Berufung der Laien

Im diesem Teil unserer Betrachtung über Berufungen, werden wir zunächst dankbar, der vielen Katholiken gedenken, die es von der Geburtsstunde der Kirche an wagten, ihren Glauben zu bezeugen: Beim Zweiten Vatikanischen Konzil würdigten Papst,  Bischöfe und Kardinäle deren Dienst im „Dekret über das Apostolat der Laien“ und wiesen ihnen ein Spektrum an möglichen Aufgaben zu. Da die Rezeption dieses Textes als noch nicht abgeschlossen gelten kann, sollten wir uns erneut damit befassen, um die in diesem Dekret enthaltenen Anregungen zur Ausgestaltung des Apostolates der Laien zu nutzen: Auch im zwanzigsten Jahrhundert bedürfen Christen und alle Menschen der Liebe Gottes. Der Herr selbst lädt uns zum Festmahl der Gnade ein. An seinem Tisch stillt er unseren Hunger und unseren Durst nach Liebe. Hier erfahren wir immer wieder Stärkung im Glauben durch den Beistand des Heiligen Geistes. Aus der Gemeinschaft mit dem Herrn erwächst uns die Kraft, wie die ersten Jünger, mit einander in Eintracht und Frieden zu leben und Gottes Wort und Liebe bis in die letzten Winkel unserer Welt zu tragen. Möge der Herr uns hierzu segnen, damit auch wir, wie der Apostel Paulus sagen können, dass uns nichts von der Liebe Christi, Seiner Kirche und von einander trennen kann.

