Herbstwanderung

Die Menschen, Felder und Wälder um Oppenweiler, geben ihre Schönheit nicht so leicht preis. Wer aber bereit ist, sich auf diese Region einzulassen, dem wird sie mit der Zeit zur bergenden Heimat. Einige von Ihnen, liebe Leser, werden den Weg das Tal hin, durch den Wald hinauf zum Eschelhof, und über Zell zurück kennen. Ein Wanderer ging oft diesen Weg. Wald und Flur nahmen ihn gefangen, und zerstreuten zuweilen alle Sorgen.

Beim Spaziergang an einem sonnigen Herbsttag sah der Mann vor sich eine Frau mit Kinderwagen und einem wuseligen, neugierigen Hund. Näher kommend, erkannte er die junge Frau wieder. Er hielt an, begrüßte die stolze Mutter und fragte, ob sie ihm erlaube, ihr Kind anzuschauen? Sie nickte zustimmend mit dem Kopf. Behutsam beugte er sich über den Kinderwagen und war beglückt, dem Kind ein Lächeln zu entlocken. Eine kleine Weile bewunderte er das rosige Gesicht und die weltoffenen Augen des Kindes. Es brauchte keine weiteren Worte, als sich der Mann, reich beschenkt, von der glücklich lächelnden Mutter verabschiedete, und seinen Weg fortsetzte.

Der Wanderer ließ nun den befestigten Teil der Strecke hinter sich, sichtlich zufrieden, einen den Füßen angenehmeren Waldweg zur Anhöhe hinauf gehen zu können. Seine betagten Wanderstöcke, die er früher in den Bergen benutzte, erinnerten ihn daran, es ruhig angehen, und die Natur auf sich wirken zu lassen. Da hörte er von fern die Geräusche einer Motorsäge. Als der Mann näher kam, erkannte er ein älteres Ehepaar, das sich abmühte, eine über den Weg gefällte Tanne zu zerlegen. Er hielt an, denn diese am Ort ansässigen Bauern waren ihm sehr sympathisch. Der Wanderer begegnete ihnen oft bei der mühevollen Arbeit in Feld und Wald und bewunderte ihre Treue zur Scholle, obwohl ihr Lebensweg sich dem Ende zuneigte. Sie begrüßten einander freundlich. Als der Wanderer bemerkte, dass den Alten eine Gesprächspause willkommen schien, erinnerte er sich an seine Verwandten, die sich als Bauern ähnlich verhalten hatten. In diesem Augenblick war er sich aber nicht mehr sicher, ob sein Herz diesem Ehepaar, das er seit Jahren kannte, oder seinen Verwandten, die er stets in Ehren hielt, mehr gewogen war. Der Mann bemerkte die körperliche Schwäche der geschäftigen Alten und fragte, warum sie sich in ihrem Alter, diese schwere Arbeit zumuteten? Sie hätten doch verdient, es ruhiger angehen zu lassen. Da schaute ihn die Bäuerin verständnislos an und hatte Tränen in den Augen, als sie antwortete: „Das machen wir einfach so!“ Der Wanderer hatte nicht bedacht, wie sehr dieser Frau die Pflege ihres Mannes und Waldes an´s Herz gewachsen waren. Respektvoll und etwas verlegen, löste er sich daher aus dem Gespräch, verabschiedete sich freundlich, und freute sich darauf, von der Bäuerin wieder einmal ein selbst gebackenes Brot geschenkt zu bekommen.

Nachdenklich setzte der Mann seinen herbstlichen Spaziergang fort. Er hielt erneut an, als er unversehens vor einer mächtigen Buche stand. Viele Jahre behauptete sie schweigend und stolz ihrem Platz neben anderen Bäumen, und wartete darauf, gesehen und bemerkt zu werden. Bis weit ins Geäst hinauf hatte sie an der Wetterseite Moos angesetzt. Als er staunend an ihr emporblickte, erschien sie ihm mit ihrem Blattwerk, wie ein prächtiger, gotischer Dom, dessen Vielfalt nicht zu fassen war. In stiller Bewunderung begann der Wanderer mit der Buche Freundschaft zu schließen und wünschte sich, dass die Buche verstehe, warum er sie nie mehr vergessen würde.

