Ein Brief

Liebe Freunde,

Was drängt mich heute zum Schreiben? Es ist leicht zu erklären. Ich habe einfach Lust mit Euch ein wenig zu plaudern. Schon meldet sich in mir aber eine kritische Stimme: „Darf man das, möchten die auch ein wenig plaudern?“ Und da höre ich auch eine andere Seite: „Haben wir nicht das Recht dazu, einfach nur zu erzählen, was uns umtreibt, in der Hoffnung, dass wir einander verstehen?“ Etwas Rückendeckung gewinne ich bei der Erinnerung an die „Alten“, bei denen wir in unserer Jugend lernten, wie Plaudern geht. Es waren die fleißigen Handwerker in unserer Umgebung, die sich ab und zu Zeit gönnten, neben ihrer Arbeit miteinander über all das zu reden, was sie bewegte. Auf dem Lande war es Sitte, dass die Bauern sich nach des Tages Mühen auf eine Bank vor dem Hause setzten, oder im Winter auf der warmen Kunst saßen, um es sich bei Gesprächen miteinander wohl ergehen zu lassen.
Nichts anderes habe ich im Sinn, wenn ich Euch allen, und Vielen über unseren Leserkreis hinaus, einige Sätze zum reinen Vergnügen anbiete. Im Augenblick trommelt Aprilregen, der für die erwachende Natur ein Segen darstellt, auf unser Dach. Ich sitze schön im Trockenen, und lasse es mir beim Schreiben recht gut gehen. Der Gedanke, Euch heute einen Brief zu schreiben, kam mir soeben, als ich mich von der Pflicht entband, meiner Frau weiter vorzulesen, denn sie war bei der Lektüre eingeschlafen. Das muss ich näher erklären:
Wir lesen schon geraume Zeit jeweils in der Mittagspause bei einem Espresso mit Vergnügen Bücher, meistens Klassiker, die während der beruflichen Zeit zu unserem Leidwesen nur das Bücherbord zierten. Von befreundeter Seite geschenkt, fesselt uns seit einiger Zeit der Roman „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert. Es ergeben sich bei dieser Lektüre für uns immer wieder Gelegenheiten zu einer Nachfrage oder zu einem Gespräch. Nach über zweihundert Seiten, blicken wir heute zurück: Flaubert zeigt uns in der Gestalt der „Emma“ in Beziehung zu ihrem gutmütigen Ehemann und ihrem Liebhaber Rodolphe, den vergeblichen Versuch aus einem fragwürdigen Leben illusionär auszubrechen. Flaubert versteht es, dem Leser durch die handelnden Personen und deren Umwelt, das gesellschaftliche Leben und den Geist seiner Zeit nahe zu bringen. Es gelingt ihm, in einer bewundernswert bildhaften Sprache zu fesseln, und reale Vorgänge des Alltags in eine zeitlose Gestalt zu erheben. Es ist ein Geschenk, dem täglichen Brot unseres Daseins im Raum der Kunst oder der Sprache Bedeutung zu verleihen, und auch mein Anliegen den realen Alltag in im literarisches Schaffen zu würdigen.
Sie wissen, liebe Leser, dass ich jüngst an Hand eines erfahrenen Informatikers, dem Rat eines Freundes folgend, einen Literaturblog einrichtete. In dieser Zeit kam ich leider nicht zum Schreiben. Hinzu kam die Tücke des Objektes: Das Office-Programm meines Rechners konnte nicht aktiviert werden. Zum Glück funktioniert mein Laptop noch, während wir versuchen, dem Programm wieder auf die Beine zu helfen. Gelegentlich nehme ich in „technischen Angelegenheiten“ auch den Rat unserer Töchter in Anspruch, die wie alle jungen Frauen mit den neuen Medien vertraut sind. Sie konnten mir aber im vorliegenden Falle nicht helfen und eine Tochter ließ mich wissen, dass ich ihr im Umgang mit meinen Arbeitsgeräten wie ein „IT-Opa“ vorkomme, der sie mit manchen Fragen überfordere. Das deute ich als ein Kompliment für meine Kenntnisse in diesem Bereich.
Ich kann diesem Lob aber nicht vorbehaltslos zustimmen, denn zuweilen gibt es beim Lernen auch herbe Enttäuschungen, die ich nicht verschweigen möchte: Erst gestern bat ich meinen Administrator von Unruhe getrieben um Hilfe, denn ich hatte die Kategorie meiner Kurzgeschichten im Literaturblog gelöscht. Als ich ihm auf dessen Nachfrage bestätigte, bei diesem Vorgang ein rotes Warnsignal bemerkt aber übergangen zu haben, sah ich ihn wie fassungslos vor mir stehen. Es folgte meinerseits ein Stoßgebet zum Heiligen Antonius, der mir schon oft half, Verlorenes wieder zu finden. Dann suchte ich selbst angestrengt nach denTexte Texten und -o Wunder- ich fand sie tatsächlich wieder.
