Taufe leben

Wir sind andächtig in der Kirche versammelt und feiern mit unserem geschätzten, aufrechten, manchmal auch kantigen Priester die Heilige Messe. Er ist über die Pfarrgemeinde hinaus, als ein im alten und neuen Testament beheimateter, exzellenter und engagierter Prediger  und Exeget bekannt. Heute sind wir Zeugen, wie er mit Behutsamkeit und sichtlicher Freude, ein kleines Kind in die Gemeinschaft der Katholischen Kirche aufnimmt, und uns an die eigene Taufe erinnert. Weder der Priester noch wir Gläubigen können aber in diesem Augenblick ahnen, dass er tags darauf sterben würde. Noch heute fehlt uns dieser „ gute Hirte“ und hinterlässt eine schmerzliche Lücke, denn es war immer tröstlich, mit ihm zusammen beten zu dürfen. Die Beauftragten unserer Seelsorgeinheit sind sehr bemüht, den herben Verlust auszugleichen. Wie erhebend ist es daher in dieser Lage für uns zu wissen, dass wir auch nach dem Tod des Priesters, in der Fürbitte bei Gott miteinander verbunden sind. Gott möge sein Wirken segnen und ihn für alle Mühen reichlich belohnen! Gott sei Dank führt das christliche Dasein über den Tod hinaus ins österliche, ewige Leben. Dieser in Gott begründeten Hoffnung dürfen  der Täufling und wir alle gewiss sein. Voll Vertrauen und Dankbarkeit feiern wir daher die Vollendung dieses priesterlichen Lebens in der ewigen Liebe bei Gott.

Der Tod vorbildlicher Menschen ist für uns alle aber auch immer wieder  Anlass, darüber nachzudenken, wie wir selbst die entstandene Lücke füllen können? Im Blick auf das Leben und Sterben Jesu, SEINE Jünger, die Gottesmutter und viele Glaubenszeugen, können wir recht deutlich erkennen, was nun bis zu unserer letzten Stunde  unsere Berufung ist:Obwohl ich mich nicht mehr genau daran erinnere, bin ich sicher, dass auch ich vor vielen Jahren in der St. Josefs Kirche in Rheinfelden unter Zeugen getauft und in die Katholische Kirche aufgenommen wurde. Jahr für Jahr erinnert uns der Priester in der feierlichen Liturgie der Osternacht an unsere Taufe und fordert uns auf, allen  satanischen Verführungen zu widersagen. Auch in jedem Vaterunser bitten wir Gott, uns nicht in Versuchung zu führen und von allem Bösen zu erlösen. Ich muss allerdings gestehen, dass es seine Zeit brauchte, um eine Ahnung davon zu bekommen, was diese Zusage für uns Christen bedeutet. Heute kann ich erheblich mehr als früher erkennen, dass es dabei um das „Ja“ zu GOTT und SEINE ewig glückselige Liebe, oder um das „Nein“, die Entscheidung gegen IHN, die Hölle der Gottferne geht.

Auch wenn wir im Kirchenjahr nicht Osternacht feiern, drängt es mich heute, unser und mein Taufversprechen vor aller Welt, unserem Papst, den Bischöfen, Priestern, Diakonen, und allen Gläubigen, zu erneuern. Dem DREIFALTIGEN aber zugleich für SEINE lebenslange Liebe und Führung im HEILIGEN GEIST zu danken und IHN zu bitten, uns auch in Zukunft vor allem Übel zu bewahren und zum Guten zu ermutigen. Könnte es sein, dass auch Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, diesen Wunsch ab und zu verspüren? Sollte unser Herrgott, wenn wir IHN gemeinsam bitten, nicht ein Einsehen haben und uns beistehen, wenn es darum geht, in unserem Hier und Heute allen satanischen Gestalten der Lüge, Verneinung und Verführung, im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes zu widerstehen? Wir dürfen fest darauf vertrauen, dass uns GOTT, der die SEINEN so sehr liebt, uns im HEILIGEN GEIST all das Nötige gewährt, damit wir als lebendige Bausteine SEINER Kirche, für das Wohlergehen der Menscheits-Familie, beten und tatkräftig eintreten können. Dadurch würden wir auch genau dem Beispiel unseres heutigen Papstes Franziskus folgen, der mit einem schlichten Kreuz auf der Brust, seinem befreienden  Lächeln und der Heiligen Schrift in der Handtasche, uns segnend voran geht. Werden wir daher nie müde, mit ihm unserem Herrn Jesus Christus zu folgen, der Weg, Wahrheit und Leben ist. Mögen wir IHM, dem Gottessohn,  der uns einlädt, zu bitten, um zu  empfangen, zu suchen, um zu finden, anzuklopfen, damit uns aufgetan wird, unsere Herzen nicht verschließen. Noch mehr, bitten wir IHN, unseren Erlöser, dass er uns, wenn wir dessen bedürfen, „gute Engel“ sende, damit sie den „Stein“ der Angst und des manchmal mangelnden Vertrauens von unseren Seelen wälzen, und wir nicht bei lebendigem Leib, wie getrennt von IHM, im eigenen Grab vermodern, sondern als „Auferweckte“, wie unser verstorbener Priester zu sagen pflegte, einander beistehen und einander, aber vor allem GOTT, das SEINE gönnen.