Eine gute Wegstrecke weiter rief der Mann überrascht aus: „Ein Wunder!“ Ein schöner Strauch in herbstlichen Farben hatte seine Aufmerksamkeit gefesselt. Fragt aber bitte den Mann nicht, zu welcher Art dieser Strauch zählte. Er könnte diese Frage gar nicht beantworten. Ihn faszinierte etwas ganz anderes, denn die Blätter des Strauches waren mit unzähligen Tautropfen geschmückt, die wie Perlen im Sonnenlicht glänzten. Es war eben kein gewöhnlicher, sondern ein kostbarer Strauch. Nun war der Wanderer auf weitere Überraschungen eingestellt:

Er geriet erneut ins Staunen und blieb unwillkürlich stehen. Stellt Euch die untergehende, goldene Herbstsonne, mit ihrem milden, und doch so kräftigen Licht vor. Ihr ging der Mann entgegen. Nun just, in diesem Augenblick, schenkt sie dem Wanderer ein besonderes Erlebnis: Sie blinzelte ihm verstohlen durch die Blätter einer Buche zu. Das verwirrte seine Sinne, denn er konnte nicht mehr genau unterscheiden, ob die Sonne, schwabberte oder ob die Blätter der Buche, die sich leicht im Winde drehten, diesen Eindruck hervorriefen. Wer hätte gedacht, dass der Mann dieses Erlebnis vergessen könnte? Aber warum sollte er auch einen so glücklichen Augenblick vorzeitig zu Grabe tragen? Wie ein Lausbub, genoss er nun seine herbstliche Wanderung, und freute sich bei jedem Schritt am Rascheln der trockenen Blätter.

Wie so oft bei Wanderungen um Oppenweiler, kam ihm nun auf seinem Weg die Burg Reichenberg vor Augen. Auf wunderliche Weise schien sie ihm aber wie verwandelt. Sie hatte sich im diesigen Licht der Abendsonne in ein feierliches, moosgrün-goldenes Gewand gehüllt. Diese Erscheinung berührte den Wanderer so, dass ihm der Gedanke völlig fern lag, zu klären, welches Naturgesetz diesen Zauber hervorgerufen haben könnte. Einige Schritte weiter hatte die Burg ihr Gewand wieder gewechselt, und schien nun wie in einen kostbaren goldroten Mantel gekleidet. Nie zuvor hatte er bemerkt, dass sich die Burg wie ein Chamäleon verwandeln konnte. Als der Wanderer dann in die Ebene hinab stieg, und der Reichenberg wieder seine Aufmerksamkeit beanspruchte, war er ein wenig enttäuscht. Die Burg hatte all ihre Farbenpracht abgelegt und stand, wie seit alten Zeiten, den Wanderern in ihrem bräunlichen Gewand als Wächter und Begleiter zur Seite.

Naturkunst

Homo ludens

Mein Herz wirft Dir die Bälle zu
wir spielen fröhlich blinde Kuh
backen Kuchen aus dem Sand
formen sie zu einem Band

Ein Wort ein Lied ein Blick
homo ludens schaut zurück
Liebe und Vergänglichkeit
treiben auf dem Floß der Zeit

Memoria reicht uns die Hand
Lust und Fantasie im neuen Spiel
schreiben Geschichten in den Strand
gelöscht von Gischt und Wellenspiel

Im Kelche unsrer Endlichkeit
mischen sich trunken Freud und Leid
doch helles Licht besiegt das Grab
vergoldet diesen jungen Tag

Bewegt in der Gezeiten Boot
befreit entbunden von der Not
im Blick auf das gelobte Land
reicht Bruder ludens Dir die Hand

Glauben Verstehen und Vertrauen

Maranatha

Liebe Leser, Freunde, Frauen und Männer,

ich musste einige Zeit warten, bis mir heute – und dazu in der Badewanne – klar wurde, wonach es mich drängte:

Unsere drei Fichten, die immer grünen, haben sich in der Dunkelheit schon schlafen gelegt. Ich zündete vor wenigen Minuten eine Kerze an und stellte sie auf die Fensterbank. Fleißigen Bienen verdanken wir das Wachs, und meiner Frau, die Zimtsterne und den Nikolaus, auf die unsere Familie und die Enkel sicher schon warten. So ähnlich könnte es auch bei Ihnen zugehen.
In meiner Badewanne seid Ihr mir soeben alle nach einander in den Sinn gekommen. Ich freute mich über die Gedanken und inneren Bilder, die mich mit Euch verbinden und ließ sie von Person zu Person wandern. Ihr habt im rückliegenden Jahr meine Texte freundlich aufgenommen, und mir dadurch viel geschenkt. Alles ist im Grunde ja immer ein Geben und Nehmen. Dafür ein „Vergelt´s-Gott“. Zum Advent sind mir einige Sätze eingefallen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