Das Programm des Literatur-Blogs, hatte wie ein treuer Knecht, die von mir als gelöscht vermuteten Kurzgeschichten, automatisch in einer Kategorie „unkategorisierter Texte“ gespeichert. Sie können sicher den Stein plumpsen hören, der mir von der Seele fiel, als ich mich daran machte, alle Texte wieder geordnet einzugeben. Dabei konnte ich vom neuen Archiv profitieren, das mein Administrator einrichtete, sodass ich bei der Recherche die gesuchten Texte leicht finden konnte. Ich kann Ihnen daher nur empfehlen, sich bei einer Textsuche im neuen Literaturblog dieser Hilfe zu bedienen.
Im Übrigen passt alles, was ich Ihnen heute erzähle, sehr gut zu meinem Hauptthema, allem Kreativen offen, ständig nach neuen Erfahrungen zu suchen, und immer wieder neue Formen literarischen Austausches mit den Lesern zu erkunden. Ich versichere hoch und heilig, dass der Gedanke. Ihnen einen freundlichen „Brief“ zu schreiben erst bei der heutigen Lektüre in der Mittagspause auftauchte. Gebannt von dieser Idee, begann ich sofort, ihr eine literarische Form zu geben. Ob mir das gelungen ist, unterstelle ich Ihrem Urteil. Andere Optionen habe ich daher vorerst zurück gestellt:
In meiner Schublade liegt ein Manuskript zum Thema „Spukgestalten“, das auf seine Vollendung wartet. Auch meine heutige Absicht, weitere Texte der letzten Jahre im Literaturblog unterzubringen, gab ich zugunsten dieses Briefes auf. Aber bei all meiner Vorliebe für Literatur, Kultur und Religion, übersehe ich natürlich weder die aktuelle politische Weltlage, noch die anstehenden europäischen oder deutschen Fragen. Bekannter Weise wird in den Medien hierzu viel, manchmal zu viel geschrieben und noch mehr geredet. Ich wende mich daher lieber anderen Themen zu:
Haben wir zum Beispiel alle bemerkt, dass Ostern war und wir uns in der nachösterlichen Zeit befinden? Mein Brief kommt daher auch aus diesem Grund zustande, denn ich habe es bislang versäumt. den Gründonnerstags- und Karfreitagstexten, einen Osterbrief folgen zu lassen. Ohne den österlichen Geist, der auch mich auferweckt und ständig zu neuen Taten ermuntert, wäre mir ja nicht der Gedanke gekommen, Ihnen heute einen Brief zu schreiben. Als Kinder suchten wir die Ostereier und die suchenden und fragenden Jünger, wir alle, brauchen immer wieder einen Anstoß, der uns ermuntert, in neuen Sprachen und Formen, das unfassbare österliche Geheimnis zu deuten und zu feiern.
Genau das versucht Ihr Franz Schwald aus Oppenweiler mit seinen Geschichten und Gedanken. Ich betrachtete zum Beispiel vor wenigen Minuten einen Rosenstrauß auf unserem Tisch. Genau in diesem Augenblick tauchte die Sonne eine einzelne Rose so in ihr Licht, dass ich sie für eine Weile wie gebannt anschaute. Die Augen meines Herzens erfassten im staunenden Hinblick ihre wahre Schönheit und Bedeutung für mich weit mehr, als meine natürlichen Augen zu sehen vermögen. Vielleicht können Sie, liebe Leser, einen ähnlichen Standpunkt des „Staunens“ einnehmen und mit mir, die aufbrechende Kraft des jährlich wiederkehren Frühlings genießen.
Ich habe aber nun den Eindruck, als ob ich Ihnen in meiner österlichen Freude auf unserer imaginären „Bank oder Kunst“ schon mehr erzählt habe, als bei einem Zusammensitzen ohne zu ermüden gesagt werden sollte. Wie sie ja wissen, liebe ich mit Bedacht Kurzgeschichten. Wie Kinder, gern „Pusteblume“ spielen und sich freuen, wenn die Samen des Löwenzahnes wie kleine Fallschirm davon fliegen um irgendwie ihr Ziel zu finden, so hoffe auch ich, dass das eine oder andere Wort bei Ihnen landet.
Mit freundlichen Grüßen und Wünsche, Ihr
Franz Schwald
13.4.16