Das Studium des Evangeliums und der Apostelgeschichte zeigt uns,  dass in der Urkirche außer den Aposteln und Jüngern auch einige Frauen und Männer im Dienst der Liebe, als Glaubenszeugen an der Sendung der Kirche und der Weitergabe des katholischen Glaubens mit wirkten. Diese Berufung und Sendung gilt bis heute für alle getauften und gefirmten Christen. Als der Apostel Paulus Briefe an die »Heiligen« seiner Gemeinden schrieb, und wenn in unseren Tagen der Papst, die Bischöfe und Priester von Brüdern und Schwestern sprechen, dann zeugt dies nicht nur von Respekt gegenüber den Gläubigen, sondern weist auch auf eine in Jesus Christus begründete und beständig auf IHN bezogene, heilende Einheit von Klerus und Laien hin. Den vielen frommen und treuen Katholiken aber, von denen nicht oft die Rede ist, gilt nun unsere besondere, wertschätzende Zuwendung: Bei allen berechtigten Klagen über den heutigen Glaubensverlust und die Weltverliebtheit der Gläubigen, gibt es sie eben doch noch, die Treuen im Lande und in der Kirche. Es sind Christen, die der Forderung des Herrn, „dass alle EINS seien“ getreu, sich nicht spalten lassen. In der Liebe zum Herrn halten sie zusammen, was nicht getrennt werden darf. Sie teilen, wie die ersten Glaubenszeugen, Freude und Leid geschwisterlich, und bewahren den katholischen Glauben an den dreifaltigen Gott, unsern Herrn, und alles durch IHN Geschaffene. Auf „Laien“ dieser Art kann die Kirche stolz sein. Das Papstwort „DEUS CARITAS EST“ soll uns auch bei der Betrachtung des Apostolates der Laien leiten: Nicht nur in der jungen Kirche gab es, wie die Schrift bezeugt, eine nicht näher bestimmte Zahl von Männern und Frauen, die wie die Apostel dem Herrn folgten. Nach ihnen wurde der Kirche in ihrer Geschichte eine große Zahl gläubiger Laien geschenkt. Alle diese Glaubenszeugen, nahmen ihr Kreuz auf sich, um der Welt zu zeigen, was es heißt: „Salz der Erde zu sein“. Vor ihnen, den „Heiligen des Alltags“ verneigen wir uns respektvoll. Sie verdienen es, dass wir ihre Bedeutung für die Katholische Kirche, und die Weitergabe unseres Glaubens, erkennen und würdigen. Wir brauchen diese frommen und treuen Gläubigen auch heute, ebenso wie unsere Bischöfe und Priester. Unser Papst konnte sich bei seinem Besuch in Deutschland davon überzeugen, dass es neben Glaubensverlust und Weltverliebtheit, auch Treue zur Kirche, erfahrbare Einheit, und vorbildliche Glaubenszeugen gibt. Er besuchte ja nicht nur Orte von historischer Bedeutung, sondern auch Katholiken, die ihren Glauben in schweren Zeiten bewahrten und heute mit den Protestanten zusammen stehen, wenn es gilt, die christlichen Überzeugungen zu bekennen und zu verteidigen. Erinnern wir uns auch dankbar an die Christen, die uns in persönlichen Kirchen- und Lebenskrisen beistanden. Vielleicht bemerkt der eine oder andere Hörer, dass er selbst, ohne über seine spezielle Berufung, zu sprechen, schon lange, wie ein Glied am Leibe Christi, auch zu einem Glaubenszeugen, und Vorbild für andere Menschen geworden ist. Besonders in schwierigen Zeiten sollten wir darauf achten, diesen Schatz zur Weitergabe unseres Glaubens an die nächste Generation pfleglich zu behandeln. Denn wer könnte, gleichgültig. auf welchen Platz ihn der Herr stellt, auf lebendige Vorbilder verzichten, die ihm zeigen, wie Glauben geht. Wenn es allerdings um Arbeiter im Weinberg des