Eine Liebesgeschichte

Ein Mann in den besten Jahren denkt über sein Leben nach. Dies soll auch heute ab und zu vorkommen. Viele Bilder ziehen an ihm vorüber. Er blickt auf seine an Beziehungen reiche Kindheit und Jugend zurück. Es sind Bilder vom fröhlichen Spiel im Sommer und im Winter zusammen mit seinen Gefährten. Die Schulzeit mit den Beziehungen zu den Mitschülern, Buben und Mädchen, die Erfahrungen mit Lehrern und Lehrerinnen, die Freude, am Lernen und die manchmal endlose Schulstunden in der Hoffnung auf das freie Spiel mit den andern Kindern. Im Sommer das Schwimmbad im Winter den Schlitten. Und dann das Erwachen des Interesses an den Mädchen. Es war sein eigenes streng gehütetes Geheimnis, in der Mittagszeit eine hübsche Schneiderin zu beobachten, die sich in der Pause mit ihren Freundinnen unterhielt. Nie hätte er es gewagt, sie anzusprechen, ihr zu sagen, wie schön sie für ihn war. Es war die Zeit in der er sich auch für Sport interessierte. Er bewunderte die hübschen Tennisspielerinnen in ihren kurzen Röckchen. Auch auf dem Sportplatz, galt das Interesse immer mehr den vielen Mädchen, die ihn immer wieder faszinierten. Er erinnert sich an Gespräche mit seinen Freunden über all diese Beobachtungen und an die Freude beim Tanzen. Bald hatte er vergessen, dass er von seiner Mutter das Tanzen lernte und ging seine eigenen Wege. Eine stille Sehnsucht nach Erfüllung und vertrauensvoller Beziehung zu einer Frau, die zu ihm passen könnte, begleitete die Jugendjahre.Er wurde älter und hatte erste Kontakt zu Frauen, die ihn faszinierten. Manche Beziehungen waren von kurzer Dauer von Enttäuschungen begleitet. Im Abstand und zeitlichen Rückblick waren sie wesentliche Erfahrungen in der Erprobung des Umgangs mit Frauen. Alle aber sind wie ein unverzichtbarer Teil seiner selbst und im Rückblick sehr wertvoll geworden. Gerne hätte er jeder von ihn noch einmal gedankt für das Zusammensein. Bis auf den heutigen Tag blieb ihm aber eine stille Verehrung der Frauen und das Bedürfnis ihnen ritterlich zu begegnen erhalten. Dies gilt besonders denen gegenüber, die sich ihm öffneten und ihm ihre Nähe zu ersten sexuellen Erfahrungen schenkten. Erlebnisse, die ihm halfen während seines ganzen Lebens Frauen als Mann zu begegnen. Durch sie alle, denen er sich dankbar erinnerte, verlor er die Angst vor der Nähe zu ihnen, sodass er für sie einzutreten bereit wurde. Bis auf den heutigen Tag, tritt er für die Ehre der Frauen ein. Sexuelle Erniedrigung und Ausbeutung sind ihm ein beklagenswerter Gräuel.Umso mehr ist ihm das Zusammenleben in der festen Beziehung einer tragfähigen Ehe von Bedeutung. Nur im Schutze einer solchen Beziehung scheint es ihm möglich in der Intimität, die nicht ans Licht einer schamlosen Öffentlichkeit gezerrt werden darf, in der gegenseitigen Achtung und der Wunsch nach vertrauensvoller Nähe und gegenseitiger Hingabe verkommen. Auch der Charakter sexueller Beziehungen ändert sich ja im Laufe des Lebens, besonders wenn Eheleuten Kinder geschenkt werden, die des Schutzes und Beistandes, der Eltern bedürfen. An diese kostbare Zeit denkt unser Mann ebenfalls zurück. Auch daran dass die Kinder aus dem Haus und ihre eigenen Wege gehen, und Enkel sich hinzugesellen und Familien zusammen finden.
Immer wieder musste unser Mann zusammen mit seiner Frau lernen, ein neues Gleichgewicht gegenseitiger Beziehung herzustellen. Der Schutz gilt nun dieser gewachsenen Familie und aller ihrer Angehörigen, ebenso dem gesellschaftlichen Raum, in dem alle zusammen mit anderen Menschen leben. Wie schön wäre es doch, wenn die gegenseitige Achtung und der Respekt der Menschen als Frauen und Männer und das kostbare Gut ehelicher Gemeinschaft und Familie erhalten bliebe. Unser Mann ist zutiefst davon überzeugt, dass eine Gesellschaft, die diese Werte aus den Augen verliert und das Sexualleben dem Markt, dem Konsum und der Willkür öffnet, im Grunde dekadent isEr schaut sehr nachdenklich und betroffen, auf das Geschehen in unserer heutigen Zeit und lebt inzwischen selbst in einer Lebensspanne, in der es gilt, auch in großem Respekt vor einander die reifere Zeit der Liebe im Alter zu erfahren, in der das Sexualleben sich noch einmal verändert und gleichzeitig das Bedürfnis nach Achtung, Nähe und gegenseitigem Schutz auch im gesellschaftlichen Raum an Bedeutung gewinnt. Wer aber im Lauf seines Lebens in der Schule des Respektes in seiner Liebesfähigkeit geschult, lernte, alle Anliegen des Lebens als Mann und Frau miteinander zu teilen, dem wird es leichter gelingen, durch die Reduktion des orgastischen Erlebens, keinen Schaden zu nehmen und umso mehr den Reichtum und die Fülle der ganzen Lebenswirklichkeit in den Blick zu bekommen, um als Mann oder Frau mitzuarbeiten, das nötige Netz respektabler Beziehungen der Geschlechter von Kindheit bis ins hohe und höchste Lebensalter, als eine Chance zu begreifen, die bergende gegenseitige Achtung und die ganze Lebensspann umfassende Liebe möglich macht.

Ewige Liebe bewahre und tröste und stärke uns

 

Franz Schwald
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