Das Kreuz der Nachfolge

Ein in die Jahre gekommener Mensch hatte im Laufe seines Lebens viel erlebt, und mancherlei Leid erfahren. Wenn er sich umblickte, und er hatte klare Augen, konnte er erkennen, dass es den Anderen ähnlich ging. Das Herz wurde ihm schwer, wenn er sah, dass es weder ihm noch seinen Freunden möglich war, das Leid aus der Welt zu schaffen, so sehr sie sich dagegen stemmten. Wenn ihn dann manchmal der Kummer sehr niederdrückte, und ihm die Worte fehlten, um seinen Schmerz aus zu drücken, sank er, in sich gekrümmt, zu Boden und ließ seinen Tränen freien Lauf. Ohne es sich so recht eingestehen zu können, war er längst zu einem »Kreuzträger« geworden. Eigentlich war er ein ganz normaler Mensch, sozusagen einer wie Du und ich. Mit der Zeit gelang es ihm aber immer weniger, seine Not zu leugnen. Er ließ sich aber auch von anderen Lebensgefährten, die ihren Wohlstand vorführten, als könne ihnen kein Haar gekrümmt werden, nicht mehr so leicht täuschen. Hatte er doch im Alltag, und in seinem Beruf häufig erfahren, dass weder Reichtum, noch aufgeblähter Stolz, oder unentwegte Klage, die Menschen davor schützen können, Begrenztheit, Krankheit und Not, letztlich Kreuz und Tod zu erfahren.

Der Mensch, von dem in dieser Geschichte die Rede ist, ist einer von uns allen. Wahrlich kein schlechter, eher ein besorgter, nachdenklicher Zeitgenosse. Es gibt nicht sonderlich viele davon. Aber alle geht es an, was er zu sagen hat: Er kauerte im Laufe der Zeit nicht mehr so oft in sich gekehrt am Boden. Nein! Dieser Mensch richtete sich immer wieder auf, schaute umher, öffnete den stummen Mund und wagte es, mit und für alle anderen Gefährten über  ihre unabwendbare Not zu reden. Wenigstens klagen wollte er dürfen, wie unmenschlich schwer es manchmal war, das eigene Kreuz zu schultern und das der ganzen Menschheit mit zu tragen. Zu bekennen, dass Menschenkinder wahrlich keine Heroen, sondern bestenfalls Brüder und Schwestern sind, die im Gespräch mit einander Brücken der Liebe bauen. Manchmal saß er mit einigen von ihnen vor seinem Haus, und sie schwatzten über dies und das. Sie waren sich gut, und vertrauten einander ihre Freuden, Sorgen und Nöte an. Als hätten sie alle dasselbe Geschick und säßen zusammen in einem Boot, im Gespräch über die letzten Dinge. Obwohl sie kräftig ruderten, kamen sie nur wenig voran, hofften aber unentwegt auf günstige Winde, die ihnen  helfen könnten, ihr ersehntes Ziel zu erreichen.

Die Erdenbürger hatten schon lange angestrengt über sich nachgedacht. Viele Bände ihrer Erfahrungen und ihres Wissens, füllten die Regale der Bibliotheken. Sie lernten manches Nützliche für ihr Leben miteinander und von einander. In vielen klugen Büchern wurde auch von deren Vorfahren berichtet. Neben vielen Ereignissen war darin  auch die Rede von der Geschlechterreihe der Menschheit, von Völkern, die kamen und gingen, von Herrschern und ihrem Kampf und Streit um die Macht. Der Mensch, um den es auch hier geht, wusste davon. Es war ihm  klar, dass die meisten seiner Brüder und Schwestern, wie alles Lebendige und auch er, lieber leben als sterben wollten. Aber es dauerte einige Zeit, bis ihm ein Licht auf ging, und er redlicherweise zulassen konnte, was er erkannte. Er fand nämlich heraus, dass das Leben und der Tod, obwohl sie sich   deutlich unterscheiden, untrennbar zusammen gehören. Von Jugend an hatte er sich dem prallen Leben, oder dem was man gelegentlich darunter verstand, zugewandt. Er nahm an Freud und Leid der Mitmenschen teil und erwies sich so manchem Gefährten als ein treuer, hilfreicher Begleiter. Hatte er doch selbst auch von Anderen, die wie er das Kreuzzeichen auf der Stirn trugen, oft Nähe, Liebe und Tröstung erfahren. Mit allen Kräften hatte er sich aber immer gegen das Leid, gegen menschliche Not, und jegliche Ungerechtigkeit gestemmt. Oft stand er tief erschüttert, an der Bahre seiner Freunde.  Seine geweinten und ungeweinten Tränen wissen ein Lied von Ohnmacht und Trennung zu singen. Schwer lastete mit den Jahren die Fragwürdigkeit und Dunkelheit des menschlichen Daseins auf ihm. Er litt sehr darunter, und suchte ernstlich nach Wahrheit und Erleuchtung, um entscheiden zu können, was angesichts der unabwendbaren Grenzen, und des Endes, zu tun oder zu lassen sei. Und er kam zur Erkenntnis:  »Wenn es schon unmöglich sei, anstelle Anderer zu leben oder zu sterben, Kreuz und Tod aber unausweichlich wären, dann wolle er wenigstens ein froher Kreuzträger und Sterbender sein. Dann ging es aber auch nicht mehr, sich aus dem Staube zu machen, und die Verantwortung für sich und die Anderen einfach ab zu schütteln. Er hatte ja nun die vielen Menschen aller Zeiten im Blick, denen kein besseres Los beschieden war. Sein Gewissen ließ ihm von da an keine Ruhe mehr: Zu ihnen, den Brüdern und Schwestern, die vor ihm den Weg alles Irdischen gingen, musste er sich gesellen, und in deren lange Reihe treten. Allein beim flüchtigen Gedanken, es anders haben zu wollen, als seine Vorfahren,    überfiel ihn eine tiefe Scham. Nein, tausend Mal nein! Er wollte künftig auch bittere Wahrheiten nicht verleugnen und weder sich noch andere Menschen in diesen wichtigen Fragen täuschen. Fortan galt für ihn die Regel, jeden geschenkten Tag dankbar an zu nehmen, und in Ehren zu gestalten, um dann, wenn sein eigenes Leben dereinst zu Ende gehe, wie alle Menschen vor ihm, auch in Würde zu sterben. Der Mensch, der es hier wagt, über letzte Dinge zu reden, war sich bewusst, dass auch die Anderen, mit denen er das Dasein teilte, zum mindesten eine Ahnung von diesen Fragen hätten. Im Blick auf sie, wusste, er: »Alle Menschen und Geschöpfe wollen, wie er selbst,  lieber leben, singen tanzen und lachen«. Er nahm immer wieder bei passenden Gelegenheiten seinen ganzen Mut zusammen, um seine Lebensgefährten mit dem Todeszeichen auf der Stirn, zu ermuntern,  das Versteckspiel vor der Realität des Kreuzes und Todes aufzugeben.  Dann aber an Stelle dessen umso mehr, mit einander zu sprechen, zu suchen und zu prüfen, auf welche Weise ein fröhliches Menschsein, auch angesichts  des unabwendbaren Endes gehen kann. Die Frage lautete daher fortan bei ihm: »Wer geht mit mir, wer geht mit Dir, wer geht mit uns zusammen unseren Weg, aufrecht, ohne dass wir die Augen vor den Grundfragen unseres Daseins verschließen müssten?«

Längst hatte der Mensch, von dem hier die Rede ist, ja bemerkt, dass er nicht alleine auf der Welt war. Daher  bunkerte er sich nicht mehr ein, schaute mit klaren Augen durch das offene Visier um sich, und sah das Werden und Vergehen auch in der sprachlosen Natur. Als moderner Zeitgenosse, verfolgte er aber auch über die Medien, was in der weiten Welt geschah: Erdrückend türmten sich oft die Meldungen mit all dem Leid, Kreuz und Tod vieler Menschen, so vor seinen Augen, dass er den Kreuzweg der einzelnen Schwestern und Brüder gar nicht mehr erkennen konnte. Im besten Falle wurden die Menschen mit dem »materiell Nötigsten« versorgt. Wem aber konnten sie ihre Not und ihr Leid klagen, wer sprach mit Ihnen? Gab es für sie noch wahrhaftige Menschen, erfahrene Kreuzträger, die sie im Miteinander tröstend, wie gute Kameraden auf Schritt und Tritt begleiteten? Von solchen Gefährten hörte er wenig.

Der Mensch, um den es hier geht, einer wie Du und ich, hielt in seiner Ohnmacht Ausschau nach Rettung für sich und die Vielen. Er sehnte sich nach einem Ort des Friedens, und einem Helfer, der allzeit bereit und in der Lage war, Überforderungen, Lasten und Leid der Armen zu bergen, und den geplagten, endlichen Menschen, im Leben und Sterben Halt und Geleit zu geben. Er hatte sich sagen lassen, dass es da EINEN gebe, der die rastlosen und ratlosen Menschen liebe, deren Leid schultere, ihnen, wie ein guter Hirte seiner Herde, voran gehe, und durch SEIN Beispiel zeige, wie fröhliches Leben und würdevolles Sterben gelingen kann. Viele Male stand der  Mensch, von dem hier die Rede ist, in all seinem Elend verstummend, vor dem Familienkreuz an der Wand, vor dem schon seine Vorfahren dem Herrn ihre Not klagten: Es bestand durchaus Hoffnung, dass der Sohn Gottes, der für uns grausam am Schandpfahl endete, in der Lage sei, alle Menschen, die sich seiner Barmherzigkeit anvertrauten, wirklich zu trösten: Durch SEINEN Tod am Kreuz, so besagte die Kunde, werde alle Schuld und Not der Menschen getilgt. Mehr noch, die Macht des Todes werde endgültig gebrochen und durch IHN in ein Auferstehen zum ewigen Leben gewandelt. Wem sollte angesichts solchen Trostes, der auch der ganzen Schöpfung zugesprochen ist, nicht das Herz aufgehen?  Wie bitter muss es aber für den Sohn Gottes sein, wenn Trost suchende Menschen sich angesichts ihres eigenen Jammers von IHM abwenden, und SEINER göttlichen Barmherzigkeit nicht trauen. Der Mensch, von dem hier beständig die Rede ist, einer wie Du und ich, hatte ja erfahren, dass manche Erdenbürger das in sie gesetzte Vertrauen brachen. Umso größer könnten daher die Bedenken und Ängste sein, wenn es gelte, voll auf das Erbarmen Gottes zu setzen, und IHM alle Not aber auch alle Freude in der Feier der Eucharistie an zu vertrauen. Wie tröstlich wäre es aber dann für Hilfe suchende Menschen, wenn sie ihre Bedenken überwinden, und sich SEINER unendlichen Liebe, die er am Kreuz offenbarte, glaubend, hoffend, und liebend, voll anvertrauen könnten. Die Fülle des Heiligen Geistes würde ER über sie ausgießen, um sie zu befähigen, ihren Kreuzweg und dereinst auch ihren Tod, mit dem Kreuz und der Auferstehung des HERRN zu vereinen. Und das kann wirklich geschehen, denn der Herr, unser bester Freund, hat uns zugesagt, dass  ER uns alle Zeit nahe ist, und uns auch in den schwersten Stunden unseres Lebens zur Seite steht. Mögen die vielen  Christen, die vor uns durch die enge Pforte der Erlösung gingen, für uns bei Gott bitten, damit wir im Blick auf den geliebten HERRN, IHM folgend, glaubwürdige Zeugen SEINER Liebe werden. Der dreifaltige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist, segne uns, alle guten Gedanken, dieses moderne Märchen und unsere Bitten um Heil. Der gütige Gott, bewahre, Dich, mich, und alles Geschaffene in unserem Erdenleben vor allem Übel, und geleite uns dereinst in SEINE ewigen Wohnungen.

Gelobt sei Jesus Christus!

Das Kreuz der Erlösung

Berufung der Laien

Im diesem Teil unserer Betrachtung über Berufungen, werden wir zunächst dankbar, der vielen Katholiken gedenken, die es von der Geburtsstunde der Kirche an wagten, ihren Glauben zu bezeugen: Beim Zweiten Vatikanischen Konzil würdigten Papst,  Bischöfe und Kardinäle deren Dienst im „Dekret über das Apostolat der Laien“ und wiesen ihnen ein Spektrum an möglichen Aufgaben zu. Da die Rezeption dieses Textes als noch nicht abgeschlossen gelten kann, sollten wir uns erneut damit befassen, um die in diesem Dekret enthaltenen Anregungen zur Ausgestaltung des Apostolates der Laien zu nutzen: Auch im zwanzigsten Jahrhundert bedürfen Christen und alle Menschen der Liebe Gottes. Der Herr selbst lädt uns zum Festmahl der Gnade ein. An seinem Tisch stillt er unseren Hunger und unseren Durst nach Liebe. Hier erfahren wir immer wieder Stärkung im Glauben durch den Beistand des Heiligen Geistes. Aus der Gemeinschaft mit dem Herrn erwächst uns die Kraft, wie die ersten Jünger, mit einander in Eintracht und Frieden zu leben und Gottes Wort und Liebe bis in die letzten Winkel unserer Welt zu tragen. Möge der Herr uns hierzu segnen, damit auch wir, wie der Apostel Paulus sagen können, dass uns nichts von der Liebe Christi, Seiner Kirche und von einander trennen kann.

