut. Es schmerzt, auch der verlorene Sohn zu sein, der alles durchbrachte, bis er sich nur noch von den Schoten, die man den Schweinen vorwarf, ernähren konnte. Der dann umkehrte. Den der Vater längst erwartete, um ihn in die Arme zu schließen. Der ein Mastkalb schlachten ließ und ein großes Fest feierte, weil er seinen Sohn wieder gefunden hatte.

Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen sollen, wie aktuell die Heilige Schrift, die Frohe Botschaft für mich und für uns alle immer war und bis zum heutigen Tag geblieben ist. Sie liegt längst in verschiedenen Ausgaben, als ein Trostbuch, eine Frohbotschaft, zu frommem Gebrauch auf meinem Schreibtisch. Wie sehr das Evangelium aber auch unsere Liebes- und Berufung geschichte mit dem über alles GELIEBTEN erzählt, ist mir heute wieder ein Stück weit deutlicher geworden. Herr erbarme Dich, so singen wir ab und zu im Gottesdienst. Dieser Bitte um Erbarmen, antwortet die Heilige Schrift. Sie ist die anschauliche, ewige Liebesgeschichte Gottes mit seinen Jüngern damals, und durch alle Zeiten, auch mit Dir und mir. Diese »Worte Gottes« übertreffen wahrhaft alle Vorstellungen.

Wandlungen

Höhen und Tiefen
Tage und Nächte
Lachen und Weinen
sich vereinen

Trennen und Binden
Geben und Nehmen
Hoffen und Bangen
finden zusammen

Schlafend und schaffend
träumend und wachend
gehalten vom Segen
Kräfte sich regen

Liebend gewoben im
Wandel der Zeit ein
trefflich Pilgerkleid

S´alti Bruckeschtuck

O Du mi liebs alt´s Bruckeschtuck
Du führsch mi in Gedanke z´ruck
und fangsch ganz lieslig a z´verzelle
vo alte Zitte, Burg und Wälle

Ganz schtill und friedli wird´s um mi
es könnt gar niene schöner si
und d´Sunne, Welle und die Rueh
und Wort um Wort vo Dir dezue

Gell hesch scho bessri Zitte cha
und schtosch jetz halt so nebe dra
de wötsch am liebschte wieder z´ruck
an alte Platz liebs Bruckeschtuck

De Altetail de fallt dr schwer
doch los »i halt die hoch in Ehr!«
Gang lueg halt nit so trurig dri
i will e wengeli bi dr si und
schwiege lose und verwiele
und luege wie dört Kinder spiele

Und bin i furt und hesch´s recht schwer
und isch mi Platz am Bänkli leer
gell Bruckeschtuck dann ruefsch mer halt
und wenn i cha dann chum i bald

Wege zu einander

Dankbarkeit

Kohelet sagt, dass alles im Leben die ihm eigene Zeit hat. Lebenserfahrungen brauchen ihre Zeit zur Reife, die Bereitschaft und den Kairos, den rechten Augenblick, sie als Geschenk zu erfahren, um sie in die Person Mitte aufnehmen zu können. Lang und beschwerlich ist manchmal der Weg, um Einsichten zuzulassen, die unser Herz berühren. Ja es braucht seine Zeit und günstige Umstände, um zu erkennen, dass wir Erfahrungen mit allen Menschen auf Erden teilen, und den Mut gewinnen, einander zu vertrauen, zu trösten und zu begleiten. Dies gilt auch für intime religiöse Ereignisse. Nicht nur Pascal, Augustinus, und Paulus, sondern auch wir alle erleben unsere schweren und großen Stunden. Wenn uns die Gnade Gottes ergreift, dann kann die Freude am Herrn wachsen, und uns zur Erkenntnis führen, wie sehr unser aller Vater um unser Heil besorgt ist. Wenn uns die Liebe Gottes aufrichtet und zum Handeln befähigt, lichtet sich unser lähmendes Dunkel, und wir erleben im Geben und Nehmen, dass sich alles was uns trägt und umgibt, gut anfühlt, sodass sich unser Mund wie von selbst zum Lobpreis öffnet.