Herrn geht, dann sollten wir nicht kleinlich sein. Denn wenn der BARMHERZIGE durch Seinen Sohn die Türen Seines Herzens unendlich weit öffnet, dann liegt es auch an uns heutigen Christen, suchenden, fragenden und hungernden Menschen, die Türen unserer Herzen weltweit zu öffnen. Wenn insbesondere die wahre Anbetung und Verherrlichung Gottes darin besteht, in der Nachfolge des Herrn, den Willen des Vaters zu erfüllen, dann gilt es, die Worte Jesu: »ut unum sint«, dass alle eins seien, unbedingt zu befolgen: Wir stünden dann nicht nur vor der Aufgabe, jegliche Spaltung unter gläubigen Christen zu überwinden, sondern auch den schwierigen Dialog mit den Weltreligionen und den Atheisten zu führen. Gelingende Einheit geschähe dann konkret, wenn Christen ihren Glauben vor den Menschen tatkräftig bezeugten. Wem hüpfte nicht das Herz in der Brust, als die vielen Katholiken, die sich zur Eucharistiefeier mit unserem Papst in Freiburg versammelten, zum Abschluss des Gottesdienstes das evangelische Kirchenlied, »Nun danket alle Gott…« sangen. Natürlich sind wir gläubigen Katholiken nicht farbenblind: Wir kennen die Fragen, Nöte und Klagen unserer Menschen um uns herum und teilen mit ihnen auch die Dunkelheit und Fragwürdigkeit unseres Daseins. Aber wir vertrauen auch auf den Beistand des Herrn, der uns seit zweitausend Jahren hilft und stärkt, wenn wir IHM beim Brotbrechen in der Eucharistiefeier begegnen. Genau dort, mit IHM, in IHM und durch IHN und nicht so sehr in Sondervereinigungen, erfahren wir beständig Gottes Liebe und Segen. Diese Liebe drängt und ermutigt uns, immer wieder nach neuen Wegen zu suchen, um der uns umgebenden, manchmal gottlos erscheinenden Gesellschaft die frohe Botschaft von der Erlösung durch Jesus Christus zu verkünden, und alle Menschen einzuladen, sich mit uns am Tisch des Herrn nähren, trösten und in der Aufgabe bestärken zu lassen, dass auch sie mit ihren speziellen Gaben zur Arbeit im Weinberg des Herrn gebraucht werden. Kann man es aber aufgeklärten Menschen noch zumuten, sich zur Mitarbeit in der katholischen Kirche rufen zu lassen, Gott, die Welt und die Menschen groß sein zu lassen, und die Fehler der Anderen und das mit vielen Flecken behaftete Pilgerkleid der Kirche mit zu tragen? Ich höre sie jetzt rufen, die vielen Kritiker: So etwas wäre unmöglich, ja gerade zu unmenschlich. Und dann werden die Beweise genannt: Menschen, die von ihren Aufgaben überfordert, ihrer Berufung untreu werden, der Kirche ihre homosexuellen Nöte verschweigen oder des Missbrauchs angeklagt werden. Ja, wir dürfen davor die Augen nicht verschließen. Derlei beklagenswerte Missstände gibt es. Sie berühren jeden aufrechten Christen schmerzlich, zumal auch viele Katholiken resignierend die Kirche verlassen, es den Orden und Diözesen an Nachwuchs mangelt, und Klöster und Kirchen geschlossen werden müssen. Die Medien sind, wie wir wissen, schnell bei der Hand, solche Zustände und menschliches Versagen zu beklagen. Das nicht so publikumswirksame stille Wirken vieler Gläubigen aber kommt seltener zu Wort. Wir Christen sollten es daher nicht versäumen, diese Informationslücke zu schließen und selbst, wie es auch in dieser Betrachtung geschieht, über die durch fromme Männer und Frauen empfangenen Wohltaten Gottes zu sprechen. In drei Bänden mit dem Titel „Geschichten und Gedanken“ habe ich mich hierzu näher geäußert.