Das Studium des Evangeliums und der Apostelgeschichte zeigt uns,  dass in der Urkirche außer den Aposteln und Jüngern auch einige Frauen und Männer im Dienst der Liebe, als Glaubenszeugen an der Sendung der Kirche und der Weitergabe des katholischen Glaubens mit wirkten. Diese Berufung und Sendung gilt bis heute für alle getauften und gefirmten Christen. Als der Apostel Paulus Briefe an die »Heiligen« seiner Gemeinden schrieb, und wenn in unseren Tagen der Papst, die Bischöfe und Priester von Brüdern und Schwestern sprechen, dann zeugt dies nicht nur von Respekt gegenüber den Gläubigen, sondern weist auch auf eine in Jesus Christus begründete und beständig auf IHN bezogene, heilende Einheit von Klerus und Laien hin. Den vielen frommen und treuen Katholiken aber, von denen nicht oft die Rede ist, gilt nun unsere besondere, wertschätzende Zuwendung: Bei allen berechtigten Klagen über den heutigen Glaubensverlust und die Weltverliebtheit der Gläubigen, gibt es sie eben doch noch, die Treuen im Lande und in der Kirche. Es sind Christen, die der Forderung des Herrn, „dass alle EINS seien“ getreu, sich nicht spalten lassen. In der Liebe zum Herrn halten sie zusammen, was nicht getrennt werden darf. Sie teilen, wie die ersten Glaubenszeugen, Freude und Leid geschwisterlich, und bewahren den katholischen Glauben an den dreifaltigen Gott, unsern Herrn, und alles durch IHN Geschaffene. Auf „Laien“ dieser Art kann die Kirche stolz sein. Das Papstwort „DEUS CARITAS EST“ soll uns auch bei der Betrachtung des Apostolates der Laien leiten: Nicht nur in der jungen Kirche gab es, wie die Schrift bezeugt, eine nicht näher bestimmte Zahl von Männern und Frauen, die wie die Apostel dem Herrn folgten. Nach ihnen wurde der Kirche in ihrer Geschichte eine große Zahl gläubiger Laien geschenkt. Alle diese Glaubenszeugen, nahmen ihr Kreuz auf sich, um der Welt zu zeigen, was es heißt: „Salz der Erde zu sein“. Vor ihnen, den „Heiligen des Alltags“ verneigen wir uns respektvoll. Sie verdienen es, dass wir ihre Bedeutung für die Katholische Kirche, und die Weitergabe unseres Glaubens, erkennen und würdigen. Wir brauchen diese frommen und treuen Gläubigen auch heute, ebenso wie unsere Bischöfe und Priester. Unser Papst konnte sich bei seinem Besuch in Deutschland davon überzeugen, dass es neben Glaubensverlust und Weltverliebtheit, auch Treue zur Kirche, erfahrbare Einheit, und vorbildliche Glaubenszeugen gibt. Er besuchte ja nicht nur Orte von historischer Bedeutung, sondern auch Katholiken, die ihren Glauben in schweren Zeiten bewahrten und heute mit den Protestanten zusammen stehen, wenn es gilt, die christlichen Überzeugungen zu bekennen und zu verteidigen. Erinnern wir uns auch dankbar an die Christen, die uns in persönlichen Kirchen- und Lebenskrisen beistanden. Vielleicht bemerkt der eine oder andere Hörer, dass er selbst, ohne über seine spezielle Berufung, zu sprechen, schon lange, wie ein Glied am Leibe Christi, auch zu einem Glaubenszeugen, und Vorbild für andere Menschen geworden ist. Besonders in schwierigen Zeiten sollten wir darauf achten, diesen Schatz zur Weitergabe unseres Glaubens an die nächste Generation pfleglich zu behandeln. Denn wer könnte, gleichgültig. auf welchen Platz ihn der Herr stellt, auf lebendige Vorbilder verzichten, die ihm zeigen, wie Glauben geht. Wenn es allerdings um Arbeiter im Weinberg des Herrn geht, dann sollten wir nicht kleinlich sein. Denn wenn der BARMHERZIGE durch Seinen Sohn die Türen Seines Herzens unendlich weit öffnet, dann liegt es auch an uns heutigen Christen, suchenden, fragenden und hungernden Menschen, die Türen unserer Herzen weltweit zu öffnen. Wenn insbesondere die wahre Anbetung und Verherrlichung Gottes darin besteht, in der Nachfolge des Herrn, den Willen des Vaters zu erfüllen, dann gilt es, die Worte Jesu: »ut unum sint«, dass alle eins seien, unbedingt zu befolgen: Wir stünden dann nicht nur vor der Aufgabe, jegliche Spaltung unter gläubigen Christen zu überwinden, sondern auch den schwierigen Dialog mit den Weltreligionen und den Atheisten zu führen. Gelingende Einheit geschähe dann konkret, wenn Christen ihren Glauben vor den Menschen tatkräftig bezeugten. Wem hüpfte nicht das Herz in der Brust, als die vielen Katholiken, die sich zur Eucharistiefeier mit unserem Papst in Freiburg versammelten, zum Abschluss des Gottesdienstes das evangelische Kirchenlied, »Nun danket alle Gott…« sangen. Natürlich sind wir gläubigen Katholiken nicht farbenblind: Wir kennen die Fragen, Nöte und Klagen unserer Menschen um uns herum und teilen mit ihnen auch die Dunkelheit und Fragwürdigkeit unseres Daseins. Aber wir vertrauen auch auf den Beistand des Herrn, der uns seit zweitausend Jahren hilft und stärkt, wenn wir IHM beim Brotbrechen in der Eucharistiefeier begegnen. Genau dort, mit IHM, in IHM und durch IHN und nicht so sehr in Sondervereinigungen, erfahren wir beständig Gottes Liebe und Segen. Diese Liebe drängt und ermutigt uns, immer wieder nach neuen Wegen zu suchen, um der uns umgebenden, manchmal gottlos erscheinenden Gesellschaft die frohe Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus zu verkünden, und alle Menschen einzuladen, sich mit uns am Tisch des Herrn nähren, trösten und in der Aufgabe bestärken zu lassen, dass auch sie mit ihren speziellen Gaben zur Arbeit im Weinberg des Herrn gebraucht werden. Kann man es aber aufgeklärten Menschen noch zumuten, sich zur Mitarbeit in der katholischen Kirche rufen zu lassen, Gott, die Welt und die Menschen groß sein zu lassen, und die Fehler der Anderen und das mit vielen Flecken behaftete Pilgerkleid der Kirche mit zu tragen? Ich höre sie jetzt rufen, die vielen Kritiker: So etwas wäre unmöglich, ja gerade zu unmenschlich. Und dann werden die Beweise genannt: Menschen, die von ihren Aufgaben überfordert, ihrer Berufung untreu werden, der Kirche ihre homosexuellen Nöte verschweigen oder des Missbrauchs angeklagt werden. Ja, wir dürfen davor die Augen nicht verschließen. Derlei beklagenswerte Missstände gibt es. Sie berühren jeden aufrechten Christen schmerzlich, zumal auch viele Katholiken resignierend die Kirche verlassen, es den Orden und Diözesen an Nachwuchs mangelt, und Klöster und Kirchen geschlossen werden müssen. Die Medien sind, wie wir wissen, schnell bei der Hand, solche Zustände und menschliches Versagen zu beklagen. Das nicht so publikumswirksame stille Wirken vieler Gläubigen aber kommt seltener zu Wort. Wir Christen sollten es daher nicht versäumen, diese Informationslücke zu schließen und selbst, wie es auch in dieser Betrachtung geschieht, über die durch fromme Männer und Frauen empfangenen Wohltaten Gottes zu sprechen. In drei Bänden mit dem Titel „Geschichten und Gedanken“ habe ich mich hierzu näher geäußert.

 

Als erstes Ergebnis unserer bisherigen Untersuchung muss leider festgestellt werden, dass alle bisherigen Maßnahmen, den Glaubensverlust und den Mangel an Berufungen zur engeren Nachfolge auszugleichen, nicht ausreichen, um den uns geschenkten katholischen Glauben unverkürzt den nächsten Generationen zu vermitteln. Es stellt sich daher immer dringender die Frage nach den Ursachen, und wie eine effektive Abhilfe möglich wäre. Darüber und über andere Fragen der Glaubensvermittlung und Berufungspastoral wird derzeit in einem lebhaften innerkirchlichen Dialog geredet. Uns allen legt die Kirche ans Herz, nicht nur beständig um Berufungen zu beten, sondern gleichzeitig mit allen medialen Möglichkeiten um geistliche Berufungen zu werben. In dem abschließenden dritten Teil werde ich Ihnen einige Anregungen vorlegen, wie wir die mit dem Apostolat der Laien geschenkten Ressourcen an Berufungen besser nutzen könnten:

Anregungen zur Berufungspastoral von Laien

Ich möchte im Zusammenhang mit den Bemühungen der Kirche um geistliche Berufe, unsere Aufmerksamkeit noch einmal auf die zahlenmäßig bedeutende Gruppe gläubiger und fähiger Katholiken len-ken, die im kirchlichen Raum wenig in Erscheinung treten, jedoch als schweigende Mehrheit die Gestalt der Kirche entscheidend prägen: Man stelle sich nur für einen Augenblick vor, es gäbe diese Gläubigen nicht oder zunehmend noch weniger „Laien“, die sich an den Gottesdiensten und dem Gemeindeleben beteiligen. Welches Missverhältnis zwischen der Anzahl der zur engeren Nachfolge bestellten Kleriker etc. und den ihren Glauben bekennenden und praktizierenden Christen würde dann bestehen? Leider ist diese Situation heute schon dann Realität, wenn Priester mit ihren Ministranten nur mit wenigen Gläubigen zusammen Eucharistie feiern: Wenn wir die Kirchenaustritte und die zunehmend geringere Zahl katholischer Christen betrachten, die an den sonntäglichen und sonstigen Gottesdiensten in unseren Gemeinden teilnehmen, dann zeigt sich, dass unsere Kirchen trotz der Seelsorgeeinheiten und des Einsatzes von Priestern aus andern Regionen der Weltkirche, immer leerer werden. Wie wird das in der nahen Zukunft der nächsten zehn bis zwanzig Jahre und danach aussehen? Wir Gläubigen fragen betroffen nach Ursachen und Lösungen? Es gibt Vermutungen, dass der wahre Grund für die beschriebenen Phänomene zu nicht geringen Teilen, in einem Glaubensverlust, in säkularen und laizistischen Tendenzen in Gesellschaft und Kirche, und mit den im europäischen Raum seit längerer Zeit stärker werbenden Vertretern anderer Weltreligionen, und religiösen Gruppierungen zu suchen ist. Die unterschiedlichen, rivalisierenden Überzeugungen, bis hin zu atheistischen Vorstellungen, wirken auf Christen verunsichernd, und fordern in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zur Toleranz, zum Bewahren der eigenen Glaubensidentität, und zum Bekenntnis in der Öffentlichkeit heraus. Die Frage nach ausreichenden Berufungen, speziell den Aufgaben für das Apostolat von Laien zur Arbeit im Weinberg des Herrn, stellt sich der Katholischen Kirche in der gegebenen Situation deutlich anders als bisher. Damit verändert sich aber auch der Charakter der Berufungspastoral: Sollte es nämlich gelingen, durch eine veränderte Sicht das Wesen der Berufung, und den Bedeutungsgehalt des Tauf- und Firmsakramentes theologisch und katechetisch deutlicher zu fundieren und in der pastoralen Praxis zu verankern, dann könnte sich damit die berechtigte Hoffnung verbinden, zusätzlich zu den Berufungen im engeren Sinne, ein bedeutendes Potential an Berufungen geeigneter Frauen und Männer zum Laienapostolat zu gewinnen. Dabei bedürfte es keiner aufwendigen Organisation, sondern nur der Einbindung in die Aufgaben der Seelsorgeeinheiten als geistliche, spirituelle und liturgische Zentren vor Ort. mit der Option, dadurch auch die Gläubigen wieder mehr zum Gottesdienst um den Altar versammeln zu können. Es entstünden bei diesem Modell zur Ausschöpfung der Ressourcen an Berufungen, keine erheblichen Kosten, wie bei der zur Ordination von Diakonen und Pastoralreferenten geforderten vollen theologischen Ausbildung. Sofern eine ergänzende Schulung der Laienapostel nötig wäre, könnte diese mit relativ geringen Kosten bei den Katholischen Akademien angesiedelt werden. Ich möchte meine knapp gefassten Anregungen zum Thema Berufung der Laien noch mit einigen Bemerkungen ergänzen, die erkennen lassen, dass das vorgestellte Modell durchaus als Kirchen konform gelten kann. Wir können, wie zuvor ausgeführt, davon ausgehen, dass katholische Religiosität durch die ganze Kirchengeschichte hindurch, als Versammlung um den Altar, Stärkung durch Eucharistie und Gebet, Verbindung mit der Weltkirche, das Bemühen um Eintracht und Frieden, und als Sendung der Gläubigen zur Evangelisierung in deren spezifischen Lebens- und Aufgabenbereichen charakterisiert ist. Hierzu noch einige Hinweise: Im September 2010 organisierte der neu geschaffene Päpstliche Rat zur Neuevangelisierung eine internationale Konferenz der Länder des Westens. Vertreter von 33 nationalen Bischofskonferenzen sowie 115 geistlichen Gemeinschaften, Orden und Gruppen erörterten Strategien zur Glaubensverkündigung in einem religionsfernen Umfeld: Diesem Anliegen dienen auch die in unserer Betrachtung vorgestellten Überlegungen. Sie gehen aber von einer stärkeren Einbindung der Organisationsstruktur in die Liturgie und die unterschiedlichen Voraussetzungen der örtlichen Seelsorgeeinheiten aus. Sie stützen sich außerdem auf die im „Dekret über das Apostolat der Laien“ im Zweiten Vatikanischen Konzil gefassten Beschlüsse und Anregungen. In unserer heutigen Untersuchung zur Berufungspastoral von Laien ist unter Wahrung der kirchlichen Hierarchie an ein die Einheit wahrendes, sich gegenseitig förderndes und wertschätzendes Zusammenspiel des unterschiedlichen Apostolates von Klerus und Laien gedacht. Unter Aspekten des Berufungsmangels erscheint es mir allerdings erforderlich, die Bedeutung des Laienapostolates zur Neuevangelisierung und Glaubensvermittlung näher zu betrachten:

Die Aufforderung der Gläubigen an der Sendung der Kirche mit zu wirken, richtet sich unter den heutigen Bedingungen allerdings mehr denn je, an alle getauften und gefirmten Christen. Daher ergibt sich nicht nur die Sorge, ob wir genügend Berufungen zum engeren Dienst in der Kirche finden, die begleitet und gestützt werden müssen, damit sie später ein für sie sinnvolles Leben als Priester in der Verkündigung und Spendung der Sakramente für die Gläubigen führen können. Es muss darüber hinaus viel mehr als bisher beachtet und auch theologisch begründet werden, was das Apostolat der Laien bedeutet und wie künftig Gläubige und Klerus sich ergänzen sollten, um die zur Weitergabe unseres Glaubens nötigen Netzwerke zu entwickeln. Die Seelsorgeeinheiten an sich bilden ja nur einen aktuellen Rahmen, um auf Lücken in der Seelsorge reagieren zu können. Ob die seit längerer Zeit darüber hinaus anhaltende Diskussion um die Aufgaben unserer Priester in einer veränderten Gemeindestruktur ausreicht, um unseren Glauben zu verkünden, und ungekürzt an die nächste Generation weiterzugeben, ist fraglich. Ebenso wichtig erscheint es mir, nach Wegen zu suchen, um die oben angesprochenen Ressourcen von bereiten und fähigen, getauften und gefirmten Katholiken mehr als bisher einsetzen und in deren Bedeutung zur Weitergabe des Glaubens theologisch näher  bestimmen zu  können. Dabei geht es nicht um Diakone und Pastoralreferenten, die im Dienst der Kirche bestimmte Ausbildungsinhalte vorweisen müssen, um dann von der Kirche ordiniert und honoriert, spezielle Aufgaben zu übernehmen.Das „Dekret über das Apostolat der Laien“ des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt die Richtung vor: Dort wird im Kapitel 1(3) beschlossen: »Pflicht und Recht zum Apostolat haben die Laien Kraft ihrer Vereinigung mit Christus, dem Haupt. Denn durch die Taufe, dem Mystischen Leib Christi eingegliedert, und durch die Firmung mit der Kraft des Heiligen Geistes gestärkt, werden sie vom Herrn selbst mit dem Apostolat betraut. Sie werden zu einem königlichen Priestertum und zu einem heiligen Volk. (vgl. 1 Petr 2,4-10) geweiht, auf dass sie durch all ihre Werke geistliche Opfergaben darbringen und überall auf Erden Zeugnis für Christus ablegen. Durch die Sakramente, vor allem in der heiligen Eucharistie, wird jene Liebe mitgeteilt und genährt, die gleichsam die Seele des ganzen Apostolates ist. Das Apostolat wird in Glauben, Hoffnung und Liebe ausgeübt, die der Heilige Geist in den Herzen aller Glieder der Kirche ausgießt«. Die Berufung der Laien zum Dienst in der Kirche mit den je speziellen Gaben, die Verantwortung für unseren Glauben, und dessen Weitergabe, gilt daher uns allen. Der Herr ist gewiss immer bei uns. Auf IHN, der unser Weg, die Wahrheit und das Leben ist, der dem verlorenen Schaf nachgeht, Hungrige sättigt, Durstige tränkt, Blinden das Augenlicht schenkt, ja sogar Tote auferweckt, können wir uns verlassen. Gott können wir Gläubigen aber nicht unter Vorbehalt begegnen. Bei und mit IHM geht es ums Ganze. Nicht ohne Grund ist daher die Vorbereitung auf den engeren Dienst des Klerus in der Nachfolge des Herrn klar geregelt, und von anderen Diensten der Gläubigen in der Kirche unterschieden. Bei der eigentlichen Berufung aber zu einem Leben mit Gott in Glauben Hoffnung und Liebe in der Taufe gibt es diese Unterschiede nicht, denn Gott der Herr ist, wie wir glauben, die Liebe, DEUS CARITAS EST, wie Papst Benedikt XVI. nicht müde wird zu betonen. Von Seiner vollkommenen Liebe getragen und gesendet, sind auch wir Laien zur Mitarbeit im Weinberg des Herrn berufen. Wir können dem Herrenwort trauen, dass ER, wenn er uns ruft, nahe ist, im Heiligen Geist beisteht, und uns zu all dem, was ER uns zumutet auch reichlich Gnade und Segen spendet. Auch wir Laien sind aufgerufen, alles uns Mögliche zu unternehmen, um Spaltungen zu vermeiden, und Eintracht und Friede unter einander zu wahren. Unsere Priester können mit Hilfe und Wohlwollen von uns rechnen und auf uns bauen, dass wir sie unterstützen, wenn ihre besonderen Aufgaben ihnen manchmal zur Last werden. Vielleicht kann es sie trösten, dass auch wir Gläubigen von Gott lebenslang in Dienst genommene Berufene sind, die fest damit rechnen dürfen, dass die Priester und Ordensangehörigen auch ihre Last mittragen. Ist das nicht schön, Glied einer Kirche zu sein, in der einer der anderen Last trägt, und wir alle in Eintracht mit allem Geschaffenen für die Menschen bestellt, nicht nur in diesem Leben, sondern letztlich in alle Ewigkeit zur Liebe und Freude im dreifaltigen Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist berufen sind.

Nachwort

Es war mir ein Anliegen, zu verdeutlichen, dass die bisherigen Möglichkeiten, um die nötigen Berufungen zur engeren Nachfolge zu sichern, mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschöpft sind. Die Aufgabe, unseren Glauben zu verkünden, und an die nächsten Generationen weiter zu geben, ist dennoch unverzichtbar. Wir konnten in dieser Untersuchung nachweisen, dass von den ersten Christen an, in  der zweitausendjährigen Geschichte der Katholischen Kirche dankenswerter Weise, immer fromme, gläubige Frauen und Männer an der Glaubensvermittlung beteiligt waren. Deren Dienst wurde durch das „Dekret über das Apostolat der Laien“ im Zweiten Vatikanischen Konzil bestätigt, und der Rahmen für deren Aufgaben definiert. Im Versuch einer Rezeption dieser weniger beachteten Konzilsbeschlüsse, wurden Anregungen diskutiert, die bei einem erweiterten Verständnis der Berufungspastoral, beachtliche Ressourcen erkennen lassen. Diese Vorschläge müssten allerdings weiter untersucht und theologisch, katechetisch und organisatorisch präziser ausgearbeitet werden. Das vorgeschlagene Modell der Berufungspastoral ist durchaus kirchenkonform. Es würde den Austausch von Klerus und Laien verstärken, ohne die Grenzen zu verwischen. Das bestehende Konzept der  örtlichen Seelsorgeeinheiten würde als liturgische und geistliche Zentren aufgewertet. Der Einsatz berufener und geeigneter Laien, könnte an die örtlichen Bedürfnisse angepasst, kostensparend, in die bestehenden hierarchischen Strukturen der Kirche eingebunden, zu einem liturgischen Gemeindeleben rund um den Altar führen. Und wäre es nur ein Traum, aber so schön könnte unsere geliebte Kirche sein.

Gelobt sei Jesus Christus!

Geborgen in der Kirche
Einheit und Vielfalt

 

Betrachtung

Heute ist ein schöner Sommertag. Ich habe gerade versucht, ein wenig zu schlafen. Gestern bin ich spät, gegen ein Uhr zu Bett gegangen. Nach dem Erwachen, beschäftigte mich nur ein einziges Thema:      Das »Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit«. Ich konnte mich nicht von dem Drängen befreien, diesem Geheimnis Raum zu geben. Gestern habe ich noch in einem kleinen Büchlein geblättert, in dem darüber berichtet wird, wie sehr der heilige Ignatius  dieses Geheimnis betrachtete.  Ich versuchte danach in einem Gedicht auszudrücken, was ich nicht erfassen konnte. Es wollte mir aber nicht so recht gelingen. Unsagbar hilflos, wie geblockt und gehemmt, fühlte ich mich, vom Wichtigsten, vom Geheimnis der Betrachtung des dreifaltigen Gottes, etwas zu erzählen. Andererseits kenne ich aus meinem Leben viele Situationen, in denen ich ohne nach zu denken, spontan sehr glücklich war in einer tiefen Erfahrung, als ob Gott mir und ich IHM nahe sein könnte. Da die Worte versagen, ich aber mitteilen möchte, wie groß und erhaben ich die heiligste Dreifaltigkeit erlebe, versuche ich die damit verbundene, überwältigende Sehnsucht und Liebe, weder in einem Bild, noch auf andere Weise, zu berühren. Ich trete vielmehr einige Schritte zurück, lass Stille werden, verneige mich tief, damit sich -wenn Gott will-  ein Raum eröffne, in der Liebe der Liebe begegnen kann.

Geborgen in der Kirche
Einheit und Vielfalt

 

 

 

 

Berufungen

Es wird in unseren Tagen in der Kirche oft über einen Mangel an Berufungen geklagt: Gemeint sind in erster Linie die besonderen Berufungen zum Ordensmann, zur Klosterfrau, zum Priester oder Diakon. Die tieferen Ursachen dieses Zustandes werden in einem weit verbreiteten Glaubensverlust und einer der Kirche abgewandten Weltverliebtheit der Christen gesehen. Hier gelte es anzusetzen, um eine dringend nötige Glaubens- und Kirchenreform zu bewirken. Lassen wir uns bei diesen Fragen von dem schönen und inhaltsreichen Satz unseres Papstes Benedikt XVI., dass Gott die Liebe ist, „DEUS CARITAS EST“, leiten. Im ersten und zweiten Teil der Untersuchung werden wir uns mit Aspekten der Berufung zum Priester, Ordensmann oder Ordensfrau, und in  einem demnächst folgenden dritten Teil, mit dem Apostolat der Laien und mit Anregungen zur Berufungspastoral von Laien befassen.

Berufung zum Priester Ordensmann oder Ordensfrau

Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Katholische Kirche der Bundesrepublik, deren Missionare derzeit noch weltweit tätig sind, in unseren Tagen selbst der Mission bedarf. Derzeit profitieren wir, um unsere Seelsorge aufrecht zu erhalten, von Berufungen aus anderen Regionen der Weltkirche, in denen es noch genügend Priester gibt. Ob dieser Weg und das Konzept der Seelsorgeeinheiten auf Dauer dazu führen, den Glaubensverlust und Mangel an Priestern, Mönchen und Ordensfrauen aus zu gleichen, wird sich erweisen: Wenn heute Klöster ihre Pforten schließen, und Kirchen anderen Zwecken zugeführt werden, dann sind wir Gläubigen davon schmerzlich betroffen und fragen uns bestürzt nach den Ursachen. Es lässt uns ebenso wenig in Ruhe, wenn sich Christen in beachtlicher Zahl enttäuscht von der Kirche abwenden. Wir dürfen aber nicht einfach tatenlos bleiben, wenn sich unsere Reihen lichten und immer weniger Gläubige an unseren Gottesdiensten teilnehmen. Die schwindende Zahl von Katholiken, die dadurch geringeren Steuereinnahmen, bei gleichzeitig hohen Ausgaben für Personal und Einrichtungen, sind Realität. Dies führt notwendig zu Einsparungen und der Aufgabe, in allen pastoralen Bereichen Prioritäten zu setzen. Leider führten alle bisherigen Maßnahmen und strukturellen Veränderungen noch nicht dazu, dass genügend Priester und Mönche zum Dienst in der Seelsorge zur Verfügung stehen, um die Lücken zu schließen und die Weitergabe unseres Glaubens an die nächsten Generationen zu sichern. Erschwerend kommt hinzu, dass in unserer Gesellschaft antireligiöse Vor- und Werturteile Berufungen eher behindern: Unser Glaube wird gegenwärtig in der öffentlichen Meinung, wenn man von Berichten katholischer Journalisten und Nachrichten in den Medien über kirchliche Großereignisse absieht, als eher kraftlos und unbedeutend dargestellt. Auch der stetig schwindende Einfluss christlicher Vorstellungen in den politischen Diskussionen, sollte im Hinblick auf die öffentliche Meinungsbildung und die Berufungspastoral nicht unterschätzt werden. Was hat in dieser Situation zu geschehen?

Die Aufgabe, unseren Glauben mit Gottes Hilfe zu leben, und unverkürzt den nächsten Generationen zu vermitteln, bleibt unverzichtbar. Als Gläubige sind wir in Kooperation mit unserem Papst, den Bischöfen, Priestern, Diakonen und Pastoralreferenten berufen, unsere speziellen Gaben in den Dienst der Kirche für die Menschen einzubringen. In jeder Heiligen Messe werden wir von Gott im Glauben bestärkt und gesendet, um in unseren Seelsorgeeinheiten, in den Familien, im beruflichen Umfeld, in unseren politischen und gesellschaftlichen Kontakten,  die frohe Botschaft der Erlösung durch Jesus Christus zu bezeugen. Papst Benedikt XVI., der uns vor einiger Zeit in Deutschland besuchte, hat in seinen Predigten eindringlich auf die notwendige Erneuerung im Glauben verwiesen und gezeigt, was es bedeutet, „Salz der Erde zu Sein“: Wir sollten uns im Blick auf ihn, mit aller Kraft und Treue, deren wir fähig sind, zur Kirche bekennen, und in die öffentlichen Debatten einmischen. Unser Zeugnis ist mehr denn je gefragt. Das Bewusstsein, dass unser Glaube und dessen Weitergabe nicht allein unser Werk, sondern vor allem ein Geschenk des Herrn ist, bewegt Papst und Bischöfe, wenn sie uns Gläubige immer wieder auffordern, Gott unablässig zu bitten, uns fromme und demütige Diener zur Arbeit in Seinem Weinberg zu schenken. Wir dürfen aber im Blick auf die lange Kirchengeschichte auch fest darauf vertrauen, dass Gott unsere Bitten erhört und für Sein Volk sorgt. Warum sollte der Heilige Geist, der die Angst der ersten Jünger in Glauben und Vertrauen wandelte, uns heute nicht beistehen? Könnte insofern unser Zittern, Zagen und die gelegentliche Resignation nicht eher Ausdruck eines mangelnden Vertrauens in das Erbarmen des dreifaltigen Gottes sein? Er, der Herr, kann doch viel besser als wir alle zusammen ermessen, wie nötig wir Christen bis zum Ende der Zeiten Seinen Beistand und Trost brauchen. Halten wir daher fest: Bei all unseren Bemühungen um Lösungen bei den anstehenden Aufgaben, sollten  wir schädlichen Aktionismus und spaltende Alleingänge vermeiden, denn Gott wird uns allezeit das „Nötige“ gewähren. Wir haben demnach Gott gegenüber allen Grund, zu stetem Dank, Lobpreis und Vertrauen. Wie steht es aber um die vom Herrn angemahnte Versöhnung? Unterschiedliche Meinungen zu den anstehenden Fragen lagen und liegen in unserer Kirche bis heute gegen einander im Streit. Das ist nicht neu. Auch der Apostel Paulus musste mit Petrus ringen, um die Verkündigung des Evangeliums bis an die Grenzen der damaligen Welt zu sichern. So fand in teilweise heftigen Auseinandersetzungen, die römisch-katholisch- apostolische Kirche im Verlauf der Geschichte ihre heutige Gestalt. Dass auch in unserer Zeit um den wahren Glauben und um gute, verbindliche Lösungen der anstehenden Probleme gerungen wird, sollte uns daher nicht verwundern. Geht es doch darum, dass alles, was die Kirche, Klerus und Gläubige in der Nachfolge Jesu tun und beschließen, mit dem übereinstimmt, was der Herr lehrte. Was aber bedeutet das für den innerkirchlichen Dialog in der Sorge um Berufungen?

