Mit einem Drängen beschrieb ich vor Jahren die Motivation, eigene Texte zu veröffentlichen. Ein unbeschriebenes Blatt setzte mich damals den Fragen aus, ob mir etwas Sinnvolles einfallen könnte, und die Fähigkeiten ausreichten, um für mich und andere Menschen Texte zu schreiben. Es war auch fraglich, wer sich für meine künstlerischen und humanen Gedanken interessieren könnte? Diese Ungewissheit war von innerer Anspannung begleitet. In den Reaktionen auf meine Bücher und die Texte im Internet, zeigte sich aber, dass ein Interesse an religiösen, anthropologischen, philosophischen und künstlerischen Themen besteht. In einem Gespräch über Fragen, die sich bei der schöpferischen Arbeit eines Schriftstellers stellen, entschied ich, auch mit Ihnen darüber zu reden. Ich hoffe, dass es mir gelingt, Sie in geeigneter Weise, in gedrängter Form, in das Gespräch über Kreation einzubeziehen:
Im diesem Gespräch begegnen wir dem Phänomen, dass dem Schriftsteller, wie einem Psychotherapeuten, Lebenserfahrungen begegnen, die im schöpferischen Prozess in eine neue Erzählung münden. Es entsteht im geschichtlichen Procedere des Individuums eine neue Momentaufnahme des Selbst- und Weltverständnisses. Wir wählen zur Veranschaulichung des kreativen Vorgangs, als Beispiele die im Leben erfahrenen Ereignisse des „Schönen“ und des „Übels“ aus:
Wenn wir uns an Erfahrungen aus der Vergangenheit erinnern, ist dieser Vorgang von Gefühlen begleitet. Wir erleben diese erinnerten Ereignisse aber nicht mehr in ihren ursprünglichen Kontexten. In den Erinnerungen begegnet uns eine bereits überarbeitete Form dieser ehemaligen Ereignisse. Aus den einstigen Kontexten im kreativen Prozess auferweckt, stehen die Ereignisse dann als Elemente einer neuen Erzählung zur Verfügung. Das damalige Übel kann dadurch seinen Schrecken verlieren. Das Einfügen dieses Bausteines im neuen Sinnzusammenhang, entlastet und versöhnt mit der früheren Erfahrung, und das erinnerte Schöne erfährt im kreativen Vorgang eine erweiterte Bedeutung.
Nun folgt ein intensiver Prozess des Prüfens und Vergleichens, ob Inhalt und Form des neuen Textes dem gewünschten Ziel entsprechen. Nähert sich der schöpferische Prozess dem Wunsch des Autors, wie in diesem Artikel „über Kreationen“ zu reden, löst sich die anfängliche Spannung auf in der Freude über das Entstehen eines neuen Textes. In weiteren Arbeitsschritten prüft der Autor, ob die gewählte inhaltliche Form dem Ziel entspricht, den kreativen Prozess verständlich zu erklären. In unseren Beispielen zeigt sich, dass sich das vergangenes „Übel“ in neuem Licht darstellt, und das „Schöne“ im kreativen Prozess neue Bedeutung erfährt. Wie wir vermuten können, geschehen analoge kreative Prozesse beim Poeten, Künstler, Musiker, Therapeuten und ebenso in jeder ehrlichen Unterhaltung. Als Ergebnis kreativer Prozesse entstehen immer wieder neue Momentaufnahmen des Selbst- und Weltverständnisse eines Menschen. Sie können wieder zu Bausteinen anderer Erzählungen oder künstlerisch-kreativen Handlungen dienen. Der schöpferische Prozess im Gedankenaustausch über vergangene, gegenwärtige und künftige Ereignisse, führt auch zu einem neuen Verständnis der sie begleitenden Emotionen. Ich hoffe, dass ich Sie in gebotener Kürze und geeigneter Form, an dem Gespräch über Aspekte beim kreativen Prozess beteiligen konnte.