Wir begegnen, begrüßen umarmen und reden miteinander über alles, was uns im Leben begegnet oder schweigen, und geben einander die Hand, wenn uns die Worte fehlen. Es gibt aber auch unser Bedürfnis, Erfahrungen in Arbeit, Familie, Gesellschaft und Politik, in Muse. Sport, Musik, Kunst, Kult und Gebet, miteinander zu teilen. Alles, was uns Menschen im Inneren, Äußeren und im Religiösen begegnet, kann dazu führen, den in allem innewohnenden Segen zu entdecken. Geschieht dies in beseligenden Momenten, dann fühlt sich alles gut an, entzieht sich der Segen dann kann das zu einer tiefen Krise führen. Aber Grenzen, Krisen ja selbst Leiden, Angst und Schuld und unser ständiger Begleiter, der Tod, können Gottes Segen nicht völlig zerstören. Wir dürfen darauf vertrauen, dass auch die satanische Gewalt in erschreckenden Formen, nicht das letzte Wort des Lebens ist. In hohen Stunden dürfen wir zu unserem Trost und zur Ermutigung erkennen, dass sich alles, was Gott in Seiner Weisheit und Güte erschaffen hat, gut anfühlt.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.

Heimet

I bin e Badner Bueb
isch des nit mehr als gnueg
o Du mi Heimetland
liegsch mer im Bluet

Du bisch wie goldne Wi
un au mi Sunneschi
des Glückes Unterpfand
mi Land am Rhy

Und bin i fern vo Dir
Du bisch ganz g´wiß in mir
au wo i gang und stand
e Schtuck vo Dir

Schteck mir als Bad´ner
Bueb e frohes Lied an
Huet gang mit Dir Hand
in Hand und blieb dir guet

Ansicht von Rheinfelden(Schweiz)

INITIUM SAPIENTIAE TIMOR DOMINI

In goldenen Lettern grüßen jeden Besucher, die über der Pforte der Heimschule Lender in Sasbach bei Achern geschriebenen Worte „INNITIUM SAPIRNTIAE TIMOR DOMONI“. Im Anfang der Weisheit ist die Ehrfurcht Gottes. Das angegliederte, leider nicht mehr bestehende,“Spätberufenenseminar St. Pirmin“, habe ich zu weiteren Studien vor nunmehr 56 Jahren verlassen. Die Worte berühren aber alle Menschen, die in Kenntnis ihres Wissens und Nichtwissens in ehrfürchtigem Staunen, den aller Wirklichkeit und Erscheinungen zugrunde liegende Schöpfer, den wir Christen in Einheit mit dem Sohn und dem Heiligen Geist, als Gott und Herrn verehren. Verneigen wir uns vor dem „ICH BIN DER ICH BIN“, dem herrlichsten, ewigen, höchsten, liebsten Geheimnis allen Lebens im Himmel und auf Erden, um SEINER selbst Willen in großer Freude.

Denn wir sind nicht von einem imaginären Schicksal aus dem Nichts in ein nebulöses Dasein geschleudert, sondern, wie die Heilige Schrift bezeugt, als Geliebte Gottes, in SEINER wunderbaren von IHM erschaffene Welt, in das geheimnisvolle Universum SEINER Liebe, ins Dasein berufen. Ehre, Ruhm und Herrlichkeit sei unserem Vater, dem Sohn und Heiligen Geist, allezeit und in Ewigkeit. Denn ER, der Allmächtige, gewährt der Schöpfung, wie uns die Genesis berichtet, im Mikro- und Makrokosmos Leben in Fülle. Unser Herz und alle Sinne jauchzen, loben und preisen den Herrn und Gott, der dem Erdkreis und allen Bewohnern Leben verleiht, den Triaden der Sterne am Firmament ihre Bahn weist, vor dem selbst die himmlischen Heerscharen ihre Knie beugen. Wir dürfen unserem Schöpfer vertrauen, dass ER die Macht hat, alles Böse zu besiegen, und SEINEM Werk bis in die ewige neue Schöpfung Bestand verleiht.

In SEINEM Sohn, der im Heiligen Geist aus Maria, der erwählten Jungfrau geboren, unter Pontius Pilatus, wie die Schrift bezeugt, unserer Sünden wegen gekreuzigt, gestorben, und am dritten Tag von den Toten auferstanden ist, ist uns die Wahrheit, das Heil und der Weg zum ewigen Leben gegeben. In den Himmel aufgefahren, sitzt ER zu Rechten des Vaters, um im Heiligen Geist unter uns zu wohnen, und wenn ER dereinst wieder kommt, alle Lebenden und Toten zu richten. An SEINEM heiligen Leben und Wirken haben wir als Söhne und Töchter SEINER Kirche, im Reich der Gerechtigkeit und des Friedens, Anteil. Das kostbare Erbe des Mitleids, Erbarmens und der Vergebung unseres Gottes, der Glaube, die wunderbare Hoffnung und Liebe, die im Heiligen Geist im Evangelium und Dienst der Kirche bezeugt ist, soll durch uns bis an die Enden der Erde zu allen Geschöpfen gelangen.