Vor dem Papstbesuch in Deutschland befanden sich  Bischöfe in Rom, um mit dem Papst über den vom damaligen Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Zollitsch angeregten Dialog mit den Gläubigen zu sprechen. In welchem Umfang die vorgetragenen Anliegen zu Ergebnissen führen können, die mit den Regeln unserer Weltkirche kompatibel sind, bleibt vorerst offen. In der Berufungspastoral sind aber nicht nur Mängel zu beklagen: Die in unserem Land breit gefächerten staatlichen und kirchlichen Bildungseinrichtungen schufen die Voraussetzungen dafür, dass heute gut geschulte Diakone und Pastoralreferenten in kirchlichen Diensten stehen. Darüber hinaus gibt es viele fromme und gebildete Gläubige in allen Altersgruppen, die ihre spezifischen Fähigkeiten als Glaubende bei kirchlichen Aufgaben einsetzen. Wir erleben bei uns auch die Verbindung zur Weltkirche derzeit leitet ein Priester aus Nigeria unsere Seelsorgeeinheit, um die Lücke in der Seelsorge zu schließen. Über unsere offenen Kirchentüren vor Ort, und das von Protestanten und Katholiken getragene Glaubenszeugnis, dürfen wir uns besonders freuen: Denn es gibt sie schon, die in den letzten Jahren gegenseitig gewachsene Gastfreundschaft und vielfältige persönliche Kontakte. All das Gute, das uns in den Begegnung mit anderen Christen geschenkt wird, sollten wir in unseren Herzen erwägen, in Sinn und Geist bewahren und einander in Wort und Tat den Glauben bezeugen: Es gibt bei uns auch, wie in der frühen Kirche, engagierte Christen, Männer und Frauen aller Altersgruppen, die sich um den Altar versammeln und aus der Feier der Eucharistie Kraft schöpfen. Die Kirche derer, die nicht resignieren, Christen, die sich gegenseitig beistehen, ihre Gaben einbringen und ihren Glauben frohen Herzens in den Familien, in ihren Berufen und in der Gesellschaft bezeugen. Wir geben Gott, was Gottes ist und der Welt, was deren Wohl dient. Sollten wir im Dialog mit suchenden und fragenden Menschen nicht öfters auf die katholische Fülle verweisen? Ein Zeichen der Treue und Hoffnung! Legen wir dem Herrn aber auch ruhig all unsere Not, die brennende Sorge um die Einheit von Klerus und Gläubigen und die Bitte um das Geschenk frommer Mönche, Ordensfrauen, Priester und Gläubigen auf den Altar.

Geborgen in der Kirche
Einheit und Vielfalt

 

Spukgestalten und Geister

In sagenumwobener Zeit herrschten einmal ein König und eine Königin im Fantasiereich Eurasien. Den Bürgern dieses Landes war es gestattet, in Freiheit zu leben. Von Kindheit an wurden sie in ihren Familien, in kostenfreien Schulen und Universitäten angeleitet, ihre Kritik- und Urteilsfähigkeit auszubilden, um Recht und Unrecht unterscheiden zu können. Da die Bürger gelernt hatten, Verantwortung für ihr Königreich Eurasien zu übernehmen und die gegebene Ordnung zu beachten, bedurfte es keiner strengen Kontrolle. Sie konnten sich im Königreich frei bewegen, ihre Meinung äußern und entscheiden, auf welche Weise sie ihre Fähigkeiten, Fantasien und Ideen zum Wohl des Landes und der Menschen nutzen wollten.
Eurasien wurde ähnlich verwaltet, wie andere Reiche in jener Zeit: Der König und die Königin von Gottes Gnaden setzten Minister, Beamte und Lehrer ein, denen es oblag, den Bürgern den Sinn und die Bedeutung aller Vorschriften und Regeln zu erklären. Die Bürger des Königreiches wurden daher mit der allgemeinen Ordnung so vertraut, dass sie in der Lage waren verantwortlich zu handeln. Sich in Gedanken frei und blitzschnell von Ort zu Ort bewegend, konnten sie Eurasien auch unkontrolliert verlassen, um andere Menschen kennen zu lernen.
Über viele Generationen hatte das Fantasiereich Eurasien schon Bestand. Königliche Verwalter überwachten im Reich die gerechte Verteilung des Vermögens und der Güter. Es herrschten deshalb schon lange Frieden, Recht, Ordnung und Wohlstand. Da bisher im Fantasiereich noch nie ein Haus abgebrannt oder ein Mensch zu Schaden gekommen war, brauchte es weder Polizei, noch Feuerwehr, Gesundheits- oder Rettungsdienste. Es gab damals im Land auch kein Fernsehen oder andere Medien. Alle Nachrichten wurden daher durch Gedanken übertragen, die blitzschnell und zielgenau ihre Empfänger erreichten. Seit Generationen gab es im Reich weder Konflikte noch  Kriege mit anderen Völkern, sodass Soldaten und Waffen entbehrlich waren.
Um aber sicher zu stellen, dass die königlichen Beamten die ihnen übertragenen Aufgaben auch erfüllen konnten, traf sich der König bei wichtigen Entscheidungen mit dem Kronrat in seinem Schloss zur Beratung. Als jüngst bekannt wurde, dass in Eurasien böse Geister als „Spukgestalten“ ihr Unwesen trieben, die es darauf absahen, die Entscheidungen der Bürger zu erschweren, bestand wieder einmal Anlass, den Kronrat einzuberufen.  Auf den heutigen Tag hatte der König die Mitglieder des Kronrates in sein Schloss eingeladen, um zu beraten, wie man den Bürgern Eurasiens bei der „Unterscheidung der Geister“ helfen konnte. Da es sich, um eine für den Bestand des Königreichs wichtige Frage handelte, hatte der König auch die Spukgestalten und guten Geister eingeladen, um sie als Zeugen vernehmen zu können.

Jetzt ertönte ein lautes Fanfarensignal, und alle Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen. Vom Hofstaat begleitet, betraten der König und die Königin in festliche Roben gekleidet, den hell erleuchteten Festsaal. Sie begaben sich gemessenen Schrittes zu ihren erhöhten Plätzen und setzten sich neben einander auf ihre Throne. Der Zeremonienmeister klopfte mit seinem Stab dreimal kräftig auf den Boden, erklärte mit lauter Stimme die Versammlung für eröffnet, und kündigte die Rede des Königs an.
Ein Beamter überreichte dem König eine Bulle. Nach einem kurzen Räuspern begann der Regent mit sonorer Stimme seine Rede: „Wir, Euer König und die Königin von Gottes Gnaden, haben aus gegebenem Anlass den Kronrat, Euch Minister, Beamte, Philosophen, Richter, Lehrer, und als Zeugen gute Geister und Spukgestalten, zur heutigen Beratung einbestellt. Sie wissen alle, dass unser geliebtes Reich Eurasien unter Gottes Schutz seit langer Zeit Bestand hat. Auf den Tag genau vor dreißig Jahren, übernahmen wir als König und Königin für die Dauer unseres Lebens die Regentschaft. Wir empfingen die Insignien,  Krone, Zepter, Reichsapfel und Schwert, und verpflichteten uns feierlich, in unserem Reich stets für Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand zu sorgen. Das versuchten wir nach Kräften mit Eurer Hilfe. Wir und alle unsere Bürger Eurasiens befolgten während unserer Regentschaft, die zum Frieden und Wohlstand erlassenen Gesetze. Heute haben wir die Aufgabe darüber zu beraten, wie wir und der Kronrat den Bürgern unseres Landes bei der „Unterscheidung der Geister“ so beistehen können, dass sie den Eingebungen der guten Geister folgend, die Bedrohungen durch „Spukgestalten“ abwehren können. Wir wünschen unserer heutigen Beratung einen guten Verlauf und beauftragen den Zeremonienmeister, die Sitzung des Kronrates zu leiten. Gegeben im dreißigsten Jahr ihrer Königsweihe, Euer König und Eure Königin von Gottes Gnaden.“
Die Versammlung bekräftigte die Rede des Königs mit lautem Beifall. Dann klopfte der Zeremonienmeister wieder dreimal mit seinem Stab auf den Boden, gebot Ruhe und sagte: „Ich erteile zunächst dem Hofprediger das Wort. Dieser ging zu einem Lesepult, bekreuzigte sich mit den Worten im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und sagte dann: „Ich erinnere uns heute daran, dass wir alle unsere Macht, Frieden und Wohlstand im Land zu erhalten, Gott verdanken. Unserem Herrn sei Ehre, Dank und Herrlichkeit in Ewigkeit.“ Es ertönte ein kräftiges, bestätigendes Amen.Der Zeremonienmeister schüttelte nun eine Glocke, begab sich zum Lesepult und sagte: „Wie wir alle wissen, hat unser Königspaar keine Mühen und Kosten gescheut, allen Bewohnern unseres Reiches eine gediegene Bildung zu schenken, um uns auf ein Leben in Freiheit, Frieden, und Gerechtigkeit vorzubereiten. Wir wussten dies zu schätzen und leisteten alle unseren Beitrag hierzu. Unseren königlichen Verwaltern entging aber nicht, dass einige Bürger Eurasiens sich gelegentlich schwer entscheiden konnten. Manche Bürger wünschten sich sogar lieber Kontrollen, um sich nicht entscheiden zu müssen. Andere klagten darüber, dass sie bei ihren Entscheidungen durch „Spukgestalten“ behindert wurden. Es gab sogar Bürger, die weder an  Gott, noch an gute Geister oder Spukgestalten glaubten. Unsere Aufgabe ist es nun heute, über die „Unterscheidung der Geister“ zu beraten, und hierzu die geladenen guten Geister und Spukgestalten als Zeugen zu vernehmen. Mit einem kräftigen Glockenzeichen beendete der Zeremonienmeister das Raunen im Saal und erteilte zunächst einem Philosophen das Wort:  Ein in die Jahre gekommener Mann mit weißem Vollbart trat hocherhobenen Hauptes an das Rednerpult und sagte: „Die uns gewährte Freiheit des Denkens bewährte sich seit langer Zeit als eine Hilfe, um die Bürger Eurasiens zu verantwortlichem Handeln zu führen. Sie schloss aber auch die Möglichkeit ein, alles bis zur Sinnlosigkeit zu bezweifeln. Dank der bei uns in Eurasien kostenfrei gewährten Bildung, vertrauten aber unsere Bürger bis heute in freier Entscheidung der allgemeinen Ordnung und setzten sich zum Wohle aller ein. Mit lebhaften Gesten meldete sich nun ein Lehrer zu Wort, begab sich ans Lesepult und sagte: „Wir Pädagogen erlebten bisher im Kontakt mit unseren Schülern und Studenten, spiegelbildlich Hinweise auf die in Eurasien von den Bürgern vertretenen Ansichten. Es wurden aber in den vergangenen Jahren so viele pädagogische Konzepte diskutiert, dass es uns immer schwerer fiel, die besten Lerninhalte für uns auszuwählen. Der Zeremonienmeister erteilte nun einem Minister das Wort: Dieser begann engagiert mit seiner Rede: „Wir waren, wie Sie alle wissen, als königliche Beamte dazu beauftragt, in unserem Reich für Recht und Ordnung zu sorgen, und alle Menschen angemessen am Wohlstand zu beteiligen. Als königliche Verwalter beobachteten wir aber, dass es Bürger gab, die ihre Freiheit immer mehr im eigenen Interesse nutzten, und das allgemeine Wohl weniger beachteten.“  Ein Richter trat nun ans Lesepult und sagte: „Bisher konnten wir in unserem Königreich weitgehend auf Kontrollen und Strafen verzichten, denn unsere Bürger und Beamten hatten die Ordnung und Regeln unseres Zusammenlebens so verinnerlicht, dass Recht, Ordnung und  Gerechtigkeit unter uns gewahrt wurden. Die auch in unserem Königreich erforderlichen Veränderungen und der Dialog mit anderen Völkern und Kulturen, machten aber unübersichtlich viele zusätzliche neue Gesetze und Vorschriften erforderlich.“ Der Zeremonienmeister erteilte nun ausnahmsweise einem Poeten das Wort: Dieser trat an das Lesepult und sagte: „Verehrte Mitglieder des Kronrates, obwohl mein Beitrag nicht vorgesehen war, bedanke ich mich für die Möglichkeit, hier zu reden. Bisher traten wir Künstler in allen unseren Werken für die Freiheit des Denkens ein und verwiesen durch unser zweckfreies Gestalten im kreativen und fantasiereichen Spiel mit unseren Ideen auf das Schöne in der Welt. Da manchen Bürgern Eurasiens aber der Blick hierfür verloren ging, empfahlen wir ihnen, im Interesse der Freiheit und der Künste, ihre verfügbare Zeit und ihre Fähigkeiten auch zu kreativem künstlerischem, literarischem und musikalischem Schaffen zu nutzen.“  Hierauf antwortete der Zeremonienmeister: „Wir haben bisher gehört, dass es manchen Bewohnern des Reiches nicht immer leicht fiel, im Alltag die jeweils richtigen Entscheidungen zu treffen. Deshalb wurden wir von unserem König und der Königin beauftragt im Kronrat zu klären, was uns bei der „Unterscheidung der Geister“ half oder hinderte? Ich rufe daher die als Zeugen geladenen Spukgestalten und guten Geister auf, sich zu Wort zu melden, damit wir sie und ihre Wirkungen besser einschätzen können.“