So trete ich im Geist, wenn Sie gestatten, mit Ihnen liebe Leserinnen und Leser, vor unser Familienkreuz, das Bild der Gottesmutter mit dem Kind, und die moderne Ikone in unserer Wohnung, in der ich, wie einst Franziskus, die schutzbedürftige Kirche erkenne. Schauen wir in schweren Stunden auf zum DREIFALTIGEN GOTT, und zu den vielen Menschen guten Willens, die vor, mit, und nach uns, auf manchmal steinigen Wegen zum letzten Ziel unterwegs waren und sind: Die Gottesmutter und mit ihr unzählige liebenswerte Frauen und Mütter, haben ihren Glauben durch ihr „fiat“ bezeugt. Auch Franz von Assisi, mein Namenspatron, hat uns vorgelebt, wie schön und liebenswert unsere Kirche sein kann. Der satanischen Gottferne gilt unser „Nein“! Dem hoch zu lobenden Herrn aber unser uneingeschränktes „Ja“! Guten, frohen Mut dazu! Ich bin sicher, der DREIFALTIGE GOTT  liebt und braucht uns.

Ihr Franz aus Oppenweiler

Geborgen in der Kirche

Das Leben

Es ist seltsam: In einem Alter, in dem Menschen das näher rückende Ende vor Augen, das Schwinden der Zeit beklagen, es als nötig erachten, ein Plädoyer für das Leben und die Wahrheit zu halten. Wer aber meine drei Bücher „Geschichten und Gedanken“ kennt und weiß, aus welchem Holz ich als Enkel eines Bildhauers geschnitzt bin, den wird es nicht überraschen, wenn ich in dieser Situation noch etwas zu sagen habe. Von meinem komplexen Lebensweg soll jedoch in diesem Text, nicht mehr eigens die Rede sein, obwohl er mir gelegentlich als Arbeitsmaterial dienen darf. Umso mehr will ich mir gestatten, mit einer Auswahl von Beispielen darauf zu verweisen, was im Leben von Menschen aus den verschiedensten Gründen leicht übersehen wird.

Mit dem Schicksal eines „Spätberufenen“, das mein Leben prägt, habe ich mich versöhnt, denn alle wichtigen Entscheidungen fielen im Segen des Himmels zu rechten Zeit. Zu kurz gekommen bin ich daher bislang nicht. Seit einigen Jahren nutze ich als Pensionär den mir geschenkten Freiraum, um mit interessierten Lesern über die Fragen unserer Zeit ins Gespräch zu kommen. Es ist mir aber ein Anliegen,  im letzten Lebensabschnitt, nur noch über Themen zu sprechen, die mir wichtig sind.