Bitten wir daher den Heiligen Geist und unseren wunderbaren Vater im Himmel, durch SEINEN Sohn, auf die Fürsprache Marias. um allen Segen. der im Willen Gottes möglich ist, in den Belangen der Kirche und Welt, um Einheit, Frieden und Gerechtigkeit, in den Anliegen jedes Bruders und jeder Schwester, aller Geschöpfe und in den großen Anliegen der Völker, um SEINEN Segen allezeit und in Ewigkeit.

Geborgen in Gottes Haus

Die kleine Orchidee

Hastig verlässt Iris heute Morgen das Haus, nimmt sie doch begeistert an Vorlesungen der Uni Stuttgart teil. Ich denke und fühle ihr nach. Offensichtlich hat sie den Zug noch erreicht. In aller Ruhe genieße ich das Frühstück und räkle mich behaglich in der momentanen Stille. Absichtslos wandert der Blick über die kahlen Bäume vor dem Fenster, an deren Äste Regentropfen im Licht glitzern, und zurück zu den Bildern und Möbeln unseres gemütlichen Esszimmers. Einige Herzschläge lang schließe und öffne ich die Augen, bin einfach nur da. Wie durch ein Wunder bekommt alles um mich Leben und Farbe. Bis in die Fingerspitzen pulsiert diese Erfahrung. Kann ich den Sinnen trauen, in Worte fassen, was sich mir zuträgt?

Ich sitze am ausladenden, ovalen Tisch im lichten Esszimmer; allein, aber keineswegs einsam. Oft saßen wir hier vergnügt bei Mahlzeiten und Gesprächen mit unseren Kindern, Verwandten, Freunden und Gästen. In der anhaltenden Stille drängt es mich, Gedanken und Wünsche fliegen zu lassen. Ich stelle mir vor, der Tisch würde größer und größer und alle Menschen, die uns lieb und teuer sind, fänden hier Platz, obwohl in Wirklichkeit nur wenige Stühle frei sind. Wohin würde mich die heitere Stimmung führen, wenn ich verzichtete, der Fantasie Fesseln anzulegen? Einer hübschen Orchidee, die uns Freunde zu Weihnachten
schenkten, gelingt es unvermutet, mein Interesse zu wecken. In deutlichem Kontrast zu der mit spärlichen Schneeresten behafteten, frostigen Umgebung, dem grau in grau, Wolken verhangenen Himmel, und den regungslos schweigenden Bäumen, zeigt sie am Ende des Tisches ihre ganze Pracht: Ein kräftiger, nur wenige Hände hoher Stil, verleiht ihr Halt. Formenreich dehnen sich die Triebe nach allen Seiten aus und präsentieren in einladendem Gelb, das in Goldtöne hineinspielt, schmucke, sternförmige Blütenstände. Der glänzende, grüne Übertopf, in dem sich schattenhaft die Umrisse des Esszimmers spiegeln, hebt kontrastreich, die Farben der Orchidee hervor. Einige dunkelgrüne, fettglänzende Blätter, die das schwache Licht der trüben Sonne reflektieren, verteilen sich seitwärts. Staunend begegnen wir einander für eine Weile, als könnten wir uns, wie zeitlos Liebende, in die Seele schauen.