Der Erfinder

 

Von Kindheit an betrachtet Josef Gegenstände von allen Seiten, steckt sie in den Mund und freut sich riesig, wenn er etwas Neues entdeckt. Unermüdlich untersucht er alles und lernt die Dinge zweckmäßig zu gebrauchen. Er findet sich in der elterlichen Wohnung zurecht, spielt mit den Geschwistern und nach anfänglichem Zögern auch mit anderen Kindern und Menschen. Im Kindergarten  fällt Josefs reges Interesse an Tellern, Tassen, Töpfen und Schachteln auf, denen er mit Löffeln Töne entlockt. Er räumt begeistert Mutters Schränke aus und beginnt sich am Spiel mit den angebotenen Klötzen, Bällen, dem Papier und den Buntstiften zu erfreuen. Seiner stets wachen Neugier entgeht kein Geräusch und er zeigt durch deutliche Gesten an, ob ihm etwas gefällt oder ob es ihn stört. Lust und Neugier drängen ihn immer mehr aus der Wohnung hinaus, um im Spiel mit anderen Kindern die Umgebung zu erkunden. Unermüdlich schaut er den in der Nähe arbeitenden Bauern und Handwerkern zu, besucht die Nachbarn und entdeckt rund ums Haus spielend die angrenzenden Gärten, Felder und Wiesen. Kurz nach der Einschulung gehören auch die Mitschüler und Lehrer zu seiner vertrauten Welt. Besondere Freude bereiten Josef seine eigenen Erfindungen: Aus einem alten Kinderwagen entsteht ein Rennauto, aus dem Seitenwagen eines Motorrades ein Boot, und aus Fassdauben eines Küfers Skis mit Bindungen aus alten Schuhen. Im Spiel mit anderen Kindern entfernt er sich zu Erkundungen immer mehr vom Wohnhaus der Eltern. Josefs Abenteuer und Ausreißversuche nehmen aber zum Glück oft ein gutes Ende:

Mit zehn Jahren beeindruckt ihn ein Plakat, mit der Ankündigung, dass dreißig Kilometer entfernt vom Elternhaus ein Flugtag der Segelflieger stattfindet. Diese Gelegenheit lässt sich Josef nicht entgehen, denn Flugzeuge interessieren ihn schon lange. Das Taschengeld reicht gerade aus für die Fahrkarte, und schon sitzt er im letzten Auto, das an diesem Tag noch Teilnehmer zum Fest befördert. Der abschließende Fußweg durch einen Wald wird für Josef aber zu einer harten Geduldsprobe. Nur gelegentlich kann er auf einer Lichtung durch die Bäume eines seiner geliebten Segelflugzeuge sehen. Auf dem Flugplatz endlich angekommen, ist aber die Veranstaltung leider schon beendet. Als letzte Verlockung bleibt ihm nur noch eine Wurstbude übrig. Der Hausfotograf der Familie, ein begeisterter Segelflieger, erkennt zum Glück den hungrigen Ausreißer, spendiert ihm die ersehnte Bratwurst und bringt ihn zu Josefs Mutter zurück, die schon eine polizeiliche Suchaktion eingeleitet hatte.