Ein Raunen ging durch den Festsaal, als die „Angst“, zerlumpt wie eine Vogelscheuche, zum Lesepult humpelte und sofort mit blecherner Stimme sagte: „Ihr werdet es mir nicht zutrauen, aber ich bin dafür zuständig und in der Lage, allen Menschen, auch Königen und Philosophen, Angst und Furcht vor Misserfolg zu bereiten, ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu schwächen, oder sie durch panische Furcht von ihren erforderlichen Entscheidungen abzulenken.  Da schließe ich mich gleich an, meldete sich die „Hemmung“ zu Wort. Sie trug als Zeichen ihrer Macht einen Bremsklotz bei sich und sagte:  „Ich war jederzeit in der Lage, Euch alle mit Bedenken und Zweifeln zu verwirren, von der Sinnlosigkeit Eurer Entscheidungen zu überzeugen, Euch den Antrieb und die Lust an Unternehmungen zu nehmen, und Euch körperliches Unbehagen zu bereiten“.  So ähnlich verhielt ich mich, begann der listig um sich blickende „Verwirrer“, als ihm das Wort erteilt wurde: „Meine Aufgabe war es immer schon, Menschen durcheinander zu bringen, dafür zu sorgen, dass sie sich in endlosen Debatten gründlich missverstanden, ihre eigenen Gedanken in einem Knäuel von Fragen zu ersticken, und sie bei ihren Entscheidungen zu Grübeleien und übermäßigen Sorgen zu verleiten.“ Darauf meldete sich der „Lügner“ vehement zu Wort: „Ich war schon lange damit beschäftigt, Menschen falsche Hoffnungen über ihre Fähigkeiten zu machen und sie in der Erwartung zu täuschen, andere Bürger ohne selbst Schaden zu nehmen, zum eigenen Vorteil belügen zu können.“  „Auch ich habe seit langer Zeit starken Einfluss auf die Menschen.“ Mit diesen Worten drängte sich die „Aggression“ energisch durch die Versammlung nach vorn zum Rednerpult. Stolz deutete diese maskierte Spukgestalt auf ihre Waffen, Pistolen und Säbel und sagte: „Die Geschichte offenbart meine Macht. Unter vielen Menschen konnte ich Feindschaft, Misstrauen, Krieg, Verwüstung und Schaden bewirken, wenn ich sie davon überzeugte, durch Anwendung von Gewalt Vorteile zu erzielen.“Der Zeremonienmeister meldete sich nun wieder zu Wort und sagte: „Ich erkläre die Vorstellung der Spukgestalten aus Zeitgründen für beendet, und bitte nun die guten Geister in den Zeugenstand um zu erfahren, was sie bisher bewirken konnten.“

Als erster guter Geist folgte die „Liebe“ der Aufforderung. Sie begab sich ans Rednerpult, schaute freundlich in die Runde und sagte: „In unserem Königreich Eurasien brauchten wir bisher wenig Kontrolle, weil ich als guter Geist in die Herzen der Menschen eingegossen bin und sie durch Eingebungen des „Gewissens“ stets davor warnte, von den rechten Wegen abzuweichen, oder anderen Menschen zu schaden. Ich war auch immer als Geist der „Ermutigung“ zur Stelle, wenn sie sich in einer Notlage oder schwierigen Entscheidung befanden. Hier in ihren Herzen, dem Zentrum ihres Wesens, entschieden unsere Bürger welchen Eingebungen sie folgen wollten. Weil die Bewohner Eurasiens bisher die Ordnung der Liebe beachteten, waren weder strenge Kontrollen, noch Polizei oder Waffen erforderlich.“  In Eurasien herrschten allezeit „Gedanken- und Entscheidungsfreiheit“. Deshalb fühlten sich alle Bürger wie der König, die Königin und die königlichen Verwalter ermächtigt, ihre Fähigkeiten zum allgemeinen Wohl zu nutzen. Ebenso bedeutsam war es für die Bürger, dem guten „Geist des Rates und der Stärke“ folgend, den von den Spukgestalten ausgehenden, hemmenden, verwirrenden und aggressiven Impulsen kraftvoll zu widerstehen, oder ihre hilfreichen Warnungen bei Entscheidungen zu beachten. In schwierigen Lebenslagen und in Notsituationen habe ich stets als Geist der „Vernunft und Ideen“ allen königlichen Beamten und Bürgern Eurasiens beigestanden, Blockaden und Hemmungen zu überwinden, neue Wege zu erkunden und sie ermahnt, auf die eigenen Fähigkeiten und die Hilfsbereitschaft anderer Menschen zu vertrauen.Der Zeremonienmeister unterbrach nun die Zeugenaussagen der guten Geister mit den Worten:  „Majestäten, Mitglieder des Kronrates, verehrte Anwesende, wir haben in den heutigen Beiträgen des Kronrates und der Zeugen erkannt, wie schwer wir uns alle manchmal im Alltag entscheiden. Zum Abschluss unserer heutigen Beratung stellt sich nun die Frage, auf was wir künftig bei der „Unterscheidung der Geister“ achten sollten?“

Der Hofprediger meldete sich zu Wort und sagte: „Alle königlichen Verwalter und Bürger sollten sich bewusst bleiben, dass nicht nur unser König und die Königin ihre Macht zur Regentschaft von Gottes  Gnaden  empfingen, sondern dass wir alle ebenso ermächtigt sind, mit unseren Fähigkeiten zur Sicherung von Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand in Eurasien beizutragen.  Ein königlicher Verwalter bemerkte: „In kostenfreier Bildung wurden unsere Bürger angeleitet, ihre eigene „Kritik- und Urteilsfähigkeit“ auszubilden. Es lag bisher auch an ihnen selbst, ihr Wissen zu erweitern und es obliegt ihnen auch künftig sich weiter zu bilden, um bei ihren Handlungen Recht Unrecht unterscheiden zu können.  Ein Philosoph meldete sich zu Wort und sagte: „Lüge und Wahrheit, die richtige und falsche Erkenntnis zu unterscheiden, Fortschritt und Tradition zu versöhnen und die Ordnung im Ganzen zu verstehen, war und bleibt ein lebenslange, sich stets verändernde Aufgabe. „Der Freiheit des Denkens diente das zweckfreie Gestalten und fantasievolle Spiel mit dem Schönen in der Welt. Die Entfaltung des künstlerischen, literarischen und musikalischen Schaffens sind daher auch künftig für uns alle von Bedeutung“, fügte ein Poet hinzu. Einen Pädagogen drängte es zur Aussage: „Gedankenschnell und weltverbunden mit anderen Menschen unsere Ideen und Anregungen austauschen zu können und in Freiheit kreative Probehandlungen ohne Schaden zu nehmen durchführen zu können, das war und bleibt ein wichtige Erkenntnis.“ Der Zeremonienmeister fügte hinzu: „Wir haben in unserer Beratung Spukgestalten und gute Geister unterschieden: Zu den „Spukgestalten“ zählten die Angst, Hemmung, der Verwirrer, Lügner und die Aggression. Bei deren Wirkung war zu beachten, ob sie uns bei den  Entscheidungen hindern, schaden, oder als Warnung dienen können.  Wir lernten davon unterschieden auch die Eingebungen guter Geister kennen: Die in den Herzen aller Menschen als Gewissen ermutigende „Liebe“, die daran erinnert, auf den rechten Wegen zu bleiben und sich oder anderen Personen keinen Schaden zuzufügen.  Wenn es galt, den Impulsen der Spukgestalten zu widerstehen und deren hemmenden, verwirrenden, ängstigenden und aggressiven Impulse kraftvoll abzuwehren, als Warnung zu erkennen, oder in Notlagen Blockaden zu überwinden, kreative Lösungen zu erkunden, auf die eigenen Fähigkeiten und Hilfe anderer Menschen zu vertrauen, konnten wir uns auf die Eingebungen des guten Geistes des „Rates und der Stärke“ verlassen.“ An dieser Stelle klopfte der Zeremonienmeister wieder drei Mal mit seinem Stab auf den Boden, gebot Ruhe und sagte: Wir erhielten von unseren Regenten den Auftrag, heute darüber zu beraten, einen Beitrag zur „Unterscheidung der Geister“ zu leisten. Wir haben die Wirkung von Spukgestalten und guten Geistern kennen gelernt und hoffen, den Bürgern Eurasiens dadurch geholfen zu haben, bei allen ihren Entscheidungen, schädliche Eingebungen durch Spukgestalten abwehren und der Ermutigung guter Geister folgen zu können.“ Ich gebe nun mein Amt zur Leitung der Beratung des Kronrates wieder an unseren König und die Königin zurück. Die Regenten erhoben sich von ihren Plätzen, verneigten sich vor dem Kronrat und sagten: „Wir haben uns bei unserem Auftrag, in Eurasien Frieden und Wohlstand für alle Bürger zu wahren, selten so gut verstanden gefühlt, wie in dieser Beratung. Zu wissen, dass nicht nur die Mitglieder des Kronrates, sondern alle Bürger Eurasiens mit uns die Macht und Sorge für unser Königreich teilen, hilft uns sehr, die Freiheit des Denkens und Handelns für uns alle in unserem Eurasien wie bisher aufrecht zu erhalten.“ Wir bitten nun unseren Hofprediger zum Abschluss dieser langen Beratung um den Abendsegen. Der Hofprediger begab sich würdevoll zum Lesepult, verneigte sich vor dem König, der Königin und dem Kronrat und betete feierlich: „Herr und Gott, wir danken Dir für alle guten Gaben und bitten um den Heiligen Geist, dass Er gnädig vollende, was wir heute bedachten. In dieser Hoffnung segne uns und alle Bürger Eurasiens der Vater, Sohn uns Heilige Geist.“

Wie Sie, liebe Leser, leicht erkennen konnten, waren im Fantasiereich Eurasien nicht nur die Gedanken frei, sondern es gab auch einige Unterschiede zu dem uns bekannten normalen Leben. Vielleicht könnte die eine oder andere fantastische Ausgestaltung des Märchens aber auch Ihnen bei Entscheidungen als Anregung zur „Unterscheidung der Geister“ dienen?

Das Königreich

St. Pirmin

Das Spätberufenen-Seminar St. Pirmin in Sasbach, hatte im April 2009 zum 50-jährigen Bestehen eingeladen. Aus diesem Anlass feierten die ehemaligen Abiturienten, Lehrer und Schüler, mit dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, einen Dank-Gottesdienst. In erfreulich großer Zahl kamen die Geladenen. Damals bestand noch die Hoffnung, dass St. Pirmin auch in Zukunft eine prägende, katholische Bildungseinrichtung bliebe. Prof. Dr. Münk wies in einem profunden Festvortrag nach, wie dringlich wissenschaftliche Beiträge zur aktuellen Werte- und Ethikdiskussion in unserer Gesellschaft aus christlicher Sicht seien. Als Spätberufener erarbeitete er sich in Sasbach einst den Zugang zu seiner universitären Laufbahn.

Im Jahr 1967 verabschiedete sich unser Kurs mit dem Reifezeugnis in Händen, von St. Pirmin. Unvergesslich blieb aber die Zeit, die wir auf dem Weg zum Abitur, im Seminar St. Pirmin erlebten. Es entstanden in dieser Zeit Freundschaften, die sich auch in den Jahren danach bewährten, und uns mit allen, die mit dazu beitrugen dieses Ziel zu erreichen, verbanden. Eine Inschrift über dem Eingang zur Heimschule Lender, die auch jeder Pirminer kennt, bringt das Wesentliche auf den Punkt. Sie lautet in goldenen Lettern:

»INITIUM SAPIENTIAE TIMOR DOMINI«.

Lange bevor das Spätberufenen-Seminar gebaut wurde, grüßte dieser prägnante Text den Betrachter. Bei jedem Aus- und Eingang, so wie auch anlässlich des 50. Jubiläums, ging der Blick nach oben zu den Worten, die wie ein Wegweiser, der Heimschule Lender und dem  Spätberufenen-Seminar St. Pirmin die Richtung vorgaben.  Man möge es dem Referenten nachsehen, wenn er bei dem großen zeitlichen Abstand zur Schulzeit mit einem freundlichen Blick auf unser ehemaliges „zu Hause“ schaute, und daher wenig Anlass zur Kritik empfand.

Mit dem Satz: „Sasbach, ein kleiner Ort in der Rheinebene“, lernten wir im Deutsch-Unterricht die Bedeutung einer Apposition kennen, die näher bestimmte, wo Sasbach lag; eben nicht auf der Höhe, wie „Sasbachwalden“, sondern zu Füßen der Berge in der Nähe von Achern in Mittelbaden. Der Ort mit katholischer Kirche war landwirtschaftlich geprägt und konnte mit einigen Gasthäusern aufwarten, deren reichliches Angebot an Speisen und Weinen die Pirminer und Besucher zu schätzen wussten. In der Ortsmitte, etwas abseits der belebten Straße, unweit des Friedhofes, lag der langgestreckte, rechteckige Bau des Seminars. Über die einladend breite Treppe gelangte man durch die meist offene Pforte zu den zweckmäßig eingerichteten Zimmern der Seminaristen. Im Eingangsbereich befand sich ein Mosaik, das den Patron des Hauses „St. Pirmin“ darstellte, der zu seiner Zeit segensreich im Süden Deutschlands wirkte, und einige Klöster gründete. Im Untergeschoß lud eine kleine Kapelle zu Gebet und Meditation ein. In Silber getrieben, zeigte dort Johannes der Täufer auf dem Tabernakel mit ausgestrecktem Arm, auf den, der nach ihm kommen sollte. In einigem Abstand davon, befand sich unser Freizeitraum, in dem wir auch mit Seminaristen anderer Kurse ins Gespräch kamen. Fuhr man mit dem Auto in einer kleinen Schleife vor, dann befand man sich direkt vor dem Wohnhaus des Rektors mit dessen Diensträumen. Die lange Zeit der Vorbereitung auf den Eintritt in das Seminar, verbunden mit der bangen Frage, ob ich die Aufnahmeprüfung bestand, und die Zustimmung des Erzbischöflichen-Ordinariats in Freiburg erhielt, war zu Ende. Es fiel mir ein Stein vom Herzen, als ich die Postkarte mit dem Bild des Gebäudes und der Nachricht von Rektor Oberle in Händen hielt, mich am 2. Mai 1962 in Sasbach einzufinden.