So trete ich,  frei von beruflichen und gesellschaftlichen Zwängen, in Bindung an die mir bewussten Werte, für den Schutz des Lebens und der erkannten Wahrheit in allen Belangen unseres Daseins ein. Heute  sehe ich mich eher in der Lage, ohne Scheu, über Erfahrungen zu reden, die bisher nicht im Zentrum meines Interesses lagen. Es gab Themen, bei denen es mir in den rückliegenden Jahren gelegentlich ratsam schien, zu schweigen. Die Abhängigkeit von der öffentlichen Meinung ist erheblich. Gleichzeitig lege ich Wert darauf, zu wichtigen Fragen unseres Umgangs mit einander und unserer Rolle in der heutigen Gesellschaft Stellung zu beziehen. Die eigene Urteils- und Kritikfähigkeit hierzu, verdanke ich familiären, beruflichen, religiösen und kulturellen Quellen meiner Biographie. Damit berühren wir einen wesentlichen Punkt meines Themas:

Wer kann es sich, einbezogen in das berufliche, gesellschaftliche, mediale und politisches Geschehen leisten, die eigene, dem Leben geschuldete Wahrheit, offen zu vertreten? Natürlich sprechen wir alle gern von der freien Meinungsäußerung in einer Demokratie. Dabei gehen wir davon aus, dass die öffentliche Meinung nur in autoritären Regimen unterdrückt wird. Das stimmt zuweilen, und wir beklagen zurecht jede Unterdrückung der Pressefreiheit. Es gilt aber bei unserer Betrachtung mit einem durch Erfahrung geschulten Blick, auch auf die in demokratisch verfassten Staaten bestehende, subtile Steuerung  der öffentlichen Meinung zu achten.

Hierzu einige Anmerkungen: Seit Jahren arbeite ich in meinem letzten und schönsten Beruf als freier Schriftsteller. Frei von direkten Zwängen, jedoch nicht unabhängig von aktuellen politischen und gesellschaftlichen Prozessen, hat sich die Palette der Interessen deutlich erweitert. Wenn sich auch die körperlichen Optionen mit dem Älterwerden reduzierten, so führte ein beständiges Lernen zu einer erheblichen Erweiterung meines Handlungsspielraums. So besehen, kann auch das Alter zu einer schönen, gestaltungsreichen Lebensphase werden.

Ich liebe die Sprache, das Wort und die kreativen Fähigkeiten, seit ich denken kann. Meine Vorbereitung auf diesen letzten Beruf erfolgte zwar nicht durch ein Germanistik-Studium, anstelle dessen jedoch durch ein lebenslanges Lernen in der Familie, dem Studium, leitenden Funktionen in Beruf, Politik, Kirche, so wie durch Erfahrungen in einer eigenen Praxis. Der heimatliche Dialekt und der lebendige Umgang mit Sprachen und der Literatur, sind mir von Kindheit an vertraut. Ich sammelte aber auch Erfahrungen, in denen es nicht ratsam war, in offener Rede seine Meinung zu sagen.

Unsere Mutter hatte es in den entbehrungsreichen Jahren des letzten Krieges und danach nicht leicht, zwei temperamentvolle Söhne in Schranken zu weisen. Wir tauschten unsere Ansichten lautstark aus, bis dann einer der Beteiligten, die Kampfstätte verließ, um Trost und Verständnis bei Freunden zu suchen. Dies hielt uns aber nicht davon ab, in der Not zusammen zu stehen. Mein Bruder war ein besserer Bettler beim Hamstern; ich verstand mich auf das geschickte Verhandeln bei Tauschgeschäften. Unsere Mutter gestand uns aus ihrer eigenen Erfahrung genügend Freiraum zu. Wir lernten sehr früh zu entscheiden, wann wir von unseren nächtlichen Ausflügen zurück- kehren sollten. Sie schärfte uns als Verhaltensnorm lediglich ein, ihr „keine Schande zu machen“, was immer sie darunter verstand. Das Familienleben mit meiner Frau unseren drei Töchtern, und deren Familien, bot reichlich Anlass, die Fähigkeit zur Meinungsäußerung, zur Versöhnung, gelegentlich auch zum Schweigen zu schulen. Das Verständnis für einander und die Bereitschaft zur Offenheit wuchs auch gegenüber den Verwandten.

Unser Großvater aus dem Hotzenwald, war als ein liberal gesinnter, politisch sehr engagierter Mann bekannt. Mein Stiefvater ging für seine Überzeugungen als Kommunist ins Konzentrationslager. Im damaligen politischen System des Dritten Reiches, bestimmte nur die die nationalsozialistische Meinung das öffentliche Leben. Während des Krieges stand das Abhören ausländischer Radio-Sendern nach dem Motto “Feind hört mit” unter Strafe. Der Religionsunterricht fand nur in Privatwohnungen statt. Und dennoch wagte es unser damaliger Pfarrer öffentlich,  politisches Unrecht an zu prangern.