Seit dem Besuch verschiedener Klöster in der Umgebung von Graz, wünschte ich mir, auch einmal das bekannte österreichische Kloster Heiligenkreuz im Wienerwald, und die dort wirkenden Mönche kennen zu lernen. Eine Kostprobe dessen, was in diesem Kloster spirituell zu erwarten ist, wurde mir zuteil, als ich vor einiger Zeit im Fernsehen zufällig den Vortrag eines Zisterziensers zu einem Text aus der Apostelgeschichte über die Bekehrung und Entrückung des Paulus in den „dritten Himmel“ mit erleben konnte: Allein die Art und Weise wie der Referent auftrat, und seinen Worten, von eindrücklichen Gesten begleitet, engagiert und ehrfürchtig, Kraft und Bedeutung verlieh, ließ mich aufhorchen. Dies erst recht, als ich bemerkte, welchen Höhepunkt im reichen Leben des Völkerapostels der Pater aufgriff und auslegte. Denn er stellte die Paulus bei dessen Bekehrung zutiefst erfüllende Gnade Gottes, so in die Mitte seiner Betrachtung und in unsere Zeit, dass auch die Hörer im Blick auf die Erfahrung des Apostels, im Glauben Bestärkung, Trost und Hoffnung erleben konnten. Der Zisterzienser, dessen Name ich leider bislang nicht erfahren konnte, bezog sich in seinem Beitrag auf folgende Stelle in der Apostelgeschichte:
Im 2. Brief an die Korinther 12, 1-10, spricht Paulus von Gesichten und Offenbarungen, die ihm zuteil wurden. und schreibt: »Ich weiß von einem Menschen in Christus, der wurde vor 14 Jahren – ob im Leib oder außerhalb des Leibes, weiß ich nicht, Gott weiß es – an den dritten Himmel entrückt, und von diesem Menschen weiß ich – ob er im Leibe oder außerhalb des Leibes war, Gott weiß es, dass er ins Paradies entrückt wurde und unaussprechliche Worte hörte, die ein Mensch nicht aussprechen darf.« Und weiter: » Darüber könnte ich mich rühmen, doch meiner selbst werde ich mich nicht rühmen, es sei denn meiner Schwachheiten…« Und in der Folge: » Deswegen habe ich dreimal den Herrn gebeten, er möge doch von mir ablassen; aber Er sagte mir: Meine Gnade genügt Dir, die Kraft vollendet sich in der Schwachheit. Paulus berichtet hier von einem „mystischen Ereignis“ in seinem Glaubensleben, das ihn selbst in unaussprechlichen Worten zutiefst berührte. Worte, die ein Mensch nicht aussprechen darf, über die man eigentlich schweigen sollte. In die Reihe der Theologen und Exegeten, die sich dennoch, wegen der für unser aller Glauben bedeutsamen Erfahrung des Apostels, um ein Verständnis dieses Textes bemühten, reihte sich auch der Zisterzienser von Heiligenkreuz ein, dessen Vortrag ich hörte. Der Referent konzentrierte sich allerdings bei seiner Betrachtung weniger auf die ersten beiden Himmel, sondern fast ausschließlich auf die von Paulus bezeugte Entrückung in den „dritten Himmel“: Seiner Auslegung zufolge erlebt der Apostel bei einem bereits 14 Jahre zurück liegenden Ereignis, einen paradiesischen Zustand, der ihn, „einen Menschen in Christus“, so sprachlos werden ließ, als würden in einem derart mystischen Ereignis alle menschlichen Vorstellungen und Vermögen von Gott unendlich überboten. Paulus ist sich von da an zutiefst gewiss, dass der gnädige und barmherzige Gott, der ihm diesen Glauben, und die damit verbundene Hoffnung und Liebe ins Herz gesenkt hat, auch dafür sorgen wird, dass ihn nichts mehr von der Liebe Christi trennen kann.