Mein Vater kommt in den Blick: Ein Gemälde von seiner Hand, zwei Jahre nach meiner Geburt, im Stile Feiningers gestaltet, in hellgrauen, blau- und roséfarbenen Tönen, mit einem strahlenden Lichteinfall vom rechten oberen Bildrand, zeigt eine nordafrikanische alte Stadt, die sich um ein turmartiges, hohes Gebäude schart und dem abstrakten Gebilde einen festen Mittelpunkt verleiht. Schön, dass mir mein Vater im Bild gegenüber Gesellschaft leistet. Nachdenklich überlasse ich mich einem plötzlichen Einfall: Vorgestern waren es einundfünfzig Jahre, seitdem wir uns in der kleinen Apostelkirche am Friesenring in Münster das Eheversprechen gaben. Von da an begannen wir, begeistert, Biedermeier-Möbel zu sammeln. Jedes neue Stück musste zu unserer Einrichtung passen und bezeugt eine je eigene Erwerbsgeschichte. Die Möbel selbst verraten diese Geheimnisse nicht. Sie erfreuen aber jedes Auge mit ihren hell-braunen, leuchtenden Farben und der natürlichen Maserung ihrer Oberfläche. Ich sitze auf einem, der uns geschenkten Stühle, die mit
schwarzem Rosshaarbezug und kunstvollen, schwarz-gold-messing- dekorierten Rückenlehnen versehen sind. Mehrere, der zusätzlich im Raum verteilten Stühle dieser Art, warten geduldig auf Gäste. Zu Rechten, an der Wand, behauptet sich unsere Kommode. Auf ihr sind seit Weihnachten zwei Laternen zu sehen, die uns als Geschenke der Töchter, ins neue Jahr leuchten sollen. Daneben und auf dem Fensterbrett zur Linken, stehen weitere Orchideen in voller Blüte, Geschenke eines Freundes aus der Schweiz.

Über der Kommode hängt ein von meinen Schwiegereltern sehr geschätztes Ölbild, das sie lange Zeit begleitete und uns anvertrauten. Es stellt in grün-grau-bräunlichen Farbtönen, eine sich weit in den Horizont erstreckende, niederländische Landschaft dar. Der erdige Geruch des endenden Winters und die Kraft des Vorfrühlings sind zu spüren: Im Vordergrund wartet ein eiserner Pflug darauf, die Erd umbrechen zu dürfen. Einige wenige Schneeflecken, wetteifern in Weiß mit den ansonsten eher dunklen Tönen des Bildes. Links im Hintergrund versteckt sich ein Dorf. Der Kirchturm lässt dessen geistlichen Mittelpunkt erahnen. Das Bild erinnert mich an beglückende Stunden mit »Vati und Mutti«. Hinter mir steht die vertraute Vitrine, deren Scheiben den Blick auf das kostbare, weiß lasierte Service für die Festtage frei geben. Ich kann, ohne mich umblicken zu müssen, den neben der Türe zur Küche stehenden Biedermeier-Eckschrank und das ihn ergänzende, edle kleinere Schränkchen darüber, vollgefüllt mit Tellern und Tassen, erkennen. In Abwesenheit meiner Frau, stört es keineswegs, dass unser Frühstückstisch noch nicht aufgeräumt ist. Das momentane Durcheinander harmoniert nämlich sehr gut mit der, eine natürliche Ordnung ausstrahlenden, kleinen Orchidee. Alle Möbel im Esszimmer gewinnen zunehmend ein Eigenleben, werden zu Symbolen, die über sich hinausweisen: Obwohl der Orient-Teppich zu meinen Füßen, der Tisch und Stühle trägt, nicht nach Osten ausgerichtet ist, lädt er zur Besinnung ein. Einige Atemzüge lang, spüre ich den beruhigenden Rhythmus des Lebens, der, wie die am Ufer des Meeres versandenden Wellen, ewigen Gesetzen folgt. Die Hände falten sich unwillkürlich. Ich erahne den Segen des Augenblicks. Das Stundenbuch neben mir auf dem Tisch, das eben noch als Gebetshilfe diente, benötige ich nicht mehr. Es betet in mir. Tief bewegend, bahnt sich die Freude ihren Weg.

Ohne zu zögern, folge ich einer Eingebung und biete Gott-Vater, Sohn und dem heiligen Geist spontan die drei freien Stühle an. Gleichzeitig wundere ich mich über diese kühne Fantasie. Und gedrängt, von einer mich momentan leitenden Großzügigkeit, bitte ich auch die Gottesmutter, Petrus und Paulus, stellvertretend für alle, die mir im Glauben nahe sind, sich in unserem Frühstücks-Paradies zu mir an den Tisch zu setzen. Sie finden alle Platz. Engel jubeln bei diesem stillen Geschehen indes nicht laut, wie an Weihnachten, sondern wedeln nur leise und sacht mit ihren Flügeln. Einige Tränen besiegeln die Wahrheit dieser lichtvollen Erfahrung. Eine mir sehr vertraute Szene der Heiligen Schrift, gewinnt in dieser Situation tiefere Bedeutung: Als nicht die Jünger von Emmaus, sondern der Herr selbst, ihnen die Schrift erschloss, entbrannte deren Herz. Welch ein Trost!

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