In den Wochen vor dem Weihnachtsfest spüren wir in ruhigen Stunden besonders unsere tiefe Sehnsucht nach Liebe und Erfüllung, letztlich bis über das Ende der Zeiten hinaus. Zugleich hat uns der Herr aber nachdrücklich an unsere Aufgaben in dieser Welt erinnert, und uns fest zugesagt, allezeit bei uns zu sein. Auf diese Zusage sollten wir vertrauensvoll bauen. Der Apostel Paulus hat seine Hörer gelegentlich als Heilige angesprochen. Vielleicht möchte er uns damit auch heute sagen, dass wir kein Produkt des Zufalls, sondern Gesegnete unseres Schöpfers, des geliebten Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes sind, und ER in SEINEN Werken und in uns wirken und wohnen möchte. Mit Leib und Seele Tempel Gottes zu sein, das ist ja unsere wahre Würde. Ich verneige mich daher dankbar vor dem Schöpfer des Alls und vor Euch, SEINEN Söhnen und Töchtern. Lassen wir uns daher in diesem Advent wieder neu von SEINER Barmherzigkeit und Liebe treffen, und zu allem Guten ermutigen.
Reichen wir uns darüber hinaus, in dieser unruhigen Zeit gegenseitig die Hand, und öffnen wir unseren manchmal engen Kreis, zu einem umfassenden „Adventskranz“ an dem man erkennen kann, wie es ist, wenn Schwestern und Brüder in Eintracht und Frieden mit einander leben. Euch „Pirminer“ möchte ich besonders grüßen und uns daran erinnern, dass wir einst in Sasbach, am „Seil der Freundchaft“ begannen, mit einander dem Herrn entgegen zu gehen. Im „ora et labora“ wandere ich mit Euch weiter und beschließe hoffentlich noch manche Tage mit dem Abendsegen.

Es war ein gewagter Sprung von der „Badewanne“ zu all dem was ich Euch sagen wollte. Die Kerze auf der Fensterbank gibt immer noch einen milden Schein, und befindet sich in Gesellschaft eines Engels, der mir geschenkt wurde, und eines nachdenklich auf einem Stein sitzend lesenden Mannes, den ich in Sasbach aus Ton formte und brannte.
Euch, und all Euren Lieben, wünschen wir in diesem Sinne einen frohen und gesegneten Advent.
Eure Iris und Franz aus Oppenweiler.

Maria mit dem Kinde lieb uns allen Deinen Segen gib.

Mein Gott

Mein Gott

Wir brennen und
verbrennen nicht
in uns ist Nacht
DU bist das Licht
wir sterben und
vergehen nicht

Herr wir suchen Dich

Wir sehen und
wir sehen nicht
wir hören und
wir hören nicht
wir tasten und
wir fassen nicht

Herr zeige Dein Gesicht

DU bist uns vertraut
gut was Du erbaut
der Lebensgarten wohl
gehegt Dein Bild in
unser Herz gelegt
Herr schön bist DU

Die Auferstehung der ewigen Liebe.

Im Advent

Oppenweiler wirkt noch sehr verschlafen. Nur von weit, und gedämpft, ist ein vorbeifahrender Zug zu hören. Die Dunkelheit gibt das ruhige Licht einiger Straßenlaternen frei. Der Blick gleitet hinüber zum Pflegeheim Steigacker. Dort und in wenigen anderen Häusern der näheren Umgebung, leuchten Fenster. Es scheint, als ob andere Menschen schon wach sind. Die Lichter erzählen uns aber nicht, was im Altenheim und in den Häusern wirklich geschieht. Wir können nur vermuten, dass dort Menschen einander begegnen. In der äußeren Dunkelheit sind sie nicht zu sehen. Sie bleiben für uns anonym. Ist das alles? Wie nahe liegt da die Reaktion, uns auch in eine innere Dunkelheit zurück zu ziehen? In dieser inneren Anonymität blieben uns und anderen Menschen Beziehungswünsche verborgen. Wir könnten uns dann beruhigen mit Vorstellungen wie: »Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß! «, oder: »Was kümmern uns die anderen? Wir können ja eh nichts ändern! «. In dieser Situation wäre es aber auch möglich, Pascal folgend, zu sagen: »Das Herz hat seine Gründe, die der Verstand nicht kennt«, und uns über die bestehenden und selbstgefertigten Schranken hinweg setzen, mit den unsichtbaren Menschen in der Fantasie in Beziehung treten und uns fragen, wie es den Alten, die sich nicht mehr selbst versorgen können, in dieser Nacht ergangen ist? Ob sie friedlich schlafen konnten, oder von Angst und Schmerzen gepeinigt wurden? Wir könnten auch fragen, wie die Schwestern und Pfleger die Nacht verbrachten; ob ihr Dienst anstrengend war, der Arzt zu einem Notfall gerufen werden musste, oder ob sie sich gerade jetzt noch um pflegebedürftige Menschen kümmern, und was die Alten und ihre Helfer vom neuen Tag erwarten? Die Fähigkeit, mit den Augen des Herzens zu sehen, würde uns, wie mit einem Nachtsichtgerät, erlauben, auch in der Dunkelheit zu sehen. Die Vorstellung, dass dort im Altenheim, Tag und Nacht Menschen für einander da sind, einander begegnen, auch wenn wir sie nicht sehen, scheint gar nicht so realitätsfern zu sein. Sie könnte uns aber helfen, die innere und äußere Anonymität aufzubrechen, und mit anderen Menschen in Beziehung zu bleiben, auch wenn wir sie nicht sehen.