Der Exeget Klaus Berger legt in seinem Kommentar zum Neuen Testament(2011, S.661) diese Erfahrung des Apostels als eine Entrückung aus, die Paulus bis zum dritten Himmel, in die höchste Höhe bzw. in die tiefste Tiefe führte. Denn nach etlichen damaligen Zeugnissen, gebe es nur drei, später mehr Himmel. Ziel einer Entrückung sei Erkenntnis, hier das Hören unaussprechlicher Worte, die kein Mensch aussprechen darf. Vielleicht hatte Karl Rahner bei seiner bekannten Prognose, dass der Christ der Zukunft ein Mystiker sei, ähnliche Erfahrungen der Glaubensgewissheit im Blick, wie sie dem Völkerapostel bei seiner Entrückung in den dritten Himmel zuteil wurden. Was muss aber in dieser Situation in Paulus vor gegangen sein, der wusste, wie sehr er früher gegen Gott und die Kirche wütete; der wie vom Blitz getroffen zu Boden fiel, als ihn die Gnade Gottes berührte. Und um wie viel mehr noch muss er außer sich geraten sein, als ihm klar wurde, dass Gott ihn nicht, wie befürchtet, für seine Vergehen verdammte, sondern mit unendlicher Liebe und Barmherzigkeit belohnte. Paulus muss nach der Deutung des Mönches von Heiligenkreuz, seine Entrückung in den „dritten Himmel“, an die Pforten des Paradieses, als ein ihn erschütterndes Eingreifen Gottes erlebt haben. Eine unerwartete, gleichzeitig zutiefst ersehnte Gnade, die ihn seiner selbst enthob, in der Liebe und Gewissheit Gottes sicherte, und ihn von der schrecklichen Angst, den Glauben verlieren zu können, befreite. Dies alles durch den Herrn, der ihm zusagte, dass Seine Gnade genüge, um sich in allen Schwächen und Leiden des Apostels als der Stärkere zu erweisen.
Paulus und alle mit ihm manchmal an den dritten Himmel entrückten Gläubigen, müssen nun ebenso nicht mehr fürchten, dass ihr in Gott begründeter Glaube und die daraus folgende Hoffnung und Liebe, durch irgendeine innere oder äußere Macht zerstört werden könnte. Denn unser christlicher Glaube ist und bleibt ewiglich fest und sicher, ein unverdientes, reines Geschenk unseres Gottes, des barmherzigen Vaters, der uns um Seiner selbst willen, auf unserer Pilgerreise auf Erden und bis in den Himmel hinein, vor allem Übel gnädig bewahren will. Wir Christen dürfen uns daher, unserer Schwäche und Hoffnung eingedenk, voll Vertrauen aus dem Staub der Erde erheben, und mit allen Engeln und Heiligen den dreifaltigen Gott dankbar loben und preisen. Er, der Herr, unser Gott, wird uns, wie den Apostel Paulus, stets mit allem Nötigen ausstatten, um im Glauben, in der Hoffnung und Liebe bleiben zu können. Wünschen wir uns darüber hinaus auch gegenseitig Momente der Entrückung in erfüllter Gottesbegegnung, aus der Sicherheit im Glauben, aus dem Hoffnung und Liebe erwachsen kann, wie sie einst dem Apostel Paulus zuteil wurde; eine Freude über Gott, die dann in Frieden mit allen Menschen guten Willens aus uns heraus singt und betet: Die Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist jetzt und in Ewigkeit!
Zu leben geboren
als Wächter bestellt
mit allem verwoben
ins Wunder der Welt
Von hehren Gewalte
sorgsam gehalten
auf eigenen Füßen
den Himmel zu grüßen
Im Gehen zu fallen
den Tod zu bestehen
im Kleinsten von allem
das Schöne zu sehn
Das Banner zu halten
Sinn zu verwalten
am Teppich zu weben
zu denken sich regen
So bin ich und dichte
verwalte mein Amt
erhelle in Wahrheit
was allen bekannt
Zeit und Ewigkeit
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