Das Herz

Du teures Herz
das alles trägt
erfüllte Stille
Leben Wort die
Tat bewegt
D
ein Wille

Sehnend weitet
sich die Brust in
Tönen Klängen
und beim Singen
von Freude Not
der Liebe Lust
mit allen Dingen

Und könnte ich
Dich malen in
Gold müsstest
Du strahlen
Formte ich Dich
mit eigener Hand
aus Ton und Erz
Du liebes Herz
wär es mein Dank

Das Kreuz

Jeder Mensch erfährt im Leben unausweichlich sein eigenes Kreuz. Wir Christen vertrauen aber darauf, dass uns der Herr in allen Nöten beisteht, und uns im Heiligen Geist hilft, die Last zu tragen. Vielleicht möchte Gott im Kreuz und Leid nur die Hoffnung auf Hilfe durch IHN zum Leben erwecken. Ich kann mir Gott unseren Herrn, der Seine Schöpfung für gut befindet, nur als „DEUS CARITAS EST“ vorstellen.  Mich erschreckt daher zutiefst, dass wir der Versuchung erliegen könnten, unser Kreuz, das uns mit Jesus Christus verbindet, zu verleugnen.  Dies wäre das reine Entsetzen, ein Abweichen von Gottes Wegen, um anderen Götzen zu dienen.

Wohin uns die Anbetung fremder Götter nach „unserem Bild und Gleichnis“ führen kann, das ist in unseren Tagen auf vielfache Weise zu beobachten. Scheint doch der Tanz ums goldene Kalb, die Verweltlichung und Abkehr der Menschen von Gott allgegenwärtig. Wir können das uns auferlegte Kreuz im Zerbrechen von Beziehungen, bei gegenseitiger Entwürdigung, in Leid, Elend und den Grenzen unserer Hilfen im Alltag, hautnah erleben. Wie wohl tut es dann, wenn Menschen bei einander wohnend, sich die Hand reichen, das Mögliche unternehmen, sich gegenseitig trösten, und Gott in unser Not, um Hilfe und Erbarmen anrufen. Wie nötig ist im Leid auch ein tröstendes Wort, die bergende Hand oder ein verständnisvolles Schweigen. Dass auf diese Weise manchmal ein Stück Himmel auf Erden, aufleuchten kann, durfte ich in der Arbeit als Psychotherapeut und in vielen Begegnungen mit Menschen erfahren.

Einander beim Lasttragen zu helfen, ist aber für uns Christen noch nicht die ganze Wahrheit. Denn aus allem Scheitern und Leiden erwächst immer wieder neue Hoffnung, Vertrauen und Liebe zu einander und zu Gott unserem Vater. Er vermag in uns Barmherzigkeit, Mitleid und Hilfsbereitschaft zu erwecken, deren es bedarf, um SEIN Reich des Friedens aufzubauen. Unser Herr und Meister Jesus Christus geht uns auf diesem Weg voran und lehrt uns, IHM vertrauensvoll  mit unserem Kreuz zu folgen. Dabei kann es jedoch geschehen dass, wir manchmal mehr unser eigenes und nicht so sehr Jesu und Gottes Leid sehen und beklagen.

Wer aber vermag zu ermessen, was unser Herr an physischer  Gewalt bei Seiner Kreuzigung und durch die Ablehnung Seiner Liebe und Sendung für uns gelitten hat? Wie sehr muss Gott, unser Vater, menschlich gesprochen, immer wieder leiden, wenn wir IHM die kalte Schulter zeigen, als müssten wir einen Störenfried aus unserem Leben beseitigen. Gott aber lässt trotz allem nicht ab von SEINER Liebe. Mit offenen Armen geht er immer wieder auf uns zu oder trägt uns wie verirrte Schafe auf SEINEN Schultern ins Reich des Friedens zurück.

Das Kreuz und Leid in unserem Leben erinnert uns immer wieder daran, wie nötig wir den Herrgott brauchen. Lassen wir daher vom göttlichen Winzer die ungeordnete Strebungen in uns beschneiden, damit der wahre Gott, der Gegenwärtige, uns im Kreuz und der Auferstehung Seines Sohnes begegnen, und im Heiligen Geist trösten, beleben und stärken kann. Aller Willkür und dem Spott ausgeliefert, fragt uns der Herr vom Kreuz herab, ist einer da, der Mitleid mit mir hat. Ich sage: Ja mein Herr und mein Gott „ adsum“.