Wie von Zauberhand angeknipst, leuchten in der näheren Umgebung immer mehr Fenster. In Oppenweiler scheint sich Leben zu regen: Berufstätige Menschen bereiten sich auf die Fahrt zu ihren Arbeitsplätzen in der Region vor. Sie reihen sich in die endlose Schlange der Autos ein, die sich mitten durch unseren Ort quält. Andere Menschen eilen, in sich gekehrt, zu den Haltestellen von Bus und Bahn. Mütter versorgen ihre Kinder, um sie danach in den Kindergarten zu bringen. Schüler eilen auf die letzte Minute zum Zug.
Alle Menschen, Groß und Klein, nicht nur im Altenheim, sind eingebunden in jeweilige Lebenszusammenhänge. Sie profitieren, wie selbstverständlich von anderen Personen, manche, als gebe es einen Rechtsanspruch auf eine reibungslos funktionierende Vollversorgung, durch Menschen, die anonym, im Hintergrund, Tag und Nacht ihr Überleben sichern. Meistens bemerken sie erst dann, ihre Abhängigkeit, wenn eines oder mehrere Glieder der Versorgungskette ausfallen: Wird die Mutter krank, der Vater arbeitslos, dann trifft das unmittelbar die ganze Familie. Fallen Züge aus, sind Kindergärten geschlossen, streikt die Müllabfuhr, fällt der Strom aus, dann ist es oft sehr schwierig, geeignete Ersatzlösungen zu finden. Streiken Arbeiter oder Heilberufler, verunsichern Entscheidungen der Banken und Politiker die Bürger, dann können Auswirkungen davon, viele Menschen treffen. Bedrohen destruktive Kräfte die öffentliche Sicherheit, gefährden wirtschaftliche Veränderungen die Arbeitsplätze oder erschüttern Katastrophen unser Sicherheitsbedürfnis, dann erst begreifen wir, wie sehr wir auf einander angewiesen sind. Könnte es sein, dass wir uns in unserer Gesellschaft so sehr an die Vorstellung gewöhnt haben, dass andere Menschen für unsere persönliche Sicherheit und unser Wohlergehen verantwortlich wären, sodass Eigeninitiative sich erübrigte, und wir uns durch Flucht in die Anonymität davor schützen könnten, unsere stillen Helfer wahrzunehmen und ihnen danken zu müssen.

Gibt es andererseits im vor uns liegende Advent, einer Zeit der Umkehr, in der Barrieren abgebaut und krumme Wege gerade gerichtet werden sollten, nicht genügend Anlass, ab und zu an jene Menschen zu denken, die ohne dass wir sie sehen, beständig um unser Wohl und Wehe besorgt sind? Vielleicht kostete es keinen unüberwindlichen Aufwand, die oft beklagte Anonymität unter uns aufzusprengen, um mit einander ins »Gespräch« zu kommen.
Wünschen wir uns darum gegenseitig jeden Tag ein wenig Ruhe, um uns im geheimnisträchtigen Advent, über die Geschenke so vieler unbekannter Menschen und das Kind zu freuen, das bei uns ankommen will. Die kleine Adventskranz auf der Fensterbank, die gestern billig zu kaufen war, drängt unversehens ins Blickfeld: Sie ist schlicht gestaltet. Nur zwei festlich glänzende kleine Äpfel, eine etwas gewöhnliche, rote Schleife, und eine Kerze, schmücken die zum Kranz gebundenen Tannenzweige. Wir nehmen uns Zeit, für unsere Beziehungen zu einander, sehr viel Zeit, um auch den kleinen Adventskranz auf uns wirken zu lassen. Plötzlich geschieht ein Wunder: Unser Adventskranz erstrahlt im Licht der Kerze, als ob wir mit einander Freundschaft geschlossen hätten. Ist es ein weiters Wunder oder eine Täuschung? Wir sehen den Kranz auf einmal doppelt, denn die Adventskerze hat sich in der Fensterscheibe ein Spiegelbild geschaffen, als wollte er seine Anonymität durchbrechen. Ob aber auch die geschäftigen Menschen die Botschaft hören, dass ihr »anonymer Dienst« gesehen, bemerkt und anerkannt wird, ist die Frage, die sich jetzt stellt.