Der Schulunterricht passte sich nach 1945 an die gegebenen Verhältnisse und die Vorgaben der Besatzung an. Die Lehrer begrüßten uns nicht mehr mit „Heil-Hitler“. Zu unserer Überraschung hieß es nun „Grüß Gott“. Es brauchte nach dem schrecklichen Ende des zweiten Weltkrieges an die fünfzig Jahre, bis eine offene Aussprache  über die Zustände im Dritten Reich einsetzte. Damals war es nicht opportun, als Deutscher zur eigenen, nicht nur schmerzlichen Geschichte, vor 1933 zu stehen. Über die Folgen der Besatzung,  die Bombardements auf unsere Städte, den Einsatz von Atomwaffen, oder die Vertreibung der deutschen Zivilbevölkerung wurde geschwiegen.

Seit meiner Pensionierung schreibe ich, als Brückenbauer im Blick auf die Mitmenschen und unser Dasein Texte. Geprägt wurde ich im steten  Dialog des Zusammenlebens mit anderen Menschen. Auch die Tatsache, dass ich es heute wage, über meinen wichtigsten Beruf, ein „Mensch zu sein“, offen zu reden, ist eine Frucht lebenslangen Nachdenkens und der Teilnahme an allem, was mir das Leben zu bieten hatte.

Sehr nahe ist mir dieses Thema in den rückliegenden Tagen  begegnet. Zurzeit befinden wir uns bei unserer in Hamburg verheirateten mittleren Tochter und ihren drei Kindern und unserer jüngsten, ebenfalls in Hamburg verheirateten Tochter und unserer lebhaften Enkelin. So bekommen wir auch unter Beachtung der Pandemieregeln zu unserer Freude mit, wie das Leben weiter geht und eine neue Generation das Ruder des Lebensschiffes in die Hand nimmt. Bleiben wir für einen Moment bei diesem wichtigen Geschehen: Mit der Geburt beginnt immer wieder neu die Lebensuhr der Menschen für eine begrenzte Zeit zu ticken. Dies erfordert die tatkräftige Hilfe Eltern und Erzieher solange Hilfe erforderlich ist um den Nachkommen ein selbständiges Leben zu ermöglichen. Es muss heute schon betont werden, dass es zu unserer vornehmsten Aufgabe gehört, menschliches Leben in jeder Form zu erhalten und weiter zu geben.

Nicht viel erzählte ich in meinen drei Büchern davon, wie schwierig es für mich und alle, mit denen ich zusammen leben durfte war, zu unterscheiden, was für uns gut und böse war, und uns das anzueignen, was so lebensnotwendig und schön war, um es an die nächste Generation weiter zu geben. Es blieb mir auch lange Zeit nichts anderes übrig, als nach zu ahmen und zu übernehmen, was uns vorgelebt wurde. Sehr spät wurde mir die Erfahrung zuteil, dass es auf mich selbst ankommen würde, mit zu entscheiden, was für das Überleben unserer Gesellschaft wichtig ist. Dies erforderte die Fähigkeit und Bereitschaft, lebenslang zu lernen und zu unterscheiden was für mich und die anderen Menschen zum Überleben notwendig ist. Nicht alle menschlichen Vorbilder behielten ihre Bedeuting. Auch Ideale und Werthaltungen, die mir vorgelebt wurden, mussten nach und nach auf ihre Brauchbarkeit für das Leben überprüft und an neue Lebensverhältnisse angepasst werden. Dies waren für mich sehr schwierige Prozesse, denn es bestand für mich die Gefahr, immer dann als „Außenseiter“ zu gelten, wenn ich nicht der allgemeinen Meinung zu huldigen vermochte. Wer aber will schon gern ein Außenseiter sein?