Es hat mich immer erschüttert, wenn Menschen DIR o Gott die kalte Schulter zeigten und einander Leid zufügten. Herr erbarme DICH meiner,  erbarme Dich unser. Wie von fern höre ich die Worte „heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein“. Lassen wir Kreuzträger diese tröstenden Worte Jesu tief in unsere geschundenen Herzen dringen.

Bleiben Sie im Segen!
Ihr Franz Schwald aus Oppenweiler

Herr vergib die Schuld

 

 

Glaubensspuren

Franz nannte man mich. Ich trage den Namen meines Vaters, und ich trage ihn stolz. Mit meinem Vater verbindet mich die Liebe zu seiner Herkunft, zu Bayern, das ich erst zu einer späteren Zeit erwanderte. Es war ergreifend, all die Wege zu gehen, die mein Vater liebte. Wir sind bei einem Berggottesdienst: Die Männer stehen, wie meine Kusine behauptet gut in der Tracht. Sie tragen ihre Stutzen, Gemsbärte an ihren Hüten, die breiten ledernen Riemen tragen die in den Jahren mit einer Patina versehenen Lederhosen. Die Dirndl haben sich fein gemacht. Jede ein Individuum und doch hineingebunden in die ihnen liebe Tracht, hineingebunden in die Tradition. Der Priester, ergriffen von der stillen Macht der Berge und grünen Wiesen, kann sich vor Begeisterung kaum an den vorgeschriebenen Text halten. Er empfiehlt uns seine Heimat als das von Gott ihm nicht nur zugewiesene Plätzchen. Seine Worte gehen zu Herzen als wäre er ein Reiseführer seines Herrn, nicht ohne mit einem schelmischen Lächeln darauf zu verweisen, dass nach dem Gottesdienst „Händel und eine Maaß“ beim Dorfwirt unten im Tal auf uns warten. Mitten unter meinen Freunden aus dem Land meines Vaters saßen wir auf einfachen Bänken. Der Hunger nach dem Händl und die Fähigkeit, eine Maaß zu stemmen, waren nicht so gut entwickelt. Meine Seele hungerte aber nach dem Land meines Vaters, das ich mir erst in späteren Lebensjahren auf einer Reise mit meiner Familie in Bayer spurenhaft erschloss.

Ich entdeckte auch erst aus dem Glaubensleben, dass der Name, den mir meine Eltern gaben, ein Ehrenname besonderer Art war. Hat doch der Heilige Franz sich nicht gescheut, in frommer Einfalt die Weihnachtsgeschichte nach zu vollziehen. Ein weiterer Anlass stolz zu sein, auf den Namen, den auch Kaiser trugen. Ich kann mich zwar nicht mehr an meine eigene Taufe erinnern. Um so vertrauter ist mir aber der Ort, an dem ich getauft wurde. Ich habe konkrete Wurzeln: Es ist die St. Josefskirche in Rheinfelden (Baden). Die Seele weitet sich, wenn ich an meine geliebte Heimatstadt denke, der ich später einige Jahre als Stadtrat dienen durfte. Mittelpunkt des geistlichen Lebens war diese St.Josefskirche. Ich kenne sie inn- und auswendig, nicht einmal die Risse in der Decke, die sie im Laufe der Geschichte erleiden musste, sind mir unbekannt.

Wie oft bin ich in der kleinen Marienkapelle neben dem Hochalter gekniet. Die Gottesmutter ist meine Zeugin, dass ich ihr alles vortrug, was mein Herz erlitt und erfreute. Eingebettet in das Geheimnis der menschlichen Familie „Jesus, Maria, Josef“ wurden mir die göttlichen Heilspläne eingetauft, ja eingebrannt. Pfarrer Dold hat mich in die Gemeinschaft der katholischen Kirche aufgenommen. Wenn ich heute oft das Kreuzzeichen mache, bin ich tief betroffen von den Geheimnissen, die mich mit meiner Kirche verbinden. Jesus, der menschgewordene Gottessohn hat mich in der Taufe wissen lassen, dass ich in meinem Leben IHM und SEINER segnenden Hand nie entgleiten könne. Könige wurden gesalbt, um sie in ihre Aufgaben ein zu führen. Ich danke Dir, Mutter Kirche, für den Chrisam, den ich von Pfarre Dold empfing, unter den Schutz Mariens gestellt, einer Kirche anzugehören deren Pforten weltweit geöffnet sind. Und Du Herr, warst ja auch bis zu DEINEN 12. In der Liebe DEINER Familie in Nazaret geborgen.