Wenn in den Tagen vor dem Fest, alles von hektischer Geschäftigkeit strotzt, Männer, Frauen und Kinder, sich in schier endlosen Schlangen durch die Einkaufszonen der Städte drängen, sich in überfüllten Kaufhäusern an einander vorbei bewegen, eingelullt von »Stille Nacht…, und O du Fröhliche…«, auf der Jagd nach all dem Nötigen und Unnötigen, kann da Ruhe, Besinnlichkeit, Begegnung und Erwartung auf die Ankunft des Herrn geschehen? Schaut uns aus diesem »Spiegel« nicht der reine Konsument, ein Zerrbild unserer selbst an? Und wir könnten weiter fragen, ob diese schreckliche Anonymität auch andere Lebensbereiche beherrscht und wie wir dennoch mit anderen Menschen in Beziehung bleiben können? Die Verkäuferin, Mutter schulpflichtiger Kinder, hält uns entgegen: Ich bange um meinen Arbeitsplatz und stelle mich schweren Herzens dem zunehmenden Leistungsdruck. Advent, was ist das schon für mich? Die Hektik nimmt zu, je näher das Fest kommt. Auch an Wochenenden müssen die Verkaufszahlen stimmen. Das Verkommen der Weihnachtslieder zu einer Beschallung, die Kauflaune wecken soll, geht mir längst auf die Nerven. In den wenigen freien Stunden versuche ich auch Erwartungen der Familie zu erfüllen. Ich backe unermüdlich Plätzchen, die in Nachtschichten entstehen, aber auf geheimnisvolle Weise, längst vor dem Fest wieder verschwinden. Plätzchen schmecken bekanntlich vor dem Fest am besten. Ein Kreislauf, der die Erwartung, allen eine gute Mutter sein zu können, jedes Jahr aufs Neue enttäuscht. Natürlich weiß ich um den Segen der Ruhe und kenne die Weihnachtsbotschaft vom Kind in der Krippe. Ich erlebe aber all die gut gemeinten Einladungen und Angebote, mich einzustimmen, und einzubringen, wie eine kaum mehr zumutbare Belastung. Wenn ich dann erschöpft in der Kirchenbank ausruhe, während einer längeren Predigt den Kopf senke, einnicke, und dann, zur Aufmunterung einen Rippenstoß meines Gatten bekomme, kann ich diese Berührung keineswegs als Ausdruck wohlwollenden Verstehens begreifen. Ein erfahrener Mann in leitender Stellung, sagt uns: Die Geschichte mit Advent und Weihnachten kenne ich sehr gut. Ich kann aber das Gedudel der Weihnachtslieder in den Städten und Kaufhäusern nicht mehr aushalten und höre gar nicht mehr hin. Ich meide diesen Umtrieb und spreche, in der Erwartung, es interessiere andere Menschen nicht, auch nicht gern über meine vielen Aufgaben gegen Ende des Jahres, von zunehmender Konkurrenz im Management und der schmerzlichen Rivalität unter Kollegen. Pflichtbewusst absolviere ich die verschiedenen Weihnachtsfeiern im Betrieb, in Vereinen, der Politik und sozialen Einrichtungen. Die Nerven sind zum Platzen gespannt und manchmal entlädt sich der angestaute Ärger, im einzigen angstfreien Raum, der Familie, zur Unzeit, an Kleinigkeiten. Ruhe, Besinnung auf das Fest, Erwartung des Kindes in der Krippe, ja, er kenne das irgendwie von Kindheit an, aber in seiner Realität, die ihn tagtäglich umgebe, könne er sich keine Sentimentalitäten leisten. Ja, wenn er krank wäre, Zeit hätte, wie ein Rentner, oder gar Pfarrer wäre, der nichts anderes zu tun habe, dann könnte er sich Besinnung erlauben. Ein achtjähriger Knabe freut sich auf den Advent und das kommende Weihnachtsfest. Er berichtet: Die Mutter hat -wie üblich- einen Adventskalender in der Küche aufgehängt. Wie in den vergangenen Jahren, darf er jeden Tag ein Fenster öffnen und das Stück Schokolade dahinter essen. Wenn man ihn dabei hantieren sieht, wird nicht so ganz klar, ob das Öffnen des Türchens oder der Genuss der Schokolade den größeren Reiz auf ihn ausübt. Er scheint bei Einkäufen in der Stadt auch nicht überfordert und ist unentwegt dabei, seiner Mutter Hinweise zu geben, was er sich zu Weihnachten wünscht. Die Tage und Nächte im Advent wollen aber nicht vorbei gehen, als ob sie besonders lange dauerten. Wenn es endlich so weit ist und an Heilig-Abend die ganze Familie das Krippenspiel in der Kirche, und die Weihnachtsgeschichte mit Maria und Josef, den Engeln, Hirten, Ochs und Esel hinter sich gebracht hat, ist zu Hause nur noch das vom Vater verlesene
Weihnachtsevangelium und einmal das Lied »stille Nacht, heilige Nacht« zu überstehen, dann ereicht das Fest seinen »Höhepunkt«: Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern und Verwandten geben ihre vornehme Zurückhaltung auf und packen erwartungsfroh ihre Geschenke aus, nicht wenige, wie die Kinder. In dieser Situation fällt es nicht immer leicht, daran zu denken, wie wenig das Kind in der Krippe braucht, um sich uns zu schenken. Es könnte ja sein, dass wir, wenn wir auf manches Entbehrliche verzichteten, uns weniger vor der Armut des göttlichen Kindes schämen müssten.Ein Pfarrer, so sagt man, hat während der Adventszeit und über die Weihnachtsfesttage viel zu tun. Wir sind gespannt auf seinen Bericht: Er kann sich kaum der vielen Angebote erwehren, an vorweihnachtlichen Feiern bei Jungen, Alten und Kranken teilzunehmen. Nach den Festtagen ist er wieder weniger gefragt. Bei den Gottesdiensten im Jahreskreis ist die Kirche oft fast leer. Er fragt sich besorgt, wie das kommt? Eine schmerzliche Angelegenheit für ihn und die wenigen treuen Christen, auf die er sich verlassen kann. Umso größer ist seine Freude, wenn sich über Weihnachten viele Christen um den Altar versammeln und das Gotteshaus bis auf den letzten Platz füllen.