 

Als erstes Ergebnis unserer bisherigen Untersuchung muss leider festgestellt werden, dass alle bisherigen Maßnahmen, den Glaubensverlust und den Mangel an Berufungen zur engeren Nachfolge auszugleichen, nicht ausreichen, um den uns geschenkten katholischen Glauben unverkürzt den nächsten Generationen zu vermitteln. Es stellt sich daher immer dringender die Frage nach den Ursachen, und wie eine effektive Abhilfe möglich wäre. Darüber und über andere Fragen der Glaubensvermittlung und Berufungspastoral wird derzeit in einem lebhaften innerkirchlichen Dialog geredet. Uns allen legt die Kirche ans Herz, nicht nur beständig um Berufungen zu beten, sondern gleichzeitig mit allen medialen Möglichkeiten um geistliche Berufungen zu werben. In dem abschließenden dritten Teil werde ich Ihnen einige Anregungen vorlegen, wie wir die mit dem Apostolat der Laien geschenkten Ressourcen an Berufungen besser nutzen könnten:

Anregungen zur Berufungspastoral von Laien

Ich möchte im Zusammenhang mit den Bemühungen der Kirche um geistliche Berufe, unsere Aufmerksamkeit noch einmal auf die zahlenmäßig bedeutende Gruppe gläubiger und fähiger Katholiken len-ken, die im kirchlichen Raum wenig in Erscheinung treten, jedoch als schweigende Mehrheit die Gestalt der Kirche entscheidend prägen: Man stelle sich nur für einen Augenblick vor, es gäbe diese Gläubigen nicht oder zunehmend noch weniger „Laien“, die sich an den Gottesdiensten und dem Gemeindeleben beteiligen. Welches Missverhältnis zwischen der Anzahl der zur engeren Nachfolge bestellten Kleriker etc. und den ihren Glauben bekennenden und praktizierenden Christen würde dann bestehen? Leider ist diese Situation heute schon dann Realität, wenn Priester mit ihren Ministranten nur mit wenigen Gläubigen zusammen Eucharistie feiern: Wenn wir die Kirchenaustritte und die zunehmend geringere Zahl katholischer Christen betrachten, die an den sonntäglichen und sonstigen Gottesdiensten in unseren Gemeinden teilnehmen, dann zeigt sich, dass unsere Kirchen trotz der Seelsorgeeinheiten und des Einsatzes von Priestern aus andern Regionen der Weltkirche, immer leerer werden. Wie wird das in der nahen Zukunft der nächsten zehn bis zwanzig Jahre und danach aussehen? Wir Gläubigen fragen betroffen nach Ursachen und Lösungen? Es gibt Vermutungen, dass der wahre Grund für die beschriebenen Phänomene zu nicht geringen Teilen, in einem Glaubensverlust, in säkularen und laizistischen Tendenzen in Gesellschaft und Kirche, und mit den im europäischen Raum seit längerer Zeit stärker werbenden Vertretern anderer Weltreligionen, und religiösen Gruppierungen zu suchen ist. Die unterschiedlichen, rivalisierenden Überzeugungen, bis hin zu atheistischen Vorstellungen, wirken auf Christen verunsichernd, und fordern in einem bisher nicht gekannten Ausmaß zur Toleranz, zum Bewahren der eigenen Glaubensidentität, und zum Bekenntnis in der Öffentlichkeit heraus. Die Frage nach ausreichenden Berufungen, speziell den Aufgaben für das Apostolat von Laien zur Arbeit im Weinberg des Herrn, stellt sich der Katholischen Kirche in der gegebenen Situation deutlich anders als bisher. Damit verändert sich aber auch der Charakter der Berufungspastoral: Sollte es nämlich gelingen, durch eine veränderte Sicht das Wesen der Berufung, und den Bedeutungsgehalt des Tauf- und Firmsakramentes theologisch und katechetisch deutlicher zu fundieren und in der pastoralen Praxis zu verankern, dann könnte sich damit die berechtigte Hoffnung verbinden, zusätzlich zu den Berufungen im engeren Sinne, ein bedeutendes Potential an Berufungen geeigneter Frauen und Männer zum Laienapostolat zu gewinnen. Dabei bedürfte es keiner aufwendigen Organisation, sondern nur der Einbindung in die Aufgaben der Seelsorgeeinheiten als geistliche, spirituelle und liturgische Zentren vor Ort. mit der Option, dadurch auch die Gläubigen wieder mehr zum Gottesdienst um den Altar versammeln zu können. Es entstünden bei diesem Modell zur Ausschöpfung der Ressourcen an Berufungen, keine erheblichen Kosten, wie bei der zur Ordination von Diakonen und Pastoralreferenten geforderten vollen theologischen Ausbildung. Sofern eine ergänzende Schulung der Laienapostel nötig wäre, könnte diese mit relativ geringen Kosten bei den Katholischen Akademien angesiedelt werden. Ich möchte meine knapp gefassten Anregungen zum Thema Berufung der Laien noch mit einigen Bemerkungen ergänzen, die erkennen lassen, dass das vorgestellte Modell durchaus als Kirchen konform gelten kann. Wir können, wie zuvor ausgeführt, davon ausgehen, dass katholische Religiosität durch die ganze Kirchengeschichte hindurch, als Versammlung um den Altar, Stärkung durch Eucharistie und Gebet, Verbindung mit der Weltkirche, das Bemühen um Eintracht und Frieden, und als Sendung der Gläubigen zur Evangelisierung in deren spezifischen Lebens- und Aufgabenbereichen charakterisiert ist. Hierzu noch einige Hinweise: Im September 2010 organisierte der neu geschaffene Päpstliche Rat zur Neuevangelisierung eine internationale Konferenz der Länder des Westens. Vertreter von 33 nationalen Bischofskonferenzen sowie 115 geistlichen Gemeinschaften, Orden und Gruppen erörterten Strategien zur Glaubensverkündigung in einem religionsfernen Umfeld: Diesem Anliegen dienen auch die in unserer Betrachtung vorgestellten Überlegungen. Sie gehen aber von einer stärkeren Einbindung der Organisationsstruktur in die Liturgie und die unterschiedlichen Voraussetzungen der örtlichen Seelsorgeeinheiten aus. Sie stützen sich außerdem auf die im „Dekret über das Apostolat der Laien“ im Zweiten Vatikanischen Konzil gefassten Beschlüsse und Anregungen. In unserer heutigen Untersuchung zur Berufungspastoral von Laien ist unter Wahrung der kirchlichen Hierarchie an ein die Einheit wahrendes, sich gegenseitig förderndes und wertschätzendes Zusammenspiel des unterschiedlichen Apostolates von Klerus und Laien gedacht. Unter Aspekten des Berufungsmangels erscheint es mir allerdings erforderlich, die Bedeutung des Laienapostolates zur Neuevangelisierung und Glaubensvermittlung näher zu betrachten:

Die Aufforderung der Gläubigen an der Sendung der Kirche mit zu wirken, richtet sich unter den heutigen Bedingungen allerdings mehr denn je, an alle getauften und gefirmten Christen. Daher ergibt sich nicht nur die Sorge, ob wir genügend Berufungen zum engeren Dienst in der Kirche finden, die begleitet und gestützt werden müssen, damit sie später ein für sie sinnvolles Leben als Priester in der Verkündigung und Spendung der Sakramente für die Gläubigen führen können. Es muss darüber hinaus viel mehr als bisher beachtet und auch theologisch begründet werden, was das Apostolat der Laien bedeutet und wie künftig Gläubige und Klerus sich ergänzen sollten, um die zur Weitergabe unseres Glaubens nötigen Netzwerke zu entwickeln. Die Seelsorgeeinheiten an sich bilden ja nur einen aktuellen Rahmen, um auf Lücken in der Seelsorge reagieren zu können. Ob die seit längerer Zeit darüber hinaus anhaltende Diskussion um die Aufgaben unserer Priester in einer veränderten Gemeindestruktur ausreicht, um unseren Glauben zu verkünden, und ungekürzt an die nächste Generation weiterzugeben, ist fraglich. Ebenso wichtig erscheint es mir, nach Wegen zu suchen, um die oben angesprochenen Ressourcen von bereiten und fähigen, getauften und gefirmten Katholiken mehr als bisher einsetzen und in deren Bedeutung zur Weitergabe des Glaubens theologisch näher  bestimmen zu  können. Dabei geht es nicht um Diakone und Pastoralreferenten, die im Dienst der Kirche bestimmte Ausbildungsinhalte vorweisen müssen, um dann von der Kirche ordiniert und honoriert, spezielle Aufgaben zu übernehmen.Das „Dekret über das Apostolat der Laien“ des Zweiten Vatikanischen Konzils gibt die Richtung vor: Dort wird im Kapitel 1(3) beschlossen: »Pflicht und Recht zum Apostolat haben die Laien Kraft ihrer Vereinigung mit Christus, dem Haupt. Denn durch die Taufe, dem Mystischen Leib Christi eingegliedert, und durch die Firmung mit der Kraft des Heiligen Geistes gestärkt, werden sie vom Herrn selbst mit dem Apostolat betraut. Sie werden zu einem königlichen Priestertum und zu einem heiligen Volk. (vgl. 1 Petr 2,4-10) geweiht, auf dass sie durch all ihre Werke geistliche Opfergaben darbringen und überall auf Erden Zeugnis für Christus ablegen. Durch die Sakramente, vor allem in der heiligen Eucharistie, wird jene Liebe mitgeteilt und genährt, die gleichsam die Seele des ganzen Apostolates ist. Das Apostolat wird in Glauben, Hoffnung und Liebe ausgeübt, die der Heilige Geist in den Herzen aller Glieder der Kirche ausgießt«. Die Berufung der Laien zum Dienst in der Kirche mit den je speziellen Gaben, die Verantwortung für unseren Glauben, und dessen Weitergabe, gilt daher uns allen. Der Herr ist gewiss immer bei uns. Auf IHN, der unser Weg, die Wahrheit und das Leben ist, der dem verlorenen Schaf nachgeht, Hungrige sättigt, Durstige tränkt, Blinden das Augenlicht schenkt, ja sogar Tote auferweckt, können wir uns verlassen. Gott können wir Gläubigen aber nicht unter Vorbehalt begegnen. Bei und mit IHM geht es ums Ganze. Nicht ohne Grund ist daher die Vorbereitung auf den engeren Dienst des Klerus in der Nachfolge des Herrn klar geregelt, und von anderen Diensten der Gläubigen in der Kirche unterschieden. Bei der eigentlichen Berufung aber zu einem Leben mit Gott in Glauben Hoffnung und Liebe in der Taufe gibt es diese Unterschiede nicht, denn Gott der Herr ist, wie wir glauben, die Liebe, DEUS CARITAS EST, wie Papst Benedikt XVI. nicht müde wird zu betonen. Von Seiner vollkommenen Liebe getragen und gesendet, sind auch wir Laien zur Mitarbeit im Weinberg des Herrn berufen. Wir können dem Herrenwort trauen, dass ER, wenn er uns ruft, nahe ist, im Heiligen Geist beisteht, und uns zu all dem, was ER uns zumutet auch reichlich Gnade und Segen spendet. Auch wir Laien sind aufgerufen, alles uns Mögliche zu unternehmen, um Spaltungen zu vermeiden, und Eintracht und Friede unter einander zu wahren. Unsere Priester können mit Hilfe und Wohlwollen von uns rechnen und auf uns bauen, dass wir sie unterstützen, wenn ihre besonderen Aufgaben ihnen manchmal zur Last werden. Vielleicht kann es sie trösten, dass auch wir Gläubigen von Gott lebenslang in Dienst genommene Berufene sind, die fest damit rechnen dürfen, dass die Priester und Ordensangehörigen auch ihre Last mittragen. Ist das nicht schön, Glied einer Kirche zu sein, in der einer der anderen Last trägt, und wir alle in Eintracht mit allem Geschaffenen für die Menschen bestellt, nicht nur in diesem Leben, sondern letztlich in alle Ewigkeit zur Liebe und Freude im dreifaltigen Gott, dem Vater, Sohn und Heiligen Geist berufen sind.