Bei einem anderen Abenteuer steht ein Pferdefuhrwerk mit zwei Pritschenwagen vor einem Lokal, in dem sich der Kutscher ein Bier genehmigt. Es ist für Josef sehr verlockend, einmal selbst Kutscher zu sein: Kurz entschlossen steigt er auf den ersten Wagen, nimmt Zügel und Peitsche in die Hand, und -o Schreck-, die Pferde ziehen sofort kräftig an, sprengen die verkehrsreiche Straße hinunter durch eine Unterführung, und kommen erst  wieder zur Ruhe, als ein steiler Weg zu ihrer Stallung hinauf führt. Es gelingt Josef jedoch in letzter Minute abzuspringen. Bis zum heutigen Tag ist ihm aber nicht bekannt, wie diese Geschichte endete. Jeder geglückte Ausgang eines Abenteuers, ermutigte ihn jedoch immer mehr, auf ähnliche Weise Erfahrungen zu sammeln.

Josef ist, wie wir sehen, durch seine Kindheitserlebnisse bestens auf das in der Schule benötigte gedankliche Lernen und die zu bewältigenden Aufgaben vorbereitet: Er entwickelt in den folgenden Jahren im Kontakt mit den Eltern, Geschwistern, anderen Jugendlichen und den Lehrern, stetig seine Fähigkeit zu sprechen und zu denken.  Zeitweise verweilt Josef aber auch allein und zufrieden im Spiel mit Gegenständen, entlockt einer Flöte erste Töne oder versucht mit den Buntstiften seine kleine Welt zu gestalten.

Mit den nach der Schulzeit beginnenden Studien, den Aufgabe als Eltern und Erzieher der Kinder, den Anforderungen im beruflichen Umfeld und durch die sozialen Verpflichtungen, engt sich sein kreativer Spielraum jedoch wieder ein. Josef bewahrt aber dennoch in sich immer die Erinnerung an den Freiraum der Kindheit und die Hoffnung, in Zukunft auch wieder einmal genügend Zeit und Muße zu haben, um den eigenen Gedanken und Neigungen folgend, seine Ideen und Pläne verwirklichen zu können.

Der vierzigste Geburtstag stimmt Josef aber sehr nachdenklich. Mit betroffener Miene rechnet er seiner Frau vor, dass er, vorausgesetzt achtzig Jahre alt zu werden, nun schon die Mitte seines Lebens erreicht habe. Wenn wir, liebe Leser, aber Josef zu diesem Zeitpunkt  in unserer Geschichte begegnen, dann ist er auch dank seiner vielen sportlichen Aktivitäten bislang gesund geblieben. Bei mittlerer Größe und schlank, tritt er uns mit kurz geschnittenen dunkelblonden Haaren, freundlich lächelnd, in modisch legerer Kleidung entgegen.

An einem schönen Sommertag folgt ein Ehepaar der Einladung zu einem Modellflugtag. Auf dem weiten Flugfeld angekommen, mischen sie sich unter die vielen Besucher und bewundern das Starten, Fliegen und Landen der verschiedenen Modellflugzeuge. Das größte Modell, ein Doppeldecker, fesselt ihre Aufmerksamkeit besonders. Ein Mann in Fliegerjacke ist gerade dabei, seine Maschine startklar zu machen. Als er sie wieder sicher landete kommt es zu einem Gespräch. Der Mann  bietet dem  Ehepaar im Schatten seines Transportwagens eine Tasse Kaffee an und schwärmt auf deren Nachfrage von seinem Hobby, den Flugzeugen, die er baut. Wöchentlich trifft sich der Mann einmal mit befreundeten Modellbauern, die hier auch am Flugtag teilnehmen. Es erfordert, wie man hier sehen kann viel  Geschick, Modellflugzeuge zu bauen, zu starten, damit zu fliegen, und dann wieder sicher zu landen.  Da der Mann aus Zeitgründen nicht in der Lage ist, alle Fragen zu beantworten, lädt er das Ehepaar zu einem Besuch ein. Er übergibt seine Karte, sie vereinbaren einen Besuchstermin, und der Mann erklärt zum Abschied freundlich lachend: „Für Sie bin ich aber nur der Josef.“