Wir kehren zurück zu unserem Adventskranz auf der Fensterbank
und der Kerze, die unverdrossen Licht spendet, obwohl die Dunkelheit zu schwinden beginnt, und ein neuer Tag erwacht. Es gibt keinen Grund für Christen, die Augen vor der Realität zu verschließen und sich in eine innere Anonymität zurückzuziehen. ER, der Weg, Wahrheit und Leben ist, ist auch das Licht, das alle Dunkelheit erhellt. ER ist der Fels, das Fundament, IHM können wir »blind« vertrauen. In Freude und Not zünden wir daher als Brüder und Schwestern unsere Kerzen an und dürfen sicher sein, dass »ER, das göttliche Kind«, unsere Armut nicht scheut und in uns Wohnung nimmt.

Ewige Liebe bewahre und tröste und stärke uns

Im Heiligen Geist

Im Heiligen Geist
wollen wir Brücken
bauen

Über die wir
uns zu gehen
trauen

Um miteinander
stets bereit
in

Frieden und
Gerechtigkeit
jedes Ding

Höhen und
Tiefen Not
und Sinn

Anfang und
Wende bis
zum Ende

Zerstörung
und Hassen
zu lassen

Einander
lieben und
vergeben

Das Taufkleid
in der Zeit als
Brücke

Und Segen bis
in Ewigkeit zu
pflegen

Jesusgebet

Herr Jesus Christus, DU bist vor aller Zeit im unzugänglichen Licht und ewigen „Jetzt“ der Herrlichkeit Gottes, der geliebte eingeborene Sohn, Gott von Gott und Licht vom Licht, eines Wesens mit dem Vater und dem Heiligen Geist, als Personen unterschieden im einen dreifaltigen Gott. Alles was es gab, gibt und geben wird, ist im Willen des Vaters durch DICH Herr Jesu erschaffen, und wird durch DICH vollendet. DU, Herr Jesu, bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. DIR, DEINEM und unserem Vater, gehören wir und alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden. DIR, dem Vater und dem Heiligen Geist, verdanken wir alles, was wir sind und haben. In der Taufe hast DU uns der Macht des Bösen entrissen, und zu Kindern, Söhnen und Töchtern Gottes gemacht. DEINE unendliche Liebe im Vater und Heiligen Geist, umfasst alles was Gottes ist, und als Menschensohn alles, was in unserem menschlichen Leben an Grenzen, Leiden Nöten geschieht.

In der heiligen Messe, in den Lesungen und im Evangelium, bist DU mit dem Vater, Sohn und Heiligen Geist das Allerheiligste, der Altar und Mittelpunkt der betenden Gemeinden unter uns, DEINEN Brüdern und Schwestern. DU bist allezeit als Gottes- und Menschensohn in uns, um uns über und unter uns. DU erneuerst DEIN Liebeswerk, nimmst das Himmelsbrot, alles was Gottes ist und unsere Gaben in DEINE ehrwürdigen Hände. DU dankst dem Vater, segnest sie zum Lobpreis, und teilst sie als DEINEN Leib zur Speise für uns alle aus.
Nach dem Mahle nimmst DU den Kelch des neuen Bundes in DEINE Hände, dankst und segnest den Gnadenwein, als das hochheilige Blut DEINES, unseres und aller Geschöpfe Leidens und Sterbens, und reichst ihn allen zur Vergebung der Sünden zum Trank hin.