In St. Josef wurde ich eingeführt in die großen Geheimnisse und Traditionen der katholischen Kirche. Alle Priester, die später in diesem Gotteshaus mit uns die Eucharistie feierten, sind mir noch vertraut. In mir klingen sie nach, diese Stunden, in denen uns der Herr besonders nahe schien. Wenn ich heute am Klavier sitze und das „HEILIG, HEILIIG,  HEILIG“ der Schubert-Messe intoniere oder wenn ich nachvollziehe, dass für mich noch heute „die Christenheit  andächtig vor dem Allerheiligsten im Staub liegt“, dann ist immer hohe Zeit.

Zu Hause in der Familie, war es vor allem meine Großmutter, die mir in ihrer stillen Frömmigkeit vermittelte, dass der Glaube ihr Lebenselixier war. Sie betete oft und fromm den Rosenkranz, spendete mir zur Nacht Weihwasser und ihren Segen, und las andächtig oft in der Heiligen Schrift. Was mir immer -vielleicht würden es moderne Theologen wenig respektvoll abtun-  geheimnisvoll blieb, und bleiben muss: Sie trug auf dem Herzen unter ihrem Mieder in Tuch eingeschlagen ein „Scapulier – irgend eine fromme Schrift“, die ihr viel bedeutete. Ich stellte respektvoll nie Fragen hierzu. Dieses Geheimnis sollte meine Großmutter für sich behalten dürfen. Ihr Rosenkranz blieb mir aber erhalten. Er liegt unter meinem Kopfkissen. Er begleitet mich durch mein ganzes Leben. Ich kann nicht einschlafen, auch wenn es sehr spät wurde, ohne „ein Gesätz“ zu beten, und das fort zu setzen, was meiner Großmutter viel bedeutete.

Pfarrer Dold und seine Vikare, bereiteten mich und meine Freunde und die Mädchen auf die erste Heilige Kommunion gewissenhaft vor. Dann kam de große Tag: Die Stadtmusik mit feierlicher Musik voraus, zogen wir in einer Schleife vom nahe gelegenen Kindergarten zur St. Josefskirche, deren Glocken uns schon von weit her grüßten. Wir nahmen unsere Ehrenplätze ein. Die Kerzen wurden vor uns hingestellt. Es ist mit Worten kaum auszudrücken, was mich bewegte, als ich zum ersten Mal im Verlauf des Gottesdienste erleben durfte, dass der Unendliche, der Mensch geworden, der Herr der am Kreuz endete und wahrhaft auferstand, in Gestalt der schlichten Hostie zu mir kommen, und sich wie ein Stückchen Brot von mir verzehren lassen wollte. Es war der Anfang eines gemeinsamen Weges mit Christus. Und wie oft durfte ich mich durch IHN stärken lassen. kniete unerkannt vor dem Allerheiligsten bei einem Kirchgang, oder feierte das Gotteslob vor ausgesetztem Allerheiligsten mit.

Die Kanzel und Predigt der sonntäglichen Gottesdienste setzte die Einweihung in die Glaubensgeheimnisse fort. Wir ließen es uns auch nicht nehmen im Dritten Reich, als wir hinein gezogen in die damaligen Rituale, an den Sportfesten, den Standortapellen teilnehmen mussten, und den “Führerreden“ im Turnsaal der Schule zu lauschen hatten, unseren Glauben zu bezeugen. Wir zogen gleichzeitig andächtig bei der Fronleichnamsprozession durch die Strassen der Stadt und stellten uns bei den mit Blumen geschmückten Altären auf, um dem Evangelium zu lauschen und den Segen des Priesters mit der Monstranz zu empfangen.

In St. Josef wurde ich auch gefirmt und für die anstehenden Kämpfe und Auseinandesetzungen mit dem Zeitgeist vorbereitet. So blieb mir mit Gottes Hilfe immer klar, wer der eigentliche Herr der Geschichte war. Das Gebot, Du sollst den Herrn Deinen Gott lieben aus Deiner ganzen Seele aus Deinem ganzen Gemüt und mit allen Deinen Kräften, wurde tief, sehr tief eingeritzt in mein ganzes Wesen: Unter den Vikaren möchte ich besondern einen hervorheben, der eine marianischen Kongregation nahe stand und uns besonders anregte, uns nicht grenzenlos an den vorherrschenden Zeitgeist anzupassen. Ein anderer war unser geschätzter Vikar Hemmerle, der spätere Bischof von Achen, der mit einem kindlichen Humor ausgestatte, mit brillanter Intelligenz begabt, eine Vorliebe entwickelte, Worte aus ihrem Sinnzusammenhang  heraus zu lösen und zu verdrehen. Der geneigte Leser mag sich vorstellen, wie es dem damaligen „Kirchenvolk“ zu Mute war, als Hemmerle in einer tiefschürfenden theologischen Fastenbetrachtung vom Herrn erzählte, der „in Kesseln gefettet“ war. Ein befreiendes österliches Lachen platzte mitten in die ernste Angelegenheit von Jesu Leiden. Das Bild dieses Bischofs, dem ich später als Theologe zu Füßen saß, ziert meinen Schreibtisch. Ich halte oft Zwiesprache mit dem auf diesem Bild von seiner schweren Krankheit gezeichneten Seelenfreund.