Zum vereinbarten Zeitpunkt trifft das Ehepaar bei Josef ein. Sie freuen sich auf ein anregendes Gespräch mit dem Flugzeugbauer, die Chance ihn näher kennen zu lernen, und ihm beim Arbeiten zusehen zu können. Josef führt das Ehepaar nach der Begrüßung in seine geräumige Werkstatt, die mit vielen Maschinen und griffbereit lagernden Werkzeugen gefüllt ist. Er zeigt ihnen stolz die verschiedenen von ihm gebauten Modellflugzeuge. Zu ihrer Überraschung, ist aber Josef nicht nur ein geschickter Modellbauer, sondern auch ein begabter Handwerker, der mit Kreativität und Erfindungsgabe neue technische Geräte entwickelt. Die Freude über das Interesse an seiner Arbeit ist Josef anzusehen, als er den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt, in sich hinein lächelnd beginnt, wie mühelos an einem Werkstück zu arbeiten. Hinter ihm stehend verfolgt das Ehepaar staunend, wie unter Josefs geschickten Händen ein elektronisch gesteuertes Gerät entsteht, das im Auto, Flugzeug oder auch alltagstauglich im Haushalt zu gebrauchen ist. Josef schildert begeistert, dass er außer seinem Modellbau permanent mit neuen Erfindungen beschäftigt ist. Wann immer er mit wachen Sinnen bemerkt, dass etwas verbessert werden kann, reizt es ihn sehr, über eine geeignete Lösung nachzudenken.

Der Ideenreichtum und die Arbeit des Erfinders, beeindruckt das Ehepaar sehr. Wird hierdurch doch wieder deutlich, in wie vielfältiger Form wir alle im Alltag, die Handwerkskunst nutzen, ohne uns dessen oft bewusst zu sein. Erinnerungen an Besuche von Museen, bei denen sie auch die Kunst von Handwerkern und Künstlern zur Herstellung von Möbeln mit Intarsien, Tafelgeschirr, Skulpturen und Gemälden bewunderten, wurden in ihnen wach. Dass sie bei einem  Gastgeber sein dürfen, der auf seine Weise auch ein  Künstler und Erfinder ist, erfüllt das Ehepaar mit Stolz.

Kehren wir aber noch einmal zu unserem Josef zurück, der soeben dabei ist, ein neues von ihm entwickeltes System, um Maschinenteile in Fahrzeugen leichter transportieren zu können, an die Auftraggeber auszuliefern. Hierzu begleitet ihn das Ehepaar auf einer Fahrt. Sie betreten bei ihrer Ankunft gemeinsam eine Fertigungshalle. Josef lässt es sich nicht nehmen, dort selbst mit Hand anzulegen, hilft den Mitarbeitern des Unternehmens bei der Montage, und erklärt die Funktion und Bedienung der von ihm entwickelten Maschine.

Wie wir inzwischen aus der Lebensgeschichte Josefs leicht erkennen können, ist dessen Erfindungsgabe und Kreativität nicht einfach vom Himmel gefallen, sondern entwickelte sich von Kindheit an in seinem Leben zusehends zur Lust und zum Mut, eigene  Ideen in technischen Erfindungen zu verwirklichen.

Abschließend möchte ich Ihnen, liebe Leser, aber doch gestehen, dass ich mich in der literarischen Gestalt des „Josef“ auch an meinen leider zu früh verstorbenen Bruder Peter erinnerte, und dass ich in der Einleitung zu dieser Geschichte, unsere Enkel vor Augen hatte, die wir zurzeit in Hamburg erleben. „Peter-Josef“ hatte bei einem unserer letzten Besuche aber noch eine zündende Idee: Er schenkte uns ein Fotomontage, in der er mich so in sein größtes Flugzeug setzte, als ob ich die Maschine fliegen würde. Unserem Peter versichere ich, dass ich den von ihm erbauten Doppeldecker mit dieser Geschichte an seiner Stelle weiter fliege und hoffe, bei unseren Lesern damit auch gut zu landen. In unserer Geschichte über den Handwerker und Erfinder Josef haben wir aber sicher nicht alles erzählt, was erwähnenswert wäre. Wir hoffen jedoch, dass Sie, liebe Leser, wie Peter-Josef Ihr kreatives Potential aus der Kindheit im Leben auch entfalten, oder dort, wo es Ihnen als handwerkliche Kunst begegnet, wie wir respektieren können.