Diese Mahlgemeinschaft mit DIR, Herr Jesus Christus, dem Vater und dem Heiligen Geist, feiern wir zum Gedächtnis an DEINEN Tod und die Auferstehung, bis DU wieder kommst in Herrlichkeit, um Gericht zu halten über Lebende und Tote. Herr Jesus erbarme DICH unser, und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. DEIN Reich, das nicht von dieser Welt ist komme. Hilf uns in DENER Liebe und in DEINEM Frieden zu bleiben und alles zu teilen, was DEIN und unser ist, damit der Wille des Vaters wie im Himmel, so auf Erden geschehe.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.

Kirchenlied

Wohin soll ich mich wenden
wenn Gram und Schmerz mich
drücken. Wem künd´ ich mein
Entzücken wenn freudig pocht

Mein Herz. Zu DIR zu DIR o
Vater komm ich in Freud und
Leiden. DU sendest ja die Freuden
DU heilest jeden Schmerz.

Ach wenn ich DICH nicht hätte
was wär´ mir Erd und Himmel
ein Bannort jede Stätte ich
selbst in Zufalls Hand.

DU bist´s der meineb Wegen
ein sicheres Ziel verleiht
und Erd und Himmel weihet
zu süßem Heimatland

Doch darf DIR mich nahen
mit mancher Schuld beladen.
Wer auf der Erden Pfaden
ist DEINEN Augen rein

Mit kindlichem Vertrauen
eil ich in Vaters Arme fleh
reuerfüllt erbarme erbarme
o Herr DICH mein

Süß ist Dein Wort erschollen
zu nir ihr Kummervollen.
Zu mir ICH will euch laben
euch nehmen Angst und Not

Heil mir ich bin erquicket
heil mir ich darf entzücket
mit Dank und Preis und Jubel
mich freuen in meinem Gott

Das Kreuz der Erlösung und Hoffnung

Kursfreunde

Liebe Kursfreunde, Pirminer, Altsasbacher und Freunde der Heimschule Lender,
immer wieder erinnerte ich mich gern an die Zeit im Spätberufenensemniar St. Pirmin und in der Heimschule Lender: Der Wahlspruch „Initium sapientiae timor domini“ grüßt jeden Besucher, der sich der Schule nähert auch heute, und erinnert an ihren Gründer Xaver Lender. Die Geschichte unseres Spätberufenenseminars St. Pirmin fand leider mit dem Abriss des Gebäudes ein für uns schmerzliches Ende. Umso bedeutsamer ist es für mich, heute zurück zu schauen, um uns an die Zeit der Vorbereitung auf unser Abitur zu erinnern. Als derzeit ältester Pirminer, ist es für mich eine ehrenwerte Aufgabe, unseren Lehrern und den Menschen der Erzdiöse Freiburg, die uns auf diesem Weg unterstützten, noch einmal zu danken.

Man kann ein Gebäude abreißen, aber nicht den Geist zerstören, der uns in Sasbach zu einer Gemeinschaft formte, der wir unsere beruflichen Wege und die derzeitigen Plätze in Kirche und Gesellschaft verdanken. Sollte es möglich sein, an geeigneter Stelle eine Gedenktafel anzubringen, die an die Spätberufenen erinnert, würde dies sicher auch St. Pirmin ehren. Die Lehrer und Freunde, von denen wir uns verabschieden mussten, treten gewiß mit ihrer Fürbitte um Glauben, Hoffnung und Liebe, in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus für uns ein.

Der Vater Sohn und Heilige Geist möge uns stärken, um SEINEN Beistand allezeit zu bezeugen. Die Heimschule Lender empfehlen wir Pirminer gern, als geeigneten Ort, um junge Menschen auf ein Studium und ihre Aufgaben in Kirche und Welt vorzubereiten.

Geborgen in der Kirche
Geborgen im Glauben Hoffen und Lieben.
Bleibt im Segen und Frieden!
Euer Franz aus Oppenweiler

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Kreuzzeichen

Ein kleines Gefäß mit Weihwasser gefüllt, gehört zu meinen frühesten kindlichen Erfahrungen. Unsere Großmutter ließ es sich nicht nehmen, jeden Abend an mein Bett zu treten, ihre Finger ins geweihte Wasser, zu tauchen, und mich im Namen des Vaters, des Sohnes und Heiligen Geistes zu segnen. Es war mir dabei immer ein wenig feierlich zu Mute. Im Schutze dieser liebevollen Geste konnte ich dann ruhig einschlafen. Ich konnte es kaum erwarten, bis ich mich später wie die Erwachsenen, beim Betreten und Verlassen der Kirche, selbst mit Weihwasser besprengen und bekreuzigen durfte.