Frohes Fasten
Euer Franz aus Oppenweiler

Geborgen in der Kirche

Der Kreuzweg

In schmerzlichen Trennungen von lieben Menschen, beim Leiden unter den Grenzen unseres Daseins, in Angst, Schuld und Einsamkeit, hat es mir oft die Sprache verschlagen. Aber auch im Verstummen blieb noch die Hoffnung, dass Gott der Herr, unsere Klagen hören, und alles zum Guten wenden könne. Ich kenne jedoch auch Situationen, in denen mich der Schmerz so gefangen nahm, als gäbe es nur mein überwältigendes Leid.

Jeder Mensch erfährt wie ich, in seinem Leben unausweichlich sein eigenes Kreuz. Wir Christen dürfen darauf vertrauen, dass uns der Herr in allem beisteht und uns hilft, die Last zu tragen. Vielleicht möchte uns der liebende Gott durch Kreuz und Leiden auch nur von ungeordneten Strebungen befreien. Ich kann mir Gott den Herrn, der seine Schöpfung für gut befindet, nur als „deus caritas est“ vorstellen. Mich erschreckt zutiefst, dass wir der Versuchung erliegen könnten, unser Kreuz, das uns mit Jesus Christus verbindet, zu verleugnen.  Dies wäre das reine Entsetzen, ein Abweichen von Gottes Wegen, um Götzen zu dienen.

Wohin uns die Anbetung fremder Götter nach „unserem Bild und Gleichnis“ führen kann, das ist auch in unseren Tagen auf vielfache Weise zu beobachten. Scheint doch die Verweltlichung und Abkehr der Menschen von Gott wie allgegenwärtig. Wir können das uns auferlegte Kreuz im Zerbrechen von Beziehungen, bei gegenseitiger Entwürdigung, im Leid, Elend und all unseren Grenzen im Alltag hautnah erleben. Wie wohl tut es dann, wenn Christen bei einander wohnend, sich die Hand reichen, das Mögliche unternehmen, sich gegenseitig trösten, und Gott unsere Not klagend, um Sein Erbarmen anrufen. Wie nötig ist doch im Leid das tröstende Wort, die bergende Hand, oder ein verständnisvolles Schweigen. Dass auf diese Weise manchmal ein Stück Himmel auf Erden, Gottes   Reich wahrer Liebe ein wenig aufleuchten kann, durfte ich in der Arbeit als Psychotherapeut und in anderen Begegnungen mit Menschen gelegentlich erfahren. In solchen Situationen kann man dann erkennen, was es bedeutet, wenn einer der anderen Last trägt.

Das ist aber für uns Christen noch nicht die ganze Wahrheit. Denn aus allem Scheitern und Leiden erwächst ja auch immer wieder neue Hoffnung, Vertrauen und Liebe zu einander und zu Gott unserem Vater. Er vermag in uns die Barmherzigkeit, und das Mitleid für einander zu erwecken, dessen es bedarf, um SEIN Reich des wahren Friedens aufzubauen. Unser Herr und Meister Jesus Christus geht uns auf diesem Weg voran, und lehrt uns IHM mit unserem eigenen Kreuz zu folgen. Dabei kann es geschehen, dass wir manchmal mehr unser eigenes, und nicht so sehr Jesu und Gottes Leid sehen und beklagen.

Wer aber vermag zu ermessen was der Herr an physischer  Gewalt bei Seiner Kreuzigung und durch die Ablehnung Seiner Liebe und Sendung für uns gelitten hat? Wie sehr muss Gott, unser Vater, menschlich gesprochen immer wieder leiden, wenn wir IHM die kalte Schulter zeigen, als müssten wir einen Störenfried aus unserem Leben beseitigen. Gott aber lässt trotz allem nicht ab von SEINER Liebe. Mit offenen Armen geht er immer wieder auf uns zu, oder trägt uns wie ein verirrtes Schaf, auf Seinen Schultern ins Reich des Friedens zurück.