Wahrheit und Gedankenspiele

Es gibt eine tiefe Sehnsucht im Menschen nach Wahrheit. Wir möchten einander vertrauen können und nicht angelogen werden. Schon Pilatus stellte aber im Verhör mit Jesus die kritische Frage: „Was ist Wahrheit?“ Er hatte im politischen Alltag der Römer so viele Lügen und Intrigen erlebt, dass er nicht mehr daran glaubte, der Wahrheit noch begegnen zu können. Sind wir heute nicht in einer ähnlichen Situation, wenn wir die vielfältigen Lügen in unseren persönlichen Kontakten sowie im beruflichen und gesellschaftlichen Umgang miteinander bedenken? Obwohl es auch in unserer medialen Umwelt schwierig ist, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, gibt es den Wunsch, ohne Schaden zu nehmen einer vertrauten Person die Wahrheit sagen zu können.

Der barmherzige Vater im Evangelium kennt diese Sehnsucht und kommt allen, die sich ihm mit ihren Lebenslügen und Schuld zuwenden von weitem entgegen, um mit ihnen ein fröhliches Fest zu feiern. Noch mehr: Nicht nur Pilatus sondern alle Welt und auch wir sollen erkennen, wie sehr uns Gott liebt, wenn Er durch das Leben und Sterben Seines Sohnes in der Auferstehung alle unsere Lebenslügen und Schuld in eine „felix culpa“ verwandelt. Im Blick auf Ihn, unseren Herrn, und auf die vielen Menschen, die ihm nachfolgen, dürfen wir es daher allezeit wagen, die Lüge zu meiden, auf Vertrauen und Wahrheit im gesellschaftlichen und eigenen Leben zu setzen, und uns dessen froh, all unseren Lebensaufgaben zuzuwenden.

Das Bedürfnis nach Wahrhaftigkeit kann mit zunehmendem Lebensalter aber auch zu einem vertieften Nachdenken über das eigene Leben und Handeln führen. Die Fülle der vor Augen kommenden Phänomene, kann uns dann leicht an die Grenzen unserer Erkenntnis führen. Was wissen wir schon sicher angesichts der unendlichen Räume des Alls? Wie dürftig ist unser theoretisches und praktischen Wissen von den uns insgesamt in der Natur begegnenden Prozessen? Wer kommt nicht ins Staunen über all das unfassbare bewusste, unbewusste und fantastische Erleben von uns Menschen?

Hinzu kommt, dass die Prozesse im Makro-, und Mikrokosmos der Natur und in all unserem Erkennen und Erleben, sich in einem steten Wandel befinden. Es erscheint mir wie ein „Spiel ohne Grenzen“, in dem wir, die Fülle aller Lebenswirklichkeiten nicht erfassend, zum Handeln berufen sind. Zuweilen mag uns das, was wir sehen verwirrend und angsterregend erscheinen, oder aufregend und neu für uns sein. Denn immer wieder führen dabei neue Perspektiven des Hinblicks auf uns selbst und die Umwelt zu anderen Sichtweisen, die eine Veränderung unserer bisherigen Einstellungen erfordern.

Dann gilt es, dem uns innewohnenden Prinzip zu folgen, und das was wahr und gültig erscheint, von dem zu trennen, was sich als falsch oder Lüge erweist. Das, was man zum Beispiel in der Jugend, oder danach im beruflichen und öffentlichen Leben einst als bedrohlich erlebte, kann uns dann im höheren Lebensalter nicht mehr so erschrecken. Was einmal das Leben wie eine schicksalshafte Benachteiligung erschwerte, kann neu gesehen und erlebt, zu einer neuen Erfahrung werden, auf die man stolz zurück blickt. Parallel zur stetig geringeren Lebenserwartung, kann sich auch noch im höheren Lebensalter Freude am kreativen Gestalten entwickeln. Johann Sebastian Bach hat beispielsweise bis kurz vor seinem Tod noch komponiert und musiziert.