Tief beeindruckt haben mich auch die gelegentlichen Krankenbesuche unseres Pfarrers. Ein Beistelltisch wurde weiß eingedeckt, und darauf ein kleines Standkreuz und zwei silberne Kerzenständer mit brennenden weißen Kerzen gestellt. Wenn der Priester sich in Ehrfurcht bekreuzigte und vor dem Allerheiligsten niederkniete, erfüllte mich ein feierlicher Schauer. Zur vertrauten Umgebung gehörte auch das von unserem Großvater selbst geschnitzte, und naturbelassene Kreuz aus Lindenholz, in Gestalt eines Weinstocks an der Wand. Ein Leben lang begleiten uns Christen das Weihwasser und das Kreuz, als Zeichen der Erlösung, des Segens und der Hoffnung, bis über den Tod hinaus. Ist das nicht Grund genug, wieder einmal zu bedenken, was geschieht, wenn wir zum Kreuz aufschauen, und uns selbst oder andere bekreuzigend, den Segen empfangen oder einander spenden?

Ich gehöre noch zu der Generation katholischer Christen, die sich darüber freuen, wenn die Kirchenglocken uns zur Heiligen Messe und kirchlichen Festen einladen, und wir uns im Jahresreigen um den Altar versammeln. Unsere Priester waren sehr geachtet, und wir Kinder begrüßten sie mit einem fröhlichen „Gelobt sei Jesus Christus“. Wir schätzten den Religionsunterricht und unsere Geistlichen, die uns die Bedeutung der Zeichen und Sakramente erklärten, und mit uns die Geheimnisse unseres Glaubens feierten. Ein heiliger Schauer kann uns befallen, wenn wir vom Kreuz berührt, und aus unseren Träumen wachgerüttelt bemerken, wie sehr uns Gott liebt und braucht, um an SEINER Stelle in anderen Menschen Hoffnung und Segen zu erwecken, und dass wir in IHM und durch IHN, ein Zeichen SEINER Gegenwart in unserer Zeit sein sollen. Vielleicht meint es Gott in SEINER zarten Liebe und unendlichen Geduld mit uns sogar gut, wenn ER SEINE alles überragende Majestät vor uns verbirgt, und uns schwache Menschen benutzt, um in den Spielwiesen des Alltags, anderen unseren Glauben so zu bezeugen, dass sie sich vor uns und dem Herrn nicht zu sehr erschrecken müssen. Denn auch wir dürfen fest darauf vertrauen, dass der Herr die Schwächen und Nöte SEINER Zeugen kennt, und auch durch unsere kleinen Gesten das Wunder wahrer Gottesbegegnung bewirken kann.

Die Begegnung mit der überwältigenden Fülle der Liebe des dreifaltigen Herrn, würde uns Kleingläubige doch sicher noch mehr erschrecken, als den mit fester Speise des Glaubens vertrauten Petrus, der beim Hahnenschrei seinen Verrat erkennend, bitterlich weinen musste. Das kraftvolle Kreuzzeichen der Liebe Gottes kann unsere Schuld und verborgenes Chaotisches in uns und um uns aufdecken. Es kann uns aber auch zur Erkenntnis führen, wie unsagbar wir darauf angewiesen sind, die barmherzige Nähe Gottes, und SEINE Vergebung im schlichten Kreuzzeichen immer wieder zu erfahren. Von Geburt bis in den Tod und in die Auferstehung hinein, ist das Kreuzzeichen ein Ausdruck dafür, dass Gott nie aufhört Chaos in Kosmos zu wandeln. Wer, wenn nicht die Heiligste Dreifaltigkeit weiß besser, was für uns alle wirklich umfassend gut ist.

Gottes Fürsorge für das, was er in SEINER unendlichen Güte und Liebe geschaffen hat, und allezeit am Leben erhält, ist wahrlich schon des Dankes wert. Unsere Heiligen sind auf ihre je eigene Weise, wie der Heilige Franziskus, mein Namenspatron, Zeugen der erlösenden Liebe Gottes. Wie nahe durfte dieser Heilige dem dreifaltigen Herrn kommen. Ein Beichtspiegel ist er für uns alle: Sind wir so still, demütig, aufmerksam und offen, dass der alle Geschöpfe durchwaltende Segen göttlicher Liebe auch uns erfüllen, und durch unsere Armut hindurch zu einem wirksamen Zeichen der Liebe werden kann? Hängen wir die Kreuze nie ab und bleiben wir allzeit gesegnet im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Das Kreuz der Erlösung und Hoffnung
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