Wir „Neuen“ begannen unseren gemeinsamen Weg, wie später nach jeder Rückkehr aus den Ferien, mit einer -Statio- zusammen mit Rektor Oberle vor dem Pirmin-Mosaik; danach begrüßten wir einander. Die zunächst überraschende Tatsache, dass ich mit zweiunddreißig Jahren, beim Eintritt in die Untertertia, bedeutend älter war, als die anderen Seminaristen, spielte im Alltag bei ähnlichen Aufgaben und Problemen, bald keine Rolle mehr. Ich richtete mich in dem mir zugewiesenen Zimmer in der Nähe des Eingangs ein, und fand einen gut einsehbaren Platz für das Geschenk meiner ehemaligen Kollegen einer Bauunternehmung: Eine als Kreuzigungsgruppe aus Bronze gestaltete Wandtafel. Anderntags nahmen wir zum ersten Mal am Unterricht teil. Alles war bestens vorbereitet. Dies galt übrigens für die ganze Schulzeit. Eine präzise Planung, die es ermöglichte, nach den Ferien störungsfrei mit dem Unterricht zu beginnen, gehörte zum Stil dieser Schule. Ob unsere Lehrer, nach längerem Urlaub, tatsächlich so ausgeruht und frisch waren, wie sie uns erschienen, blieb deren Geheimnis. Der erste Schultag war von der bangen Frage begleitet, ob wir bei den Lehrern, die wir noch nicht kannten, mit Unterrichtsbedingungen rechnen durften, die unserem Alter entsprachen. Aus verschiedenen Berufen und Aufgabenbereichen, schlüpften wir ja übergangslos wieder in die Rolle von Schülern, die sich auf Klassenarbeiten vorbereiteten, und unsicher waren, ob das Leistungsvermögen ausreichte, um dem Unterricht zu folgen. Ich beruhigte mich aber wieder, als ich nach Wochen mit einem ersten, ordentlichen Zeugnis, in die Sommer-Ferien entlassen wurde.

Mit Rektor Oberle hatte ich während der Jahre in St. Pirmin oft Gespräche zu führen. Meine damalige Aufgabe als Klassen- und Haussprecher, gab dazu Anlass. Unsere persönliche Beziehung war von Respekt und Wohlwollen getragen, das auch seiner Schwester, die ihm den Haushalt führte, galt. Rektor Oberle war uns in seiner stets unaufdringlichen Präsenz, ein priesterliches Vorbild. Wir schulden ihm dafür Dank, dass er uns, wie ein guter Kamerad, auf Schritt und Tritt zur Seite ging. Im anregenden Religionsunterricht, lernten wir ihn näher kennen. Er hatte für unsere Probleme und schulischen Sorgen stets ein offenes Ohr, und ließ selbst dann, wenn ihm Grenzen gesetzt waren, Verständnis und Anteilnahme für uns spüren. Rektor Oberle bestätigte im schulischen Alltag, dass man mit ihm für den Dienst in St. Pirmin eine gute Wahl getroffen hatte: Als Erster spazierte er morgens um unser Haus. Wir konnten sicher sein, dass sein Brevier Gebet auch unsere Anliegen einschloss. Wenn ich spät abends, müde und ausgelaugt, in der Hauskapelle vor dem Allerheiligsten kniete, um dem Herrn Freude und Not eines Tages anzuvertrauen, kam Rektor Oberle, still und leise, wie es seine Art war, und kniete sich als Letzter hinter mich. In diesen stillen Stunden habe ich unseren Rektor lieben und schätzen gelernt, und mich später oft an unser gemeinsames Beten erinnert. Nie ergab sich aber die Notwendigkeit oder Gelegenheit, ihm zu sagen, wie viel er mir als Freund und Priester bedeutete. Konnte ich doch, auch ohne seine Präsenz, so wie jetzt, oft ein tröstendes Wohlwollen spüren, als bete er, wie früher, still und leise hinter mir.

Ich schaute aus dem Fenster und sah ihn kommen: Mit raschen, federnden Schritten, strebte ein schlanker, sportlich wirkender Mann, in aufrechtem Gang der Wohnung von Rektor Oberle zu, der mit einladendem Lächeln, den Gast erwartend, bereits an der geöffneten Wohnungstüre stand. Der Besucher, mit auffallend kurzem Haarschnitt und akkurat gezogenem Scheitel, trug eine einfache Aktentasche bei sich. Man hätte ihn für einen Offizier in ziviler Kleidung halten können, der zum Rapport strebte. Die Begrüßung der Beiden war kurz und herzlich. Ihre Gesten vermittelten den Eindruck, als ob sie sich gut kannten, und in ihren Angelegenheiten an einem Strang zogen. Die nachfolgenden Begegnungen und Erfahrungen mit Dr. Guldenfels, unserem schulischen Leiter, bestätigten diesen ersten Eindruck: Es sprach sich unter den Seminaristen herum, dass er fähig und bereit war, uns schulisch so zu fördern und zu fordern, dass wir Lust bekamen, mit einander um die Plätze rangelnd, unsere Fähigkeiten zu erproben und einzusetzen. Dr. Guldenfels blieb sich und seinem hohen Anspruch, uns Spätberufene mit bestem Rüstzeug zu einem erfolgreichen Studium auszustatten, treu. Am guten Ruf des Seminars und an den ausgezeichneten Ergebnissen der Abiturienten St. Pirmins, hatte unser schulischer Leiter, das kompetente Lehrerkollegium, und der Leiter des Seminars Rektor Oberle, erheblichen Anteil. Dr. Guldenfels übernahm zu all seinen vielfältigen Aufgaben als Schulleiter, während vieler Jahre die Redaktion des „Sasbacher“. In unserer Schulzeit und in den Jahren danach, half uns dieses jährlich erscheinende Buch, das Geschehen in der Heimschule Lender und in St. Pirmin zu verfolgen. Die vielen, von ihm selbst geschriebenen Artikel, gaben Einblick, wie sehr er seine Kollegen schätzte, die konzeptionelle Entwicklung der Schule förderte, seine vielfältigen Interessen einbrachte, und auf eine repräsentative Darstellung gesellschaftlicher Ereignisse im Schuljahr Wert legte. In allen, meist kurzen Gesprächen, die wir mit einander führten, erwies sich Dr. Guldenfels als engagierter, wertebewusster, katholischer Christ, der seinen Aufgaben verpflichtet, wenig Neigung verspürte, über sich selbst zu sprechen. Umso mehr verstand er es, in seinen Beiträgen und Nachrufen, die Fähigkeiten und Verdienste der Menschen zu würdigen, die sich im Geiste des Gründers der Heimschule „Xaver Lenders“, in der Förderung der Schüler ausgezeichnet hatten. In der Festschrift: „25 Jahre Seminar St. Pirmin (1959-1984)“, empfahl er den Seminaristen, alle körperlichen und seelischen Kräfte zu wecken, und sich mutig den Aufgaben des Tages zu stellen. Die Worte des Heiligen Thomas von Aquin in der Sequenz des Fronleichnamsfestes:

»Quantum potes, tantum aude!«

sollten Devise für uns sein. Eine Geisteshaltung, die nicht nur uns Spätberufene beflügeln konnte. Eine Begegnung mit Dr. Guldenfels, sprengte den üblichen Rahmen: Es war unter uns Seminaristen bekannt, dass er großen Wert darauf legte, alle zum Abitur gemeldeten Schüler, mit möglichst optimalen Ergebnissen zu diesem Ziel zu führen. Wir besprachen uns daher im Kurs und waren unsicher, ob einer unserer Freunde dazu zählen würde. Auf unsere dringende Bitte hin, war der Schulleiter zu einem Gespräch mit uns bereit. Wir verwiesen in einem „herben Dialog unter Männern“ nachdrücklich auf die Stärken unseres Freundes, und den unverzichtbaren Wunsch des Kurses, unseren Klassenkameraden zumAbitur zuzulassen. Er wurde zugelassen, und schaffte die Reifeprüfung, wie wir es erwartet hatten.

Mit der Entscheidung, das Abitur nachzuholen, hatte sich unser Leben nicht total verändert. Es dauerte jedoch eine Weile, bis uns die Aufgaben eines Seminaristen in Schule und Alltag vertraut waren. Durch Gespräche in den Ferien konnten wir erfahren, dass auch die  Menschen im heimatlichen Umfeld an unserem Vorhaben regen Anteil nahmen und -wie wir- Zeit brauchten, unsere Absicht, Priester zu werden, zu verstehen. Es war aber ermutigend, zu erleben, dass fromme Christen hinter uns standen, die mit und für uns beteten, und Hoffnungen auf uns setzten: Manchmal kam die eine oder andere Frau etwas verlegen auf mich zu, und übergab mir einen Umschlag mit Geld. Andere Personen äußerten Respekt vor unserer  Entscheidung und interessierten sich für die Schule und das vor uns liegende Studium. Ich war als ehemaliger Stadtrat ja gewöhnt, mit vielen Menschen im Gespräch zu sein, sodass ich es verstehen konnte, öfters angesprochen und zu meinem Vorhaben befragt zu werden. Wie früher, als ich noch in Rheinfelden wohnte, suchte ich in den Ferien die Nähe zum Stadtpfarrer und erzählte ihm von unseren Erlebnissen in Sasbach. Gelegentlich lud er mich zu einem Imbiss zu sich ein. Auf diese Weise lernte ich ihn in seiner liebenswürdigen, besonnenen, manchmal auch robusten Art zu dienen, zu führen und zu handeln, näher kennen: Eines Tages suchte ein Einbrecher nach Geld im Pfarrhaus. Er hatte Pech! Unser Pfarrer, ein ehemaliger Gefängnisseelsorger, kannte sich mit Ganoven aus. Er erwischte den stämmigen Kerl in seinem Dienstzimmer, hob mit einer Hand einen Stuhl in die Höhe und donnerte mit kräftiger Stimme auf den wie Espenlaub zitternden Einbrecher los:  „Wenn Du nicht…!“ Der Rest war einfach: Die Polizei brauchte den reuigen Sünder nur noch abzuholen. Pfarrer Herrmann war zu seiner Zeit in unserer aufstrebenden Industrie-Stadt Rheinfelden(Baden) als Seelsorger der richtige Mann am rechten Platz. Die Menschen, die ihn kannten, wussten, dass er seine ganze Kraft und seinen Ideenreichtum, der St.Josefs Pfarrei widmete. Für mich war er als Priester ein Freund und überzeugendes Vorbild. Er verdient es, noch an anderer Stelle erwähnt zu werden.

Ich saß nach den Ferien wieder im Zug Richtung Achern, mi einem großen Koffer, den meine Mutter, wie immer, fürsorglich mit Wäsche und Kleidung für die nächsten Wochen gefüllt hatte. Die Gedanken flogen den Ereignissen erwartungsvoll voraus: Ob ich die Vokabeln genug wiederholt hatte? Dies würde sich ja in den nächsten Latein-Stunden herausstellen. Wie mochte es meinen Klassenkameraden in den Ferien ergangen sein? Was würde im Unterricht auf uns zukommen? Ein mulmiges Gefühl legte sich bei den letzten Überlegungen kurzfristig wie ein Schatten auf die Magengegend. Dann aber obsiegte die Vorfreude, alle Freunde wieder zu sehen, und näher kennen zu lernen. Ich leistete mir den Luxus, mit dem schweren Koffer in einem Taxi vom Bahnhof Achern nach Sasbach zum Seminar zu fahren. Unser Rektor stand bereits unter der Türe seiner Dienstwohnung. Ein Lächeln auf seinem Gesicht, ließ erahnen, dass er uns erwartete. Der Hirte konnte sich aber entspannen, denn alle Schafe kamen wohl behalten zurück. Es herrschte wieder ein reges Treiben im Seminar. Wir räumten unsere Koffer aus, richteten uns in der vertrauten Umgebung wieder ein, und begrüßten uns gegenseitig. Es gab viel zu erzählen. Wir wunderten uns nur das erste Mal, dass am Tag nach den Ferien, der volle Unterricht wieder störungsfrei und ohne Unterbrechung  begann. Von der arbeitsintensiven Planung und Vorbereitung, die wir der Schulleitung zu verdanken hatten, bekamen wir nichts mit. Unsere Lehrer wirkten jedenfalls erstaunlich frisch. So war es möglich, unseren in den Ferien weniger angestrengt arbeitenden Gehirnen zügig nach zu helfen, um uns in kürzester Zeit wieder an konzentriertes Denken und Arbeiten zu gewöhnen. Unser Lehrerkollegium bestand, ohne Ausnahme, aus sehr fähigen Pädagogen, die es gut verstanden, mit älteren Schülern zu arbeiten, und uns zu fördern. Galt es doch, uns in nur fünfeinhalb Jahren auf die Reifeprüfung vorzubereiten. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, sei Ihnen, liebe Leser, nun mit einigen markanten Szenen, Einblick in unseren Schulalltag und das Leben in St. Pirmin gewährt: Es sollte aber vorab darauf hingewiesen werden, dass an unserer Schule vor allem auf die geisteswissenschaftlichen Fächer wie Latein, Griechisch, Deutsch, Geschichte und Religion, Wert gelegt wurde. Dies bedeutete jedoch keineswegs, dass naturwissenschaftlicher Unterricht wie Mathematik, Physik, Chemie und Biologie, zu kurz gekommen wären. Selbst das Fach Bildende Kunst war mit „Toni März“, einem regionalen Künstler, hervorragend besetzt: Unser temperamentvoller Kunstlehrer war mittelgroß. Eine Baskenmütze, sein Erkennungszeichen, die er beständig über seinen schlohweißen Haaren trug, unterschied ihn auch äußerlich von seinen Kollegen. Toni März wirkte mit seinen lebendigen Augen, dem ausdrucksstarken, von einem weißen Bart umrahmten Gesicht, den lebhaften Bewegungen seiner Arme, filigranen Händen und Fingern, mit denen er seine Worte unterstrich, selbst wie ein ansprechendes Kunstwerk. Wenn er ihn interessierende Fragen beantwortete, lebte er förmlich auf, war mit Leib und Seele bei der Sache, und ließ sein umfangreiches Wissen über gesellschaftliche, politische, religiöse und künstlerische Zusammenhänge aufblitzen. Er war in seinen verbalen Erklärungen genau so kreativ und anregend, wie in seinen Bildern. Manchmal ergaben sich im Kunstunterricht so anregende Gespräche, dass wir, um nichts zu versäumen, freiwillig auf die uns zustehende Pause verzichteten. Toni März verstand es auf vielfältige Weise, unsere eigenen Interessen an Kunst zu wecken und zu fördern. Dr. Zimmermann, einen pensionierten Lehrer der Heimschule Lender, lernte ich erst in Sasbach näher kennen. Einer seiner Neffen, der mir aus der Zeit in Rheinfelden bekannt war, machte mich auf ihn aufmerksam, sodass ich ihn in seiner Wohnung gelegentlich besuchte. Er war damals hoch betagt, von eher gebrechlicher Gestalt, und trug einen etwas schütteren, weißen Vollbart, der mich an einen greisen Chinesen erinnerte. Trotz diverser körperlicher Beschwerden, besaß er eine bemerkenswerte, geistige Frische. Wenn ich ihn besuchte, lag er meistens auf einem Sofa, umgeben von Büchern seiner reichhaltigen Bibliothek, und war damit beschäftigt, als Lektor der Schule, Texte zu bearbeiten. Im anregenden Gespräch mit mir, war er oft so engagiert, dass ich den Eindruck gewann, sein ganzer Körper vibriere mit und verstärke Worte und Sätze. Er entließ mich nie, ohne mich reichlich mit Nüssen zu versorgen, die er als „Gehirnnahrung“ empfahl.  Über seinen Neffen hatte ich erfahren, dass er im ersten Weltkrieg als Meldegänger eingesetzt war, und sich zeitlebens gern bewegte. Wenn er in der Nähe der Schule auf seiner „Rennstrecke“ Richtung Turenne – Denkmal in kleinsten Schritten unterwegs war, seine Taschenuhr in Händen, um die Zeit zu nehmen, war er nicht ansprechbar. Wer es dennoch versuchte, bekam zu hören: „Keine Zeit, ich bin beim Sport!“ Dieser geistig rege und interessierte alte Mann, hat mich sehr beeindruckt. Kein Wunder, dass sein Neffe, ein Vegetarier, in der Spitzengruppe der über 80-Jährigen ebenfalls noch erfolgreich an Marathonläufen teilnahm.