Nach dem Ende meiner beruflichen Karier, entstand auch bei mir im Ruhestand die Idee, mich den eigenen Gedanken folgend, als Schriftsteller zur Einheit und Vielfalt der Lebensumstände zu äußern. Seit ich mich aber nach dem dritten Buch entschloss, vorerst nur noch Texte zu den jeweils andrängenden Themen zu schreiben, stellte sich eine zunehmende Lust und Freude bei mir ein, nun als Autor endlich ohne Zeitdruck oder Beschränkung eigenen Gedanken eine sinnvolle Form geben zu können.

Derzeit denke ich auch intensiv über unsere Fähigkeit nach, überhaupt selbständig denken und handeln zu können. Bei diesen Gedanken über das Denken, stellte sich bei mir eine innige Dankbarkeit gegenüber unseren Fähigkeiten, dem Leben und der ihm innewohnenden Wahrheit ein. Wem sollte ich nun noch etwas vormachen, und welcher Ehrentitel könnte mich noch reizen? Meine Ehre ist es, mit allem, was ich erlebte und mich beschäftigt, so gut ich es vermag redlich umzugehen, und etwas von den Erfahrungen, die mich glücklich und zufrieden sein lassen, an sie liebe Leser, und meine Mitmenschen zu eigenem Gebrauch abzugeben.

Ich erinnere mich oft an die Zeit meiner frühen Kindheit und das damals übliche vielfältige Spiel. Alles, was um mich geschah, was in mir erwachte, was ich erlebte und erlitt, fand im arglosen Spiel seinen Ausdruck. Auch in all den  darauf folgenden Jahren, erlebte ich mich in meinen Daseinsbezügen wie ein Mitspieler mit Fähigkeiten zu sehen und zu lernen ausgestattet. Alle neuen Erkenntnisse erforderten aber zu  entscheiden, was ich als richtig oder falsch, als Wahrheit oder als Lüge erkannte. In all diesem sich wandelnden Erleben, bin ich aber meinem Wesen treu geblieben.

Ich erlebe es heute mit großer Freude, all denen die mir bisher auf meinem Lebensweg beistanden, danken zu dürfen. In diesem unendlichen Spiel des Lebens im Geben und Nehmen, mit Schuld und Vergebung, danke ich besonders auch der Kirche, die mich aufgenommen, begleitete, belehrte, und bis zum heutigen Tag ermuntert, auch künftig wahrhaft und redlich meinen Weg zu gehen.

Heute bin ich Gott sei Dank in der Lage, mit all den Bällen, die mir das Leben zuspielte, zum Lob und zur Ehre Gottes, hoffentlich auch meiner Mitmenschen, als Gottes fröhlicher Clown zu spielen. Wenn ich auch nicht mehr wie in früheren Jahren aktiv ins politische Geschehen eingreife, und mich im Beruf und in gesellschaftlichen Verpflichtungen weniger zu bewähren habe, so bin ich doch noch in der Lage, Ihnen liebe Leser zu zeigen, wie sich das Leben eines älteren Herrn anfühlt, der als „spätberufener Schriftsteller“ seinen bisher schönsten Beruf gefunden hat.

Mich beschäftigt derzeit schon die Frage, was mir aus dem inneren Reichtum des Erlebens geeignet erscheint, in einem nächsten Beitrag für Sie, liebe Leser in eine geeignete Form zu bringen. Sie haben sicher schon bemerkt, dass ich Lust verspüre, Sie und mich selbst immer wieder in Texten anderer Form oder Inhalts zu überraschen. Mich reizt es sehr, Gedanken und Geschichten die mir zufliegen, versuchsweise in phantastische Erzählungen zu formen, denen man jedoch anmerken sollte, dass es sich hierbei um wahre und redliche Schilderungen unserer Lebenswirklichkeit handelt. Ich muss aber gestehen, dass ich bis zur Stunde noch keine klare Vorstellung davon habe, wie diese Geschichten aussehen könnten. Eines ist aber gewiss, solange ich beim Schreiben bin, dürfen Sie, liebe Leser sicher sein, dass es ihrem Franz in Oppenweiler gut geht.

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