Nachwort

Es war mir ein Anliegen, zu verdeutlichen, dass die bisherigen Möglichkeiten, um die nötigen Berufungen zur engeren Nachfolge zu sichern, mit großer Wahrscheinlichkeit ausgeschöpft sind. Die Aufgabe, unseren Glauben zu verkünden, und an die nächsten Generationen weiter zu geben, ist dennoch unverzichtbar. Wir konnten in dieser Untersuchung nachweisen, dass von den ersten Christen an, in  der zweitausendjährigen Geschichte der Katholischen Kirche dankenswerter Weise, immer fromme, gläubige Frauen und Männer an der Glaubensvermittlung beteiligt waren. Deren Dienst wurde durch das „Dekret über das Apostolat der Laien“ im Zweiten Vatikanischen Konzil bestätigt, und der Rahmen für deren Aufgaben definiert. Im Versuch einer Rezeption dieser weniger beachteten Konzilsbeschlüsse, wurden Anregungen diskutiert, die bei einem erweiterten Verständnis der Berufungspastoral, beachtliche Ressourcen erkennen lassen. Diese Vorschläge müssten allerdings weiter untersucht und theologisch, katechetisch und organisatorisch präziser ausgearbeitet werden. Das vorgeschlagene Modell der Berufungspastoral ist durchaus kirchenkonform. Es würde den Austausch von Klerus und Laien verstärken, ohne die Grenzen zu verwischen. Das bestehende Konzept der  örtlichen Seelsorgeeinheiten würde als liturgische und geistliche Zentren aufgewertet. Der Einsatz berufener und geeigneter Laien, könnte an die örtlichen Bedürfnisse angepasst, kostensparend, in die bestehenden hierarchischen Strukturen der Kirche eingebunden, zu einem liturgischen Gemeindeleben rund um den Altar führen. Und wäre es nur ein Traum, aber so schön könnte unsere geliebte Kirche sein.

Gelobt sei Jesus Christus!

Geborgen in der Kirche
Einheit und Vielfalt

 

Franz Schwald
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