Es begann schon in meiner Kindheit, dass ich zum Beispiel alte Menschen oder Bedürftigen zu achten begann. Aber auch diese Einstellung erforderte im Leben manche Korrekturen: Nicht jede Haltung eines alten Menschen oder eines Bedürftigen schien mir nachahmenswert. Das, was uns die Lehrer und Vorgesetzten in der Schule im „Dritten Reich“ vermittelten, musste bewertet und neu betrachtet werden. Auch die Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre hinterließen Spuren. Was konnte nach Prüfung Bestand haben, was war als lebensfeindlich auszusondern? Der Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten im Berufsalltag führte zu neuen Erfahrungen: Wie funktioniert die Wirtschaft, was muss geschehen, damit Unternehmen am Markt bestehen können, und wie werden die Beziehungen der unterschiedlichen Berufsgruppen zu einander geregelt. Was bedeutet im beruflichen Umfeld Verantwortung, Pflichterfüllung, Treue und Hilfsbereitschaft und wie kann das Zusammenleben am Arbeitsplatz human erträglich gestaltet werden. Was geschieht, wenn Grenzen nicht beachtet und Menschen missbraucht werden? Wer traut es sich, in diesem Umfeld seine Meinung zu sagen? Das galt früher und sicher zu jeder Zeit.

Ich durfte ein funktionierendes Zusammenleben in den Familien, in der Nachbarschaft,n in der Gemeinde und in der Stadt erleben. Auch in diesen Bereichen hatten es Menschen mit einander zu tun, die in der Lage waren vorbildlich zu handeln. Es gab aber auch die bitteren Erfahrungen von Unrecht, Gemeinheit und Grenzüberschreitungen. Auf welche Seite sollte ich mich stellen. Welche Regeln zum gesellschaftlichen Zusammenleben konnte ich akzeptieren, wer gab mir Halt und Sicherheit beim Unterscheiden und Entscheiden? Es gab sehr viele Gruppierungen, die mit ihren unterschiedlichen Angeboten lockten – Erfahrungen, die ich gerne mit anderen Menschen teilte und Situationen, in denen ich gefordert war, Abstand zu halten. Mit welcher Gruppe und welcher Haltung kann ich mich solidarisieren, wann muss ich eine Gemeinsamkeit beenden, einen anderen Umgang pflegen. Sehr schwere Fragen für junge Menschen auch in unseren Tagen.

Wo bin ich mit meinen Erfahrungen und Kenntnissen in einem Gemeinwesen nützlich und in welcher Form bringe ich mich ein? Wer hilft mir dabei, eine kritische Distanz zu halten, wenn Unrecht geschieht. Wie schütze ich mich vor Unrecht durch andere, welchen politischen Einfluss nehme ich, um die Gesellschaft in meinem Umfeld auch im erwünschten Sinne zu unterstützen? Fragen über Fragen, die einen jungen Menschen manchmal überfordern: Wann kann ich mich noch anpassen, wo und wie überschreite ich selbst Grenzen des Erlaubten? Welche Wertmaßstäbe halte ich für lebenstauglich, was schadet dem Leben. Wie lange kann ich mich in einer Gruppierung halten, wann muss ich an der Veränderung deren Haltungen mitwirken, wann wird es sinnlos, um nicht als „Michael Kohlhaas“ zu gelten? Wann wird es Zeit sich von einer gesellschaftlichen Gruppe, von Ansichten und Meinungen zu trennen, sich neu zu orientieren?

Fragen über Fragen stellten sich im Lauf des Lebens in immer reicherer Gestalt, und es bleibt selbst im Alter nicht alles beim Alten. Liebgewordene Werthaltungen müssen eine Differenzierung erfahren, wenn die Situation und die Umstände dies erfordern. Mit einer der schwierigsten Aufgaben überhaupt ist es, sich die Kraft eines freien Urteilens in einer zunehmenden Meinungsvielfalt zu erhalten. Wie leicht sind wir dann geneigt, der veröffentlichten Meinung sich ganz anzuschließen. Ja genau dann wird es sehr nötig, sich wieder Menschen zu suchen, mit denen in wichtigen Werthaltungen eine gewisse Übereinstimmung zu erzielen ist. Genau an diesem Punkt taucht aber auch die Frage auf, auf welche grundsätzliche Wertehaltung, die Zeiten überdauernd, Bedeutung haben muss, und wie erhalte ich mir auch innerhalb dieser Wertegemeinschaft eine gewisse Distanz zu gewissenhaftem Urteil?e