Ein bedeutender Förderer der Heimschule und des Seminars war unser Mathematik-Lehrer Otto Zug: Ein eher kleiner, beleibter, geistig vitaler Schwabe, der als Junggeselle alle seine Fähigkeiten und Beziehungen in den Dienst der Schule stellte. Er besaß unter anderem reichhaltige, kunstvolle Sammlungen an Tischdekorationen, die er bei gesellschaftlichen Anlässen der Schule und des Seminars, gerne zur Verfügung stellte. Er konnte knitz lächeln, wenn man ihn belobigend, auf seine teuren, kunstvollen Gegenstände ansprach. Otto Zug kannte sich in der Gemeinde Sasbach, sowie in den im Gemeinderat vorherrschenden, politischen Tendenzen gut aus, und nutzte seine ökonomischen Kenntnisse, bei Verhandlungen im Interesse der Schule mit schwäbischem Geschick, und der ihm eigenen Beharrlichkeit. Als erfahrener Mathematik-Lehrer verfügte er über besondere pädagogische Fähigkeiten, abstrakte Zusammenhänge so bildhaft und aktivierend zu behandeln, dass seine Schüler solche Szenen ein Leben lang nicht mehr vergessen konnten: Er kam eines Tages in den Unterricht und rief Jochen zu unserer Überraschung nach vorne. Jochen war gewiss kein reines Lämmchen. Wir fanden aber trotz unseres angestrengten Bemühens durch Handzeichen nicht heraus, was er verbrochen haben konnte. Unser Lehrer schien die Erregung im Klassenzimmer zu bemerken, und mit einem zufriedenen Lächeln zu genießen. Dann rief er Josef nach vorne, und stellte beide neben einander. Ohne Zweifel, Jochen war ein ganzes Stück kleiner als Josef. Darauf verwiesen auch die Gesten von Herrn Zug. Pause…, was nun? Und dann, eine fragende Handbewegung unseres Lehrers mit seinem berühmten „T´ja?“ Worauf wollte er hinaus? Herr Zug holte hinter seinem Pult einen roten Zylinder hervor, setzt ihn Jochen auf den Kopf und erklärte uns, als stünden wir vor einer großen Entdeckung: „ Jochen plus Zylinder, ist jetzt gleich groß, wie Josef, ohne Zylinder“. Auch bei mathematisch weniger begabten Schülern, machte es fast hörbar „klick“, denn unser Lehrer hatte uns für alle Zeiten klar gemacht, was eine Gleichung sei. Wir waren uns sicher, dass unser realitätsbezogener, praktisch aus- gerichteter Mathematik-Lehrer ein frommer Mann war. Es gelang ihm, uns auch immer wieder davon zu überzeugen. Wo möglich, versuchte er Brücken zwischen mathematischen und religiösen Fragen zu bauen: Wir waren beim Thema „Parallelen“: Er verwies auf eine Zeichnung, die Parallelen an der Tafel darstellte. Dann drehte er sich um, ließ eine Pause entstehen und wirkte, wie jemand, der dabei ist, eine bedeutende Entdeckung zu machen. „Das, erklärte er, und verwies auf die Zeichnung an der Tafel, sind Parallelen“. Er drehte sich langsam zu uns um, und deutete mit Handbewegungen, und seinem bekannten „T´a“ an, dass da noch etwas war. Nach einer Pause folgte dann die Frage: „Und wo schneiden sich die Parallelen?“, um dann verschmitzt lächelnd hinzu zu fügen: „Etwa beim lieben Gott?“  Wir versuchten zu verstehen. Einen mathematischen Gottesbeweis hatte unser Lehrer nicht erbracht, und wollte das auch nicht. Ihm ging es um mehr. Er bezeugte uns mit dieser Geste, seinen Glauben an die Existenz Gottes. Wir wurden nachdenklich, denn wir waren ja unterwegs, um einmal selbst, als glaubwürdige Zeugen, Menschen zu  Gott zu führen. Bis dahin lag aber noch ein weiter Weg vor uns, und es bedurfte tatkräftiger Hilfe mancher Menschen, und deren Glaubenszeugnis, um uns auf unserem Wege beizustehen.

Wir Seminaristen lernten uns gegenseitig in Schule und Alltag näher kennen. Jeder von uns im Kurs, hatte seine besonderen Stärken und Schwächen. Da wir mehrere Jahre zusammen wohnten und lernten, wuchsen wir, wie selbstverständlich, zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Dies wurde auch von anderen Personen bemerkt: Manche sprachen über uns von einem „Wunderkurs?“ Als Ältester entwickelte ich freundschaftlich-fürsorgliche Gefühle zu meinen Klassenkameraden. Manche nannten mich gelegentlich „Papa“ Ich musste diese „liebevolle Anrede“ nicht zurückweisen; saßen wir doch alle, ohne Ausnahme, im gleichen Boot, von ähnlichen Sorgen und Fragen umgetrieben. Jeder durfte und konnte seine speziellen Talente einbringen. Wir brauchten diese guten Gaben Gottes in allen Formen: Oft hat uns Gerhard sonntags mit Musik geweckt, in seine Verehrung Mozarts einbezogen, und auf den anschließenden Gottesdienst in der Heimkirche eingestimmt. Er verfügte auch über ein unerschöpfliches Repertoire an Witzen, die er zu jeder passenden Gelegenheit, perfekt erzählen konnte. Wenn ihm ein geneigtes Publikum zuhörte, lief er zur Hochform auf. Wer diese Fähigkeit Gerhards schätzte, konnte leicht erkennen, dass er seine Witze liebte. Er steuerte die Pointe geschickt an, genoss den Beifall, setzte dabei ein Pokergesicht auf, und prüfte mit einem verschmitzten Lächeln, ob die Zuhörer noch einige Witze hören wollten. Wo und wie manche Freunde unseres Kurses an Wochenenden ihre freie Zeit zur Erkundung der Umgebung nutzten, auch wann und wie sie zu später Stunde wieder unauffällig ins Seminar zurückkehrten, blieb mir größtenteils verborgen. Ich hatte aber auch Lust, die freie Zeit nicht im Hause abzusitzen, und sah mich Im Interesse des Kurses nach geeigneter Unterhaltung für uns um:

In einer Zeitungsanzeige machte der Besitzer eines nahegelegenen Gestüts darauf aufmerksam, dass es zu günstigen Konditionen möglich wäre, bei ihm zu reiten. Jochen erklärte sich bereit, mit mir das Angebot zu prüfen. Wir rechneten fest damit, einen größeren Teil unseres Kurses für diese Idee gewinnen zu können, falls wir einen passablen Preis für das Reit-Vergnügen aushandeln konnten. Wir waren guter Dinge und marschierten los. Nach einiger Zeit fanden wir die Ortschaft – nicht sehr groß – aber das Gestüt konnten wir nicht entdecken. Schon wollten wir enttäuscht umkehren, da bemerkten wir ein Bauernhaus, an das sich ein merkwürdiger Zaun aus Schilfrohren anschloss. Hinter dem Zaun befand sich eine freie Fläche, auf der tatsächlich ein Pferd und ein Maulesel standen. Es kam ein Mann auf uns zu, der sich als Besitzer des in der Tat sehr kleinen Gestütes vorstellte. Blitzschnell erfassten wir die Lage: Dieses Angebot war nicht geeignet, um unserem ganzen Kurs Reiterfreuden zu ermöglichen. Wir disponierten um, und erklärten, dass wir reiten wollten. Damit hatte der Besitzer offensichtlich gerechnet. Er war sehr bemüht, unsere Fragen zu beantworten, als befürchte er, die „seltenen Interessenten“ könnten sich unzufrieden wieder abwenden. Wir hatten aber keine Lust, nach dem längeren Fußmarsch, einfach aufzugeben. Eher lockte uns die Chance, unter den gegebenen Umständen einen günstigen Preis für die Reitstunde aushandeln zu können. Wir einigten uns, wie erwartet. Dann musterte uns der »Reitlehrer?“ und erklärte: „Sie, er deutete mit der Hand auf mich, reiten auf dem Pferd, und Sie, damit meinte er Jochen, als Leichtgewicht, auf dem Maulesel!“ Irgendwie kamen wir in die Sättel und wurden einige Runden an der Longe im Kreis geführt. Der Besitzer beobachtete uns und stellte fest, dass ich reiten könne. Ich war überrascht, denn ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie ich ein Pferd „lenken“ sollte. Ich entgegnete: „Reiten könne ich nicht, ich hätte aber schon einige Western-Filme gesehen, und sei als Schlagzeuger mit einem sicheren Gefühl für den Rhythmus ausgestattet. Das war es dann schon. Danach ritten wir zum ersten Male aus, und es fühlte sich gut an, hoch oben zu Pferde zu sitzen. Vor mir ritt oder trippelte Jochen mit dem Maulesel. Es war ein Bild für die Götter: In meiner Fantasie gab ich Jochen eine Lanze und ein Schild in die Hände, und fertig war „Don Quijote“. Diese Vorstellung drängte sich mir so sehr auf, dass ich das Lachen nicht mehr unterdrücken konnte. Die Schadenfreude dauerte allerdings nicht lange: Mein Pferd setzte aus mir unbekannten Gründen zum Galopp an, und blieb plötzlich, indem es die Vorderbeine schräg anstemmte, aus voller Bewegung, wie angewurzelt stehen. Ich hatte keine Schwierigkeiten aus dem Sattel zu kommen, denn mit einem Salto über den Kopf des Pferdes, landete ich in einer lehmigen Pfütze. Ich drehte mich verblüfft um, und gewann den sicheren Eindruck, als ob das Pferd mich an- oder gar auslachte. Größeren Schaden hatte ich nicht genommen, doch allen Anlass, mich mit dem beschmutzten und feuchten Hinterteil nach Hause zu begeben. Zeit, mich umzuziehen, hatte ich nicht. So zog ich, feucht und verdreckt, zusammen mit Jochen in den Speisesaal ein. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von meiner missglückten Reitstunde von Tisch zu Tisch, und sorgte für entsprechenden Spott und Gelächter. Jochen war auch ein begabter Situationskomiker. Er brauchte dazu nur einige Gläser Bier, ein interessiertes Publikum, das ihn anfeuerte, und einen ebenso fantasiebegabten Mitspieler. Wenn er hierzu mit Günter eine spontane Nummer zum Besten gab, konnte man sich nicht mehr halten. Jochen verstand es, mit seinem ansteckenden Humor, uns oft die Alltagssorgen von der Stirn zu wischen, wie eine Mutter ihren Kindern die Schmerzen, mit dem „Heile-Segen“. Ich habe selbst nur noch vage Erinnerungen an  eine ausgiebige und reichlich feuchte Sitzung im „Rebstock“, und an das mitternächtliche Bad im Dorfbrunnen, um die erhitzten Gemüter der Beteiligten abzukühlen. Wir kamen aber auf dem Weg nach Hause einfach nicht an diesem, aus vollen Rohren Wasser speienden Brunnen vorbei. Irgendeiner von uns prüfte die Wassertemperatur, und schwupps, war er drin. Dieses Ereignis löste in uns ein unerklärliches Verlangen aus, ihm nacheinander wie die Lemminge zu folgen. Die „Badeanstalt“ war gerade groß genug, um uns allen Platz zu bieten, lediglich die  Schwimmversuche scheiterten kläglich an den Wasserrohren im Brunnen. Nach dem Motto: „einmal über und dann wieder unter Wasser, wie ein Seehund“ überwanden wir aber die Barrieren. Nach der Abkühlung verstanden wir besser, was sich da eben abgespielt haben musste. Nass, fröstelnd, und mit grün eingefärbten Kleidern, standen wir wie begossene Pudel da. Wer so aussah, musste wohl dabei gewesen sein. Irgendwann stellten wir fest, dass es in unserem Kurs musikalische Begabungen gab. Manfred spielte Akkordeon, Jürgen Trompete, Jochen Gitarre, Bernhard Piano, und ich ergatterte mir ein Schlagzeug. Wir probten mit Begeisterung. Ein Glück, dass ich früher in mehreren Bands gespielt hatte und wusste, wie sich Musik anhören sollte. Es war bald klar, dass der Anspruch gesenkt werden musste. Schließlich drängte es uns, aufzutreten, denn wir hatten ein ausreichendes Repertoire erarbeitet. Wir hatten zwar keinen Gesangssolisten, dafür aber Jürgen. Wenn er sein »Il Silenzio« mit der Trompete schmetterte, konnten wir des Beifalls gewiss sein. Am „Ave-Maria“ im Chor hatten wir lange gearbeitet, bis uns dieser Titel gefiel. Mit dem Schlager „Die besseren älteren Herrn, gehen mal gern auf ne Angeltour…“, fanden wir stets ein begeistertes Publikum. Unser Auftritt bei einer Tanzveranstaltung in Achern, zu der wir die „Spätberufenen“ mit Zustimmung des Rektors geladen waren, geriet zu einem vollen Erfolg.

