Lesung und Evangelium

Freitag der 5. Woche im Jahreskreis
Psalm und Lesungen des Tages
Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus 7,31-37.

In jener Zeit verließ Jesus das Gebiet von Tyrus und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis. Da brachten sie zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, er möge ihm die Hand auflegen. Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel; danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu ihm: Effata!, das heißt: Öffne dich! Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.Jesus verbot ihnen, jemandem davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr verkündeten sie es.Sie staunten über alle Maßen und sagten: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.
Johannes Tauler (um 1300-1361)
Dominikaner in Straßburg
Predigt 49, 1. für den 12. Sonntag nach Trinitatis (trad. Cerf 1991, S. 399 rev.; ins Dt. übers. © evangelizo)
„Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen“

Wir müssen genau untersuchen, was den Menschen taub macht. Weil das erste Menschenpaar, unsere Vorfahren, auf die Einflüsterungen des Feindes gehört und seinen Worten Beachtung geschenkt haben, wurden sie als Erste taub. Und wir sind es nach ihnen, sodass wir die liebevollen Eingebungen des ewigen Wortes weder hören noch verstehen können. Dennoch wissen wir sehr wohl, dass das ewige Wort in den Tiefen unseres Wesens so unaussprechlich nahe bei uns und in uns ist, dass unser eigenes Sein, unsere Natur, unsere Gedanken, alles, was wir benennen, sagen oder verstehen können, uns nicht so nahe und nicht so innig gegenwärtig sind wie das ewige Wort. Und dieses Wort spricht unaufhörlich im Menschen. Doch der Mensch hört das alles nicht, aufgrund der großen Taubheit, mit der er geschlagen ist. […] Gleichzeitig wurden auch seine anderen Fähigkeiten so sehr beeinträchtigt, dass er auch stumm geworden ist und sich selbst nicht mehr kennt. Wollte er über sein Inneres reden – er könnte es nicht, da er weder weiß, wo er steht, noch seine eigene Seinsweise erkennt. […] Was ist das nun für ein schädliche Flüstern des Feindes? Es ist all das Durcheinander, das er dir unter seinem glänzenden Mantel zeigt und wozu er dich überreden will, indem er sich der Liebe zu oder der Suche nach den geschaffenen Dingen dieser Welt bedient und allem, was dazu gehört: Besitztümer, Ehren, sogar Freunde und Verwandte, ja sogar deine eigene Natur, kurz gesagt, alles, was dir Geschmack an den Gütern dieser gefallenen Welt gibt. Aus all dem besteht sein Flüstern. […] Dann kommt unser Herr: Er legt seinen heiligen Finger in das Ohr des Menschen und benetzt seine Zunge mit Speichel, wodurch der Mensch seine Sprache wiedererlangt.
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Geborgen in der Kirche
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Franz Schwald
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