Über diese Fragen habe ich, in sehr lebensnaher Weise in meinen drei Büchern Rechenschaft abgelegt und verdeutlicht, welche Haltungen die Prüfung bestanden, um sie als gültige und überdauernde Normen akzeptieren zu können. Einem Wertekanon zu folgen, dem ich im Blick auf das ganze Leben als Geschenk des Daseins beipflichten kann. Ich gestehe offen, dass ich mich als Christ in eine gottgegebene Ordnung einfügen lasse, mir aber auch die Kritikfähigkeit gegenüber meinem eigenen Wertbewusstsein erhalte. Dies gehört wohl zum Schwersten: Zu erkennen wo und wann die eigen Werthaltung das Maß der Barmherzigkeit und Liebe verunstaltet. Sich gerade im Blick  auf die eigenen Wertmaßstäbe zu erlauben, dort kritisch zu bleiben, wo diese gegen die Regeln der Lebenserhaltung verstoßen.

Mein ganzes Plädoyer, das ich bisher führte, gipfelt insofern in der unabdingbaren Aufgabe, sich in Verantwortung vor dem eigenen Gewissen, dem Leben und der Lebenserhaltung einen eigenen Standpunkt und eine Standfestigkeit zu sichern, die es erlaubt, im vollen Sinne ein Mensch genannt zu werden. Der Vorbilder, die diese Haltung vertreten, gibt es gelegentlich wenige, in Wirklichkeit aber sind sie in der Geschichte der Menschheit immer vorhanden Wir finden sie in den Familien, in den Nachbarschaften, in den gesellschaftlichen Vertretern, in der Arbeitswelt, in der Religion, im Glauben, in den Vertretern politischer Überzeugungen, manchmal im Strom der öffentlichen Meinung verborgen als redliche Journalisten in der Wirtschaft, Forschung, Politik und in allen gesellschaftlichen Schichten.

Die Geschichte der Menschheit gibt Zeugnisse von tiefster Schuld, von Verbrechen und Leid, aber auch immer wieder von Verantwortung, Pflichterfüllung Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft. Wer aber trägt mit dazu bei, dass unser Leben auf diesem Planeten Erde menschenwürdig und daseinserhaltend gelebt und weiter getragen wird? Wer ermuntert und schult die Menschen in unseren Tagen so, dass sie selbst in die Lage kommen, all das zu beurteilen, zu unterscheiden, festzuhalten und nötigenfalls zu verteidigen, was dem Leben in seiner Gesamtheit und im Miteinander auf unserer Erde dient?

Das Plädoyer für das Leben, wie ich diesen Beitrag betitelt habe, soll nichts anderes darstellen, als einen Versuch, die Bedeutung des eigenen Urteils in unserer, wie in jeder Zeit vor uns hervor zu heben. Aber auch zu zeigen, wie schwer es ein kann – und das war zu allen Zeiten so, die Fähigkeit zur Distanz und zu einem vor dem Gewissen das Leben als Ganzes bewahrenden sittlichen Urteil zu erhalten.

Geborgen in der Kirche

 

 

 

 

 

 

Frühling

Zärtlich streichen
Sinne über traute
Dinge Blüten Büsche
Wunder der Natur

Die österliche Spur
lässt sich zur Freude
nieder in einem
Sträußchen Flieder

Frühling

Ostern

Seit undenklicher Zeit und im Strom der Geschichte wirkt die Liebe Gottes in unfassbarer Gegenwart. Bei  überraschenden Ereignissen im Alltag, in einer neuen Einsicht oder unerwarteten Begegnung, oft auch erst nach einer schweren Entscheidung, können wir manchmal eine Fügung zu unserem Besten erkennen. Möge die Liebe des HERRN uns im Osterglauben bestärken, damit wir vertrauensvoll auf SEINEN Wegen bleiben, und wie unsere Väter und Mütter, nur vor dem EINEN DREIFALTIGEN GOTT, dem LEBENDIGEN, mit dem geheimnisvollen Namen über allen Namen „ICH bin der ICH bin“ demütig unsere Knie beugen. Dieser Gott, zu dem wir beten, der Herr aller Zeiten und des Lebens, bleibt aber, wie wir erfahren dürfen, nicht unerreichbar im ewigen Licht. ER spricht uns an und hört unser Klagen, Bitten und Beten.