Mit Beginn der Obertertia nahmen die schulischen Anforderungen zu. Nur wenige Klassenkameraden mussten aber die Schule verlassen. Ich hatte zeitweise auch große Mühe mit »Griechisch«, der zweiten Fremdsprache, und nahm, etwas beschämt, das Angebot zur Nachhilfe an, um über diese Hürde zu kommen. In dieser Zeit stand ich, ohne mein Wissen, unter strengster Beobachtung unseres Kurses. Erst viel später erzählten mir meine „Freunde“, dass ich zur Nachhilfe immer auffallend ordentlich gekleidet aus dem Hause ging. Sie vermuteten, dies könne damit zusammenhängen, dass eine Griechisch-Lehrerin, die wir alle sehr schätzten, diese Aufgabe übernahm. Bei dieser Gelegenheit gestanden sie mir auch, dass sie sich untereinander verständigt hätten, mich zu loben, wenn ich Ihnen gelegentlich stolz meine neuesten Bilder zur künstlerischen Begutachtung zeigte. Dr. Effinger verstand es, in personifizierter Gelassenheit, uns in Deutsch und Geschichte effizient auf das Abitur vorzubereiten, für den Reichtum der Literatur zu begeistern, und uns kritisch in geschichtliche Zusammenhänge einzuführen. In der Art, wie er Themenschwerpunkte auswählte und im Dialog mit uns hierzu Position bezog, war zu erkennen, wie sehr ihm daran gelegen war, uns das christlich-humanistische Bildungsideal zu vermitteln. Obwohl er viele Jahre mit der Oberstufe arbeitete, blieb sein Unterricht erstaunlich lebendig. Man merkte ihm an, dass er von Dingen sprach, die ihm selbst viel bedeuteten. Wenn er, mit dem Oberkörper entspannt zurückgelehnt, hinter seinem Pult, die langen Beine nach vorne schob, und den Oberlippenbart kraulte, hatte man das Bild eines Menschen vor Augen, der auch in schwierigen Lebenssituationenin der Lage schien, Ruhe zu bewahren. Sein schlankes, von Falten gegerbtes Gesicht, der stets wache Blick, die naturgewellten, noch dunklen Haare, passten zu dem großen, schlanken, nicht unbedingt sportlich, eher schlaksig wirkenden Mann. Sein Rat wurde auch im Kollegenkreis sehr geschätzt.

Als Klassen- und Haussprecher war ich oft gefordert, bei verschiedenen Anlässen einige Sätze zu sagen. Gelegentlich belustigten sich meine Freunde auch, wenn sie mich mit vereinten Kräften lauthals aufforderten: „Franz, sag was!“ Ich habe diesen leichten Spott, ohne Schaden zu nehmen, überstanden. Ein Ereignis blieb mir aber besonders in Erinnerung: Der hochwürdigste Herr Erzbischof von Freiburg mit seinem Gefolge, war zu einer Besichtigung des Schulneubaues angesagt. Dies war ein besonderer Festtag für die Heimschule und unser Seminar. In Erwartung des hohen Gastes, erregten die Vorbereitungen zu seinen Empfang bereits Tage zuvor die Gemüter der Schulleitung, des Lehrerkollegiums, und leicht abgeschwächt, auch der Schüler. Man spürte Anspannung in allen Bereichen der Schule, galt es doch den Tag so zu gestalten, dass die geladenen Gäste mit einem guten Eindruck, und der Gewissheit nach Hause fahren konnten, dass sich Investitionen in Sasbach lohnten. Mir oblag es, der hohen Geistlichkeit als Schülervertreter für die wohlwollende Unterstützung in jeder Form zu danken. Ich musste davon ausgehen, dass zum offiziellen Empfang außer den Gästen aus Freiburg, alles was Rang und Namen hatte, in der Heimschule Lender und St. Pirmin, der Öffentlichkeit, Politik und der Presse etc., einen exzellenten Rahmen bilden würden, vor dem ich zu sprechen hatte.Bei den Vorüberlegungen hierzu, war mir nicht ganz wohl zumute. Es half aber nichts; ich musste mir einige Sätze einfallen lassen und hoffte sehr, dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Einigermaßen vorbereitet, saß ich als Redner in der ersten Reihe der Aula und bekam in meiner Aufregung nicht mehr mit, was sich an Prominenz in den vielen Reihen hinter mir eingefunden hatte. Die Spannung steigerte sich, denn die Besichtung des Neubaues nahm mehr Zeit in Anspruch, als vorgesehen war. Das Herz schlug mir bis zum Halse; dennoch versuchte ich, gelassen zu wirken und harrte der Dinge, die auf mich zukommen würden. Nach beunruhigend langem Warten, betrat der Erzbischof mit seiner Begleitung den Raum. Es dauerte zum Glück nicht mehr lange, bis zu meinem Auftritt: Als ich schließlich dem Erzbischof gegenüberstand, schien er mir klein und schmächtig, gar nicht groß und erhaben. Seine Hände, in denen er ein Programm hielt, zitterten mächtig. In diesem Augenblick überfiel mich ein großes Mitleid mit dem Hirten der Diözese. Sein Zittern berührte mich. Ich hatte so etwas nicht erwartet. Die Spannung wich daher wie ein Wunder momentan von mir. Meine Worte kamen beim Erzbischof an, und er bedankte sich. Eine Last fiel von meinen Schultern, als Beifall einsetzte, der mir zeigte, dass ich im Sinne der Anwesenden gesprochen hatte.

Das Ziel unseres Aufenthaltes in Sasbach, die Reifeprüfung, rückte immer näher. Wir waren in der Oberprima in allen Fächernangestrengt dabei, uns auf das Examen vorzubereiten. Gleichzeitig wussten wir, dass es galt, in absehbarer Zeit Abschied von unseremzu Hause in St. Pirmin und der uns lieb gewordenen Region um Sasbach zu nehmen. In Gruppen wanderten wir in der karg bemessenen Freizeit nach Sasbach-Ried und hinauf auf die Höhe nach Sasbachwalden, um dort bei einem Imbiss und dem vorzüglichen Wein, Abstand von den Prüfungsvorbereitungen zu gewinnen, und mit frohen Liedern nach Hause zu wandern. Mehr, als je zuvor, bestürmten wir unsere treuen Schutzengel, den Herrn und die Gottesmutter in unseren Gebeten, Gottesdiensten und Wahlfahrten mit den Bitten, uns auf unserem Weg zur Seite zu stehen. Wir wussten, unser guter Wille und die Vorbereitungen konnten nur zum Ziel führen, wenn Gottes Segen uns hielt und trug. Es lagen aber noch anstrengende Monate vor uns. Jeder kannte seine Schwächen, an denen er noch zu arbeiten hatte. So weit es an uns lag, halfen wir uns auch gegenseitig: Ich hatte den Eindruck, als ob mich Herr Serrer, unser Chemielehrer, der nicht viel älter war als ich, im Unterschied zu meinen anderen Kameraden, seltener abhörte. Er musste mich aber benoten und ich rechnete fest damit, dass er mich nicht verschonen würde, und mein Wissen in Chemie prüfen werde. Die kritische Selbsteinschätzung erlaubte mir, keine großen Hoffnungen auf Erfolg in diesem Fach. In meiner Not, bat ich meinen Freund Manfred, der in Chemie sehr erfahren war, mir Nachhilfe zu geben. Die Zeit drängte, denn anderntags rechnete ich mit der mündlichen Prüfung. Manfred sagte zu und wir trafen uns zu diesem Vorhaben für einige Stunden in Gottes freier Natur, am Vortag der erwarteten Prüfung. Wir beide kannten uns gut, sodass ich es ohne Scheu wagen konnte, meinem Freund reinen Wein einzuschenken. Ich hatte tatsächlich Chemie stiefmütterlich behandelt, um Zeit für die Kernfächer zu gewinnen. Manfred begann mich schonend abzufragen, bemerkte aber bald, dass meine Kenntnisse äußerst dürftig waren. Er kommentierte: „mit Schwächen habe er gerechnet, aber keineswegs mit einem derartigen Minimum an Fachwissen“. Dennoch ging Manfred mutig daran, mich in Chemie zu präparieren. Dies gelang ihm auf erstaunlich gute Weise. Ich entwickelte nach dieser Prozedur die etwas überhebliche Vorstellung, in diesen wenigen Stunden wirklich etwas von Chemie verstanden zu haben. Darüber wunderten wir uns beide sehr. An meinen Fähigkeiten zu lernen, konnte es folglich nicht gelegen haben, sondern eher an der geringen Beschäftigung mit dem Thema. Wie befürchtet und erwartet, rief mich Herr Serrer am nächsten Tagn Chemie auf.  Es tröstete mich zu sehen, dass es ihm sichtlich schwer fiel, mich zu examinieren. Die Prüfungsvorbereitung durch meinen Freund zeigte aber erstaunliche Wirkung. Weniger hilfreich schienen mir die Signale meiner Klassenkameraden, die ich nicht zu deuten vermochte. Mir erscheint es auch heute noch wie ein kleines Wunder, auf welch mysteriöse Weise ich zu einem guten Examen in Chemie gekommen bin.Herr Blechinger, ein großgewachsener, sportlich wirkender Lehrer, hatte die Aufgabe übernommen, uns in Mathematik auf das Abitur vorzubereiten. Im Hinblick auf die Kurzschuljahre gab es eine Sonderregelung. Wir hatten mit seiner Hilfe fünfundzwanzig mathematische Beweise zu erarbeiten, aus denen wir Abiturienten einige Aufgaben gestellt bekamen. Es war eine Menge zu tun, aber immerhin konnte man sich auf eine begrenzte Fragestellung vorbereiten. Auch weniger befähigte Mathematiker durften daher hoffen, an dieser Hürde nicht zu scheitern. Die letzte Phase der Vorbereitung auf die Reifeprüfung war nicht nur von einer zunehmenden Anspannung, sondern auch von der Erfahrung wohlwollender Begleitung geprägt. Die verschworene Gemeinschaft bewährte sich nicht nur in unserem Kurs. Die jüngeren Seminaristen, unser Schulleiter, der Rektor, die Lehrer, der Präfekt, Spiritual und die Schwestern waren im Geiste St. Pirmins am Gelingen unseres Vorhabens interessiert, und trugen ihren je spezifischen Teil dazu bei, uns in den schwierigen letzten Wochen vor dem Abitur und während der Prüfungen zu unterstützen.  Es lässt sich kaum beschreiben, welche Gefühle uns bewegten, als wir 1967, nach fünfeinhalb Jahren, in einem feierlichen Festakt die Reifeprüfungszeugnisse in Händen hielten. Noch einmal tauchte das Wort vom »Wunderkurs« auf, als die vielen Preise aufgerufen wurden, die wir gesammelt hatten. Mein Beitrag hierzu war der »Scheffel-Preis« des Volksbundes für Dichtung. Als Freund der deutschen Sprache und Liebhaber der Literatur, berührte es mich besonders, gerade diesen Preis zu erhalten.

Wir hatten alle mit vielen Fragen unseren Weg 1962 in Sasbach begonnen und nun, 1967, das Abitur, die Voraussetzung zum Studium, bestanden. Wieder ergaben sich andere Fragen und Hoffnungen: Wird es gelingen, auch das Studium der Philosophie und Theologie erfolgreich zu beenden, um unserem Ziel, Priester zu werden, ein weiteres Stück näher zu kommen? Den Text von Friedrich Schiller auf einer schön gestalteten Karte:

» Wisset, ein erhabener Sinn,
legt das Große in das Leben
und er sucht es nicht darin. «

haben sechzehn glückliche Abiturenten mit ihrem Namen unterschrieben, um die »frohe Botschaft« vom bestandenen Abitur weiter zu tragen. In Sasbach wurden aber auch Freundschaften geschlossen, Werte vermittelt, und unser Glaube gefestigt. Ich bin sicher, dass uns für alles tiefe Dankbarkeit erfüllt, gegenüber den Menschen, die an diesem Erfolg beteiligt waren. Und es scheint mir, als ob meine Freunde ihrem alten Klassensprecher, wie früher, zurufen würden: „ Franz sag was!“  und das besonders wegen der Tatsache, dass unser Spätberufenen-Seminar St. Pirmin leider nicht mehr existiert.

Ihr sollt heute das „Wichtigste“ von mir hören. Dazu brauche ich aber Euch, liebe Pirminer, Schüler der Heimschule Lender, und auch Sie, liebe Freunde und Leser: Jesus Christus, der Herr, hat uns alle einmal angesprochen, und uns in der die Zeiten überdauernden Kirche zusammengeführt. Der Herr war und bleibt der unbestrittene Mittelpunkt jeder christlichen Gemeinschaft. Wisst Ihr noch, wie wir einst zusammen vor dem ausgesetzten „Allerheiligsten“ in der Heimkirche beteten? Wer sollte uns daran hindern, die in Sasbach begründete Gemeinschaft zu leben, und zusammen mit Rektor Oberle und Dr. Guldenfels, die uns voran gegangen sind, und mit allen Gläubigen Gott zu loben, zu preisen und um Schutz und Beistand zu bitten? Hört Ihr mich jetzt auch singen? Ich stimme das „Tantum ergo…“ an, und Rektor Oberle wendet sich uns zu, zeigt uns die „Monstranz mit dem Herrn in „Brotsgestalt“ und erteilt uns den Segen vom Himmel her.

Geborgen in der Kirche
Einheit und Vielfalt

 

 

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