Das Kreuz und Leid in unserem Leben erinnert uns immer wieder daran, wie nötig wir den Herrgott brauchen. Lassen wir daher vom göttlichen Winzer alle ungeordnete Strebungen in uns beschneiden, damit der wahre Gott, der Gegenwärtige, uns im Kreuz und der Auferstehung Seines Sohnes begegnen, und im Heiligen Geist trösten, beleben und stärken kann. Aller Willkür und dem Spott ausgeliefert, fragt uns der Herr vom Kreuz herab, ist einer da, der Mitleid mit mir hat. Ich sage: Ja mein Herr und mein Gott „ adsum“. Immer wieder habe ich schwer darunter gelitten, wenn man Dir, einem meiner Brüder oder Schwestern ein Leid zufügte. Erbarme Dich meiner, erbarme Dich unser. Ich höre wie von fern Deine Worte „heute noch wirst Du mit mir im Paradiese sein“. Lassen wir Kreuzträger diese tröstenden Worte Jesu tief in unsere geschundenen Herzen dringen.  Welch ein Jubel, welch ein Trost für uns alle.

Bleiben Sie im Segen!
Ihr Franz Schwald aus Oppenweiler

Herr erbarme DICh unser

 

Erstkommunion

Der kleine Erich, ein aufgeweckter, kluger und sehr neugieriger Junge, empfand es immer mehr, dass ein bedeutendes Fest nahte: Der Stadtpfarrer seiner Heimatstadt hatte ihn, zusammen mit den Buben und Mädchen seiner Klasse während mehrerer Wochen auf die Erstkommunion vorbereitet. Mit allen Sinnen wach, war er gespannt, den Erzählungen des Priesters über den Tod und die Auferstehung des Herrn Jesus Christus gefolgt. Dass der gütige Gottessohn, der am Kreuz sein Leben hin gab, nicht im Tod geblieben, verwunderte den Jungen sehr, und dass der Menschenfreund und Wundertäter auf geheimnisvolle Weise weiter leben, und bei uns Menschen bleiben werde, löste in dem Buben, der den Berichten des geschätzten Priesters immer aufmerksam folgte, große Freude aus.

Fast körperlich hatte Erich bei den Erzählungen des Priesters, die Wucht der Geiselhiebe, die Verhöhnung, den Verrat des Petrus, den Kreuzweg, und das bittere Sterben des Herrn, der ihm zum Freund wurde, miterlebt. Dass dies geschehen musste, um die Sünden und Schuld der Menschen zu büßen, konnte sein kleines, fassungsloses Herz, kaum verstehen. Warum, so schrie es in seinem Inneren, muss dieser Schuldlose so grausam sterben? Es tröstete ihn kaum, dass der liebe Heiland, so erzählte es der Stadtpfarrer, vor seinem Tod beim Abendmahl seinen Jüngern versprach, Er werde nach seinem Tod in Gestalt von Brot und Wein weiter unter ihnen bleiben.

Nun verstand Erich aber ein wenig besser, dass die Kirche Seine Gegenwart in der Heiligen Messe so feierlich gestaltete. Er war schon so oft in der Kirche gewesen, und wäre auch gern mit den anderen Gläubigen zum Altar gegangen, um die Hostie, in der Gott wohnte, zu empfangen. Vom lieben Gott, der alles so gut gemacht, und uns Menschen Seine Schöpfung anvertraute, hatte er in den biblischen Geschichten schon oft gehört. Wie groß und lieb musste Gott sein, der uns Menschen, die Welt und die vielen Sterne am Himmel, Mond und Sonne, die Tiere, und all die Pflanzen erschaffen hat, und für alles sorgte. Wie konnte dieser so erhabene Gottessohn in den Gestalten von Brot und Wein wohnen? Es wurde Erich fast ein wenig schwindelig, als er über dieses große Geheimnis nachdachte. Die Freude aber, dass er bald zu denen gehören sollte, die auch zu Kommunionbank gehen durften, um den Heiland in Brots Gestalt zu empfangen, vertrieb alle kindlichen Fragen.