ER, der Schöpfer und Erhalter allen Seins, hat seinen Werken und dem Lebensstrom der Geschichte eine Richtung gewiesen. Als Gott mit uns in uns und über uns waltet SEIN reicher Segen und verbindet wie ein Regenbogen Himmel und Erde. In Lobpreis und österlicher Freude erheben wir aus gutem Grund unsere Hände und preisen IHN mit unserem Herrn Jesus Christus im Heiligen Geist, der wie wir es in den Lesungen der Osternacht hörten, alles erschaffen, SEINE Werke für gut befindet und erhält.

Wer wollte aber leugnen, dass es im Strom der Zeit auf Erden auch schreckliche Kriege, Katastrophen, die Gottesferne der Menschen, unsagbares Leid, Schuld, Angst, Not und Tod gibt? Unser Herr und Gott geleitet uns aber in SEINEM Mensch gewordenen Sohn, durch Leid, Kreuz, Tod und Auferstehung, ins wahre Leben. In lichten Momenten unseres Daseins können wir in allen Dingen SEINE Spuren entdecken und in der Unruhe unseres Herzens, die Hoffnung und Sehnsucht nach IHM erfahren.

Das Osterereignis, der weg gewälzte Stein, das leere Grab  der Engel, die Frauen und viele Glaubenszeugen unserer Kirche, bis hin zu Papst Franziskus, verkünden den Jüngern Jesu, uns heute und allen Zweiflern die frohe Botschaft: Gott hat Seinen geliebten Sohn zum ewigen Leben auferweckt. Der Herr stirbt nicht mehr und hat auch uns eine Wohnung im Herzen des DREIFALTIGEN bereitet. Tod wo ist dein Stachel, Hölle wo ist dein Sieg!  In SEINEM Sohn, im Heiligen Geist und auch durch uns, will der Herr unser Gott, allen Menschen und der ganzen Schöpfung liebend nahe sein und ewiges Leben schenken. Amen, Amen, Amen!

Rufen wir daher in Gottes Namen, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz, das österliche Halleluja, die frohe Botschaft in unsere arme Welt hinein: Unser Gott der Liebe und des Lebens ist nicht tot. Kreuz und Elend sind nicht die letzten Worte. GOTT ließ SEINEN Sohn, unseren Herrn, den unsere Schuld an Kreuz geschlagen, nicht in Todeswehen. ER, unser Vater, lässt auch SEINE Schöpfung und uns Menschen, wie die Lesungen der Osternacht zeigen, nicht in Schuld und Elend zu Grunde gehen. Denn der Herr hat SEINEN Geist für uns ausgehaucht, damit wir Leben in Fülle haben. Zu Recht jubelt unsere Kirche alle Vorstellungen sprengend: „ Der Herr ist wahrhaft auferstanden! “ Und auch wir leben von Gottes Gnaden in ewiger Liebe getragen, auf Hoffnung im Strom der Zeit.

Wie groß ist aber unsere Not, den Willen des geliebten Herrn zu akzeptieren, IHN sterben und wirklich auferstehen zu lassen. Geht es uns da nicht ähnlich wie den Jüngern, die den schweren Stein auf  Herz und Seele spürten, der sie hinderte „alles zu begreifen, was in der Schrift über IHN gesagt ist“? Brauchen wir nicht auch unsere Zeit, bis wir nach der Auferstehungsfeier schrittweise frohen Herzens voll in den österlichen Jubel der Kirche einstimmen können? Manchmal sind unsere Augen ja auch schmerzlich gehalten und wir erkennen den auferstandenen Herrn nicht, der schon so lange mit uns geht. Reden wir dann nicht ebenso traurig wie die Jünger miteinander, als wäre mit dem schändlichen Tod des HERRN am Kreuz, all unsere Hoffnung begraben? Aber genau dann brauchen wir Christen einander als Glaubenszeugen, die Kraft und den Trost des Heiligen Geistes und unsere Kirche, damit unser Herz, wie die im Frühling zu neuem Leben erwachende Natur, sich der in allem waltenden ewig neuen Liebe öffnen kann.

Christus ist erstanden

 

Das Geheimnis

Im ärmsten und
im reichsten
Kleid bringt
es Freude in
die Zeit

Es erhebt den
Augenblick aus
Armut hin zu
ewigem Glück

In Liedern
Worten und
Gestalten
bleibe es uns
erhalten

Geheimnis
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