Es war ja auch zu Hause in der Familie zu spüren, was dieser Festtag für die Mutter und den Bruder bedeutete. Der Vater war damals im Krieg, wie die Väter der Klassenkameraden. Aber die geliebte Oma hatte auf ihre stille Weise den Festtag im Gebet vorbereitet. Sie, dessen war sich Erich sicher, hatte im Rosenkranz besonders liebevolle um Gottes Segen gebetet. Die Mutter sorgte dafür, dass Erich zu diesem Fest neu eingekleidet wurde. Er bekam einen dunkelblauen Kommunionanzug mit einem weißen Blütensträußchen am Revers. Dazu trug er ein weißes, offenes Schillerhemd, weiße Kniestrümpfe und schwarze Lackhalbschuhe. Er bekam auch eine schöne Kerze, ein neues Messbuch und einen Rosenkranz mit weißen Perlen. Die Anprobe klappte, und Erich fühlte sich beinahe wie im Himmel, so feierlich war ihm dabei zumute.

Der große Festtag nahte: Alle Kinder versammelten sich in dem der der Kirche nahe gelegenen Kindergarten. Die Ordensschwestern sorgten aufgeregt für die richtige Reihenfolge der Kinder bei der Prozession zur St. Josefs Kirche. An der Spitze der Prozession wurden das Kreuz und die Fahnen getragen. Danach folgte die Stadtmusik, die mit einem feierlichen Marsch die Kinder zur Kirche begleitete. Ihm folgten die Erstkommunikanten: Voraus gingen sehr gesittet die mit Kränzen geschmückten Mädchen, in ihren weißen Kleidern, die Kerze, den Rosenkranz und das Gebetbuch in Händen, in Zweierreihe dahinter die Buben. Erich als einer der Kleinen, durfte neben seinem Freund Julius stolz die Bubenschar anführen. Dahinter folgte der lange Zug der Ministranten, und zum Schluss, nach den Kindern, zwei große Ministranten mit dem Weihrauch, dem Stadtpfarrer im Rauchmantel, und seinem Vikar. Diese beiden hatten allen Kindern am Vortag auch das Bußsakrament zur Vorbereitung auf den Empfang der Heiligen Kommunion gespendet. Auf diese Weise innerlich gerüstet, schritt Erich froh und erwartungsvoll neben seinem Freund Julius zur Kirche.

Als die Kommunionkinder die voll besetzte Kirche betraten, erscholl die Orgel besonders feierlich, und die Gläubigen erhoben sich von ihren Plätzen. Ein kleines Gedränge musste sich aber erst auflösen, als die Kinder ihre Plätze in den mit Blumen bekränzten Bänken einnahmen. Erich schien es, als würde der Festgottesdienst sehr lange dauern, denn er konnte es kaum mehr erwarten, zum ersten Mal den lieben Heiland in der Hostie zu empfangen. Das Herz klopfte ihm bis zum Halse, als er endlich mit Julius zusammen nach vorne ging, um aus der Hand des Stadtpfarrers die heilige Kommunion zu empfangen. Was sich in diesem Augenblick im Herzen von Erich ereignete, bleibt ihm und allen Lesern ein Geheimnis. Einen so erhabenen Augenblick aber hatte Erich in seinem ganzen bisherigen Leben noch nicht erlebt. Er hatte große Mühe, seine Andacht bis zum Ende des Gottesdienstes mit dem Segen beizubehalten. Unter dem Gesang: “Großer Gott wir loben Dich”, bei dem der Organist alle Register zog, verließen die Kinder die Kirche. Bei strahlendem Sonnenschein empfingen sie ihre Eltern und Verwandten. Auch alle anwesenden Gläubigen zeigten ihre Freude durch Lachen und Reden und drängten sich, die Kinder zu sehen und zu beglückwünschen.

Nach all dem Beten und Feiern empfand Erich einen gesunden Appetit. Er erinnerte sich daran, dass ihn seine Mutter gefragt hatte, was er sich als Festtagsessen wünsche, und freute sich auf seine Spaghetti mit Tomatensoße und Koteletts. Was konnte es Feineres geben, um den hungrigen, frommen Magen, zu verwöhnen. Nach der feierlichen Dank Andacht am Nachmittag, und dem Fototermin, klang der erhebende Tag der ersten Heiligen Kommunion in den Abend hinein aus. Mit dem Segen der Großmutter zur Nacht schlummerte Erich selig ein, um davon zu träumen, dass ihn nun ein ganzes Leben lang der gütige liebe Heiland begleiten werde, und dass er nun wie die Erwachsenen, beim sonntäglichen Gottesdienst auch die Heilige Kommunion empfangen durfte.

Erstkommunion
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